Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 14 (1885)
- Issue
- N° 3. (15.1.1885)
- Date
- 1885-01-15
- Page
- Seite 12 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 12 — zu bezeichnen. Die jetzt noch übliche lange Priesterkleidnng der christlichen und in Nachahmung auch der jüdischen Geistlichkeit steht unbewusst in Beziehung zu jener uralten heidnischen Sitte. Die altjüdische Pristerkleidnng nach mosaischer Vorschrift war eng an- und mit einem Gürtel umscliliessend, wie heute noch oft in Nachahmung alt-jüdischer Sitte die katholische Priester; und Ordenstracht. Die heidnische Priestertracht der V6rz8it, wie heute noch die moderne Kleidung der Geistlichkeit, war ein lang herabhängendes, weites und wallendes Gewand, nach Frauenart die Körperformen ein- und umhüllend (1. Kön. 11, 29 Ps. 104,2), wovon es eben in der angeführten Bibelstelle heisst, ein Mann sollte ein solches Frauengewand (שמלה) nicht tragen, um die kennzeichnenden Abweichungen der die Geschlechter unterscheidenden Trachten nicht zu verwischen. Auf diese Verwischung der Unterschiede kam es aber gerade in dem obseönen heidnischen Göttercultus an; dafür wechselten Priester und Volk die Kleidung, legten Männer Frauen- und Frauen Männer-Kleidung an. So begreift raw* ■atreh, 'warum die Nachahmung־' dieser heidnischen Unsitte in Israel verboten ist und weshalb sie ein ״Abscheu“ vor Gott (תועבה, die Be- Zeichnung für diesen obseönen Heidencultus) genannt wird. Indess wenn in unserer Zeit dabei auch nicht an einen so ernstlichen Abfall von Gott und Religion, von Anstand und Sittlichkeit gedacht wird, wenn der Wechsel der Kleidungsstücke nur als Spiel und Mummenschanz dient, wie bei Verkleidungen und Maskeraden an Fastnacht und Purim : so ist nicht zu vergessen, dass auch Maske und Verkleidung ursprünglieh, und so oft jetzt noch, zur Verdeckung von Handlungen dienten, deren man sich öffentlich geschämt haben würde. In solchen Dingen aber, welche zum Bösen führen können, muss man selbst den guten Schein wahren und sich auch vor dem unschuldigen Anfang hüten. R A. Notizen. 1. Herr Rabbiner Dr. Caro-Pilsen versucht in No. 52 vor. .1. eine Deutung des Verses Ps. 32,8, den Graetz als dunkel und unerklärlich bezeichnet, mit Zugrundelegung des Targums, der ich nicht beistimmen kann. Das Targum ist, bekanntlich nicht eine wörtliche Uebersetzung, vielmehr eine Paraphrase des Textes und nicht nur das Wort ואשרי für אשים! sondern auch das Wort לטבא supplirtes, welches Herr Dr. Caro merkwürdiger Weise gar nicht berücksichtigt, dagegen nach אמלכנך ein Komma setzt, um den Satz als einen dreitheiligen darzustellen Diese Theilung ist aber nach den Satzzeichen, welche allein(?) iiir das richtige Verstündniss massgebend sind, durchaus unzulässig. Da« אתנח unter תלך bezeichnet ganz genau den Schluss der ersten Satzlmltte, welche heisst: ״Ich will dich unterweisen und lehren den Weg, den du wandeln sollst“. אימה עליך עיני!nicht ״ (עניIch will dir einen Wink geben“, wie auch schon Raschi mit Hinweisung aut ״Spr. 16,30“ erklärt. Die Radix von ,איעצד ist עצה, synonym mit עצם und heisst ^winken, blinken, blinzeln“. אוצר השרשים, Lemberg 1879 führt die fragliche Psalmstelle unter dieser Radix, aber merkwürdig9rweise auch unter יעץ an. Jedoch auch in diesem Falle, wo die Bedeutung ״rathen“ zugegeben werden müsste, böte der Satz durchaus keine Schwierigkeit. ,איעצד ist durch das טרחא ganz enge mit עליך עיני verbunden und nach dem Commentar des J. Ilril, ״ich will dir rathen, mein Auge ruht auf dir;“ oder ״ich will dir zum Rath geben meine Einsicht, meine Erfahrung“ (עיני =.שכלי או בינתי) über alle Schwierigkeit erhaben. In Vers 9 wird nun der ״Wink“ oder ״Rath“ ertheilt. ״Sei nicht wie Ross und Maultliier, welches nicht begreift“. Hier schliesst die erst« Hälfte des Satzes, wie das *עולה ויורד unter הבין genugsam anzeigi . Ein כי zu emendiren wäre also hier unzulässig und auch ü Jber)üssig. Ohne dasselbe giebt die zweite Satzhälfte.- nach der •chtigen Deutung des Herrn Dr. Caro ״das unvernünftige Thier hät 86116י Zuchtmittel für einen ihm angeigten fbchmuck“ denseEeu *iuu, wenn wir übersetzen: ״In Zaum und Gebiss besteht seih Schmuck (das ihm a^md? , J es zu zähmen, damit es dir nicht nahe“. — Co.hen-Rees a. Rh. 2. Das 32. Capitel der PsalmeD, weiches von der göttlichen Strafe spricht, die aus Liebe über den Menschen verhängt wird, hat einen sehr schwierigen Vers, Vers 8 כסום וכף VJTR אל. Da Herr Rabbiner Caro No. 62 denselben urgirt, so möchte ich ihn nach einer Weise erklären, die jedenfalls neu ist. Die Wurzel עדה heisst nicht nur ״etwas anziehen. sich pchmüaken'i,. sondern bat auch die privative Bedeutung ״ibziehen, entfernen“. Spr. 25,20 מערה בנה, wovon das Derivat ער Bente. בלם Labialform für אלם heisst ״zügeln“. Ohulin 8!) exegesirt R. Ila die Worte חולה ארץ על בלימה Wie folgt: der Fortbestand der Welt ist Demjenigen zu verdanken, welcher im Streit sich selbst bezähmt. Der Sinn des in Rede stehenden Verses wäre also: ״Seid nicht wie das Ross, ohne Vernunft, dessen Abweichen (vom geraden Fahrwege) man durch Zaum und Zügel zügeln® muss" (עדיו לבלום). Das frühere עליך ע״ני, das Herr C. urgirt, hat keine Schwierigkeit. Es ist ein Hehraismus, wie והיו ציני ולבי שם כל הימים. Rabb. Dr. m. Duschak. 3. Ich schlug dieser Tage im ״Litteraturblatt“ nach und fand in No. 31. v. J. ein ״Ein altes Missverständuias“ 8cl1riebenes Referat des Herrn Dr. Lewin- Das Missvereti^fflU‘ njsejt wenn. e$ ein solohos .wäre, rührt hiebt erst. wieSiak^JjV■ lasser meint) von Lepsius oder von Luther und der Vulgata,r: sondern vom 3. Galaterbrief V. 13 her. Dort heisst es nämlich: ך£ךpa71w. y&P dmxa־c&pa־o; ~ä$ 6 xpepapevos lul!;uXou. Ich würde nicht zweifeln, dass der Apostel diesen schlichten pentateuchischeu Worten (!>. M. 21,23) in tendenziöser Weise, nur um zu christolo^'iren, eine solche bizarre Interpretation gegeben: allein sie befindet sich bereits in der Septuaginta: xexanrjpapevo; xpepdpsvo; Ini £6X0v. Und, um der Wahrheit, wie ja das Motto der ״Wochenschrift“ lautet, die Ehre zu geben, hat ja auch in der Gemara nach Verkennung und Verzerrung des Wortsinnes erst R. Meier die so einfache, klare und erhebende Deutung dieses pentatenchischen Verses gefunden. Dr. Wiener -Oppeln. 4. Eine Notiz in einem jüngst erschienenen Artikel der Allg. Ztg. ״Aus und über Dalmatien“ ist tür die Leser dieses Blattes von besonderem Interesse. Der Verf. des Artikels, der sich mit dem Statthalterei-Archiv specieller beschäftigt hat, berichtet, dass dabei auch die Juden (Ebrei) nicht selten in’s Auge gefasst werden, so zunächst in den Mandaten der Dogeg von Venedig, die unter dem Titel Dukali in dem Archive an 10 Bücher für die Jahre 1409—1622 umfassen. Eine solche Verordnung vom 7. Okt. 1425 untersagte ihre ständige Niederlassung im Gebiete der Venetianer. Die Akten von 16L7—1792 haben besonders viel mit der Judeuansiedelung in Spalato zu thun, desgleichen mit der in Pabenico und vor allem in Zara, woselbst beispielsweise auch zur Zeit des Proveditora Vincenzo Vandramin (1708—11) die Ansässigkeit und der Handel der 18raeliten verboten erscheint. — Wenn in der Allg. Z. mit Rücksicht auf die werthvollen Geschichtsdenkmäler, welche das genannte Archiv in sich bürgt, der Wunsch ausgesprochen wird״ dass man seiner historischen Bedeutung gerecht werden möge indem für den rein geschichtlich gewordenen Aktenbestand eilt eigener Archivar ernannt werde, so werden die knappen Notizen über die Beiträge, welche das Archiv zur Kenntuiss der jüdisehen Geschichte enthält, genügen, um den besonderen Werth, des Archivs für die jüdische Historiographie zu illustrirenJ Vielleicht dienen diese Zeilen dazu, zumal in Oesterreich, wo, man für solche Anregungen ja wohl empfänglich zu sein pflegt, die Aufmerksamkeit massgebender jüdischer Kreise auf dieses Material hinzulenken. W. 5. Herr Salomon Bub er in Lemberg hat das Schriftchen שצרי ציק von R. Jizchak de Lattes — Geschichte der Gelehrten in Israel bis zum Jahre 1372 — edirt und dem verdienstvollen Prediger der Lemberger Gemeinde, Herrn Dr. Löwenstein, zum 40jährigen Amtsjubiläum gewidmet. (Wir werden dasselbe näher besprechen.) Von demselben unermüdlich fleissigen Midraschforscher und -Erklärer befindet sich die älteste Midraschsammlung, der ursprüngliche ״Tanchuma“, unter der Presse. In einer sehr ausführlichen Einleitung wird das Verhältniss dieses Tar.chuma zum Jelamdenu und zur Pesikta f . ’ ’ ’ 'י’,”־ ־’ ־'־־־ "־־ י־' ’ _ 6. Bei Callmann Levy in Paris ist erschienen: Mission des Juifs rar l’auteur de la ״mission des Sauverains“, ein voluminöses Buch, das au Bedeutung gewinnt, wenn, wie man vermnthet, der Verfasser, der sich auf dom ülteru Werke (Mission des Souverains) als ״l’un d’aux“ (sc. Souverains) nennt, kein Ge» ringerer als der König von Bayern sein soll. Vp״~.ntwortlichor Redactour^)r׳ Rahmer, Magdeburg. Druck ▼on D. L. Wolff, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig,