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Das jüdische Literaturblatt · 1881-12-21 · No. 51. (21.12.1881) · p. Seite 202

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
10 (1881)
Issue
No. 51. (21.12.1881)
Date
1881-12-21
Page
Seite 202 (sequence 2)
Language
German
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— 202 — nigfacher Beziehung ist auch die strenge Unterscheidüng, die S. zwischen religiösem Gefühl und Religion macht, sowie dass ihm die lutherische Reformation zugleich eine Reaclion nicht allein gegen die Macht Roms, sondern gegen das Christenthum überhaupt — dieses ist der Katholicismus, der die Gottheit Jesu, die schon in den Evangelien gelehrt wird, festhält — erscheint. Wird Jesus nur ein Mensch, dann fällt man in die Bibel, in’s jüdische System, zurück. Es ist dies eine passende Gelegenheit, unsere Zeit daran zu erinnein, dass schon der Marquis d’Argens in seinen jüdisehen Briefen die getauften Juden durch Aaron Mouseca hat schildern lassen.*) Sind die, welche nur an Gott glauben, Juden oder Christen? Ob aber wirklieh in unserer Zeit die moralischen Institutionen an Blutleere leiden, darüber liesse sich streiten. Die Milde des Mannes zeigt sich auch in folgendem Satze, in welchein er die unmässigen und theilweise offenkundig falschen Angriffe gegen die Pharisäer in den Evangelien erklären will: ״Ganz aufgehend in die dogmatisehe und moralische Höhe seiner Ideen, zeichnet der Meister des Evangeliums in den Häuptern des alten Jerusalems nur die Kleinseite ihres Wesens, nur ihre schwächste, tadelnswerthe, verwundbarste Stelle. Er lässt bei Seite und gleichsam unter dem Scheffel die geschichtliche Wahrheit ihrer Lage, die ungeheuren Schwierigkeiten, gegen welche sie täglich anzukämpfen hatten, die Corruption, deren Opfer sie selbst wurden.“ Von Salvador inspirirt, ist auch Havet in seinem Werke (Etudes sur le Christianisme et ses origines). Aus diesem citiren wir abschliessend nur den einen Satz ״Weil wir Christen sind, geben wir allzuleicht die Be• Zeichnung ״christlich“ dem, was das Beste bei uns ist. Wohl, da wir einmal uns so gern dieses Wortes bedienen, so sollten wir auch erkennen, dass die Propheten manchmal viel christlicher gewesen sind, als das Evangelium. . . . Aber wenn in den Propheten ausgesprochen die herrlichsten Gefühle der Brüderlichkeit und Liebe werden, so finden sich auch Worte des Zornes, und sie haben in anderer Weise beigetragen zum Erfolge der jüdischen Propaganda, indem sie all’ denen ihre Siimme liehen, welche unter der Ungerechtigkeit litten.“ Salvador war unverheirathet geblieben. Doch zweimal hatte er Vaterstelle vertreten, zuerst, da er 2 Neffen erzog, von denen der Ehie der Oberst ist — der Andere, sein Bruder, zum Steuerfache überging. Das zweite Mal, nach 1866, da er alt und krank sich der beiden Kinder seines verstorbenen jüngeren Bruders annahm. Von 1840 — 1876 hatte er fast ununterbrochen in Passy gelebt, ausserhalb Frankreichs war er nur bis Genf gekommen. Nach einem Kuraufenthalte in Cannes zog er nach Versailles, wo er in der Nähe des Thores lebte und vor dem Tliore einen Garten gemiethet hatte. Die Zeit des Krieges brachte er in St. Melo in der Bretagne zu. Bald nach dem Waf- *) Wir möchten hierauf a. A. Herrn Fritz Mauthner, der in seinem ״ueuen Aliasv er“ seinen Helden in uuerhört leichtfertiger Weise Uber den Uebertritt zum Christenthura räsouniien lässt, besonders hingewiesen haben. (Red.) fenstillstande heimgekehrt, litt der Greis furchtbar unter den Eindrücken der Niederlagen und des Communeaufstandes. Aber all’ das befestigte in ihm den Gedanken, dass eine neue Aera anbrechen müsse, und sie meinte «r in seinem Werke ״Paris, Rome, Jerusalem.“ das er nun in neuer Aullage edirte, gezeichnet zu haben. Gottergeben fühlte er das Ende herannahen. ״Gottes Wille gescheheI Ich habe ihm zu danken für die langen Tage, welche er meiner schwachen Constitution geschenkt, dafür, dass er mir gestattet hat, das Werk meines Lebens zu beendigen“. Am 15. März 1873 versammelten seine Verwandten, die in Paris wohnten, auf seine Einladung sic״ bei ihm. Es war dies sein Abschied von ihnen, denn er bat sie, ohne Aufforderung nicht wieder zu kommen. Am 17. März starb er, 77 Jahre alt, ruhig und sanft. Das Anerbieten des Centralkonsistoriums, seiner Leiche öflfentliehe Ehren zu erweisen, musste die Familie nach der Bestimmung Salvadors, dass sein Lcichcnbcgängniss einfach und still gehalten werden sollte, ablehnen. Seinein Wiiusche gemäss wurde er in Vigon in den Cevennen, wo seine Eltern ruhten, beigesetzt. Dort ward er unter ״Glockengeläute“ beigesetzt. — Ist dies ein Zeieben, dass ihm persönlich die Vereinigung der Religionen gelungen ist, oder dass die Minorität, welche eine Vereinigung anstrebt, der Majorität bedingungslos zufällt? Wird Salvador's Familie denselben Weg gelten, wie die Mendelssohn’s? — Mag dies werden, wie imtner. Das Judenthum darf sieh solcher Söhne, wie J# Salvador war, rühmen. Auch wir dürfen den Worten eines seiner bedeutendsten Kritiker beiptlichten, mit welchen Herr Oberst Salvador sein geistvolles Werk abschliesst: ״Man kann Vieles von Salvador entnehmen, in Vielem ihm nacheifern, Viel an ihm lieben, selbst wenn man in wesentlichen Punkten sich ihm fern fühlt und von ihm sich trennt.“ Bemerkungen zur Massorali auf Onkelos. Von S. B. Schefftel in Posen. I. Berliner ״Massora“ S. 12. לקיחה דפתרג׳ דבירא דרוזי ויהי בערב (Gen. 12, 19j להון נסיבה ג׳ באורי/ ואקח אותה (Gen. 34, 2) נשיא הארץ (Geil. 29, 23). An diesen 3 Sielieu ist itn Targ. דבר לקח. wo dein Sprachgebrauche gemäss, mit נסב zu übersetzen wäre. Bezüglich lebender Wesen, die mittelst Hinwegführens genommen werden, ist ״ דבר לקחführen“; bezüglich einer Frau, in der Bedeutung: eine Frau zur Ehe zu nehmen, ist לקח immer נסב. Der Verfasser des ״Patschegen“ findet mit Recht dass auf die Stelle Gen. 29,23 ויהי בערב ויקח את רחל בתו ויבא אוחה אליו die Bemerkung des Massora nicht zutrifft, da Laban die Raitel nicht sich gewonnen, sondern sie geführt, utn sie zu Jacob zu bringen, hier ist jedenfalls דבר sprachgemäss, wie in Gen. 16,3: ותקח שרה... את הגר וחתן אוחד, לאברהם, woselbst ודבבח ותקח■ So weit Patscliegen. Eine Lösung der Schwierigkeit, findet er nicht. Die in Massora Magna S. 12 angeführte Erklärung stellt die Sache erst recht auf den Kopf — Die Worte ויהי בערב sind zweifellos verschrieben, statt der graphisch sehr ähnlichen Worte: והיא בעלת (Gen. 20,3) האשה אשר לקחת והיא בעלת בעל Hiermit ist die M. vollständig klar. Obschon an die-

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