Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 10 (1881)
- Issue
- No. 45. (9.11.1881)
- Date
- 1881-11-09
- Page
- Seite 180 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 180 — Bacher, Simon.מלך אביוי Sammlung biblisch-romantisclier Gedichte und Makamen nach Dr. L. A. Frankl’s ״Tragische Könige. Rachel“ eic. in hebräischer Umdichtung. Budapest 1881. Selbstverlag. 175 S. 8°. Wir hatlen bereits Gelegenheit, des Verf.’s hohe Begabung, selbst spröde Gedankenstoffe mit grösster Gewandtheit in antik hebräische Form zu giessen, in seiner Liedersanimlung מצל מאש gebührend anzuerkennen. Wir hoben damals die formvollendete Technik, die bis zur völligen Meisterschaft gediehene Virtuositat, moderne Anschauungen in das Gewand des antik Hebräischen, indo germanische Gedanken in acht semitische Kleidung zu hüllen, hervor. Die Dictiou ist eine so liiessende, der Versbau ein so gerundeter, die hebräische Ausdrucksweise so voll- und wohltönend, die Bilder und poetischen Uebergänge so correct, so natürlich dem Ideenkreise, der Sprachart und dem Genius der Bibel angepasst, dass man sehr leicht an der Fiction festhalten kann, Herr Bacher schreibe und paraphrasire nicht nur in der hebräischen Sprache, sondern rede, dichte und denke gleich von Hause aus in dem erhabenen Idiome der gottbegnadeten Scher und Denker unseres Volkes. Jedenfalls darf man sagen, die mit so hingebender Liebe, mit so emsigem Eifer und so gutem Erfolge vom Verf. behandelte Sprache sei ihm zur zweiten Muttersprache geworden. Da ist Nichts von lästigem Zwange, von gekünstelter Geschraubtheit, vom Haschen nach adäquaten Bildern, vom Ringen nach dem geeigneten Ausdrucke, über- Imupt Nichts vom mühseligen Schweisse des den oft ungefügigen Stoff behandelnden Arbeiters. Hier haben den Verf. Umbildungen und Umdichtungen, zumeist dem salamonischen Sagenkreise entlehnt, beschäftigt. Ein Kriterium geht uns freilicii ab bei der Würdigung der von B. in hebräischer Form reproducirten Piecen poetischen Inhaltes. Das Original, welches ihm vorgelegen, haben wir uns nicht zu verschaffen gewusst. Wir kennen Frankls ״tragische Könige'■1 ebensowenig wie dessen ״Rachel“. Wir wollen auch nicht verschweigen, dass Herrn B. bei seiner Umdichtung die Vertiefung in die Primärquellen, aus welchen sein Dichter geschöpft, wirksame Dienste geleistet. Dadurch wird aber sein Verdienst in keiner Weise geschmälert. Mit liebevollster Pietät ist in Bezug auf Gehalt und Sprache dem Genius der hebräischen Sprache Rechnun״ getragen. Fehlt uns auch die genaue Grenzscheide für die Beurtheilung, wo die Leistung des deutsehen Dichters aufhört und wo die seines hebräischen Bearbeiters beginnt, so steht doch so viel fest, dass die formvollendete Darstellung unbestritten geistige Zuthut des begabten Paraphrastcn ist. Wir wollen hier nicht näher auf das Detail eingehen. Wir verweisen zu diesem Zwecke lieber auf die I.ectüre dieser sehr lesenswertheu Piecen. Die Collection enthält etwa 40 Stücke, von denen jedes in seiner Art hoch interessant ist. Mit vielem Geschicke hat Hr. B. bei Wiedergabe vieler dem salamonischen Sagenkreise entnommenen Mührehen der gereimten Prosa nach Art der Makamendichter sieh bedient. Am Meisten dürfte ihm das Gedicht ״Königin von Saba“ gelungen. Sehr sinnreich sind ihre Räthselfragcn reproducirt. Summtliehe aus ״Rachel“ umgearbeitete Stücke gehören zu den trefflichen Leistungen des Verf. Der Gedanke der Alles überwältigenden Mutterliebe ist hier sehr scharf und glücklich pointirt. Kr geleitet segensreich die Nachkommen der in hingehendster Weise Mutterliebe übenden Rachel durch alle Phasen ihrer Geschichte und Geschicke. Wenn aufS. 124 Josephs Widerstandsfähigkeit gegen die sündhaften Verlockungen der Frau des Potiphar auf die sittliche Einwirkung von Rachel’s Mutterliebe zurückgeführt wird, so widerspricht dies der Relation des Midrasch, welcher hierbei auf die erziehliche Wirksamkeit und das nrustergiltige Beispiel des sittenstrengen und in den Lebenskämpfen sich selbst beherrschenden Vaters hinweist. Das ist psychologisch mehr berechtigt, als das hier geltend gemachte, ״etliisehe Moment der Mutterliebe. דמות דיוקנו של איין hält den schwankenden Sohn von der Sünde fern. Wir wissen nicht, ob hier eine poetische Licenz des deutsehen Dichters oder des hebräischen Bearbeiters vorlie״t. Wir wünschen diesem Buche im Kreise der Freunde gelungener hebräischer Dichtungen weiteste Verbreitung. Solnau O/S. Dr. Immanuel Deutseh. Notizen. 1) Ein wichtiger Fund. Im Bache S i 10 a 11 (שלוח) badende Kinder haben eine Inschrift am Felsen gefunden, die Herr Schick nach der Abzeichnung des Herrn Lic. Guthe folgendermassen liest: 1) הנקבה. וזה. היה. דבר. הנקבה. בעוד .... 2! הגרזן. אש. אל. רעו. ובעוד. שלש. אמת. לה.נ ע. קל. אש. ק׳ 3) רא. אל. רעו. כ־. הית. זדה. בצר. מים. נרה ובים. ה 4) נקבה. הכו. החצבים. אש. לקרת. רעו. גחן. על. גרון. וילבו. 5) המים• מן. המוצא. אל. הברכה. במאתים. ואלף. אמה. ומ[א| 6) ת. אמה. היה. גבה. הצר. על. ראש. החצב[ם] Dies ist die miithraassliche Uebersetzung: 1) . . . Durchstich und dies war der Hergang des Durchstiches, als noch ... 2) den Meissei in der Richtung einer gegen den anderen, und als noch drei Ellen waren bis . . . da rief die Stimme des einen 3j dem anderen zu, denn es war Siddah (ein Riss?) im Felsen zur Rechten (?)... und am Tage 1) des Durchstichs schlugen die Bergleute einer dem anderen gegenüber Meissei auf Meissei, und es llossen 5) die Wasser vom Ausgangspunkte in den Teich in einer Linie von 1200 Ellen, 6) und 100 Ellen war die Höhe des Felsens über dem Haupte der Bergleute. Also 1200 Ellen lang war der Tunnel, (für welchen das Wort ״ נקבהDurchlöcherung“ steht), der von beiden Seiten gleichzeitig in Angriff genommen worden ist, sodass der Durchschlag in der Mitte geschah. 100 Ellen war der Fels über den Köpfen der Minirer. Unbekannt ist noch das Wort ודה. Jedenfalls waren die Arbeiter Phönizier, sodass dem Hebräischen fremde Worte beigemischt sind. Wenn, wie höchstwahrscheinlieh, diese Inschrift sich auf die Wasserleitung des Königs Hiskia (cfr. 2. Kön. 20,20, 2. Chron. 30, und Siraeh 48, 19) bezieht, dann hätten wir hier ein urkundliches Denkmal aus dem achten Jahrhundert vor der ilbl. Zeitrechnung). 2) Noch ein interessanter Fund. In den Ruinen von Amonas, dem alten Nicopolis der Griechen und Römer, 3—4 Meilen östlich von Jaffa und 6 Meilen westlich von Jerusalem ist ein altes Sculpturfiagment gefunden worden. Ein Kapitel einer coaischen Säule aus weissem Marmor mit 2 Inschriften. Die griechische lautet -׳.; Hs״);.׳Einer istGoit“) und die auf der anderen Seite in hebräisch-samaritauischen Schriftzügen zeigt in 2 Linien ״ ברוך שטו לעולם(Gepriesen sei sein Namen ewiglieh“). Es ist dies das erste Steindenkmal mit einer solchen Inschrift. Der Ort des Fundes und seine Unigebung (Säulenschäfte und Basen) zwingen zu der Annahme, dass hier eine Synagoge gestanden, welche durch die Form der Buchstaben in die Zeit der hasm 011 ä i s c h e n Könige hingewiesen wird. Das ist ein Beleg für die jetzt allgemein recipirte Ansicht über die Ent- Wickelung des Gebetes neben dem Tempelculte. Später in der byzantinischen Zeit hat hier eine Kirche gestanden. Berldttlgunig. ln vor. Nr. p U5u 811b IV Z. 24 v. o, muss es heissen: ״dass er nicht im Lande u. s. w.“ Ibidem 811b VI lies (dreimal; גיצני, und Z. 24 v. u. ״ A lkerkass an i“. Verantwortlicher Redacteur Dr. Rahmtr in Magdeburg. Druck von H. Horbach in Barby. Verlag von Robert Frie•• in Laipsig