Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 10 (1881)
- Issue
- No. 43. (26.10.1881)
- Date
- 1881-10-26
- Page
- Seite 172 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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172 — anj^ibt und die auch Ktesins citirt, der Mangel aller persischen prirnaerer Geschichtsquellen wird vorn Verf. gehörig helenclilet; ausserdem stimmen die Angaben über das persische Slaatsleben vollständig mit den Herichten der Griechen über dasselbe überein. Recht treffend ist besonders der philologische Theil der Abhandlung. Mit diesem Werkelten hat. Verf. für die Historie.iiät der Estherrolle soviel schwerwiegende Heweismiltel gebracht, dass es wohl kaum noch möglich sein wird im Ernste die historische Wahrheit der ״Rolle“ auf Grund des gegenwärtigen Standes der Forschung anzuzweifeln. Das sub 2 ) genannte, in dem Jahrbuch der ethno graphischen Gesellschaft zuerst veröffentlichte Arbeit über das Huch Judith Imt den Nachweis zum Inhalle, dass dieses apokryphe Huch nicht historisch, sondem allegorisch aufzufassen sei. Diese an sich zwar nicht neue Idee ist vom V erfasser in unwiderleglicher Weise befestigt worden. Nach einer Analyse der Judith-Eiziihlung, deren poetischen und ethischen Werth Verf. 6ehr hoch stellt, gründet er se.ne Hehauptung von der allegorischen Hedeutung des Huches auf den Nachweis, dass die Namen Arphaxad, Nebukadnezar, Holofernes, Bethulien, Judith, nur dichterische sind Denn Arphaxad kann weder Phraortes, — zumal da Dejoces der Grüuder von Ecbatana sei und nicht Phraortes, — sein, noch kann Nebukadnezar der babylonische oder Saosdachin oder Chiniladan sein, der 635 i zur Zeit des Josias lebte, noch Holofernes je ein assyrischer Name gewesen sein, da er persisch ist, ebenso- 1 wenig habe je ein assyrischer König sich selbst zum J Gotte gemacht, noch tindet sich irgendwo Bethulien; 1 ganz und gar nicht ist aber Judith Eigenname einer i Jüdin. So weist Alles darauf hin, dass hier vielmehr | eine geflissentlich verhüllte Allegorie vorliegt, welche nicht einmal auf die makkabaeische Zeit vollständig passt, sondern vielmehr in die Zeit der Hadrianischen Verfolgung zu stellen sein dürfte. Die Beweise des Herrn Verf. für diese letztere Auffassung sind nicht scharf genug, das aber ist ihm wohl zuzugestehen, dass gegen die wörtliche Auffassung der Judith-Geschichte als historischer Darstellung unübersteigliche Bedenken vorliegen. Die Midraschim, welche die Makkabäergeschichte erzählen, nennen auch eine Judith und es mag hier dieselbe Allegorie vorliegen. In der sub 3) genannten Abhandlung bringt Verfasser in einer bewunderungswürdigen scharfsinnigen Weise den vollen Nachweis, dass die biblische Chronologie, der 7 Schöpfungstage 168 Stunden 168 Myriaden Jahren bei den Chaldäern, die Gesammtsumme der Jahre von Adam bis Zur Siindtluth 1656 Jahren 86400 Wochen eben wieder 86400 Lustren ä 60 Monate bei den Chaldäern, die Gesammtsumme der Jahre von der Sündtluth bis Joseph's Tod (553 Jahren, ebenso vielen 653 Hossen ä 60 Jahre bei den Chaldäern entsprächen; dass ferner das arithmetische Verhältni6s in beiden Zahlensystemen vielfach übereinstimmt. Welcher Schluss aus dieser Uebereinstimmung zu ziehen ist, lässt sich so leicht nicht feststellen, hoch bedeutungsvoll aber ist diese Uebereinstimmung selbst. Krouer-Lengsfeld. Bibliotitecn llebraica post-Mendelssohniana. Bib• liographisches Handbuch der neuhebr. Literatur, seit Beginn der Mendelssohn’schen Epoche bis zum Jahre 1880• Bearbeitet von William Zeitlin. 1. Lief. St Petersburg. 1881. Zu beziehen durch die Buchhand• lung von 0. J. Bant. Während das mit grossem Fleisse veranstaltete Werk CI1. I). Lippe's sich uns als -Bibliogr. Lexicon der gesammten jüdischen Literatur der Gegenwart und Adressanzeiggr“ repräsentirt, widmet Herr Zeitlin seine besondere Aufmerksamkeit den Autoren neu hebräischer Schriften. Wir verkennen durchaus nicht die Schwierigkeit des Unternehmens, und wissen dem Herausgeber Dank, dass er sich dieser Mühe mit Sorgfalt und grosser Sachkenntnis unterzieht. Dass kielnere (Immissionen Vorkommen, ist unvermeidlich. Wir vermissen z. B. den bekannten Mas-0־retiker Dr Huer in Hiebrich, der sich durch Herausgabe mancher nüt.- liehen liturg. Werke und gemeinsam mit F. Delitzsch veranstalteten correcten Schulausgaben biblischer Biteher einen Namen gemacht, während der seiclite Salamon Hlogg mit seinem ״Aedificium Salamonis“ in den Reihen gelehrter Hiinp er prangt. Uebrigens ist das gen. Buch kein neuhebr. sondern ein jüdisch - deutsches Opus Unter den Werken von Hirsch Chajes fehlen dessen יש״ות und bei Frensdorff die Angabe, dass er seit 11 /, Jahren bereits tod ist. Eigenthüuilich haben wir es gefuuden, dass der Herausgeber diejenigen Autoren, deren einzelne Werke von Anderen in’s Hebr. übertragen worden sind, in der alphabetischen Reihenfolge besonders erwähnt, so Fene-lon, Gutzkow, Disraeli, Campe, Heine. — Wir wünschen dem kostspieligen Unternehmen Fortgang und guten Absatz. N 01 i z e 11. 1) Exegetische Curiosa. Im 4. Hette der ״Theol. Studien und Kritiken“ 1880 (heraus״, von Köstlin und Riehin) findet sich ein Artikel: ״Kritische Noten zu einigen Stellen des Psalmentextes von Friedrich Bätligen.‘‘ Der Artikel enthält mehrere (etwa 12j Emendationen des Psalmtextes, von denen die meisten nicht nür ungrammatisch, sondern ganz sinnlos sind. Nr. 1, Ps. 12,9: Für כרם זלות soll man lesen כרם זלות (wie כרם חמד Arnos 5,11) und für לבני אדם muss es heissen לפני אדם. Man übersetze und erkläre also den ganzeu Vers: ״Du, 0 Jahve wirst uns bewahren vor diesem Geschlecht und in Ewigkeit — Mögen auch Frevler rings umkreisen den Weinberg, der in den Augen der Menschenkinder verächtlich ist.“ Nr. 2. Die schwierige Stelle Ps. 16,3 zerreisst er (mit der LXX) wie folgt: ,לקדושים אשר בארצד מהאדיר י׳ כל חפצו בם ״An den Heiligen, welche in seinem Lande sind, handelt Jahve herrlich; sein ganzes Wohlgefallen hat er an ihnen.“ Dazu die Erklärung: ״Für die aufgelöste Form מהאדיר vergl. מהקצעות Ez. 46,22. — האדיר ל׳ sagt man wie etwa הרחיב ל׳“• — Ein curioses Hebräisch! Als 3. Probe führen wir noch die bekannte Psalmstelle 118,12 an, die nach Herrn B wie folgt zu einendiren ist: ״ סבוני כדבורים דו [נג ב]ערו כאש קוציםSie umringten mich wie Bienen Wachs, sie brannten wie Feuer in (?) Dornen“. 2) ״Univer. isr.“ erwähnt, das Gebet ״Olenu leschabbeach“ besprechend, dass der Vorwurf, es werde darin mit Verachtung von Jesu gesprochen, durch Apostaten damit begründet wurde, dass das Wort ״) וריקSie bücken sich vor Nichtigem und Leerem‘‘) den Zahlenwerth 316, also denselben wie ישי, habe. Ein Rabbiner erwiderte hierauf, drei Zeilen später in den Worten: ״Der Sitz 6einer Herrlichkeit (יקרי) ist i!n Himmel oben“, hat יקוץ ebenfalls den Zahlenwerth 316. So war der Feind mit seinen eigenen Waffen geschlagen — was freilich die Gefahr nicht ahgewehrt hat. Verantwortlicher Redacteur Dr. Rahiner in Magdeburg. Druck von H. Horbach in Barby. Verlag von Robert Frieze in Leipzig.