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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1885-02-05 · N° 6. (5.2.1885) · p. Seite 23

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
14 (1885)
Issue
N° 6. (5.2.1885)
Date
1885-02-05
Page
Seite 23 (sequence 5)
Language
German
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für u-8 Regen der Mensohenseele, für die Gestaltung der Menschenweise. Er ist dabei nicht im Geringsten subjektiv, sondern musterhaft objektiv, d. h. er modelt nioht die Entwickelung nach seiner vorgefassten Meinung, sondern seine Meinung ist erst das Resultat der vorurtheilslosen Erwägung. Nicht vom Bauen wird die Wohnung bezeichnet, sondern vom Wohnen; vom Werden und Entstehen kommt das Wort für Wohnung und für Bauen! בנה hat seine Vorbedeutung noch bewahrt in ו(*אולי אבנה P und 1"□; davon hat בית den Begriff der verwandtschaftlichen Gemeinschaft (Familie, wie אל•,ל noch im Arab.) dann erst den des gebauten Hauses. Dieselbe Reihenfolge zeigt דור weilen, ד1ר Familie!welche weilte), Geschlecht, דיר Stall (wohl früher Wohnung). Später erhielt es die Bedeutung Lebens- (Zeit-) alter. Dass nicht allezeit alle Farben dem Menschen sichtbar gewesen sind, dürfte jetzt ziemlich allgemein angenommen sein. Um 80 schwerer ist es zu bestimmen, welche Farben mit den einzelnen Worten eigentlich gemeint sind. תכלת hält G. für die Be- Zeichnung des Wurmes, von dem die (blaue?) Farbe herkam, wie תולעת von תולןי Gewürm stammt. צהב זהב Goldgelb. ירלן die Farbe des grünen Krautes. Alle Gefässe waren nur Höhlungen, alle Thätigkeiten kommen von Schaben, Beissen und Wühlen her. (ארק Lade נרק Kehle; Stämme גל und חל (Wölbung, Höhlung) כף Schaale, קב Mass, (Kab), חפר graben, חוף Küste, kommen Alle von ״ כףhohle Hand“ her). Ob עזב verlassen mit עץ in Zusammenhang gebracht werden kann, weil die Rinde zurückgelassen ist — scheint sehr fraglich. ״ ערFell“ und ״entblössen“ (עריה Blosse), ״ גלףentblössen“ und ״ קלטretten“ (verhüllen) z»igen darauf hin, wie das Fell vom ״Abziehen* seinen Namen erhalten hat. Aus dem Wühlen und Graben (עפרחחפר zerwühlte Erde) wird שבר zerbrechen und weiter ספר schneiden, soheeren. זןד*ו*ק (dünn, mürbe, zart), מרובה Mörser, טחנה Mühle zeigt in den Umwandlungen eines Wortes die Culturfortschritte. Thiernamen von leicht wahrnehmbaren, einfachen Thätigkeiten wie חולדה (Wiesel) von חלף niQ der Erde wühlen“, דברה Biene (mit תפר schneiden, stechen, verwandt). Auffallend ist es, dass die Spinne von ihrer Kunstthätigkeit ״dem Spinnen“ den Namen trägt. Das führt zu einer Betrachtung, welche ergiebt, dass ״ סמרdas Verwirrtwerden des Haares“ צמרת die Belaubung des Baumes, עמר das Garbenbinden, שער Haar und שערים Gerste aus dem ״Verwirren“ sich herleiten. Das Flechten ist nur das kunstmäs8ige ״Verwirren“, deshalb ist ״ ומורהGerte“ verwandt mit ״ צמרder zu spinnenden Wolle“. Daraus entstehen die Worte für ״Weben, Flechten, Spinnen“. Aus ״ חרשtaub“ und ״ חרתgraben“ lässt sich auf ein Grundwort ״verstümmeln, verderben“ schliessen. Daraus wurde ״ חרשHolz, Metall oder Stein verarbeiten“, — חרט der Griffel, der Meissei gehört zu diesen Thätigkeiten! Die Sprache oder richtiger die Worte als die Wegweiser für die Geschichte der Entwickelung der Volker — das ist eine Erkenntniss, welcher Geiger’s eider unvollendet gebliebenes Werk di• allgemeine Anerkennung verschafft, bat. Was er sonst noch an -ohöpferisch neuen Gedanken hineingeworfen hat in die Geistes Werkstatt, dass Andere, Glücklichere und länger Lebende, sie durcharbeiten und zum Gemeingut machen, das in kurzem Rahmen darzulegen, fällt uns zu schwer! Herrn v. Hartmann sei dieser in ■ Weise und Wesen ganze Jude als ein wahrer Typus |der Nationalität und Religion gleicherweise hochhaltenden und für Beides Raum in ihrem Geiste habenden deutschen Juden und jüdischen Deutschen zur gefälligen Ansicht empfohlen. L ewin. Litteraturbericht. Recensionen. Mission des Juifs. Par 1’ Auteur de la Mission des Souverains. Paris, bei Calmann Levy 1884. 947 S. 4. Eine originelle Erscheinung in der Litteratur diese ״Mission des Juifs!“ 80 ganz anders in Titel, Anlage, Inhalt, Diotion als sonstige Produotionen über die religiöse Frage! Und die religiöse Frage im Grossen ist es, aie auf die eigenartigste Weise im vorliegenden Werke beleuchtet wird. Weit von der allgemeinen und ausgetretenen Heerstrasse so vieler heutiger Autoren entfernt sich das Buch, überall in Fragen der Wissenschaft wie des Lebens eigene Wege gehend, die Oonsequenzen bis zum Aeussersten ziehend, mit allgemeinen weiten Gesichtspunkten, über die Schranke der Confession, der Nationalität hinaus die mannigfachsten Fragen über Religion, deren Ursprung, Wesen und Bestimmung, das Verhältniss von Cultus oder Confessionalität und Religion beleuchtend, und durchaus neu die Frage über sociale Religion. — Der Verfasser findet nämlich, so zu sagen, einen bedeutenden Fonds socialer Ideen in sämmtlichen, mehr oder weniger bekannten, Religionen, der mosaisohen, der christlichen, aber auoh der des Zoroaster, des Buddha, wie in den ägyptischen Priestermysterien, den Weihen des Orpheus, den Ordensregeln des Pythagoras u. s. w. — Es ist ein stattlicher Band von nahezu 1000 Seiten in der elegantesten typographischen Ausstattung. Manchem Leser des Buches mag es wohl wie mir gegangen sein, dass er •inen Augenblick wie müh verdrossen ist, dem Verfasser durch die vielverschlungenen Pfade seiner Untersuchungen, duroh dunkle, entlegene Forschungsgebiete zu folgen, im Ganzen aber siegt das Wohlgefallen an dem Hochflug der Gedanken, dem religiösen Enthusiasmus, der warmherzigen Schilderung von Leben und Weben der Religion im Völkerleben; die Darstellung, die Diction ist ungemein fesselnd, sie vereinigt Verve, Esprit, Witz mit Ruhe und Erhabenheit des Stils, stellenweise bis zu poetischem Schwung sich erhebend. Name, Stand und Rang de• Verfassers lässt sich nur vermuthen; es ist jedenfalls ein hochgestellter Autor, wie sich leicht aus der Vergleichung mit dem Titelblatt seiner anderen Schriften ergiebt. Im vorliegenden Werke heisst es von ihm selber, dass er an den Berathungen der Brüsseler Conferenz im Jahre 1882 thätigen Antheil genommen. Mit der Judenfrage als solcher hat unser Buch nichts zu thun; es ist, als ob der Autor, ein hochgeborener Geistesaristokrat, es verschmähte, eine spärliche Nachlese zu halten in Fragen, die bis zur Uebersättigung des lesenden Publioums öffentlich in Presse und Versammlungen durchbesprochen worden. ״Juifi‘ ist ihm nur eine Art classisoher Bezeichnung für Religion, überhaupt. Von um so packenderer Gewalt sind die Streiflichter, die hie und da in den Untersuchungen des Verfassers auf die Judenfrago wie von selbst fallen. Der Religion vindicirt Verfasser wichtige Aufgaben in der Gegenwart, im modernen Völkerleben; er prognosticirt ihr eine grosse Zukunft, sofern sie nur kleinlichen confessionellen Streit für immer ruhen lassen wolle und sich den socialen Aufgaben der Gegenwart mit Ernst zuwende Von der Religion *) I. B. M. 16,2.

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