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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1885-01-15 · N° 3. (15.1.1885) · p. Seite 11

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
14 (1885)
Issue
N° 3. (15.1.1885)
Date
1885-01-15
Page
Seite 11 (sequence 3)
Language
German
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_. t.ohfc folgerichtig zu sein, 68 wird sich vielmehr bei näherem Eingehen auf die Facten, das Gegentheil deduoiren lassen. — Bekanntlich beruhete im Altertbum, bei den Juden, die Ausrufung des Neumondes auf Zeugnissablegung, dass man den neuen Mond gewahrte; trotzdem zeugen unverwischbare Spuren in der talmudischen Litteratur für die schon sehr frühe Kenntniss und Anwendung der dazu nöthigen arithmetischen Regeln, wie Rapaport richtig bemerkt (Erecb Millin S 89). Noch mehr spricht dafür eine Stelle bei Josephus (Jüd. Alterth. 1,3), wo er von den Patriarchen spricht, indem er sagt: ״Gott verläugerte ihnen ihre Lebenszeit, nicht nur zur Belohnung ihres frommen Wandels, sondern auch deswegen, dass sie die Wissenschaft der Messkunst und Sternkunde, die sie selbst erfunden hatten, immer mehr bearbeiten und fertig machen sollten, aber/lies hätte picht geschehen können, wenn sie nicht länger, als sechshundert Jahre gelebt hätten; denn das grosse Jahr endigte ja niemals eher, als nach sechs Jahrhunderten.“ — Um aber die erwähnte Stelle, in der Josephus von einem grossen Jahre oder einer sogen, sechshundertjährigen Periode spricht, ins rechte Licht zu stellen, muss man einen in den ״Memoires de l’Academie des Seien. T. VIII. p. 6, befindlichen Artikel ״De forigine et des piogres de l’astronomie“*) anführen, der einen Aufschluss dieser, auch bei mehreren anderen Schrifstellern des Alterthums erwähnten, Periode giebt, den wir hier diesbezüglich kurz wiedergeben wollen. ״Man findet in den Monumenten aller übrigen Nationen des Alterthums keine 80 bequeme und astronomisch bestimmte Periode, wie diese. Da die Neu- und Vollmonde allezeit nach sechs Jahrhunderten nicht nur an dem nämlichen Tage des Jahres, sondern auch in der nämlichen Stunde des Tages wiederkommen müssen, war es ein sehr Leichtes, aus wahrenommener Regel auf die genaue Länge eines synoischen Monats zu sohliessen; denn der Zwischen- Zeitraum, welcher 7421 Mondmonate oder 219146 Tage ausmachte, brauchte nur dividirt zu werden, um den Quotienten von 29 Tagen, 12 Stunden, 44 Minuten und 3 Secunden zu gewinnen.“״*) — Dieser richtig enuntiirten Josephusstelle, fügt der unten oitirte Lailly hinzu: ״Ptolomäus, der ein Säculum später als Josephus lebte, sagt von dieser 600jährigen Periode kein Wort, er führt nur einige andere Perioden der Chaldäer, die Hipparchus untersucht hatte, an, und hieraus folgt, dass diese Periode entweder dem Hipparch und Ptoiomäus nicht bekannt gewesen ist, oder dass sie dieselbe, als etwas Unrichtiges nicht geachtet haben; daher war die Periode damals allerdings in die Vergessenheit gerathen. Aus dem hier nun Gesagten erhellt zur Genüge, dass die Juden, eine lange Zeit vor Ptolomäus, im Besitze eines arithmetisch geordneten Kalender’s gewesen sind. Da Josephus die Erfindung der erwähnten Periode den Patriarchenzuschreibt, so zeigt das allerdings, dass sie einer sehr alten Zeit angehöre, und damit wird auch ein Ausdruck R Gamaliel’s gerechtfertigt, der mit Hinweisung auf eine kalendalrische Regel sagt: (Rosch Hasch. 25a) — כך מקובלני מבית אבי אבא• Ob nun den Juden eine Erfindung der Chaldäer vorgelegen, die auch die Länge des Mondmonats mit Genauigkeit kannten (Ideler, Handbuch der Chronologie *) Angeführt bei Bail ly, Histoire de l’Astronomie aucienue l. II 2, S, — Das. wird auch auf Syneellus p. 17, hingewiesen, wo er von der (iUUjähiigen Periode spricht. Ferner heisst es: Plinius scheint zu zeigen, dass sie auch Ilipparch gekannt habe, Lib. II c. 12.: Post eos utriusque sideris cursuni in sexoentos annos praecinuit Hipparchus etc. ich aber habe die citirte Stolle bei Plinius nicht gefunden. **) Welches dem כ״ט, י״ב, תישציג gleichkommt. Bd. I S. 202 ff.), oder ob eine eigene bei Constituirung der Kalenders benützten; genug, ihr Verdienst ist in dieser Hinsicht nicht zu unterschätzen. Tarnow. Salomon Spinner. Exegetisches und Ethisches. Die theatralische Aufführung in der israelitischen Schule der orthodoxen Religionsgesellschaft zu Frankfurt a. M., wobei Mädchen in auffälliger Weise in Männertracht, in Hosen gekleidet, erschienen,*) hat zur Deutung des betreffenden Verbots in der Bibel (Deuter. 22,5) Veranlassung gegeben, wo es heisst: ״Nicht soll Geräthe des Mannes aut dem Weibe sein, und ein Mann soll uioht ankleiden das Gewand eines Weibes, denn ein Abscheu Gottes ist jeder, der solches thut“. Die Hauptschwierigkeit liegt in der Wahl und Deutung des Ausdrucks ״Geräthe (״•(כלי Die Targumim und Oommentatoren übersetzen und erklären nach talmudischer Auslegung (Nedar. 59a). Hiernach ist nicht blos ״Kleidung“, sondern auch Schmuck, Waffe darunter zu verstehen, überhaupt Alles, was geeignet ist, das Weib als Mann erscheinen zu lassen, tim, wie richtig hinzugefügt wird, nicht leichte und leichtsinnige Veranlassung zur Verletzung des An- Stands und der guten Sitte zu gobon. Dahin gehört auch die Abnahme des Barthaares für den Mann und des langen Haarwuchses für das Weib u. s. w. zur Verwischung der Geschlechtsunterschiede. Dies Alles sind Erweiterungen nach dem Geiste, wenn auch nicht nach dem Buchstaben des Gesetzes. Die Schrift wählt aber mit Absicht den Ausdruck כלי, um ein bestimmtes Kleidungsstück zu bezeichnen; nämlich die Hosen, das charakteristische Kleidungsstück der Männer. Dieses wird ״ כליGeräth, Gefäss“ genannt, weil es gleichsam ein Gefäss ist, in welches die Beine und namentlich die Hüften und Schamtheile hineingesteckt und verborgen gehalten werden. Vielleicht ist der Ausdruck euphemistisch gewählt, von allgemeiner Bedeutung, aber specieller Beziehung, ähnlich wie locus ״Ort“ zur Bezeichnung eines speziellen Orts. Wir nennen ja auch euphemistisch ״Hosen“ die ״Unaussprechlichen (inexpressibles).“ Das Wort כלי stammt von ״ כללfassen, umfassen, also Gefäss“. (Die Formen כלל und כלה» wovon eigentlich sprachlieh כלי abzuleiten ist, vertauschen ihre Bedeutung vgl. Ezech. 27,4.) Bei der heidnischen Priesterkleidung fehlten die Hosen in Rücksicht auf den üblichen sexuellen Cultus. Für die israelitischen Priester sind deshalb Hosen (מכנסים Ex. 28.42) ausdrücklich vorgeschrieben, welche ebenfalls ihre Bezeichnung vom Hineinsteoken der Beine haben (כנם). Dass sie auch hauptsächlich zur Bedeckung der Schamtheile dienten, geht daraus hervor, dass es nach der Vorschrift nicht lange Hosen nach heutiger Art, sondern kurze Lendenhosen sein sollten, (ibid. u. Nidd. 13,6). Auch das Verbot (Ex. 20,26), Stufen am Altar anzubringen, bezieht sich hierauf und hat den Zweck, Entblössungen zu verhüten Man scheint eben ursprünglich auch in Israel die Verwendung von Hosen beim Cultus nicht gekannt zu haben; die Vorschriften über Priesterkleidung und Tempeleinrichtung wurden erst nach der s^-Sünde gegeben, mit welcher eine Nachahmung des sexuellen Cultus nach Art der Aegypter verbunden war (קול צמת נשים)) Ex. 32,18). Die bezüglichen Vorschriften über Tempel- und Priesterkleidung gehen nur in der Schrift der Erzählung über ענל voran, um dieselben direkt mit der sinaitischen Offenbarung in Verbindüng zu bringen und sie als von dort ausgegangen *) S. ״Jüdisches Familienblatt“ No. 52.

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