Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 14 (1885)
- Issue
- N° 7. (12.2.1885)
- Date
- 1885-02-12
- Page
- Seite 27 (sequence 3)
- Language
- German
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— 27 — Grammatik der chaldäischen Sprache bearbeitet, ist j kein litterarischea Dutzeudwerk, der Verf. geht seine ׳ eigenen Wege, oft weitab von der ausgetretenen! Heerstrasse plusquampertecter Gelehrsamkeit. Vermögen wir dem Verf. auch nicht anf allen seinen ] Wegen zn folgen, erscheinen nns auch manche seiner I Ansichten allzngewagt und unzutreffend—so müssen wir doch selbst diese als zumeist anziehend und anregend bezeichnen; und daher wenden wir denjenigen Irrthiimem gegenüber, deren wir nicht in gleich lobender Weise gedenken künuen — dieselben einzeln zu besprechen würde nns zu weit lüliren — aut die Ohrestomathie das Wort Oliver Goldsmith’s ans der Vorrede zum Landprediger an: ,Ein Buch kann uns trotz zahlreicher Fehler vergnügen“. Damit soll . übrigens durchaus nicht gesagt sein, dass die Ohre- \ stomathie so zahlreiche Fehler enthalt, wie sie einige j Kri'iker der erwähnten Grammatik-Ausgabe des Verf. zngt schrieben. Die Widerlegung jener Kritiker in der Vorrede der Chrestomathie ist besonders interessant und fast durchweg zntrellend : ihre ruhige und sachliche Haltung hebt sich von!lern herben und schneidigen Tone der Kritiker überaus wohlj thuend ab. Die Herbigkeit und die Kleinigkeitskrämerei in der modernen Kritik, wie sie in Nachalmiung ״berühmter Muster“ auch jüdischerseits bin und wieder zu Tage treten, können wir nur beklagen: sie verletzen die hehre Würde der Wissenschaft, erwecken Argwohn, als ob sie Kundgebungen einer sich unfehlbar dünkenden ״kritischen Kamarnderie8 seien, und bleiben wirkungslos. Oder auch nicht, d. h. sie erregen oft eine Stimmung, di»* dem Ernst der Wissenschaft, wenig entspricht. So kann sich z. B. kritische Mikrologie über Druckfehler gewaltig ereifern, dieselben als klassische Zeugen der Schülerhatten Unwissenheit des Autors vortiihren, während ihr selbst, der sich ereifernden, ebenso - etwas Menschliebepassirt. wie der Verf. in der Vorteile zeigt.!Stets sollte doch jeder Kritiker bedenken, wie Druckfehler die Moskitos sind, die alle Autoren, den einen freilich in grösserer, den andern in kleinerer Zahl, umschwirren und wie der Druckfehlerteufel zuweilen viel Garstiges vollbringt: dass er einen So p 11 nk I es in einen S ס p 11 a k I e c k s. ein Postament in ein l’ost.mit jählings tuiiwandeln könne, ist keineswegs sagenhaft, ist erweislich.) Ks kann »ho kritischen Mikrologie. aber auch noch Unangenehmeres widerfahren: sie kann oh ihrer h״is-en L1-i»h-nschnl(- für unwesentlich•• Ding!•/. B. auch Notiz.11 in einem sogen wissenschaftlichen Blatte, die Fürst 111 seinem hehr., und chald Wörterbuch hei 1-itv or'.'ti .1 a h r »• u gehracht als Nova betrachten mul zu den! nicht, mehr ganz i.euen Witz bezüglich abermaliger Kar - mizwali- Feier Anlass gehen: sie kann oh ihrem allzu feurigen Blick auf einen ihr 1uissliehig1׳u Autor mit sich soll!-! in Widerspruch gcrathen: sie kann z B. ilicsein Autor einm ..Traum׳‘ von der Verwandtschaft■ des Aramäischen mit. dem Sanskrit vorwerten, wahrend sie einen anderen Autor — >nag derselbe Victor Kyssel heissen als sehr besonnenen Forscher preist, obgleich derselbe in dem Schlusswort des her.-its 1 -Ttsvon ihm 111*11 hearheiteten «jtt Fürst’seh<*n Hand- Wörterbuchs in Ueherei11stimt:|ung mit Gen t'ap 11 schreibt : ..Dass!*in enger Zusammenhang zwischeu dm 1'rl.c'tnndtheilen der semitischen und indog,:r-!uaui'chcu Sprachen vorhanden ist, muss als gesichert ungesehen We1d׳*n. und das sorgfältig•* und sprachlich ge-ich* rt e Material, welch»- Friedrich Delitsch in seinen Studien ul״■!• indogermanisch - -»׳mit isidnj Wurzelvei waielt-eliatt zu-amniengi-tellt hat. wird atu-11 ihancle-ii hidahin Zweifelnden zur l'eberzeiigung gchra* 11t!iahen Sii herlieh wird -ich h,׳i foitgcsetzten Forschungen ein noch viel reicheres Material ergeben.־‘ Um Forschungsergebnisse als nicht beifallswerth hinzustellen, dazu taugen wahrlich am wenigsten höhnende und dröhnende Keulen Worte: Autoren und Leser werden allgemach an das entsetzliche Wortgerassel gewöhnt, nnd zuletzt wirkt es ähnlich den Kolophnniumblitzen auf der Bühne — — Wir bitten wegen der Digression um Entschuldignng; wir konnten nicht umhin, die uns widerwärtige Eigenart einer gewissen Kritik endlich einmal ein wenig zu kennzeichnen. Und nun zur Clirestotust hie zurück! Dieselbe können wir christlichen Theologen, welche (dem Talmud im Original!»*seit und verstehen lernen milchten, sowie jüdischen Theologen, welche sich mit den philologischen und verwandten Momenten des Talnindshesser vertraut nmclien wollen, nurangelegentlichst empfehlen. Die bisher erschienenen talmudischeu Lehrbücher berücksichtigen zumeist nie sprachliche Seit»! des Talmuds, nnd zwar an fast ausschliesslich «gallischen Stoffen Erwägt, man aber mit dem Verfasser. «lass die Agada kaum den zwanzigsten Theil des Talmuds ausmaelit. »lass sie im -trengen Sinn•» des Wortes gar nieht Talmud zu nennen ist. dass ferner die gro.-se Schwierigkeit, der Talmudstudieu weniger in »1er philologischen Lösung als in der Erörterung des Gedankens, in der M»-tho<lu und in der Polemik liegt,: so muss man zugeben, »lass für »len eigentlichen Talmud un»l für diejenigen S!*it»*u desselben, »lie »1er anleiteuden Lehre am meisten bedürfen, bisher noch kein einziges Lehrlmch vorhanden war — I eine Lücke, die durch vorli«*gen»lo Arbeit auszufüllen »ler Verf. sieh redlich un»l erfolgreich bemüht hat. Was wir an »lein Buche namentlich auszusetzen haben, ist das stellenweis ungewöhnliche Deutsch. Diesebefremdet uns um so mehr, als »lie l'lirestomathie selbst oft »len B׳*w»*is liefert, dass »ler Veit sehr ״»*»liegen, ja geradezu mustergültig »!»■utscb schreiben kann Wir wissen wohl, dass maueher nugewöhnliche Ansdnn k in Oorr<*cturversehen,!«.,.m.-luT in »lern Bemüh»׳!! »hs Verfa-sers, das talmuilisclie Wort, aut »las genaueste uu»l sidiärtste wiederzugeben, »»in ainhuvr in »l'-m Streben nach •l׳*r oft. notbwoteligti! Kürz»• 1111 I Prägnanz .-»•inen Knlstehungsgiuinl hat; »lass in einer 1 almu׳li'1׳ie,1» Ulirestoniathi»! <l*r zuweilen uuseli»!!!e deut.-ch»'Ge<la!1k»*ua׳׳-!׳lruck von -ehr mit»•!'־ geordie■!»•!• B»><lent1111g i-t; »la-s ein Th»*il 1111• ■••rer »leutseheii ׳sogar ..gennani -cle 11" Kritik»•!• mel Itoman- .'»•ln itt-ielli r. wie schon so »»ft »larg»’t lian »li»• sprn<hlichen Sinai» 1» 1l>1G1-ge11wa1׳t t»<n un׳l f1'1״ Vi rmehrl, »•in amlerer Tln-il an »1111 Gegensatz »l••!־ geilachten Gulilstiiitli’silieh B»׳hau]»t ung, mt»;11 welch••!!! ••in Buch tbezw. ••ine Kritik! aui'li »ihn«• ein»• » iiizig»• Abgeschmackt ladt sehr langw»il1!1 kann, lebhaft •■rinuert. (»!»•ichwob! aber dürften Wort g,•bilde wie ,,Iiiveilustgerathung‘• fS. 1 ,.11• v»-1■wahruiig-gebcr* 'S J'i , Wortgefüge wie ..»he!!»׳cli.-ehatzniig M»11<l»-is-<»l1n’s »ler »!»•utsclien Sprache” S _׳J!l und amlir»• lapsukeintMii Littei'atiirwerke woldau-teheu. Das alt•: Dictum: 111 verbis simus faeiles! »larf nach unserem Dafürhalt■•!! nicht oh!!•» Einschränkung betolgt. werden. In »•in»•!•, liolliuitlii li bahl nötliig \v•••rיl•■1יוl••!ו neuen Ailllag»• moeliteii -.vir be-oieb-rs der a11g»-t»)cl1t• 11»׳u Diitioii. -״wie inaucheu Drn־׳kf>d1bT11 in talmudi-cli• n Wört••!■!! liieht wi»־»l»׳r h.-g.-giiei) Mangel -iial 11•! •*i!1 ein »•r.'teii Versuch -<» aii --!■r־1 ״ •I 1111 ie h e r und -o - < 11 w i »■ r i ger Natur alh-r׳li11gkaum z»! v»-t־u1»-i»|.11־: ui1;ht'11—t»1w»nige1• wir»! «li•• t.'hr—t״- mathie au» 11 in »h-r g»־ge!1wartig••!!, »• r.-1*•11 Bearbeitung sieh . 1 ••»1-m al- «••hr hutz!i»h » i'wi i-eii, •I■•!־ -i•• im' L'i-t »m l Au-»la»1»-r dur»-h-t»1׳lirt, die An-iehi.-u .(••-