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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1885-02-05 · N° 6. (5.2.1885) · p. Seite 24

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
14 (1885)
Issue
N° 6. (5.2.1885)
Date
1885-02-05
Page
Seite 24 (sequence 6)
Language
German
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als social-politische Macht erwartet er eine glüokliche Bekämpfung der drohenden Anarchie und Revolution nach unten, von ihr auch nach oben ein steigendes Interesse au Völkerfrieden und Völkerglück, nicht durch Eroberungs- und Ännectirungs-Politik, sondern durch wirthschaftlichen Fortschritt. Das ist freilich nicht mehr die Religion der Dogmen, auch nicht Ceremoniendienst, die das vermag, aber die Bestimmung der Religionen des Judenthums, des Christenthums wie des Buddhismus oder auch nur der alten ägyptischen Priestermysterien ist nach unserem Autor eben eine ganz andere. Das wahre Sein der Religionen besteht für ihn in einem Dreiklang, einer sogenannten Synarchie von Wissenschaft', Recht und Oekonomie. Religion und Wissenschaft deckeu sich in den alten Religionen, sie sind Eins, sie müssen es wieder werden. Wissenschaft ist ihm die Offenbarung des Gottesgeistes und Religion die Quelle der Arbeit.; Wo die Religion aufgetreten, da sei auch noch immer• j die Ehre der Arbeit anerkannt worden, in Aegypten, wie in Juda, dem Staate des Solon und dem Gemein- ן wesen des Pythagoras; nur im alten Rom sei die harte Arbeit als verächtliche Beschäftigung den Sclaven überlassen worden; Rom habe aber auch keine 1 Religion gehabt. Das wahre Leben der Religionen! in der Vergangenheit erblickt eben unser Autor in j der Art wie die drei genannten Culturmächte das; öffentliche wie das häusliche Leben der theoretisch j regierten Völker gestaltet haben. Dies ist für ihn | die Position, die für die Religion zurückzuerobern i ist. Dieselbe habe sich ihrer wahren Aufgabe entj fremdet, indem sie in die Arena dogmatischer Streij tigkeiten niedergestiegen oder da sie, wie im alten Rom, sich zur Maske für eine egoistische Politik! hergegeben habe, ein Standpunkt, der heute noch nicht : ganz überwunden sei. (Fortsetzung folgt.) j Notizen. 1. Etymologisches. a)Zunz ■ Gottesd. Voctv. S. •1 IO Anin. b.) schreibt: ״Manche Winter 1’dcs,jüdisch-deutschen Jargons) weiss ich nicht genügend zu erklären z. 11. hunelch ״gelassen“ oder ״santt“. Jliltte der Altmeister dieses Wort von einem posenscheu Juden aussprechen hören, so hatte er sofort gewusst, dass es das gute deutsche Wort ״mälicli, allmählich“ mit der hebräischen Vorsilbe ב ist. Hs wird nämlich nicht himelch, sondern bemälieh ausgesprochen, (״mälich-‘ hängt wieder mit ..gemächlich'1 zusammen. Red.) b) Elia Levita bat italienische, l'runzüsische, spanische, griechische und arabisclio Juden nach dem Herkommen der alien diesen Glaubensgenossen gemeinsamen Bezeichnung משקיט tue die hebräische Kleinsehritt gelragt, allein vergeblich.!Siehe Tisehbi s. v.) Deusche und wahrscheinlich auch polnische Juden (auch letztere sind oft unter אשכנזים gemeint (siehe Zmiz ges. Schritten 111. S. 84) haben dafür nach Levita den Ausdruck מעשט. Die Aehnliclikeit des Ausdruckes in so vielen verschiedenen Sprachen lässt mit (iewissheit schliessen, dass das Wort ursprünglich hebräisch sei. Nun wird aber die liebr. Kloinsclirift in polnischen (■egenden nicht wie Ee\ita schreibt Cמעש sondern ״gernasrliwet“ genannt und hier haben wir die richtige ursprüngliche Bezeichnung. Die Kleinschrift ist der Druckschritt dem sogenannten ״geksiwet“ (v. ,"CVU) sehr ähnlich hebräisch ־שיה ähnlich machen heisst משיה und im Jargon mit deutscher Vorsilbe ״geinascliwet“. Hieraus entstand i.evita's מעשט und vielleicht auch .משקיט וי ■ Fürst’s hehr, und chaldäisches Handwörterbuch enthält s. v. דבלה die Bemerkung, es käme mit חאנים verbunden vor 2 Sam. in,18 und JO. 12 was aber an beiden Stellen nicht der Fall ist. Nur 2. Kcgnm 20,7 heisst es דבלת תאנים. Interessant ist die Vergleichung des Wortes mit Plinius 13, 4. 7. tj J4 wo dal■ 1a emo Balmenart mit sehr gutschmeckenden Früchten bedeutet. Caro-Pilsen. 2. Exegetisches. Im Litt.-Bl. vor. Jahrg. No. 22 bringt Herr College < i eb 11 ar dt - Bromberg eine Notiz zu Ps. 8,2, zu der ich in gedrängter Kürze einige Bemerkungen zu .d«p habe. Es ist wahr, das Wörtchen תנה hat aut den Blick grammatischer Hinsicht• seine Schwierigkeit. Aber diese ist leicht zu heben. תנה ündet sein Analogon im 2 תתה B. Sam. 22,41, das für נתתה Ps. 18,41 steht. Dem entsprechend ist 3 תנה. p. pert s. f. g. und steht tur נתנה. Und wie prächtig passt er mit seinem אשר zu dem vorangehenden הארץ — Der Grundgedanke in diesem Ps. ist nach meinem Ermessen toigender. In Ps. 10 rühmt der Dichter die Majestät Gottes am Himmel, in Ps. 8 die auf Erden, und zwar führt er den Nachweis, dass sie sich auf Erden, im Menschen, der Schöpfung Krone, dem Gott alle Wesen zu Füssen gelegt, in einem höheren Grade noch offenbare, als am Himmel, an dem nur Geschöpfe ohne selbstbewusstes Leben wirken. — Die Präp. על v 1 ist comparativisch zu nehmen, .in der Bedeutung; mehr, höher, vor, wie 1. B. M. 48,22 על אחיך. V. 2 ist dem. nach zu übersetzen: Ewiger, unser Herr, wie herrlich ist Dein Name aut der ganzen Erde, welche Deine Majestät auch inehr als der Himmel kundgiebt. Mit V. 3 beginnt der Nachweis; in den VV. 4 und 5 wird der Mensch dem Monde und den Sternen zum Vergleich und zum besseren Verständuiss gegenüber gestellt; die folgenden Verse erweisen dann deutlich und klar den Vorrang des Menschen auf Erden vor den Himmelswesen, und hiermit zugleich die in einem höhereu Grade sieh offenbarende Majestät Gottes aut Erden. Von der richtigen Erklärung des Wörtchens תנה hängt die richtige Auffassung der ganzen Dichtung ab, zugleich aber auch die Möglichkeit, dem Ps. seine Einheitlichkeit und seine Abrundung zu wahren. — Dr. Brann-Stargard. 3. Landau in seinem Afuch bringt 5 Artikel über die verschiedenen Bedeutungen des Wortes כרם. Da lesen wir gleich die erste Erklärung: □כר .,zusanimensainmeln“. wobei die Stellen Salib. 88 und Kelim 21,3 angeführt werden. Im zweiten Artikel werden unter □״ ברWeingarten“, auch mehrere Stellen, in denen כר□ ביבנה vorkommt, angeführt. Dass L. Letzteres nicht dem ersten Artikel einreiht und in der Weise, wie Herr Rabbiner Dr. Duschaki (Litt.-Bl. v. J. No. 40), erklärt, hat seinen triftigen Grund, weil des nämlich gegen die talmudiselie Erklärung (Berachoth jernsch.), die L. citirt: אלא אלו תלמיד■ הבמי□ שהיו עשויין שורות שורות ככר□ versessen würde. Rabbiner Dr. Aschkauaze. | 4. Der ״Humboldt•1 enthält im Decemberhefte eine Be-! spreclmng des Epoche machenden Werkes ״die Regulierung; des Gesclileclitsveniältuisses bei der Vermehrung der Menschen, j Thiere und l’tlanzen“ von Carl Diising, Dr. phil. (Jena, Gustav;! Fischer) 1881; die dadurch auch für uns bemerkenswert]! ist,! dass der Hanptpnnkt, welcher festgestellt erscheint., sich vollständig deckt mit dem taimudisehen אשה מזרעת תחלה, נולד I וכר, ובר. •">. Zu der in Xo. 4!lies. Bl. von Rabbiner Dr. Caro mit- | getlieilten exegetischen Studie über 1 B. M. 4ti,32, dass das I Wort ״תועבה״ nls eine verächtliche Umschreibung tür ״Veri ehriiug“ gebraucht wird, erlaube ich mir zu bemerken, dass Herr Rabbiner Dr. Adler in London in seinem Commentar נתינה לנר zum Targum Onkelos z. St. dieselbe Ansicht im Namen des sei. Rabbiners Mecklenburg anfülirt. Scliwersenz. B. Baruch.!Herr Rabbiner Dr. Goldtalin macht darauf aufmerksam, dass bereits Cliiskuni und Jakob b. Ascher in ihren Pentateuch-Commentaren diese Erklärung geben — Wir können die betr. Citate liier nicht weiter abdrucken: den Gelehrten genügt der Hinweis Red.1 Soeben erschien:!>111111 ll^S FOrilllllai'(‘ hebräisch nnd deutsch i( Uebersetzung von Rabbiner iDr. Ra lim er) sind wieder vor- Von .T. M. Japliet, Lelner 1'Athig. 7)Exemplare für 1 Mark,; an der Unterrichtsanstalt den1- Exemplare für 2 Mark, 20 israelitischen Ueligionsgesell- Exemplare 3 Mark versendet I schaff zu Frankturt a. M. Neunte1 tranco gegen haar , verbesserte und vermehrte Auf- Die Expedition. : läge. Preis 2Ö Pl'g. .. , י 1 Das Bodiiriniss einer neunten, ta. von Hartmann - Auflage, dürfte die beste Em-: unj seine pfeh'.ung tür die Brauchbarkeit,! der Fibel sein. — Interessenten, JUflenireUnflSCnatt I welche dieselbe tür den Gebrauclijversenden wir an die Leser | beim Unterricht kennen lernen,dieses Blattes, die sich die Ver-! wollen, steht ein Exemplar gratisjbreitung der Broschüre angelegen zu Diensten sein lassen wollen, das Exemplar i Heinrich Grobei, VerlagsbuchgegeuEinsendungvon30Pfennig;! Handlung, Frankfurt a. M. ' 15 Exemplare für 3 Mark. פ־ עוללי□ Hebräische Leselibel. Verantwortlicher Redacteur Dr. Ralimer, Magdeburg. Druck von D. L. Woltf, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig.

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