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Das jüdische Literaturblatt · 1881-11-02 · No. 44. (2.11.1881) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
10 (1881)
Issue
No. 44. (2.11.1881)
Date
1881-11-02
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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!tro. 44. T>a* Jahrg. X. Jüdische Literaturblatt. Zur Belenchtnng »Her Jodentham nnd Jaden betreffenden literarisch. Ersehelnnngen anf dem Gebiete der Philosophie. Geschichte,Ethnographie,Theologie,Orientalin, Exegese, Homiletik, Litorgik, Pädagogik. Heransge״eben von Rabbiner l)r. Moritz ltahiuer. . —-1• —- Magdebursf, U. November 1881. OS eher der einschlägigen teratar, welche der Bedactlon zngesandt werden, finden dlesemBlatte eingeh. Besprechnng. BeiElnsendang von x w e 1 Recenalonsexemplaren erfolgt anck Erwähn. 1. d.Wochenschr. Daa ״Jüdlnelie lil(erfttarblmtt<< erscheint wöchentlich in einem halben Bogen; Preis bei allen Buchhandlungen (in Leipzig bei Robert Friese)pro J ah r g an g: 8 Mk. Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteljährl. bei allen Postanstalten nnd Buchhandlungen 3 Mk. kostet) erhalten das ״Jüdische Literaturblati“ gratis. — Inserate werden mit 25 Pf. für die dreigespaltene Petitzeile berechnet und ausschliesslich entgegengenominen durch die Central-Annonceu-Expedition von Gr. L. Daube St Co., Frankfurt a. M., Magdeburg, Berlin, Hamburg, Cöln, München, Zürich, Wien, Poris. Inhalt: Wissenschaftliche Aufsätze: Der Streit der Söhne Jakobs. — Beweise für die Identität Menachem's bei! Saruk mit Menachem Gizni. — Beiträge zur Erklärung der griechischen Wörter in den Midraschim und Talmuden. Von Rabbiner Dr. Gebhardt in Bromberg. (Fortsetzung von tlr. 42). Literaturbericht: Recensionen: Jellinek, Dr Ad. קונטרס דכקוגן, Märtyrer- und Memorbuch Verzeichniss der Märtyrergemeinden aus den Jahren 1006 und 1349 Nachdruck nur mit voller Quellenangabe gestattet. Der Streit der Söhne JakoVs. So unendlich Vieles auch schon über jeden einzelnen Abschnitt der Thora, wohl auch über den zu behandelnden, gesagt und geschrieben wurde, dürfte doch die folgende Auseinandersetzung , den Lesesrn des Literaturblattes nicht unwillkommen sein. So man überhaupt die Erzählungen des 1. Buches Mose nicht für Mythen hält, sollte man sich bestreben, auch in diesen Erzähluugen und Ereignissen den geschichtlichen Hintergrund aufzulinden, die Entwickelung der Ereignisse klar zu legen und sie aus ihrem Zusammenhänge zu erklären. Wenn Geschichtsschreiber von Fach das 1. Huch der Thora nur kurz und übersichtlich behandein, mögen sie ihre guten Gründe dazu haben, und dürfte hauptsächlich die Erwägung massgebend sein, dass man es hier noch nicht mit der Geschichte eines Volkes im eigentlichen Sinne zu thun hat, sondern nur mit einer Familiengeschichte, aus welcher sich die Geschichte des Volkes entwickelt. Keinesfalls aber ist — selbst für den, der nicht auf theologischem Standpunkte steht — die Ansicht gerechtfertigt, dass wir es hier mit blossen Sagen zu thun haben. Und selbst wenn — was wir nicht zugestehen — es blosse Sagen wären, die uns hier vorgeführt werden, lohnte es sieh doch der Mühe, den innern Zusammenhang zu erforsehen und die Triebfedern kennen zu lernen, welche die. vermeintlich der Sage angehörenden Personen handelnd aufireten Hessen. Jedenfalls wird es Jeder zugestehen, dass die handelnden Personen von urkräftiger Natur sind, und dass in jeder sich ein über das Alltagsleben sich erhebender Gedanke veranschaulicht. Wis begegnen da keinem unnützen Vergeuden der Kräfte, keinem Spiel mit Anschauungen und Ansichten, keinen besondern Heldenthaten, von denen die Vorgeschichte anderer Nationen und Völker so Vieles zu erzählen weiss. Alles, was die Bibel hier vorführt, ist einfach, nüchtern und natürlich gehalten. Dies zeigt sich liuuptsächlich da, wo uns die Bibel das Leben und Wirken Abrahams und seiner direkten Nachkommen vorführt. Und wenn sie auch hie und da schonungslos ihre Fehler und Schwächen aufdeckt, so dienen diese Schwächen eher dazu, die Glaubwürdigkeit des Erzählten zu bekräftigen, als dass sie im Stande wären, das von den Nachkommen Abrahams entworfene schöne Bild zu beeinträchtigen. Man denke nur au die Erzählung von Juda und Thamar, wo sich jener in menschlicher Schwäche, und doch, durch sein mufhiges Geständnis — צדקה ממני — in voller ManneswUrde zeigt. Die Gestalten, die uns da vorgeführt werden, treten immer mit Würde und Ernst auf, ebenso wie den Ereignissen, den kleinen, wie den grossen, voller, manchmal bitterer Ernst innewohnt. Um so auffallender muss es erscheinen, dass mitten in der Entwickelung ernster Ereignisse die Bibel uns von Träumen und zwar von den Träumen Josephs erzählt, und uns so mit einem kleinen, ja kleinlichen Familienzwiste bekamit macht. Was soll es liier mit den Träumen, worin liegt der Streit dev Brüder? Wenn wir es auch zugeben, dass in jenen Zeiten und auch noch viel später ungemein viel Gewicht auf Träume gelegt wurde — so bleibt es immer noch wunderlich, dass die Söhne Jakobs, die sich doch sonst als Menschen von geradem und nüchternem Urtlieile zeigten, die Träume ihres jiingern Bruders so ernst nahmen, ihu darob hasslen, beneidelen und zuletzt verkauften. Betrachteten sie die Träume als Prophezeihungen, waren 6ie ihnen die von Gott eingegebene Vorschau künftiger Geschehnisse, so mussten sie doch wissen, dass der Verkauf nichts nützen werde — waren sie ihnen blosse Träume, nach deren Verwirklichung Joseph streben werde, warum sagten sie nicht, als beherzte, rnuthige Männer, die sie doch waren, mag er nur träumen, wir werden unsere Selbstständigkeit und unser Recht schon zu wahren wissen. Da war ja Juda der offene, beherzte, rnuthige, da waren ja Simon und Lewi, jenes Brüderpaar, das das Schwert so muthig zu führen wusste. Jene muthigen

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