Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Literaturblatt · 1881-12-28 · No. 52. (28.12.1881) · p. Seite 208

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
10 (1881)
Issue
No. 52. (28.12.1881)
Date
1881-12-28
Page
Seite 208 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/5367336-6488242-5991056--1988-5367896
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

zu sprechen: »Denn Leiden ist das Merkmal unseres Stammes.“ Der Vcrf. obiger Schrift fuhrt uns aber nicht allein das vieltausendjährige Martyrologium der Juden vor Augen, sondern hebt auch die den Juden günstigen Momente hervor, die allerdings spärlich genug die finstere Nacht ,(Jpr Vorurtheile erhellten. ״Zur klaren Uebersicht der gnngen und der Zeiten des Schutzes sind erstere mit deutschen Lettern gedruckt und le'ztere mit lateinischen“ bemerkt der Verf. im Vorwort Ferner, dass das Buch auf Vollständigkeit keinen Anspruch macht. Wir erlauben uns hier auf verschiedene Einzelheiten berichtigend hinznweisen. Seite 14. Das Concilium zu Nicüä war 341 (st. 345). Wir hätten gewünscht, dass der Herr Verfasser die verschiedenen Verfolgungen der Juden einzelner Städte in klarerer Weise uns vor die Augen geführt hätte. So sind die Juden aus Prag schon 1059 verjagt worden. S. 53 kann nachgetragen werden, dass 1321 in Prag 75 Juden, ferner S. 55j dass 1330 in Prag 53 Juden verbrannt wurden. Beim zweiten Kreuzzug S. 32 konnte hervorgehoben werden, dass 1147 Papst Eugen III allen P11gern, welche das heilige Land zu erobern auszogen, ihre Schulden an di״ Juden erliess. Wir legen auf diesen Punkt besondern Werth. Wir vermissen S. 50 die Thatsache, dass 1343 der König Ludwig den Burggrafen von Nürnberg von allen Forderungen befreite, die mehr als 80 Juden gegen ihn hatten. In einer Anmerkung S. 7(3 bringt der Verf. zwei divergierende Ansichten über Abrabanel, Wenn er behauptet, dass Graetz, der dem Abr. ״Schwung und Tiefe“ abspricht, mit seinem Urtheile sicher allein dasteht, so irrte er sich Auf Seite 82 hätte der Verf. die eigenthitmliche Thatsache hervorheben müssen, dass die Juden wäh rend des grossen Bauernkrieges (1525) nicht in Mit* leidenschalt gezogen worden sind, wenigstens melden uns die Chroniken nichts davon. Ausser den von Martin Luther angeführten, D n 1 d u n g predigenden Worten hätte dev Verf als Pendant die. geradezu Hass und Veifolgung sprühenden Aussprüche erwähnen können. (״Ich muss mich daran legen, die Juden zu vertreiben“ u. s. w.) S. 100. Nach dem Verf; zogen 1745 aus Prag 20,030 Seelen aus. Nach G..W 0| f!(siehe dessen Vertreibung der Juden aits Böhmen iti dem Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums, 4 Bund S. 108), ist die obige Zahl viel zu hoch gegriffen, da dazumal die jüdische Gemeinde Prag ca. 7000 Seelen gezählt hat. Das Cap. ״Der Antisemitismus“ halten wir für verfrüht, da die Acten darüber noch nicht geschlossen sind. Der Verf. schreibt S. 134: ״Auf eine Interpellation, die nm 20. November 1880 im Parlamente an die preuss. Regierung gerichtet wurde, welche Stellung sie den Antisemiten gegenüber einnehme, antwortete Minister Windhors-t (!!) ungefähr folgendes: ״Es handelt sich da nicht um einen Culturkampf, sondern um eine Judenhetze.“ Abgesehen von dieser ganz incorrekten Fassung, hat der Abg. Windthorst nach dem stenogr. Wortlaut gesagt:. ״Der gnnze Inhalt meines Gedankens liegt in ganz kurzen Worten: Keine Judenheize, aber auch keine Christenhetze, vor allem auch nicht eine Kiitholikenhet/.e.“ Die Nachricht (S. 139), dass der Itedacteur der ״Meklcnburger Lundcsnachrichten“ vom Grossherzog ausgewiesen worden ist, ist s. Z. dementiert worden. M. S p a n i e r. Alexandrien und Cordovn. Populär-Wissenschaftlicher Vortrag von Dr. M. Tauber, Rabbiner und‘ Prediger an der Neusynagoge in Prag. 1881. Der Vorstand des Vereins ״Afike Jehuds“ (zur' Förderung und Verleitung der Wissenschaft des Judenihums) hat obigen Vortrag dem diesjährigen Rechenschaftsbericht vorangestellt. Der Vortragende charak- ־ terisirt in prägnanter und begeisternder Weise den Geistesaufschwung der Juden in Alexandrien und in Spanien (Cordova) mit den in Philo und Maiinonides gipfelnden Culmiaationspunkten. Bei der Parallele kommt er zu dem Ergebaiss: ״In Alexandrien haben die Juden die griechische Wissenschaft gepflegt und mit dem Judentlmm zu verschmelzen gesucht, in Spanien haben sie das J u d en 111 u m zur W issetjs c ha ft Hl»« .1 n H P n t h n m p s crPQpHairanU — *־ ״ ״'־ ־־־..© - ‘ — -׳•״“״“*. »-»p• Stöckers gefälschtes Christenthum. Rede, gehalten am 15. Oktober 1881 in Berlin von M. Baumgarten, Professor, Dr. der Theologie in Rosioek. Berlin, Stuhr’sehe Buchhandlung. 1881. 33 S. gr. 8. Es ist eine interne Christi. Frage, welche diese Rede zu beantworten sucht. Entspricht Stöcker’s Auttreten den Lehren und Förderungen des Cliristenthums? Erfreulich ist’s, dass ein so durchaus frommer, begeisterter Christ dies verneint, dass er erklärt: ״Laut und immer lauter in steigender Kraft muss sich erheben der moralische und der christliche Protest gegen die Selbstüberhebung gegen die Verfolgungssucht, gegen die Korruption dieses sogenannten socialen Christenthums.“' זעקת •כבר von Samuel Ciiajiin Salmau im Jahre ״Gott möge mich hüten“ (5541) zu Livorno bei Costa gedruckt, 11 S. und 32 Strophen. Wer geglaubt hat, dass Stöcker eine בכת שלא כתובה בחזרה sei^ wird hier eines Bessern belehrt, da dieser als מקלי Ungebrannte Asche“ wird. Dieser Wort-t wltz ׳scheint der Vater ties ganzen Poems zu sein, da? r einen vers- und sprachgewandten Verfasser bekundet, dem jedoch Gedanken und correcte Sprachbehandlung mangeln. Worte, wie Baursoh (Boersel), Zivilisozijaun — Religjaun sin 1 wahrlieh 'keine Zierde eines hebr. Gedichtes Der Gedanke ist — Deutschland, des Geistes Tempel, hat die Antisemiten erzeugt nnd die Judenhetzen in Russland verschuldet — doch die Juden sind unfromm! Das Schlusswort ״Es ist 11ichtZe.it zurechlzuweisen“ hätte der Verf. an den Anfang setzen sollen und dem geneigten Leser würde das Lesen dieser Reeension erspart geblieben sein L N o t i z e 11. 1) Herr Taussig thei11 mir mit Bezug auf meine Reeension seines Werkes ״Meiecites Schelomoh“ mit, dass er die Stelle aus R. Nissim zu Chullin 44!) nicht wörtlich mittheilen wollte, sondern dem Sinne nach nnd zwar in seiner Auffassung. Die Abbrev^ tur עכ״ל sei ein Druckfehler und müsse heissen ,עכ״ד על כן הוא =, wodurch allerdings meine Bemerkung in Bezug auf die Richtigkeit des Chats inodifieirt wird. Dr Buch holz. 2) Ueber die Quelle von אל תקר׳ לבדו אלא לכדו (cfr. Nr 50) schreibt uns der grosse Kenuerer des Midrasch und der damit zusammenhängenden Literatur, Herr S. Bu hur in Lemberg, dass sie im Midrasch nicht zu linden ist; die Tossafot im דעת זקנים (auch מנחת יהודה z. St. 1 citireusie, und spätere Cominentatoren wie ßechaja, Elia Misrschi, Ephraim Luntschitz u. a.; als א״ת kann es nicht gelten, rtur als אסמכתא, wir möchten sagen: ein Wortspiel. — Die Erklärung Raschi's (Gen. 32,35) I ist bekanntlich dem Talmud Chullin 91a entnommen. Verantworüiciier, Kedacteur Dr. Rabiner iu Magdeburg. Druck von 11. Uorbacb in Barbv. Verla״ von Robert Kriege iu Lei per

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.