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Das jüdische Literaturblatt · 1881-11-30 · No. 48. (30.11.1881) · p. Seite 191

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
10 (1881)
Issue
No. 48. (30.11.1881)
Date
1881-11-30
Page
Seite 191 (sequence 3)
Language
German
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— 191 wuth, von welcher im Mittelalter verblendete Priester und unwissende Pöbel häufen besessen waren. Wahrlieh, der Rock des Priesters schützt in der katholisehen Kirche so wenig, wie in der protestantischeih vor Rassen- und Glaubenshass. T _1 ׳ Was ist טלאים״“? (Sam. I. 15,4.) ״Saul zählte das Volk vermittels Lämmer“, indem Jedermann ein Lamm — nach Einigen dem königl. Stalle entnommen, nach Andern waren es die Osterlämmer — zum Zwecke der Volkszählung abgab, und will der Talmud (Joma 2‘2b) daraus den Beweis holen, dass das Volk nicht nach Köpfen conscribirt werden soll.* *) Redak versteht unter ״Telaim* eine Stadt dieses Namens, in welcher die Zählung vorgenommen wurde, wobei aber nicht nur der Beweis ״nicht nach Köpfen zu zählen* leidet, sondern ein Ort dieses Namens gar nicht bekannt ist.. Br. Rabba Cap. 79 hält טלאים für סלעים; aber auch die9es, wenn ein Ortsname, kommt nur ak סלע (Kön. II 14, 7) vor, und lag im Edomiterlande (Arabia Petraea), entfernt vom damaligen Kriegestheater. Möglich denkt der Midrasch au die beiden Bergspitzen!סלע), von welchen die eine Michmasch gegenüber lag, die andere Sene hiess, (Sam 1.14,4) welche dem damaligen Tummelplätze nahe lagen, wobei aber wieder der beregte Beweis wegfüllt. Will man den Widerspruch zwischen Talmud und Midrasch vermeiden, so wären wir geneigt anzunehmen, dass letzteres unter ״Selaim* Geldzeichen ausdrücken wollte, so wie סלע שעל הצינית (Sabbat 65a), ohne auf den specielleu סלןן — Drachma Stater zu letlekiiren, der zur Zeit lange noch nicht geprägt war. Gab es aber zur Lebenszeit Saul’s irgend einen Werth besti m m u ngs m esser? Nach Grässe circulirten schon im 11. Jahrhundert v. d. g. Z., also schon vor dem Leben des. König Saul würfelförmige Metallstücke;**) jüdische Schekel gm5״n nur nach Gewicht, nicht als Präge. Es dürften zu jener Zeit derlei ausländische Würfel im Verkehr gewesen sein, welche der Midrasch unter dem Ausdrucke ״ סלעיםGeldstücke“ andeutet. Zudem sei noch bemerkt, dass in der griechischen und römischen Epoche die verschiedentsten Embleme auf den Münzen iigurirten, worunter die Ziege in der Stadt Aenus und Elyrus, der Widder in Antiochia, (Grässe ibid) und es ist möglich, da89 der Midrasch unter dem Ausdrucke ״Seloim“ Geld• Zeichen nach dem Embleme, wie sie in dessen Zeit oder Erinnerung lebten, undeuten will, wie der Name ווו von Zeus (Aboda sara 50a) oder wie man von ״Eulen nach Athen bringen“ spricht, und wie man heute die 20 Francslücke nach dem Embleme ״Napoleons“ nennt. Wir können dieses Argument noch weiter fortspinnen. Den unklaren Ausdruck קשיטה (Mos. I 33 Vers 20; Josua 24,32; Hiob 42,11), welchen der Talniud für eine Art Geldzeichen: מעה hält, halten die Karäer für Lamm: כבש (R. Haschana 26a; Pinker’s L Kadmonioth Seite 230) also טעה קשיטה כבש und ebenso Telaim סלעים• Noch zutreffender übersetzen die Targumiui das für Geldzeichen geltende קשיטה mit חורפא bezügl. Plural חורפן; nun übersetzt Onkelos כבשות (Mos. I, 21, 28 bis 30) gleichfalls mit חורפן,***) R0 ist denn wieder כבש חורפן טעה oder Telaim Selaim. Wir erinnern jedoch daran, dass die semitischen Sprachen das ל gern mit der ר verwechseln, und wäre unter הורפא sonach ganz allgemein ein ״übliches Ta u 8 c hmittel“ (vom Radix חלף) zu verstehen. Gr.-Kanizsa. L ö w y. •) Die Vulgata übersetzt: ״er zählte sie w i e Lämmer* כטלאים) Rd. **) N*fih B. Kam• 97b 8011 sogar Abraham schon Münzen geprägt haben! (cfr. Sabbat 38b). *! Auch der Samaritaner übersetzt עתודים mit ערפים (Mos. IV 7). Literaturbericht. Reeeasi•■». Wünsche, Dr. August, Lic., biblioth. rabb., eine Sammlung alter Midraschim, zum ersten Mal ins Deutsehe übertragen. 12. Lief. Midrasch Schemoth Rabba. (d. i. die allegorische Auslegung zum 2. Buch Mosis), Leipzig, Otto Schulze 1881. [Fortsetzung.] S. 15 hat der Uebersetzer auf Jochebed und Amram bezogen, was sich auf Mirgam und Kaleb bezieht, indem er eine in Sota 12a auf Jochebed und Amram bezügliche Aeusserung wegen ihrer Aehnlichkeit mit der hier im Midrasch vorhandenen verwechselt hat. In der Erklärung des Wortes אבי bei den Namen, die der Midrasch Kaleb beilegt, übersetzt Verfasser also: ״Abi hiess er, weil er ihm wie ein Vater geworden war“, es muss aber heissen: ״weil er ihr(Minjam) wie ein Vater geworden war.“ Weiter übersetzt der Verfasser eine Bibelstelle angeblich: ״Es waren die zwei Weiber wie die 2 Weiber Ohelea und Naöra“. Das ist aber gar keine Bibelstelle, und Uebersetzer hat hier einen Midrasch durch unrichtige Satztheilung missverstanden. Der Midrasch sagt also: ״Er hatte zwei Weiber“ (s. stellt in der Schrift) das bedeutet ein Weib, das ihm so werthvoll war wie zwei, ״Chelea und Naöra“ (so steht in der Schrift) das sind 2 Namen für Mirjam. Auf derselben Seite übersetzt Verfasser die Worte ״ שקצץ טרגליטweil er sich von den Kundschaftern absonderte“, es muss aber heissen: ״Weil er die Kundschafter spaltete“ Auf derselben Seite übersetzt er: וכה להעמיד ממנה 1׳משפחות,,sie war würdig, Familien von sich zu stellen“, es muss aber heissen: ״Er (Kaleb war gewürdigt wor- "den, Familien vQn ihr (Mirjam) zu errichten.“ S 16. Der Midrasch frägt, warum in der Thora die Frau des Leviten eine בת לוי genannt wird, da sie doch 130 Jahre alt war und Chama bnr Chanina in dieser Frau die Jochehed bezeichnet sieht, von der er sagt: והיא היתה הורתה בדרך ולידתה בין החומות, das heisst, ״die Geburt der Jochebed erfolgte zwar in Egypten, aber die Schwangerschaft ihrer Mutier trat auf der Reise dahin ein“. Wünsche aber bezieht diesen Vers auf Jochebeds Schwangerschaft und Niederkunft und übersetzt: R. Chanina hat gesagt: ״Es war Jochebed. Unterwegs war sie schwanger und sie kam zwischen den Mauern Egypiens nieder, u. 8. w.“ (Das ״sie“ bezieht sich doch grammatisch hier auf Jochebed). S. 18. Der Midrasch will den Widerspruch erklären, der ihm darin besteht, dass die Tochter Pharao’s erst von mehrereu Zofen begleitet an den Fluss geht, und doch nachher nur von einer Dienerin die Rede ist, die sie nach dem Kästchen sendet. R. Jochanan sagt nun, dass die Dienerinnen den Versuch gemacht hatten, die Königstochter von der Rettung des Kästchens abzuhalten; da sei Gabriel gekommen ״ וחבטן בקרקעuud habe die Zofen in die Boden gesenkt.“ Nun hat Wun6che statt וחבטן entweder flüchtig oder durch schlechten Druck וחבטו gelesen, also statt ן ein ו und darnach ״senkte ihn in die Erde“ übersetzt, was gar keinen Sinn hat. Die sich daran anschliessende Erklärung des Midrasch über das Wort ואמתה ist ein Streitpunkt zwisehen R. Jehuda und R. Nechemja, der eine übersetzt es ihre Hand, der andere ihre Magd. Nun sagt der Midrasch den Grund dieser Meinungen: טעמא דמאן דאמר ידה דכתיב אמתה וטעטא דמאן דאמר שפחתה דלא כתיב ידה, das heisst, der eine übersetzt ״ihre Hand“, weil אמה dies bedeutet, der andere: ״ihre Dienerin“, weil sonst ידה

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