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Das jüdische Literaturblatt · 1881-12-28 · No. 52. (28.12.1881) · p. Seite 207

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
10 (1881)
Issue
No. 52. (28.12.1881)
Date
1881-12-28
Page
Seite 207 (sequence 3)
Language
German
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einmal der holländische Sprachschatz der sinnlichen Farbeugluth des Orients entsprechende Wortformen wird leihen können, und ob andermal Herr Moscovi- 1er dichterisch genug beanlagt sein wird, den Inbegriff aller Poesie, die Psalmen, in seinem Idiom dichterisch gestalten zu^können, ob er jenes nothwendige Nachbildungsvermögen besitzt, einem Salomo, einem David nachzufühlen, nachzuempfinden und vor Allem nachzudichten? Man kann doch das aus erklärlicher Bescheidenheit hervorgegangene testirnonimn paupertntis, daä sich der Verf. in der Einleitung dadurch selbst ausstellen möchte, dass er erklärt, er habe nur gereimt, also nicht gedichtet, unmöglich ernst nehinen! Zu einer kläglichen Reimscluniederei ist der Stoff denn doch 7u erhaben! Glücklicherweise sind wir in der Lage, den Verf. dahin z1׳ rcctificiren, dass er nicht nur gereimt, sondern auch gedichtet hat, und dies mit einem ebenso mulhigen Können wie mit einem edlen Wollen. Der Verf. hat sich mit feuriger Begeisterung und mit freudiger Hingebung in seinen Stoff vertieft, er hat in der Form zumeist Vollendetes und im Rhylmus sehr oft künstlerisch Abgerundetes geschaffen. Die Sprache ist durchweg von ergreifender poetischer Schönheit, von erstaunenswerthetn Wortreichthum und ist es nicht das geringste Verdienst des Verf, durch seine reichen, melodischen Verse, durch [ die blühende Diction dem Auslande — und dies na- [mentlich den Deutschen — gezeigt zu haben, wie unbe- I gründet die Unterode^gar Geringschätzung der hol-!ländischen Schriftsprache ist. Dürfen wir eine Ver- I uiuihung aussprechen, so wäre er, die, dass der Verf. Isehr fleissig Bildenlyk gelesen hat; denn die Verse I muthen uns wenigstens so an, als ob Bilderdyk sie!gedichtet hätte. Zuweilen wird die Sprache, wenn der [Stoff es erfordert, wildstürmisch, feurig, und da ent- I wickelt Herr AI. seine Haupttorce; er verfugt im lei- Idenschaftlichen Tempo über eine überwältigende, hin- Ireissende Sprachgewand;heit; man wird in dem Buche I Kraftverse linden, die einem Joost van Vondel, dem I Nestor der niederländischen Poesie, zur Ehre gerei- Ichen würden. Neben diesem dichterischen hat dieses I Buch auch noch einen strengwissenschaftlichen Werth [insoweit, als der Verf. einerseits die unangezweifelten, I feststehenden Endergebnisse der modernen exegetischen I Forschuug in ausgedehntem Masse in seiner Uebersetz I ung berücksichtigt und als er anderseits recht beach- Itenswerthe Proben einer selbstständigen und vielfach I auch gelungenen Exegesedeutung in seiner Uebersetzl-ung uiedergelegt hai. Bedauernswerth ist nur, dass Idie Einleitung und die so nothwendigen kritischen No- Iten dem Buche nicht einverleibt worden sind, weil wir ■ dann nicht gezwungen wären, zwischen den Zeilen I dunkel das zu lesen, was uns eine entsprechende Note | lichtvoll ausführen könnte.*) Hoffen wir, dass uns der ■ Verf. mit der baldigen Separat-Ausgabe der nur ungern I vermissten Einleitung erfreuen wird. I Dr. Ludwig St ein-Berlin. I Peritz, Dr. Moritz, Sefer hamizwotlt. Das Buch I der Gesetze von Mosel! ben Maimon (Maimonides) im urabischen Urtexte nebst der hebräischen Uebersetzung des Schelomoh ben Joseph ihn Ajub zum ersten Mule vollständig herausgegeben und mit einer deutschen Uebersetzung und Anmerkungen versehen. Theil I. *1 Aus diesem Grunde werden wir auch die Btspredmng der jüngst bei S. •Scbottlaender in Breslau in Uebersetzung ',on Prof. Dr. H. Graetz (in eleg. Einbaude und Goldschnitt, Preis: 4 M. 60) bis zum Erscheinen des angekündigten Com men- £ar und Einleitung enthaltenden, besonder□ Bandes Iiinausscbieben; --Ud&un wollen wir auch auf die Conjecturen des Herrn Mosco- *er zum Psalmtext naher eingehen. (Red.) Breslau, Druck von Grass, Barth & Comp. (W. Friedrich). 1882. (Auch mit hebräischem Titel). ln vorliegender Arbeit begrüssen wir mit Freudeu die erste Ausgabe des arabischen Textes des für das in der Beurtheilung der traditionellen Zählung von 613 מצות SO hochbedeutungsvollen Werkes des Ranibam ס׳ המצות. Wenn auch die bekannte Tibbonidisehe Uebersetzung: mit den Bemerkungen des Ramhan über den wesentlichen Inhalt dieses Buches vollen Auf- Schluss gibt, so wird doch durch den Originaltext so wie durch die deutsche Uebersetzung, welche der Herausgeber bsigefiigt hat, auf manches Detail ein helleres Licht geworfen — Die Arbeit des Herausgebers war keine so ieichie und einfache. Er halte 2 arabische Manuscripte, die zwar nicht gar zu unleserlich geschrieben sind, zu entziffern und zu vergleichen gehabt, dabei den Originaltext durch die Uebersetzungen zu controliren und diese selbst wieder iu ihrer mangelhaften Stellen zu ergänzen und in ihren Widersprüchen za prüfen. Dabei leitete den Herausgeber das Bestreben, den Inhalt des M.’schen Werkes selbst durch Anmerkungen aufzuhellen Wir gestehen, dass Herausgeber sehr gewissenhaft die Texte geprüft und einen arabischen Text geschaffen hat, der als fehlerfrei wird bezeichnet werden können Die neu herausgegebene hebräische Uebersetzung von J. Ajub ist ebenfalls genau revidirt und, wo nöthig, ergänzt. — Wenn wir auf Einiges hier aufmerksam machen, so thun wir dies um das uns Aufgestossene zur Sprache zu bringen. So ist z. B. 1) das arabische Textwort עמל> welches mehrfach gebraucht ist, und ,,die Ausübung“ bedeutet, sowohl von guten als bösen Dingen fArab. Text. S. 1 Z. 8, S. 25, Z. 9) vom Herausgeber sehr verschieden wiedergegeben worden. 2) ist ein Fehler der Ajub’schen hebr. Uebersetzung S. 6, Z. 6 unbemerkt geblieben. Die Ajub'sche Stelle lautet: כבר סופק בו, und ist die Uebertragung der arabischen Textworte והם פיה. Nun übersetzt aber Ajub an keiner Stelle das häufig gebrauchte Wort והם mit ספק, sondern immer mit טעה (S. 20, Z. 6), und sicherlieh ist hier eine Verwechselung der sehr ähnlichen Worte טעה (oder טועה) mit סופק vor sich gegangen. 3) ist es unbemerkt geblieben, dass Ajub (S. 19, Z. 3) נוציאם Übersetzt und deshalb im Urtexte (נשתר!רג׳.הם gelesen haben muss, nicht wie der Text lautet ישתוזרג. Der Herausgeber hat aber mit Ausnahme dieser Stellen unseres Wissens nichts übersehen, was zu beachten war und in seiner Kritik vielemal den arabischer! wie hebr. Text sehr gut emendirt und in den Noten gegnerische Behauptungen glücklich widerlegt. Möge der Herausgeber sein Werk fortsetzen, er wird einen gediegenen Beitrag für die Wissenschaft liefern. Gut wäre es dabei, wenn er die Behauptungen M.’s, da wo sie angreifen oder angegriffen werden, einer eingehenden Prüfung unterzöge. Kr. Die Leiden und Verfolgungen der Juden uud ihre Beschützer in chronologischer Reihenfolge. Von Pharao 1650 v. Chr Geb. bis zur Gegenwart. Von H. Ellen berger. Budapest. 1882. Verlag von Sa- 111 uel Zilahy. Preis AI. 1,50. Prof. Graetz sagt einmal: ״Diese Jaminerscenen darf die Geschichte nicht verschweigen, muss sie vielmehr vorführen und veranschaulichen nicht um den Enkeln der gehetzten Schlachtopfer einen Stachel in die Brust zu senken und die Rachegeister wach zu rufen, sondern um für die Duldergrösse dieses Volkes Bewunderung zu erwirken und die Thatsache zu bezeugen, dass es, wie sein Urahn, mit Göttern und Mensehen kämpfte und Sieger blieb.“ fK י' ״

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