Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 10 (1881)
- Issue
- No. 43. (26.10.1881)
- Date
- 1881-10-26
- Page
- Seite 171 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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171 — bemerkt, von Raschi nicht angeführt, trotzdem aber tinden wir zu den Sprüchen Cap. 8 Vers 17 in dem Ra■ sclii zugeschriebenen Commentare: וו שמעתי כרבי אהרן בשם ר׳ ניזו Wahrscheinlich ist dy liier erwähnte R. Nathan der Verfasser des Arucli. so dass ihn Raschi also indirect citirt hätte.) (Rasrhi's sprach wisse 11 sf 11 aftlic 11 er Standpunkt, sowie das Al t fr an ziisi sc he bei ihm 9011 später besonders behandelt werden.) Literaturbericht. Recensionen. Hohiing'a Taluiudjude, beie ichtet von Franz Delitzsch. 7. durch Beleuchtung der Gegenschrift Rrühlingls erweiterte Ausgabe. Leipzig 1881. (Schluss.) Im Nachwort verpflichtet Delitzsch uns zu besonderen! Danke, dadurch dass er hervorragende Stellen aus den ethischen Schriften bedeutender israelitischer Geister gleichsam als Gegenspiegel gegen den Talmudjuden aufgenommen hat. Herrliche Worte aus dem ״Buche der Frommen‘* des .lehuda aus Regensburg, aus den .,Pflichten der Herzen“ des Recheja, aus dem ״Rokeach“ des Eleasar aus Worms, aus dem ״Sefer Älizwoih“ des Moses aus Coucy u. s. w. 11. s. w. werden dort gesammelt, und so die zu der Zeit geltenden Sittengesetze der .luden vorgeführt, da, um Delitzseh’s eigene Worte zu gebrauchen, der ״christliche Staat und die christliche Kirche sich wie die von Gott berufenen Henker und Henkersknechte gegen die Juden gebehr■ 1en “ Es isi gleichsam das richtige Bild der aul den Grundsäulen des Talmud beruhenden Ethik im Gegensalz zu dem trügerischen Gewebe, das die von gehäs- S'grr Leidenschaft zitternde Hand eines Rohling verfertigt. Wie recht hat Delitzsch, wenn er alle evangelisehen Christen davor warnt, hinter diesem Fanatiker gegen die •luden zu marsehiren, der die Lehren der Worte Lulhet's, Calvin’s und anderer *rleuchteter Reformaleren als Schandlehren bezeichnet, der die evangelische Kirche als eine Gründung von Schurken bcschimpft. Und dieser Rohling, der mit so dreister Stirn gegen die Errungenschaften der Reformation und deren Bekenner auftritt, wagt es, das gesummte Juden- Ihuin für die Ueberhebungen einzelner verirrter Juden, di‘: in ungebührendi-n Worten üb! r andere Glaubensgcmein-chalten gespioehen, zu verdammen. Wem fällt da nicht das Sprüchwort vom Splitter und Balken ein? Im zweiten Theile ״fortgesetzte Beleuchtung des Ta' " 'en“ weiden noch neue Belegstellen von dem geleinten Verfasser angeführt, die auch jedem Laien beweisen können, dass Rohling keine Ahnung von den Anlängsgründen des Talmud besitzt. Den entstellenden Eisenmenger entstellte er noch mehr; Glossen und Discussionen, die aus dem Mittelalter stammen, nennt er rundweg Talmud; was in einem jüdisch-deutschen Volksbuche aus dem Jahre 1602 angeführt wird, heisst bei Rohling ein Citat aus dem Talmud. Alles das setzt Delitzsch treffend auseinander. Nicht rechten wollen wir mit dem sonst den Talmud vertheidigenden Delitzsch, der da behauptet, dass es freilich wahr wäre, dass die R ec 11 tslehre des Talmud vor dem Forum der christlichen Moral nicht bestehen könne, ebensowenig als die Sitten- und Rechtslehre des mosaischen Gesetzes selbst; denn so warm auch I). für die gerechte Sache eintritt, so muss er eben als gläubiger leriier, dass 1. St. Cap 6, Vers 19 eine neue von Z11 n 1 1111■ erwähnt gebliebene Schrift argelilhrt wird, da man dort liest בדברי ר׳ משה הדרשן. *1 Hie Thatsache, dass Knsrhi den Verfasser des Arucli nichi anfuhrt, und nach Zuuz ihn stillschweigend benutzt, könnte leicht dahin erklärt werden, duss Kuschi vielleicht der Arucli gar nicht Vorgelegen, Kuschi »ich vielmehr auf allere quellen, die auch der Verfasser des Aruch t-end it, sich gestützt hat. Christ, der die Lehre Mosis nur als Vorstufe für die seines Heilands betrachtet, so und nicht anders 8prechen. Schälen wir aber in objectiver Erkenntniss die Schale von dem Kerne los, 80 finden wir die höchsten Forderungen der Ethik und des Rechts bereits als am Sinai offenbarte Tlialsachen, die nur dann, wenn geschichtliche Verhältnisse mit Macht dazu zwangen, für bestimmte Zeiten eingeschränkt werden mussten. Nehmen wir, wie es ja auch Delitzsch in seinem gläubigen Sinne thut, die heilige Schrift als göttlich inspirirt an, so ist «te eben absolut wahr, und die Lehren unseres Glaubens können vor jedem Tribunal bestehen, weil sie eben, als von Gott gegeben, ewig wahr sind. — Mit der Widerlegung verschiedener, die 10 Gebote betreffenden Anklagen, die Rohling gegen den Talmud erhebt, schlicsst I) seinen zweiten Theil, der, wie er selbst sagt, noch 11m ein Bedeutendes hätte vermehrt werden können. Auf den dritten Theil, der sich auf die neueste Schrift Rohling’s gegen Delitzsch bezieht, werden wir bei der Besprechung derselben näher eingehen. Warmer Dank gebührt dem Leipziger Professor für sein mannhaftes und muthiges Eintreten zu Gunsten der gu!en Sache. Wenn wir auch nicht Alles, was er gesagt, unterschreiben können, wenn aucli Alandies allein aus dem religiösen Standpunkte heraus zu erklären ist. der nicht der unsere, so können wir docli mclit genug dankbar sein für das wackere Auftreten eines gelehrten und ehrlichen Christen. Zu den glänzenden Namen, die der gerechte Geschichtsschreiber dieser trüben Zeiten zu nennen hat, gehört Delitzsch; zu d_-n hervorragendsten Schriften, die gegen die Lüge gekämpft, gehört die seinige. Das dankbare Israel wird den Namen seines Vertheidigers nicht vergessen. Rabbiner Dr. VV e r 11 e r - Danzig. 1) Oppert, Jules Conimentaire historique et philologigue du livre d’Esther d’apres la lecture des inscriptions perses. 2) — — Le livre de Judith. 3) — — La Chronologie de la Genese. Paris, Ernest Leroux. Von dem ausgezeichneten Orientalisten, der sieh mit seinen Forschungen einen klangvollen Namen geschaffen und durch den Privatverkehr, an denen viele Freunde und Verehrer erworben hat, welche seine Treue gegen das Judeiithuni, sein grosses Gedächtniss und die reiche Belesenheit mit wahrer innerer Freude zu beobachten Gelegenheit landen, sind obige 3 das jüdische Schrifttlmm direct berührenden Arbeiten zum grossen Theil sehr unbekannt, verdienen aber wegen ihrer hervorragenden Bedeutung in weiteren Kreisen bikaunt zu weiden In dem sub 1) genannten Werke weist der gelehrte Verf nach einer Analyse der Esther-Geschichte sowohl durch historische als philologische Kritik die Historicitäi der Esther Geschichte nach, wobei er das chronologische Verhältnis völlig klar legt und den ganzen Vorfall in die Zeit von 482 bis 473 v. d g. Z setzt, als Xerxes, Sohn des Darius, rrgierie. Seinen Nachweis stützt Verf auf die durch persische Inschrift ten erwiesene Identität von אחשורש und Xerxes, auf die Uebcreiiistiinmung zwischen den Angaben Herodots und dann der Ester-Rolle. Zugleich weist ei die ldeutifizirung^ von Amestris der Königin mit Esther aus historischen und philologischen Gründen zurück. Auch dies zeigt er, dass die Bezeichnung אגגי für Haman historisch festzuhalten ist, da aus Inschriften von Kliorsabad Agag als einen Landestheil Mediens sich erweist. J Besonders bedeutungsvoll ist de•• Hinweis auf die per- ׳ sischen Annalen, welche die Estherrolle als (Quelle 3373