Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 14 (1885)
- Issue
- N° 8. (19.2.1885)
- Date
- 1885-02-19
- Page
- Seite 32 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 32 — Notizen. 1. In No. 2 d. Bl. theilt Herr Dr. Beck bezüglich der Talmudstelle Schebuoth 35b eine im En Jacob befindlich sein sollende andere Lesart mit, in welcher diesem Satze das Wort □‘,עכו vorgesetzt ist, wodurch erst der betreffende Passus das richtige Verstandniss erlangen soll. Nun finde ich aber in den mir vorliegenden, gewiss korrekten Editionen Venedig 154b und Amsterdam 1740 diese Variante nicht, und lautet die Stelle dort, ganz wie in unserm Talmud. Die Ausgabe, die Hr. Dr. B. vor sich hatte, wurde von ihm nicht angegeben, das Wort □"עכו daselbst durfte aber jedenfalls nur ein Druckfehler sein. 2. Bezüglich des jüdisch - deutschen Wortes ״bimelech“ bemerkt Herr Dr. Caro in der No. ds. Bl. dass es das deutsche ״mählich“״ allmählich sei, welchem die hebräische Präposition ב vorgesetzt ist. Dagegen muss jedoch eingewendet werden, dass ein deutsches Wort mit einem hebräischen Präfix ein Curiosum wäre, welches im ganzen jüdisch-deutschen Sprachschätze vergeblich seines Gleichen suchen würde. Sonder Zweifel stammt es aber aus dem Slavischen und wurde bei den böhmischen Juden dafür ״bemalech“ gesagt. Es ist dies das im Biihmischen so wie im Polnischen gebräuchliche ״pomalo“, welches ebenfalls wie im jüdisch-deutschen langsam bedeutet. Ist doch dasselbe mit dem ebenfalls missverstandenen ״nebbich“, einem Ausdruck des Mitleids, der Fall, welches auch aus dem böhmischen uebohg und dem polnischen niebogg, armselig, elend, entstanden ist. S. Hock-Prag. 3. Herr liabb. Caro sagt im L.-Bl. No. b: Interessant ist die Vergleichung des Wortes (דבלה) mit. Plinius 13, 4. 7 § 34 wo dabla eine Palmenart mit sehr gutschmeckenden Früchten bedeutet. Dem ist nicht so; denn דבלה bedeutet gerade das Gegentlieil. Dieses Wort bezeichnet den Feigenkuchen. Man pflegte die Feige zu trocknen und in kuchenartige Massen zu formen, daher נבל דבל welkend. Hos. 1,3 wird das von Gott, abgewichene Israel eine Buhlerin genannt, symbolisch mit dem Namen □נמל .גמל בת דבל ist eine feile Dirne an der Jedermann seine Lust befriedigt,,שהכל נומרי] בד (Pesaehim 87; □ל— דבלי doppelter Feigenkuclieu, d. h, die Mutter dieser Buhlerin, ist nunmehr eine abgelebte, verdorrte Unzüchtige. דבלה hat nämlich im Plural die Masknlinform (1 Sam. 25. 1 dir. 12.) Die Dualform finden wir auch bei einer Stadt in Moab 4) ךבלתים M. 33,4b. Jer. 48,22) berühmt wegen ihrer Peigenkucheu. Die Feigenkuchon bestanden nämlich gewöhnlieh aus Doppelkuchen. (Vgl. meine Botanik des Talmud.) Kabh. Dr. M. Duschak. 4. Exegetisches. Die stelle Num.8,2: אל מול פני המנורה bedarf um so mehr der Erklärung, als alle Uebersetzungen, von den LXX, und Targumim bis auf Luther, Zunz, Herxheimer, ״Angesicht, Vorderseite, vorwärts“ übertragen, während doch Talmud (Menach. 38,(j) und auch Raschi richtig angeben, dass die Flammen der Lichter dem Innern, dem aut dem Schafte des Leuchters befindlichen Lichte, zugewandt waren (כלפי נר אמצעי שעל גוף המנורה.) Nur Targum Jeruschalmi übersetzt und erläutert richtig: Drei Lichter leuchteten nach westlicher und drei nach östlicher Richtung und das siebente in der Mitte, Die ״Vorderseite“ der Uebersetzer giebt also liier das Umgekehrte der Anordnung wieder und würde sagen, dass die Lichter nach aussen gewandt waren. — Es liegt hier dem lrrtlmm der Liebersetzer eine Verwechselung von ״ פניםAntlitz, Vorderseite“ und ״ פניםInnenseite“ vor. Die Bedeutung dieser Anordnung ist symbolisch. Das Licht ist Symbol der Religion, der Leuchter als 'Präger dos Lichts stellt, symbolisch Israel dar. Das Licht soll dem Leuchter zugewandt sein, dies soll heissen: Die Roligion soll zunächst zur Erleuchtung Israels dienen. Israels Aufgäbe ist nicht, im proselvtischen Uebereit'er zudringlich und gewaltsam das Licht der Religion nach Aussen zu den Anderen zu tragen; die Strahlen des Lichts dringen von selbst dahin, wenn es an sich hell leuchtet. Das Religionslicht wirft von selbst seine Strahlen nach Ansson zu den anderen Völkern, 90 nur erst Israel, der Träger dieses Lichts, davon erleuchtet ist. R. -A. 5. Hieran reihen wir die Erklärung von לחם הפנים (Exod. 25,30). Gewöhnlich wird dieser Ausdruck mit ״Schaubrod“ übersetzt; derselbe hat weder sprachlich noch sachlich einen rechten Sinn. ״ פניםAngesicht“ wird wie das deutsche .,Gesicht“ im passiven Sinne als ״Erscheinung“, das, was gesehen wird, aufgefasst; also Schaubrod gleich angeschautes Brod, Brod zum Anschauen. Diese Bedeutung hat das hebräische Wort פלס nicht, sondern pin, Welchen Zweck soll aber auch das zum Anschauen bestimmte Brod haben V Ausserdem ■wurde das Brod ja nicht nur angeschaut, sondern auch gegessen. — פנים wird hier vielmehr als Ausdruck des persönlichen Daseins für! ״Person“ gebraucht, wie נפש; also פני wie נפשי für ״ich“. 80) פני ילכו und פניך הולכים (Exod. 33,14.15) für ״ich“, ״du״ eigentlich ״m6ine, deine (göttliche) Person“. פנים ist verhüll6nde Umschreibung der göttlichen Persönlichkeit, wie ש כי נד" כבוד und Bezeichnung für Gott selbst לחם הפנים heisst demnach ״Brod Gottes“, um symbolisch anzudauten, dass das Brod, die leibliche Nahrung, von Gott kommt, wie die geistige Erleuchtung, deren Svmbol das dem Brode gegenüberstehende Licht (מנורה) ist: ,beides sind Offenbarungen seiner Macht und Gnade. פנים hat also den Sinn einer tatsächlichen Gottesoftenbarung. R. -A. 8. In No. 5 führt Herr C. einige im ״Jad hachasaka“ dem Wortlaute nach ungenau citirte Bibelverse als ״Errata des Maimonides“ an, die aber wahrscheinlich erst später — wie die I Redaction richtig bemerkt — corrumpirt worden; aber eine Stelle, auf die Maimuni in der That ״irrthümlich“ als in der heil. Schrift befindlich hinweist, ist von C. übergangen. In Hiichot Mathnoth Anijim 10,3 heisst es: הקב״ה קרוב לשועת עניי□ שני שועת עניים תשמע. Bekanntlich befindet sich die erwähnte Stelle im Gebetstücke נשמח dos sephardischen Ritus. 7. Was C.’s Bemerkung zu Graetz VH. p. 108 Anmerk, betrifft, bemerke ich, dass in Russisch-Polen heute noch Juden und Christen, eine Thorarolle ״rodali“ nennen, 8. Bezüglich der Bemerkung zu Elia Levitas Tisehbi in No. 6 über den Ursprung des משקוט als Bezeichnung für die kleine hebräische Schrift constatire ich, dass am Rande meines Tischbi-Exemplars schon längst von mir angemerkt ist. dass שקום im Talmud ״untersetzte Gestalt“ bedeute (Bechoroth 43a, Nedarim Göb) und später mit der Vorsilbe מ zur Bezeichnung | der ״kleinen“ Schrift entlehnt worden ist | Tamow. Salomoii Spinn er. 9. Unter den Ruinen Palmyra’s fand der Professor Julius Euting aus Strassburg auch die Reste eines alten jüdischen , Tempels, an denen Alle vor ihm vorübergegangen waren 1 mit einer für die Geschichte der hebräischen Schrift höchs L. merkwürdigen Inschrift. Jene Reste, an sich gering genug, un Ri unachtsameren Augen zu entgehen, bestehen aus zwei Pfeilern" mit ein paar kaum leserlichen Worten und der Oberschwelle, auf welcher in schöner Quadratschrift, die auf die ersten Jahrhunderte unserer Zeitrechnung weist, das bek. ״Schema Israel“! (5. Mosis t>, 4—9) eingegraben ist. Ueber die Bedeutung dieses Fundes und speciell der Inschrift, in der uns die ältesten bis jetzt bekannten Formen der hebräischen Schrift erhalten sind,, hat Bibliothekar Dr. Landauer in Strassburg bereits in den . Sitzungsberichten der Berliner Akademie vom 31. Juli 1884 gehandelt und auf zwei Tafeln die ganze Inschrift in verkleinertem Massstabe, sowie den Abklatsch des besterlialtenen Theils derselben in Originalgrösse photolithograpliisch wiedergegeben. In Sidon sind jüngst phönizische Altevtbümer gefunden und nach Paris geschickt worden. (Hazewi). 10. leb besitze einen ,שטר כתובה vom Jahre 5408, Quadratschrift aut Pergament, ausgefertigt כעיר הלסא nach deutscher Norm. Zwischen den Worten למקניא ביה und □הבל שריר וקי stehen in Currentschrift die .Worte: * דנדוניא על הגיד י למקניא ביני חיטיף Wer weiss über diese räthselhafte Parenthese und über die Stadt הרם א näheren ״Aufschluss“ zu geben? - Cohen-Rees a. Rh. *) ctr. Ketuboth p. G9a. (Red.) Trauungs-Formulare hebräisch und deutsch (Uebersetzung von Rabbiner Dr. Rahm er) sind wieder vorräthig. 5 Exemplare für 1 Merk, 12 Exemplare für 2 Mark, 20 Exemplare 3 Mark versendet franco gegen baar Die Expedition. Ed. von Hartmann und seine Judenfreundschaft versenden wir an die Leser dieses Blattes, die sich die Ver• breitung der Broschüre angelegen sein lassen wollen, das Exemplar gegenEinsendi mg von 30 Pfennig; iä Exemplare für 3 Mark. Soeben eijdpen: ששון ויקר 9ielißiöf e bei freubigeu ftamilienercigni jjeu ״ebft einem '}luljnugo Bon ■®encbict .fjanfe. 31ueite mit 9 )Heben utib 2 Toaften oertncljvte Sluflnge 3)rcid 2». *. — Wegen (Sinjenbung oon SK. 2 — erfolgt ginufojufcnbung. ftranffurt a. SM. [1G3G J Ka uftmann. Verantwortlicher Re'dacteur Dr Rahmer, Magdeburg. Druck von D. L. Woltf, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig.