Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 10 (1881)
- Issue
- No. 49. (7.12.1881)
- Date
- 1881-12-07
- Page
- Seite 195 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 193 Strebungen entflammen müsse. Wie sehr man hier zu dämpfen sich bemühte, beweist u. A. eine Stelle im Midrasch zum Hohenlied: Wenn auch ein selbstständiger jüdischer Staat ganz gewiss wieder erstehen werde, so fc^be doch Gott Israel im Hinblicke auf die traurigen Erfahrungen besonders unter Bar-Kochbn beschworen, nicht gewaltsam durch Auflehnung gegen die Regierungen das Ende des Exils beschleunigen zu wollen“.*) ln diesem Streben glaubte man nicht weit genug geben zu können. Man zog die äussevsten Consequenzen, indem man selbst die Stellen der heiligen Schrift, welche Tapferkeit und Heldenmuth verherrliehen, ihrer ursprünglichen Bedeutung entkleidete und ihnen eine jüdisch-religiöse Färbung gab. Denn wie leicht hätten die biblischen Schilderungen von gewaltigen Heldenthaien in kräftigen Jünglingen ritterlichen Muth und kriegerischen Sinn entzünden und zu einer zwecklosen, nur das Elend der Gesammtheit vermehrenden Schilderhebung sie fortreissen können 1 Es ist dieses eine Erscheinung, welche nicht minder der Erklärung bedarf, wie das Verschweigen der hasmonäisehen Siege, und nur auf diese Weise ihre Lösung fin• det. Um nur die trappantesten Beispiele herauszugreifen, so kann die Agada sich nicht damit befriedigt fühlen, dass der Held Benaja 80hn Jojada’8 eine Probe seines grossen Mu'hes dadurch abgelegt haben sollte, dass er einen Löwen an einem rauhen Winterlage in seiner Grube erlegte; nein, meint sie, es muss dieses einen anderen Sinn haben, es sei dieses allegorisch dahin zu verstehen, sagt ein Lehrer, dass er im stärksten Frost Beinigungsbäder zu nehmen nicht verabsäumt, ein Anderer erklärt es dahin, dass er es fertig gebracht, an einem kurzen Wintertage ganz Thorath- Kohanim durchzulernen**) (Berachoth 4a). Was hätte nicht die Sage eines anderen Volkes aus einem David gemacht, der seine Heldenlaufbahn mit der Erlegung eines Riesen Goliath begonnen! ,Aber die Agada lässt nicht den königlichen Helden hoch zu Ross Uber das Schlachtfeld dahinsprengen, sondern sie zeigt ihn uns sozusagen als einen ראש ישיבה, sie lässt ihn in einem rabbinischen Lehrhause den Vorsitz ttthren und ihm don Frauen ihre leligionsgesetzlichen Fragen vorlegeu.f) Sie blickt deshalb auch mit be-onderem Wohlgefallen auf Personen, welche gar nichts Kriegerisches an sich haben; den Sohn des edlen Jonathan, den Mephiboseth, dessen Gutherzigkeit zwar fast zu Thränen rührt, der aber schon durch seinen lahmen Fuss gehindert ist, in den Krieg zu ziehen und auclrln Seinem ganzen Wesen nichts Ritterliches hervortreten lässt, — ihn möchte sie, wenn es ginge, womöglich noch höher als David stellen, und von ihm berichtet sie, dass er selbst diesen durch seine überzeugenden halachischen Ausführungen beschämt habe.+f) Alles das würde uns unverständlich sein und wohl auch rechtfertigen das Gerade unserer Feinde von der Feigheit und der Pulverscheu, die uns Juden anhaften 8011, wenn sich eben in derartigen Ausführungen nicht das Bestreben offenbarte, die hochgehenden, vor Waffengewalt nicht zurückschreckenden nationalen Leidenschaften zurückzu- ד Zu Vers השבעתי אתכם Cap. u,7. השביע לישראל שלא ימרדו על המלכות, ושלא ידחקו על הקץ ♦ השביען כנגד ד׳ דורות שנדחקו על הקץ ונכשלו ♦ ♦ ואחד בימי בן כוזיבא * * * ״♦) Herachoth 18: ובניהו בן יהוידע * רב פעלים מקבצאל שרבה וקבץ פעלים לתורה, והוא הכה אח שני אריאל מואב שלא הניח כמותו לא במקרש ראשון ולא במקדש שני והוא ירד והכה את הארי בתוך דבור ביום השלג, איכא דאמרי דתבר גויוי דברדא ונחת וטבל, א״ד דתנא סיפרא דבי רב ביומא דםיתוא. +) Berachoth 4a: אמר דוד לפני הקב״ה לא חסיד אני שכל מלכי מורח ומערב יושבים אגודות אגודות בכבודם ואני ידי מלוכלכות בדם ובשפיר ובשליא כדי לטהר אשה לבעלה. tt) ibi«i. למה נקרא שמו טפיבשת שהיה מבי־ש פני דוד בהלכה. halten und das jüdische Volk zu dem frommen Dulder zu erziehen, der geduldig sein Joch tragend, vor den Widerwärtigkeiten draussen sich in die stillen Räume des Lehrhauses zurückzieht. Wer kann ermessen, wie viel Elend die alten Vertreter des Judenthums durch eine solche weise Art von ihren Glaubensgenossen abgewehrt haben; wer weiss, ob diese wohl auch ohne Anwendung dieser Erziehungsmethode 80 geduldig ihren Rücken gebeugt unter den Schlägen ihrer Bedrücker, ob sie dann nicht den Versuch des Barkochba — natürlich mit demselben Misserfolge — oft wiederholt hätten. (Schluss folgt.) Literaturbericht. Receisioar■. Taussig, Salomo, Meleches Schlomo, II. Verlag der Acker man n'sehen Buchh. in München. ספר מלאכת ש למה חלק שני, העתקות מכתבי יד ישנים בבליאטעק מינכען ובו נכלל מסכת חולין עם כל שקלא וטדיא אות באות העתקה נכונה כאשר הוא בתלמוד כתב יד ש ״ ם מ י נ כ ע ן [95 .Co<t הנקרא ש״ס פפערשע] וכו׳ ותוספות חולין מכתב יד ישן [236 .Cod] והגהות מצאתי כתוב בכתב ישן בגמרא אחר וכו׳ ופירוש דברי שלמה על גירסאות השונות מדפוס וכו׳ מאתי שלמה ולמן טויסיק תושב מינכען. Herr S. Taussig, ein Kaufmann in München, der seine Mussestunden dem Talmudstudium widmet, bie* tet in dem hier angezeigten Werke: 1) den Abdruck der drei ersten Abschnitte des Tractats Chullin aus der bekannten Münchener Talinudhandschrift; 2) den Abdruck von Tossafot zu dem genannten Tractat aus einer ebendaselbst befindlichen Handschrift ,vöm Jähre 1360, Cod. 238. 3) den dritten Abschnitt desselben Tractats aus einer Handschrift der Hamburger Bibliothek, Cod. 169; 4) Varianten zum Raschicommentar zu Chullin 42b bis S. 63b. (21 Pergamentblätter auf der Münchener Bibliothek, bei Steinschneider unter Nr. 356), und endlich 5) einen sei bst verfassten Commentar über den Werth und die Bedeutung der Varianten im Talmud, Raschi und Tossafot für Verständniss und Halacha. Der Herausgeber verfolgt nicht sowohl bibliographische oder literarhistorische, als vielmehr, wie er öfter betont, rein talmudische Zwecke, indem er den den Talmud Studirenden, namentlich den dem Rabbinerfach sich widmenden Gelegenheit bieten will, den für die Praxis so wichtigen Tractat Chullin gründlich zu studiren. Unter den zu diesem Zwecke vom Herausgeber dargebotenen Materialien steheu in erster Reihe die Mittheilungen aus den Talmudhandschriften. — Alle bedeutenderen Schriftwerke, die vor Erfindung der Buchdruckerei verfasst worden sind, haben das gleiche Schicksal erfahren, vielfach corrumpirf auf die Nachweit zu kommen. Jemehr aber ein Werk im Gebrauch und je grösser 6ein Umfang war, desto zahlreicher wurden die Corruptelen, die Verbesserungsversuche und demzufolge die Lesearten. Der babylonische Talmud, eines der ältesten, umfangreichsten und gebrauchtesten Weike, die auf uns gekommen, das auch noch durch die Schwierigkeit der Form dem lirthum reichen Spiel raum darbot, war schon in früher Zeit durch Verschiedenheit der Lesearten und Abschreibefehler entstellt. Viele talmudische Discussionen haben solche Varianten zur Grundlage, welche nicht blos den Text der Mischna, sondern selbst Aussprüche älterer Amoraim betreffen. Es kann da9 nicht Wunder nehmen,