Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Literaturblatt · 1881-11-02 · No. 44. (2.11.1881) · p. Seite 174

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
10 (1881)
Issue
No. 44. (2.11.1881)
Date
1881-11-02
Page
Seite 174 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/5367336-6488242-5991048--1946-5367862
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

174 — Menschen mit gesundem Verstände geben sich mit Träumen ab? Und wenn es auch für Jedermann klar ist, dass sich hier wichtige Ereignisse abzuspielen beginnen, dass die Bibel in origineller Weise die kom* inenden Ereignisse einleitet, so scheint es doch, dass sie etwas verschweigt, das sie errathen wissen will. Die Träume selber müssen ihren Grund haben, der Neid der Brüder muss anderswo seine Quelle gehabt haben. Der Leibrock Josephs, sowie seine Träume mögen die schon glimmende Kohle zur Flamme angefacht haben, die Kohle selber haben sie nicht entztindet. Die Frage: המלך המלך עלינו״" willst du über uns regieren? ist auch nicht einzig und allein durch Leibrock und Träume hervorgerufen worden. Josephs ״üble Reden“ und die Vorliebe des Vßters für ihn geben nur schwache Erklärungsgründe für die ernsten und schlimmen Ereignisse, die sie im Gefoige hatten. Der Satz ,kleine Ursachen, grosse Wirkungen“ dürfte wohl auch hier seine Berechtigung haben, doch sollte man sich mit solch’ allgemein gehaltenen Sätzen da nicht zufrieden geben, wo es Pllicht ist, das, was die Schrift selber andeutet, klar zu legen. Worin liegt der Grund für diese seltsame Erzählung mit ihren Ur- Sachen und Folgen? Wir glauben den zusammenhän־ genden Gedankengang in Folgendem geben zu können. Bei Abraham und seinen direkten Nachkommen lebte bekanntlich eine Familientradition, die Zuversicht, dass sie, resp. ihre Nachkommen zu Grossem bestimmt seien; ,durch sie sollten gesegnet werden alle Geschlechter der Erde.“ Dieser Segen war ein doppelter. Zuerst in materieller, weltlicher Hinsicht. 'ונתתיך לגוים ומלכים ממך יצא ,ich mache dich zu Völkern, Könige sollen von dir abstammen“; dann die geistig-moralische Herrschaft, die in dem Schliessen des Bundes angedeutet ist. Abraham wie seine Nachkommen sollten die Träger des Gottesgedankens sein. ,Ich errichte meinen Bund zwisehen mir und dir und deinen Nachkommen für ewige Zeiten, Dir zum Gotte zu sein und Deinen Nachkommen nach Dir.“ (Genes. 17,0,7). Jener Theil deiner Nachkommen, der dir geistige Erbschaft trägt, soll des weltlichen Besitzes nicht bar sein. Da dieser Glaube fest in Abraham und seinen Kindern lebte, waren die letzteren, wenn der Ausdruck erlaubt ist Kronprätendenten von Haus aus. Bei solchen hat es an Zwist niemals gefehlt, er fehlte bei den Kindern und Nachkommen Abraluuns nicht. Der Umstand, dass die Stammväter, ausser Isak, männliche Nachkommen, von zwei verschiedenen Frauen hatten, musste den Zwist verschärfen. In der That sehen wir den Streit um die Erbschaft schon bei Abrahams Kindern entstehen. Nur trägt er dort noch ganz die Gestalt eines kleinen Familienzwistes. Obgleich dies klar in der Bibel ausgesprochen ist, fügen wir zum Ueberflusse noch die Auffassung der Alten ninzu. Sie sagen:*) ,Als Isak geboren wurde, freuten sich Alle. Da sprach Ismuel zu ihnen: Ihr seid Narren. Ich bin det Aeltere und nehme doppelten Theil.“ Also auch hier *) Mi<1r. Kah. Abscim. בשעה שנולר יצחק היו הכל ,(וירא שמחים אמר להם ישמעאל שוטים אהם אני בכור ואני ניטל פי שנים• schon das Erstgeburtsrecht. Das Spiel Ismaels war, also, wie die Alten richtig bemerken, nicht so unschuldiger Natur als es sich darstellte. Isak selber war noch zu jung um da thätig einzugreifen. Zur rechter Zeit tritt die Mutter ein und entscheidet für ihn. Die Trennung vollzieht sich. Ismael legt den Grund zu einem neuen Reiche, Isak tritt bald die materielle, wie die geistige Erbschaft des Vaters an. Damit fängt die Verheissung an, sich zu vollziehen. Die ausschliesslieh weltliche Macht trennt sich von der geistigen. Ismael wird Repräsentant jener, Isak dieser. Hiemit wird Jsak der Träger des Gedankens, der schon mit ihm anfängt traditionell für das spätere Israel zu sein. Obwohl dieser Gedanke tiefer liegt und wenige Worte seinen ganzen Inhalt nicht wiederzugeben vermögen, lässt er sich doch dahin zusammenfassen, dass die Nachkommen Abrahams dazu bestimmt waren, die alleinigen Träger des Gottesgedankens zu sein und die Gotteserkenntniss in der Welt zu verbreiten. (Schluss folgt.) Beweise für die Identität Menachem’s ben Saruk uiit Menaehem Gizni. Das Lebensende Menachem’s ben Saruk hat die diesbezügliche wissenschaftliche Forschung noch nicht eruirt. Selbst Grätz, welcher mit der ihm eigenen Meisterschaft auch hier lichtvolle Ergebnisse erzielt, hat den mit geschickter Hand gefassten Faden der Lebensgeschichte Menachem's ben Saruk von dem verwirrten Knäuel getrübter, historischer Berichte nicht bis zu Ende abgewickeit. Dieser ging auch ihm gleichsant unter der Hund verloren. Denselben aufzulinden, ist darum noch immer Aufgabe der Forschung Diese Aufgabe wird aber zum Theil gelöst durch den Nachweis der Identität ben Saruk’s mit Menaehem Gizni, indem die uns ungenügend bekannte Lebensgeschichte ben Saruk’s dadurch annähernd vervollständigt wird, dass wir wissen, wohin b. Saruk, nachdem er hei Chasdai Ibu Schaprut in Ungnade gefallen und von demselben schmählich verfolgt wurde, sich begeben und wo er Aufnahme und Schutz vor den sträflichen Nach- Stellungen Chasdai’s gefunden hatte. Hier nun die Beweise lür die Identität beider Menachem’s. I Die Worte in Menaehem Gizni’s Brief an David Hababli: (siehe Pinsker Likuie Kadmonijot 153). לאיש כמוני אשר הומן הכשילני ומדעתי הטרידני ועתי המציקה ודמך הקושי סבבוני והקיפוני וטביתי עונותי גרשוני והגלוני, ferner die Worte: והשני גודל הצער ורב החסרון אשר קרה לעבדיך כי תחת שהייתי למעלה. יררתי אל השפלה, schildern entsprechend die unglückliche Lage Menaehem b. Saruk’s, in welche ihn die Verfolgungen Chasdai’s gebracht. Wir wissen ja aus b. Saruk’s Sendschreiben an Ibn-Schaprut, dass ben Saruk vertrieben, sein Haus zerstört wurde und dass er brodlos umher irrte. Vergleicht man Menachem’s bittere Klagen mit diesen Worten, so ist wohl die Identität beider Menachem’s zu erkennen. II. Wir wissen, dass Menaehem b. Saruk karäischer Ansichten beschuldigt wurde, so sagt Luzatto: (p. 35 בית האוצר) ,Menachem’s Erklärung zu לטוטפות beweist, dass der Verdacht: Menaehem wäre Karäer gewesen, ein begründeter, dass er geneigt war zu rationalisiren“. Dies zeigt sich aber auch im Schreiben Menachem’s an David Hababli und «n die Gemeinde

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.