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Das jüdische Literaturblatt · 1881-11-23 · No. 47. (23.11.1881) · p. Seite 187

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
10 (1881)
Issue
No. 47. (23.11.1881)
Date
1881-11-23
Page
Seite 187 (sequence 3)
Language
German
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187 1763 Verse gezählt (die Angabe für alle Hagigraphen: 8063 oder 8064 — Dikduke Teatnim ed. Baer und Strack § 68 und Jalkut Ekeb I. § 855 — lässt das mit Sicherheit erkennen), wie auch noch Buxtorf in Tiberias (Basel 1665 p. 119) angiebt.*) Dagegen tindet 111811 in einigen Bibelausgaben (z. B. in der Warschauer Biblia rabbiniea) 1787,**) in den gewöhnliehen Handausgaben ־!•) endlich ist 1656 und das dazu gehörige memonische Zeichen angegeben. Diese Zahl (dessen erste Quelle ich nicht kenne) ist nun nach der Versabtheilung in unseren Ausgaben, auch nach denjenigen, in welchen die Zahl angegeben ist, grundfalsch. Sollte aber möglicherweise in ihr eine Retniniscenz stecken von einer Zeit, in der man mehrere der oft ja äusserst kurzen Verse der Chronik, namentlich wohl in den verschiedenen Listen, in eins zusammengezogen hat? Könnte man vielleicht annehmeu, dass die ursprilngliehe Zahl 1566 war, und dass man erst später, als man die Differenz »wischen der alten Zählung und den vorhandenen Versen gar zu gross fand, die leichte Aenderung von' 1566 zu 1656 vorgenommen hat?ff) Da dies aber auch nicht der Wirklichkeit entspricht, geht man nach und nach weiler bis 1763, 1765 und 1787. Dürfte man also 1566 aus dem falschen 1656 herauslesen, dann wäre das Gesuchte gefunden, denn Josua zählt 656 Verse Richter מ 618 Samuel I u. II ״ 1506 5» Könige 1 u. II ,, 1534 יו wozu also Chronik mit 1566 ״ nach unserer Conjectur. Summa 5880 die aufgegebene Zahl 5888 oder 5880. Es braucht nicht, gezeigt zu werden, dass diese Erklärung der schwierigen Talmudstelle, wenn sie fielttig ist, einen Einblik gewinnen lässt in die Weise, wie Bibelcodices oder Theile davon in der ältesten talmudischen Zeit geordnet waren. Die Stelle würde es also verdienen, neben dem zum Uebcrtluss benützten Citat aus Baba bathra 14b augezogen zu werden. Copenltagen. I). Simonsen. Literaturbericht. Pecensiouen. Vogel, Fridcticus Dr. phil. De Hege si p p0, 4 u i d i c i t n r J 0 s e p h i i n t e 1• p r e t e. Erlangae A. I) e i - chert, 1881. 8°. 61. pp. Der Literarhistoriker hat gar Manches mit dem Kunstkritiker gemein. Er hat, wie dieser den kttnstlerischen, so seinerseits den jedem Zeitalter eigenthüinliehen literarischen Zug zu kennzeichnen. Beide haben es leslzustellen, worin das den verschiedenen, ein und demselben Zeitalter entstammenden, Schöpfungen Ge*!»einsame besteht; die glückliche Lösung dieser Aufgäbe ist oft von ungeahnter Tragweite; sie giebt uns Mittel an die Hand, in zweifelhaften Fallen durch Rück- Schlüsse Schwankendes zu sichern, Unsicheres festzustellen; sie ist uns oft auf den Irrwegen der Chronologie ein zuverlässiger Führer. Gar oft stehen sie Beide unschlüssig vor solchen *) ln einer hiesigen iiibellts. vom Jahre 1301 scheint die Zahl, deren Anfang unerkennbar ist, 1765 zu sein. **) Dies dürfte auch mit der jetzigen Versabtheilung, die nicht Übernil conform ist, ungefähr Stimmer. f) So auch in denjenigen Ausgaben, die sonst Rücksicht auf die Massora nehmen, z. B J. H. Michaeli's und Hahn's Bibelausgaben. 1- ++) Das raenemotechnische Zeichen, das wohl jüngeren Datums ist, dürfte keine wesentliche Stütze für 1656 bieten. Man kann daraus nöthigeufalls auch 1566 eruiren. Schöpfungen, deren Ursprung und Abstammung durch untrügliche Zeugnisse nicht festgestellt, durch positive Ueberlieferung nicht erhärtet sind. In diesem Falle sind die Eigentümlichkeiten des fraglichen Stückes zu bestimmen; es lässt sich sodann erkennen, ob sie zu den Merkmalen anderer bereits bestimmten Werke passen oder nicht. Oft ist auch dies nicht möglich; der einmul verlorene Faden der Ueberlieferung lässt sich nicht mehr linden. In anderen Fällen zeigt sich die geläu- (ige Ueberlieferung als trügerisch, da sie den massgebenden Grundbedingungen widerspricht. — Es gehört zu den wohl mit Sicherheit nie inehr zu lösenden Fragen, im Bereiche der Literaturgeschichte, wer wohl der ״Hegesippus“ genannte Verfasser des ,Jüdischen Krie* gesu gewesen sein mag. Für Rufin us erhoben sich Stimmen, und gar gewichtige. — Männer, auf deren Schultern, man kann es ohne Uebertreibung behaupten, das erhabene Gebäude der classischen Philologie zum guten Theile ruht: Ernsmus, Scaliger und Casaubonus. Um den glaubensstarken Ambrosius schaarten sich Vallar* sius, Gronovius, Gallandius. Von Neueren schlug sich zu den Letzteren Weber und Reifferscheid, ohne es jedoclt näher zu begründen, was sie zu ihrem Glauben veranlasst.*) Vogel versucht in streng Wissenschaftlieber Weise, mit philologischer Akribie, den Dingen auf den Grund zu kommen und giebt uns in seiner in herrlichem Latein abgefassten Abhandlung eine Reihe höchst schätzenswerther Resultate, die wir, seinein Beispiele folgend, hier kurz andeuten wollen. Schott Vossius hat es bemerkt, das Hegesippus folgendermassen entstanden ist: Es hat ursprünglich geheissen: ״Ex Josep 11 i historia de bello Judaico“, woraus durch die Unwissenheit des Abschreibers ״Ege* s i p p i hist, de b. J.“ ward. Vogel stützt diese Ausicht durch den richtigen Hinweis darauf, dass sowohl in anderen Büchern als im ״Hegesippus“ selber für Josepltns ״Joseppus“ oder gar ״Josippus“ zu lesen ist. Der Name Hegesippus kommt zuerst in Handschriften jüngeren Datums und bei Schriftstellern des XII. Jahrhunderts vor.**) (p. 46 f.) Bei Eucherius, der im 5. Jahrhundert gelebt, wird des Hegesippus Buch citirt, aber noch unter den Namen ״Josephus“, Vogel hätte diesen Punkt schärfer betonen müssen. Der Beweis, dass Ambrosius nicht der Autor des in Rede stehenden Werkes, dessen ursprünglicher Titel ״Captivitatis Jadaicae libri“ <p. 43) gelautet, gewesen sein kann, darf als erbracht erachtet werden (p. 15 ff.) Mit geradezu bewuudernswerther Meisterschaft ist die Grundlosigkeit des Beweises gezeigt, dass Ambrosius der Autor gewesen sein müsse, u. z. darum, weil Anklänge an Sallust im Hegesippos sich finden, und diese gewiss nur durch den belesenen Ambrosius angestimmt wurden. — Indem nun Vogel darlegt, dass in den Ambrosius zweifellos angehörigen Werken sich kaum eine Spur von der Bekanntschaft mit Sallust zeigt, hat er die so lange geltende Thatsuche richtig gestellt und den Folgerungen eine feste Grenze gesetzt, (p. 26 f.) *) Es sei hier erwähnt, dass aurh unser Altmeister Zunz die Frage nach dem Zeitalter des Hegesippus in seinen ,Gottesdienst* liehen Vorträgen“ p. 15U berührt, und ihn in ,die nachtalmudisehen Jahrhunderte“ versetzt. **) Ob dem in der That so ist, das steht nicht so nnbezweifeit da. Nimmt man nämlich die Stelle S. 350—351 der Breithauptischen Ausgabe des Josippon als echt an, dann beziehen sich uie Worte גישיפוש ברומי p. 351 nach Rapoport (vgl. Zunz G. V. p. 150a) auf den lateinischen Egesippus, im Gegensätze des יוסיפוס ביוני. Josippon hat wahrscheinlich im 6.. spätestens im 10 Jhdrt. d. g. Z. gelebt; es erleidet demnach die Behauptnng, dass der 1 Name Egesippus erst bei Schriftstellern des 1?,. Jhdrts. »ich lindet, ' eine wesentliche Modification. t

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