Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 10 (1881)
- Issue
- No. 47. (23.11.1881)
- Date
- 1881-11-23
- Page
- Seite 188 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 188 — I)cr nämlichen Thatsaclie begegnen wir bezüglich I Josephus und das kann als das beweiskräftigste Moment erachtet werden. Ist es einmal klar, dass Ambrosius von Josephus’ Werken eine nur oberflächliche j Kenntniss gehabt, — und dies ergiebt sich aus inehreren Stellen (vgl. Ambr. ep 45, li; in Luc. III. 4,1-, Job II. •1,14) — so wird man länger daran nicht zweifein können, dass mit. Ambrosius’ Autorschaft des He• gesippischen Werkes schlechterdings nichts anzufangen ist. (p. 2!t IT.) — Ans dem Lhnstande, dass der bereits erwähnte Eucherius wenige Lustra nach Ambrosins'Tod den Hegesippus unter dem Namen ״Josephus“ citirt und Ambrosius nicht nennt, möchte ich nicht mit Vogel die Unmöglichkeit der Autorschaft des Ambrosius schliessen, da es erstens an jener Stelle dem Eueherius nur um das Zeugniss des Josephus*) zu thun ist, und zweitens Ambrosius als angeblicher Uebersetzer nicht!׳enannt zu werden brauchte, wenn der Autor des Originals namhaft gemacht wird. Dass R11finus der Autor nicht sein kanu, geht daraus hervor, dass bei Gennadius (de vir. il! 17) unter den Werken des Rulinus Josephus-Hegesippus nicht tigurirt und man mit Vallarsius annehmen muss, dass alle jene Uebersetzungen, die von Gennadius nicht ausdrücklich als von Rulinus stammend, bezeichnet werden, nicht j auf diesen zurückgeführt werden dürfen, da es lange i üblich war, sämmtliche griechise Uebersetzungen, deren Autor nicht bekannt war, dem Rufinus zuzueignen. So weit wäre die Untersuchung zu bloss negativen Resulj taten gelangt. — Vogel versucht aber auch Positi- ׳ ves zu bieten u. z. in erster Reihe Genaueres Uber ן den Autor, der gemeinhin ״Hegesippus■1 genannt wird, ■ festzustellen. Der Autor war, wie dies der Verfasser wahrscheinlich macht, seinem Bekenntnisse nach katholischer Christ; er stammte von jüdischen Eltern ab, war vielleicht selber Jude gewesen, und trat dann zum Kalholicismus über (p 13 IT. 56 f.) Vogel hätte den von ihm als Belegstellen angeführten Stücken noch IV., 8, 5 ,110bis quibus incultius ingenium est, cordi est, patrum ex Aegypto egredentium usque in terram repromissionis repetere vestigia“ anreihen können. (Vgl. übrigens Josephus Bell. Jud. prooem. 6). Die Zeit der Abfassung ist zwischen 367 und 375 d. g. Z. anzusetzen (p. 15 f.) Der Autor war schon zuvor literarisch thätig gewesen und zwar hat er ״quatuor Regum libros“ das ist die 2 Bücher Samuel, und die 2 Bücher der Könige ins Lateinische übertragen, (p. 14). Er war demnach ein ziemlich bibelfester Mann, bcsass aber auch sonstige literarische Bildung, was aus seiner genauen Bekanntschaft des Sallu6tius, Cicero, Vergil uudTucitus hervorgeht, was man umso mehr anzunehtnen berechtigt ist, als er doch in seinem Hauptwerke weniger Gelegenheit hatte, diese seine Kenntniss zu bekunden; trotzdem erweitert er hin und wieder seine Vorlage (den Josephus) mit geschichtlichen Daten und mit Fabeln (p. 50 f.) Weder Geburtsort noch Vaterland des Autors lassen sich bestimmen, doch aber die Länder und Städte bezeichnen, die er gesehen. Dahin gehört: Palästina, Alexandria (nur ist dies nicht so zweifellos, weil Jemand ganz gut schreiben konnte: ״Inter Aegyptum et mare quasi claustrum interiacet civitas inportusa, ut fere pleraeque Aegypti“ oder ״quoad ad formam corporis humani, in capite ipso et statione capacior, in faucibus angustior“, ohne dass er darum diese Stadt gesehen haben müsse) und Antiochia. Das sind die greifbaren Ergebnisse der angezeig• *) Ea »erschlägt nichts, das» dies eigentlich Hegesippus war, da Eucherius die lat. UeberseUung identisch mit dem griechischen Originale ist. ten Abhandlung. Mit Befriedigung wird sie Jedermann aus den Händen legen und dem Verfasser Dank wissen für die reiehe Belehrung, die er auf kleinem Raume bietet. Dr. Heinrich B10 c 11 - Budapest. Werner, Dr. Ph.. Rabbiner in Danzig. Worte der Erinnerung geweiht dem Andenken an den verewigten Oberrabbiner Dr. Jacob Hol!ander. Im Auftrage der Trierer Synagogen Gemeinde herausgegeben. Das wahrhaft tragische Schicksal des vielbeklagten Oberrabbiners von Trier, Dr. Holländer s. A. verdiente in mehr als einer Rücksicht in den weitesten Kreisen dem Gedächtniss der Millebenden und der Nachwelt, überliefert zu werden. Wenn einerseits das Andenken an seine Gelehrsamkeit, Gottesfurcht und Bescheidenheit in jeder Weise zum Segen gereichen wird, so muss andrerseits auch unvergessen sein, mit welch’ frivoler Leichtfertigkeit von Seiten derer, die sich die ״Rechtgläubigen“ nennen, das Leben eines so begabten Mannes vergiftet und zum Erlöschen ge• bracht worden ist. Diesem Zwecke kann die vorliegende Sammlung der am Grabe des Verewigten gehaltenen Reden besonders dienen. Durch alle tönt lauter oder leiser die Anklage gegen jene fanatischen Korachiten, die nur aus persönlichem Ehrgeiz oder aus sonstigen unlauteren Motiven den Riss in die Gemeindeeinheit und damit auch in die Lebensfreudigkeit des vielbeweinlen Opfers gebracht haben. Aus allen Reden tönt die eindringliche Mahnung, durch ein so schreckliches Unglück sich eines Besseren belehren zu lassen und zum Frieden, als dem köstlichsten Gute in Israel, zurückzukehren. Das gesprochene Wort hat damals schon manches verführte und verwirrte Gernüth auf den Pfad der Gerechligkeit geleitet, möge das geschriebene eine noch tiefgehendere Wirkung ausüben. Hierzu halten wir die Reden des Herrn Dr. L e w in ־ Coblenz und Dr. Frank-Cöln besonders geeignet. In knapper, aber gedankenreicher Form schildert Lewin den gottesfürchtigen und nur dem Idealen zugewendeten Sinn des Verstorbenen, während Frank sehr passend das Bekenntniss der Aeltesten bei עגלה ערופה zu einer ein• dringlichen Mahnung an die Friedenstörer und Streitlustigen in der Gemeinde verwendet. Die von Dr. Horo* witz in Frankfurt gehaltene Rede fehlt aus unbekannten Gründen in dieser Sammlung, während die des Lehrers Nussbaum in Trier und die des Dr. Blumenstein-Luxenburg in rührender Weise das Andenken des Verstorbenen feiern, besonders enthält die letztere Rede sehr sinnig gedeutete Bibelverse. Auch in der Rede des Herrn l)r. Philipp Werner aus Posen hat uns die Deutung einiger Synonymen gefallen, die Elegie Davids auf den Tod Jonathans war hier ganz in ihrem Platze. Von ergreifender Wirkung aber ist die in Form und Inhalt gleich ausgezeichneteTodtenklaste des Dr. Wern e r - Danzig, eines Schwagers des sei. Holländer. Langjährige Praxis macht uns ja immerhin der Rührung weniger zugänglich, aber wir konnten uns bei dem Passus מג וגם פה לא עשיתי מאוטה בי שמו אתי בכור mehrfacher Anwendung auf die Gattin, die Kinder und die Gemeinde der Thränen nicht enthalten. In Israel setzt man den Gerechten keine prunkenden Denkmäler, die hier vorliegenden Worte jüdischer Weisen in Israel sind das schönste Denkmal, welches den Verstorbenen, die Männer die ihn 80 würdig beklagten und die Gemeinde, die diese Reden zu verbreiten sich angelegen sein lässt, in gleicher Weise ehrt. Caro- Erfurt. Verantwortlicher Redacteur Dr. Rahmer in Magdeburg. Druck von H. Horbach in Barby. Verlag von Robert Friese in Leipaig.