Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 10 (1881)
- Issue
- No. 50 (14.12.1881)
- Date
- 1881-12-14
- Page
- Seite 198 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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198 — und seine Starke erblickend in der Zeit und in dem Entschlüsse, Widerstand zu leisten, hatte die besiegte Sekte des Hebräismus stets den Gedanken vor Augen, dass sie nach Jahren und Jahrhunderten einer schreckliehen Leidenszeit sicher wieder eine neue Aera wahren Urtheiles und voller Gerechtigkeit aufleuehten sehen werde War der zweite Tempel durch die Westlander, wie der erste durch die Ostländer zerstört worden, so wird früh oder spät auf dem unzerstörbaren Grunde des Gesetzes ' ein dritter Tempel erbaut werden miisssen. ein Altar der neuen Verbrüderung, welcher alle Völker in bewusstem und freiem Willen Zuströmen werden“. Der Hebräismus ist Salvador der Boden der Zukunft, der heilige Glaubenssamen, der einst herrlich aufgehen wird. Die Entwickelung dieses Samens zu zeigen und zu zeitigen, fühlte er sich berufen. Der Geschichtschreiber wandelt sich in einen Propheten — der Erzähler in dei. Stifter einer neuen Religion, einer neuen Weltordnung. Salvador und mit ihm seine Familie betrachtet seine Lebensarbeit erst auf der Höhe, erst abgeschlossen mit: Paris, Ron^ Jerusalem, (oder: die religiöse Frage im 19. Jahrhun dert, Paiis 1860, 1 Bd. 210 S.) Rdnan besprach es in der ,Revue des deux Mondes“ vom 15. October 1860, in welcher er es eines der originellsten Bücher nennt, welche seit Jahren über die religiöse Frage erschienen sind. Dieses Diktum gemahnt uns daran, dass man für hässliche junge Damen das Beiwort ״interessam“ anzuwenden pflegt. Die Hauptfrage ist: ,Wird sich eine neue Religion bilden? oder — wenn die Religionen eine Zukunft haben—wie wird sie beschaffen sein? Rdnan findet Israels Bedeutung nur darin, dass es die Bibel bewahrt hat. Salvador behauptet dagegen, dass das Christenthum seine Aufgabe als Religion der Menschheit nicht erfüllt har. Alles muss zurückkehren zu der Religion, welche kein anderes Dogma, keine andere Vorschrift, kein anderes Gebot kennt, als: ,Höre Israel, der Ewige ist einzig-, du sollst deinen Nächsten lieben, wie dich selbst; du sollst keinen anderen Herren haben, al9 das Gesetz.“ Bekenne offen, welches ist dein Namen? — Mein Namen! Ich heisse J uda, das heisst, Lobpreisender, unveränderlicher Verherrliche!• des Wesens, des Einzigen, des Ewigen! Dein Alter? — Mein Alter! 2000 Jahre mehr als Jesus Christus. Dein Gewerbe? — Ich lasse bei Seite die traurigen Professionen, die man mir aufgedrängt und deren Eindrücke und Consequenzen ich noch allzu sehr zeige. Aber meine eigentliche Bestimmung, mein traditionel-!es Gewerbe ist: Ich garantire die heilige Unverletzlichkeit des Namens: Gesetz — ich bin der lebendige Bcwahier des anliquen Edelsinnes und der Legitimität, die durch göttliches Recht im Namen de3 Volkes befestigt ist.“ — Er erklärt Rom als einen Usurpator, verlangt das Wegschaffen der Gottheit Christi — Ich weiss auch und schon seit lange, dass die andren Völker dort eine Stelle linden werden, zu brechen ein neues Brod, zu beginnen die wahre Ruhe, den wahren Sabbat des Ewigen, zu feiern neue Ostern! Dies ist mein freies und legitimes Zeugniss. Gleichwie in einem Hexenkessel brodeln alle religiös-idealen Wünsche und Bestrebungen, alie politischen und socialen Blasen durcheinander. Klarheit ist da nicht zu verlangen, denn das Wesen des Phantastischen ist die Unklarheit. Einklang wird verlangt zwischen Staat und Kirche — ein tiefinnerer Zusammenhang, ja eine organische Vsrbindung, ein Einswerden von Politik und Glauben. ״Die Bo'schaft hör’ ich wohl, allein mir fehlt der Glaube“. Selbst de Sacy wies die Religionsmacherei zurück. Er schliesst seinen Artikel ״Ich habe die Schlüsse des Herrn Salvador bekämpft; sein Buch ist nichts desto weniger in meinen Augen eine dem religiösen Principe dargebrachte Huldigung. In unserer Zeit hat Niemand voller es gefühlt, wie der Mensch sich tauscht, wenn er bei seinen! Wirken der Segnungen des Höchsten entrathen zu können meint. Nichts wächst und Nichts entfaltet sich, als was Gott gesegnet hat. Diese Wahrheit darzuthun hat Herr S. sein Lebelang sich bemüht. Selbst, wenn der Philosoph in ihm auf Irrwege geräth, hält der Israelit noch im Grunde seines Herzens zu den Patriarchen, zu den Propheten.“ (Schluss folgt; Weshalb sind in Talmud und Midrasch die hasnionäischen Siegesthaten nur schwach und so obenhin erwähnt? (Schluss.) Bedarf es nach alledem noch einer Erklärung, weshalb in der talmudischen Literatur die Siegesthaten der Maekabäer keine Gtorificirung erfahren haben? Hätte nicht gar zu leicht, die begeisterte Schilderung von jenem kle neu Häuflein, das den Kampf mit mächtigen Heeresmassen aufgenoinmen und auf das Gläozendste zu Ende geführt, Nachahmung erwecken und zur Auflehnung gegen die unüberwindliche Macht Roms fortreissen können? Wie der Urheber der berühmten achtzehn Geseroth, Eleasar ben Ananias, in dem mit der Zerstörung Jerusalems endenden Kriege die Unsnionäerrolle Hatte unfertigen lassen, um an dem Beispiele der Vorfahren den kriegerischen Mull! der Zeitgenossen zu entzünden, (Graetz 111. p. 356), so hat man sich später, um vergebliche Aufstand-.versuche zu verhindern, genöthigt gesehen, grade das Andenken an die heldenmüthigen Thaten eines Juda Makabi mögliehst zu verwischen und nur auf die Weihelichter, die Symbole der ewig fortleuchiendeu Religion, die' Aufmerksamkeit zu lenken. Damit stimmt auch zusammen die Angabe in Ilalachot gedolotli und HilchotSoferim, dass eine von den Aeltesten der Schule Schammais v. Hilleis verfasste ״Megillah bet CI1as«hmonai“ später der Oeffentlichkeit emzogen worden se* das aber ge■ schall uicht, wie Jellinek (ib.) meint, aus Rücksicht auf die römischen Machthaber, sondern in unmittelbarem Interesse des jüdischen Volkes selber. Möglich ist auch, wie mein verewigter Lehrer Frankel in Darke Mischna (p. 303) bemerkt, dass der Talmud auch deshalb nicht gern viel von den Hasinonäern sprechen mochte, weil die späteren Glieder dieses Hauses bei ihm sich durchaus keinen gulen Namen erworben, über die Hauptiirsaclie kann dieses wohl bei dessen sonstigern Gerechtigkeitssinne nicht gewesen sein. Dass man beim Purimfeste nicht ebenso wie bei dem Clianukafeste verfuhr, braucht wohl nicht erklärt zu werden. Denn, wenn man auch den Abschluss des Kanon in eine noch so späte Zeit setzen sollte, so wird man doch zugeben müssen, dass das Buch Esther nicht den