Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 14 (1885)
- Issue
- N° 2. (8.1.1885)
- Date
- 1885-01-08
- Page
- Seite 7 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 7 Collectanea. Von Dr. Kroner, Rabbiner in Brandenburg a. d. H. XXL*) Gin« missverstanden« masoretischeBemerkung. Wie die Gestaltung des Wortes *הלד in 5. M. 32,11 in verschiedenen Bibelausgaben verschieden ist, ebenso die Fassung der masoretischen Bemerkungen zur Stelle: 1. ,הל ד d. i. ל ohne Schwa, Makkef und Accent und zwischen הל und ,ד ein Spatium, wie zwischen zwei selbstständigen Wörtern; hierzu die masoretische Bandbemerkung: הל׳ לחח־ ד לחח־. 2. ו לדי"! d. i. ל mit Schwa und zwischen!ך und ,קד ein Spatium; dazu die Bandbemerkung: ה, רבתי > U-J I U AI III U l. II glUSO (iU-ttj UÖÄ.C1 j UUU ÖOIUÖU“ ständige תיבה. 3. Dieselbe Gestaltung des Textwortes, und dazu eine noch andere Marginalnotiz in Heidenheim’s Ausgaben: ה׳ רבתי והיא מלה לעצמה. 4. Desgl. und dazu die Notiz: ה' רבתי (Salomo Dubno in 8 Tikkun Sof’rim). Ad 1. Diese Wortgestalt ist entschieden unrichtig; denn abgesehen davon, dass הל kein selbstständiges Wort ist and keinerlei Begriff ausdrüekt, müsste es als besonderes Wort entweder Makkef oder Accent haben, es hat aber weder das eine noch das andere, obgleich ein makkef- und accentloses Wort bekanntlieh in der ganzen masoretischen Bibel nicht vorkommt. Ad 2. Diese Wortgestalt ist nicht minder unrichtig; denn wenn ה ein selbstständiges, von לדי getrenntes Wort wäre, so hätte dieses 'לד zwei Sch’waim am Anfänge, die da bekanntlich — als unaussprechbar — im ganzen hebr. Sprachschätze nicht vorhanden sein können. Diese falsche Wortgestalt ist aber nach unserm Dafürhalten dadurch entstanden, dass die Fassung תיבה בפני עצמה missverstanden wurde: Man hatte-angenommen, dass תיבה hier Wort bedeutet, wie Heidenheim auch מלה dafür gebraucht. Aber תיבה bedeutet (nach סייג לתורה**) in der masoretischen Sprache nicht nur Wort, sondern auch oft Silbe. In diesem letztem Sinne nun will תיבה in qu. masor. Bemerkung aufgefasst sein. Dieselbe lautet richtig: ה׳ רבתי והל תיבה ב״ע (also nicht והיא!) und ist zu übertragen: הי gross und ד!ל eine geschlossene Silbe. Ebendies bedeutet auch: הלי לחוד ד‘ לחוד. Sonach ist die richtige Lesart 'ליולי: ein Wort, grosses הי mit Patach, 'ל mit Schwa, 'י mit Schwa. Die Masora hat die Bemerkung תיבה בפ״ע für nöthig gefunden, weil das 'ל vor Adonai sonst stets ein Patach hat, hier aber das 'ל vocallos (mit Schwa quiescens versehen) sein sollte und sich daher nothwendig an die vorhergehende Silbe ה anschliessen muss, so dass הל eine geschlossene Silbe bildet. Die correcten Ausgaben haben in der That diese richtige Lesart. Uebrigens hat bereits Prof. Dr. Grätz in der ״ Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft de• Judenthums‘‘, 21. Jahrg. 1872, den fraglichen Gegenstand behandelt, den Kernpunkt desselben jedoch nicht berührt *,׳ In Collect. XX bitten wir zu lesen: letzte Z. ״verjndet״ (statt verjfldet); zehntletzte Z. missen (statt vermissen). **) Dort heisst es in der Erklärung der masor. termini techn. sub v.וכן יקרא לתנועה עם האות תיבה, דרך:180« תיבה משל : עשיר יש לו שתי תיבות. Recensionen. אבני מלואים " Fassungssteine“, eine Ergänzung betreffs der Reform des jüdischen Bitualgesetzes in der vom Verfasser dieses erschienenen Schriften תפלה למשה ״ (מקוצי)Ursprung und Entwicklung des Pbylacterien- Ritus bei (len Juden“ und des □,מצת מצוה ועלילת הד ״Das ungesäuerte Brod etc.“ von M. L. Rodkinsohn 8. Z. Redakteur des ״Hafeol“ u. 8. w. Heft 1. Eben haroscha. Berlin 1884. 50 S. 8. Der Verfasser hat talmudische Kenntnisse und fühlt sich durch die Schranken des talmudischen Judenthums genirt. Bei sehr mangelhafter historischer Bildung, ja in Folge mangelnden historischen Sinnes wird es ihm deshalb leicht, das naturnothwenaig Gewordene auf bestimmten nebensächlichen Ursachen allein beruhend darzustellen. Es ist nicht mehr der Eifer wissenschaftlicher Untersuchung, sondern der Ingrimm eines Hassers des Schulohan Aruch (oder sollen wir das Angriffsobjekt nooh weiter und höher fassen müssen?), es ist nicht mehr die Leuchte der Wissenschaft, sondern die Fakel der Verwüstung, welches aus diesen Schriften grell hervorscheint. Der Verfasser betrachtet sich als eine Art Elias, eines rationalistischen antirabbinischen Messias. Seine Utopie einer Synode von Abgeordenten aller Juden in allen Ländern und eines ständigen Ausschusses derselben als Oberkirchrath hält er zwar selbst vorläufig für unausführbar — aber auch dieser Einfall zeigt den Mangel allen historischen Sinnes. Alle die Einwendüngen gegen die Art und die Ziele seines Schreibens sind voll gerechtfertigt. Und vor Allem ist es eine Schmach, die er nicht von sich wird abwaschen können, dass er in seinem מצת מצוה einem Worte des R’mo einen grauenhaften Sinn ״als möglich“ iraputirte, den selbst Justus nicht darin gesucht hat! Wir möchten den 80 sehr gelehrten Herrn R. bitten, erstens sich ein wenig zu mässigen und die Ziele sich ein wenig niedriger zu stecken, zweitens — sich die Thora ein wenig anzusehen; dann wird er wohl einsehen, dass auch diese bestrebt ist: .לחוק חוקים וגזירות רק לשמור את השם ואת האומה שלא יתבולל בין יתר האומות. Er wird dann die alten Rabbinen glimpflicher traktiren oder auch auf die Thora raisonniren müssen. Auf dem betretenen Wege weitergehend wird Herr Rodkinsohn dem Judenthume keinen Nutzen stiften, sondern sich aus dem Judenthum herausstudiren! — Die anonymen anerkennenden Briefe sind zugleich sehr uninteressant und beweisen gar nichts. Seine politischen Zusammenklitterungeu (z. B. wie Bismarck in den liberalen Juden ein atheistisches Element perhorrescirt) sind köstlich in ihrer grenzenlosen Naivetät Schuster bleib’ beim Leisten — Rabbi, studirt den Talmud — aber treibt keine Beshamidrasch-Politik — dann werden weniger ״Werke“ erscheinen, aber das reiche Wissen wird besser verwerthet und verwendet werden. מחזות החיים Reisebilder aus dem Orient und zwar aus Syrien, lrack-Arabien, Ostindien, Birmah und aus dem indischen Archipelagns von W. Schur. Wien (Druck v. Georg Brup) 188J, 148 S. 8. Der Hauptfehler an dem das Büchlein krankt, ist, dass es in zwar sehr schönem, leicht und angenehm zu lesenden Hebräisch, aber doch immer hebräisch geschrieben ist und damit der übergrosseu Zahl europäischer Leser ein mit 7 Siegeln verschlossenes Buch bleibt. Die Anschaulichkeit, mit der das Leben und Treiben der fremdesten Völker, die klimatischen Verschiedenheiten, die kleinen Züge des Privatlebens geschildert sind —