Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 10 (1881)
- Issue
- No. 45. (9.11.1881)
- Date
- 1881-11-09
- Page
- Seite 179 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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mehr auf das Aeussere gerichtet. Sein Sinn war zu ungehändigt, um ein Joch überhaupt, viel weniger das eines Gesetzes zu ertragen. Was ihm fehlte fand sich in Jakbb vereinigt. Ruhiges Denken, Üeberlegung, stilles Schaffen, bescheidenes Wirken, das sind Eigenschäften, welche Frauen besonders hochhalten. Die Mutter wusste im Herzen ihrer Söhne zu lesen, sie entschied sich für J8kob. Esau mochte zum Herrscher geboren sein, der er auch bald wurde, zum Träger einer sittlich geistigen Tradition war er nicht geboren. Es sei hier nebenbei bemerkt, welche bedeutende Stellung die Bibel den Frauen einräumt. Es hat sich hier doch um das Höchste und Wichtigste gehandelt, und die Frauen, Sarah und Rebbeka, waren es, welche die Entscheidung herbei führten, und ihren Willen so erfolgreich dem Willen der Männer entgegensetzten. Es ist also ganz unbegründet, wenn man die Behauptung aulstellt, die Bibel kenne die Würde der Frauen nicht, und diese in ihr Recht einzusetzen, sei erst einer spätem Zeit und einer später entstandenen Religion Vorbehalten geblieben. Ein grösseres Lob hätte wahrlieh die Bibel Sarah und Rebbeka nicht ertheilen können, als indem sie es ausspricht, dass sie sittliche und geistige Kraft genug besassen, um für jenen hohen Beruf den richtigen Mann zu wählen. Und wenn sich das Lob Sarah’s dadurch verringert, dass sie doch nur für ihr eigenes Kind eingetreten, die Thatsache, dass ihr doch jener Einfluss eingeräumt wnr und sie ihn in rechter Weise ausnützte, bleibt ungeschmälert aufrecht stehen. Derselbe Streit dei zwischen Jakob und Esau gekämpft wurde, entbrennt auch zwischen den Söhnen Jakobs. Wer soll hier die geistige Erbschaft antreten? Natürlich der Erstgeborene. Hier aber waren zwei Erstgeboiene. Rüben der Erstgeborene der Leali, Joseph, der der Rachel Bei Beiden war gleiches Recht, bei Beiden vielleicht gleiche Fähigkeit vorhanden. Wer sollte da entscheiden? Freilich der Vater selber. Jakob aber fällt aus folgendem Grunde die Entscheidung schwer. Seine eigene Geschichte und die seines Vaters sagte ihm, dass gerade die jüngeren Söhne dazu bestimmt 6eien, die Erbschaft der Väter anzutreten und die Familientradition weiter zu tragen.*) Die älteren Söhne wurden bisher übergangen, oder besser, sie batten sich al9 unfähig erwiesen So wurde Isak als der jüngere Sohn Abrahams, Jakob als der jüngere Sohn Isaks bevorzugt. Vielleicht wird das bei seinen, Jakobs, Kindern, ebenfalls der Fall sein? Dem frommen Gemüthe Jakob und seiner Bedächtigkeit musste diese Erwägung hinreichend sein, um ihn nicht so schnell zu einem Entschlüsse kommen zu lassen. Bei ihm musste das Sich-geltend-niachen der jüugern Söhne als Familientradition gelten, mit der er so leicht nicht brechen mochte. Er wurlete daher zu, wie sich die Dinge entwickeln würden. Diese Erwägung scheint auch bei dem Segen, den Jakob seinen Enkeln, den Söhnen Josephs, ertheilt, massgebend gewesen zu sein, ln dem Gedanken, dass die jüngeren Söhne zu Grossem berufen seien, musste ihn zur Zeit, da er den Enkeln den Segen ertheilte, die einflussreiche Stellung Josephs bestärken. In diesem Letzteren batte er den dritten Beweis, dass die jüngeren , Söhne dazu berufen seien, eine bevorzugte Stellung , unter ihren Brüdern einzuuehmen Dies hat er in dem \ Segen aussprechen wollen. ״Mantisse wird wohl gross sein, \ “Hein sein jüngerer Bruder wird grösser sein als er“.**)!,Schluss folgt.) ,׳ •) Darauf weist ja auc h die Antwort hin, die Rebeeka erlial• ,fn, als sie Gott befragen ging; ,Der Aeltere v^ird dem Jü 11fl* r ״ dienen.“ ורב יעבד צעיר• Genes. 555, 23. (Red.) 1 •*) Das שכל את ידין Wird dadurch ins rechte Licht gesetzt: war bedacht, Üeberlegung dabei. (Genes. 48,14.) Literaturbericht. Reeeisioaea. Grflnwald, Dr. M., Bezirksrabbiner in Beiovar (Kroatien) Zur Geschichte der jüdischen Gemeinds Dyhernfurth. (Selbstverlag des Verf’s.) Der tleissige Verfasser giebt hier zum ersten Male eine Beschreibung des jüdischer. Friedhofs zu Dyhernfurth und seiner Denkmäler vom Jahre 1731 an bis 1866, und veröffentlicht dabei einige auf die Erwerbung des Friedhofs bezügliche Urkunden. Da in Dyhernfurth eine sehr alte jüdische Gemeinde Schlesiens sich befindet, welche einst durch ihre Druckereien ein weitbekannter und von Gelehrten vielgesuchter Ort war, zu dem gewissertnassen die Muttergemeinde Breslau's mit genannt werden kann, so hat allerdings die Kenntniss der Grabdenkmäler auch für einen weiteren Leserkreis ihre Bedeutung. Die Entzifferung der Inschriften, welche mit mancherlei Mühen verbunden war und durch die Mithilfe des Herrn David Weinbaum gefördert wurde, ist dem Herrn Verfasser wohl vollständig gelungen. Die sprachlichen Anmerkungen, mit denen er verschiedene Eigennamen erläutert, sowie Eigenheiten, die an diesen Inschriften fast einen originellen Stil aufweisen, erhöhen das wissenschaftliche Interesse. Einiges wäre noch zu bemerken; so ist die Anwendüng von מרת als Bezeichnung für eine Jungfrau (S- 7) fraglich; aber die Inschrift S. 71 beweist die facti, sehe Anwendung. Ob die Jahreszahl תיו צדיק aus ha* lachischen Gründen nicht in der Abbreniatur ת״ץ geschrieben worden ist, darf wohl bezweifelt werden. Die Abkürzung 'ם S. 75, welche noch einmal vorkommt (S. 78) mag vielleicht סופר bedeuten. Das Wort ההלל (S. 80) scheint dem Verfasser eine Abbreviatur zu sein; es dürfte, da ein Jüngling damit bezeichnet wird, vielleicht eine Anspielung auf הילל בן שחר sein. ־ Die dem V. unklare Zeile S. 83 נחת זרועו יראה לנפשו נאנחות dürfte vielleicht so zu übersetzen sein: (Ps. 18,25) ,Es führte sein Arm den, der seiner Seele Seufzen zeigte1.*) Das dem V. unverständliche ונא נונה s. 84, dürfte in ונאמנה zu emendiren sein. Warum Verf den Midrasch מאוד וה עה״ב mit dem arabisehen in ft t und nicht mit dem hebräischen מות erklärt, ist nicht zu verstehen. Bei dieser Gelegenheit gestatte ich mir, als Kind Dyhernfurth’s dem Verfasser besonders zu danken und ihn darum zu bitten mit der Ausarbeitung der Geschichte der Dyh. jüdischen Gemeinde fortzufahren. Manchen Aufschluss wird ihm vielleicht Herr Kaufmann J. Kroner נ״י in Trachenberg und mein Vater נ״י in Glatz geben können. Die S. 03 angeführten Grabscliriften sind nicht vom sei. Ch. Kroner, sondern von dem Lehrer R. Guttmann in Dyhr verfasst.**) Lengsfeld. Dr. Kroner. (Die hier besprochene Schrift ist ein Sepuratabzug aus Liebermatm's : ,Volkskalender pro 1882, mit literarischen Beiträgen“, (Preis brosch. 1,25 M), der bereits den 29. Jahrgang erlebt und durch seine novellistischen, populär-wissenschattlichen und humoristisehen Beiträge sich ein Bürgerrecht in zahlreichen Ge* meint!en erworben und ein beliebter gern gesehener Gast und Hausfreund in zahlreichen jüd. E'amilien besonders Schlesiens geworden ist. Red.) *j Vielleicht ist לנפשות zu lesen und zu übersetzen: ״Befriedigting gewährte (liess schauen) sein Arm (d. h seine Unter- Stützung) den bekümmerten Seelen (Personen)“. ״*) Bei der Umrechnung der hebr. Daten hut der Verf. sich 1 einige Mal geirrt, z. B. der 20. Adar 490 ist 1730 (nicht 1731); I 12. Cheschwan 493 ist 1732 (nicht 1734), 548 ist 1788 (nicht 1798) u. ».