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Das jüdische Literaturblatt · 1881-11-23 · No. 47. (23.11.1881) · p. Seite 186

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
10 (1881)
Issue
No. 47. (23.11.1881)
Date
1881-11-23
Page
Seite 186 (sequence 2)
Language
German
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— 186 die Aera der liberalen Katholiken, die Zeit nach 1830. La Mennais, Lacordaire, Montalembert gaben in Frankreich den Ton an. Das Christenthum ist nach Salvador — und hier ist er ganz Jude — nur die Form des Judenthumes, welche die Heiden zur Anerkennung der Einheit Gottes zu führen bestimmt ist. Wie können die verschiedenen Religionen, welche ja zu demselben Ziele führen, sich vereinen, oder wenigstens in Ein• tracht mit einander leben V Das war die Frage, welche, wie die liberalen Katholiken, auch Guizot, den Protestanten und Salvador den Juden beschäftigt. Bemerkcnswertli ist’s, dass der Jude Salvador Strauss gegenüber die Authenticitüt der Evangelien aufrecht hält. Freilich auch unser Verfasser spottet über die deutsche Gründlichkeit und die deutsche Kritik — und Salvador war von dieses Geistes Blässe nicht angekränkelt. Es ist etwas Chevaleteskes in seinem Wesen, das ihn in seinem Privatleben vielleicht Rechnungen mit ebenso wenig Gründlichkeit prüfen, ebenso leicht auf Treue und Glauben annehmen liess, wie der Gelehrte die ihm verliegenden Berichte aus alter Zeit. Als Kritiker dieser, immerhin bedeutsamen Schrift trat im Journal des Ddbats kein Geringerer, als de Sncy auf. Sein Tadel birgt Lob. Es ist eine Freude, so über sein Geistesprodukt richten zu sehen Er gesteht zu, duss im Philo, wie in Sirach Vieles von dem sich iindet, wus zu den Merkmalen der christlichen Lehre gehört. Aber, meint er, wirksam seien jene Maximen erst durch die Evangelien geworden. Nicht der Erfinder, sondern der Verbreiter des Neuen wird der Wohlthüter der Menschen. Hoch gestehet er Salvador zu, dass die Juden das Märtyrervolk gewesen sind, um das Messias volk zu werden Er erkennet an, dass die Juden in diesem Sinne das Recht haben, sich als von Gott auserkoren zu betrachten. Freilich wie mögen die gelehrten llenrici und Förster auf de Sacy hei abblicken, der ein treuer Freund des Juden wurde, dem er zugestanden, dass der semitische Geist im Christenthume die Welt erobert hat. Auch Guizot’s Schreiben vom 2b. (Jetober 1838 ist bemerkenswerth: ״Ich habe Sie, mein Herr, mit dem lebhaftesten Interesse gelesen und ich werde in demselben Sinne von ihrem Werke sprechen. Sie berühren unerschrocken und gewissenhaft grosse Fragen, die grössten Fragen unserer und aller Zeilen. Aber wir stehen einander zu fern und ich will lieber meine Ideen auseinandersetzen, als die bekämpfen, welche ich nicht theile. Vielleicht werde ich einst dieselben Fragen behandeln, aber ich werde sie ohne Discussionen behandeln. Gestatten Sie also, duss ich mich mit dem wahrhaften und lebhaften Vergnügen begnüge, welches mir das Lesen bereitet, und genehmigen Sie gütigst neben dem Ausdrucke meines Bedauerns, den meiner ausgezeichnetsten Werth- Schätzung.“ (Schluss folgt.) Die Anzahl der Verse in תהלים u.דברי הימים. Im babylonischen Talmud Kidduschin 30a heisst es: n"D ת״ר חמשת אלפים ושמנה מאות ושמונים פסוקים הוו פסוקי יתר עליו תלים שמונה תפר טמנו דברי הימים שמונה• »Die Lehrer haben überliefert: 5888 sind die Verse der Thora, 8 mehr linden sich in ״den Psalmen*, 8 weniger in ,,den Chroniken־. Alle drei Sätze bieten Schwierigkeiten, die meiner Wissens noch nicht genügend beleuchtet sind, denn die Thora hat nach der massorethischen Zählung nur 5845 Verse und die Psalmen nicht einmal die Hälfte, die Bücher der Chronik nicht einmal das Drittel der ihnen hier zugeschriebenen Verszahl. Für die Thorazahl hat (wenn mein Gedächtniss mich nicht täuscht) Wunderbar im L. bl. d (Jr. eine Erklärung versucht, indem er 43 pentateuchische Verse, die in anderen biblischen Büchern ganz oder zum grössten Theile citirt werden, ausgezeichnet hat, die, zu den massorethischen 5845 addirt 5888 geben. Das steht jedenfalls fest, dass mau bei ם״ת nur au die 5 B Mos. denken kann, wie muti nun auch die Zahl suppliren will. Was soll man aber mit 5886 für die Psalmen anfangen? Somner (Biblische Abhandlungen I) und nach ihm Delitzsch (Psalinencommentar 185!) B. I p X) haben geglaubt, dass der Talmud nicht den massorethisehen Vers im Auge hat, sondern kürzere Stichen oder Glieder des Verses. Dagegen erheben sich aber ge■ wichtige Bedenken. Erstens passt nach Deützsch’s eigener Angabe die Zahl doch auch nicht auf diejenige Stichen, die er annelnnen möchte, zweitens giebt es nach seiner eigenen Angabe (Ba. II. p. 398 und 452) keine einzige Ms die eine solche Sticheneintheilung hätte (Ps. 18 und andere einzelne Stücke ausgenommen, wo sie sich umgekehrt häutig genug findet) was doch wohl nicht gut zu begreifen ist, nach dem so allgemein lautenden Ausspruche des Talmud, und endlieh ist es nach dieser Hypothese absolut unmöglich, die Zahl der für die Chronik angegebenen Verse zu begreifen, denn diese lässt sich doch keineswegs stichisch so theilen, dass sie ihre Verszahl verdreifachen sollte. Ich glaube daher, dass weder תלים identisch ist mit den Psulmen noch דברי הימיב mit der Chronik. Unter תלים ist vielmehr der Haupttheil der mit den Psalmen anfangenden Hagiographen zu verstehen, und דברי הימים sind die grossen historischen Bücher der heiligen Schrift nämlich: die vier prophetischen geschichtlichen Bücher und die Chronik. Unter תלים verstehen wir also die Hagiographen mit Ausnahme der underswohin gehörigen Chronik und ferner mit Ausnahme von 3 der 5 für sich geschriebene Megilloth, nämlich Ruth, Echa und Esther. Hoheslied und Koheleth als salomonische Schriften konnten trotz ihres Megillahcharakters nicht fehlen in einem Buche, das nach David benannt wuide und schon die salomonischen Sprüche enthält. Rechnen wir jetzt die 7 iibriggebliebenen Bücher der Hagiographen zusammen, nämlich: Psalmen mit 2527 Versen Sprüche » 915 ״ Ijob 1070 ״ » Hoheslied ,, 117 ״ Prediger ״ 222 ״ Daniel ״ 357 ״ Esra Nehemia 688 ״ kommt als Summa 5896 Verse heraus was genau zu der oben angegebenen Zahl 5888 -j- 8 stimmt So glatt geht es allerdings mit der zweiten Rechnung nicht. Die ungewöhnl iclie Bezeichnung דברי הימים für die ganze Reihe der gros sen geschichtlichen Bücher der hl. Schrift (d. 11. also nicht solcher die, wie Esther und Ruth, nur eine einzelne Episode schildern) ist ganz einleuchtend. Es ist hier zu merken, dass in Bezug auf die Zahl der Verse in den Büchern der Chronik eine grosse Schwankung in den Angabeu herischt. Die Massorethen des Mittelalters haben etwa

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