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Das jüdische Literaturblatt · 1881-10-26 · No. 43. (26.10.1881) · p. Seite 170

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
10 (1881)
Issue
No. 43. (26.10.1881)
Date
1881-10-26
Page
Seite 170 (sequence 2)
Language
German
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170 — absurd wie lächerlich ist. Er proponirt nämlich nichts Geringeres al6 die gänzliche Beseitigung und Abschaffung des al tun Testaments, damit der daselbst so hoch gepriesene ״Judengott“ ausser Dienst gesetzt werde, nnd das Christenthum nichts mehr Gemeinsames mit dem Judenthume habe. Ob diese Idee originell ist, oder nicht, wollen wir liier nicht untersuchen, jedenfalls scheint sie dem Gehirne eines Mannes entsprungen zu sein, dem die Elemente der christlichen Religion fremd sein müssen. Denn, wollte das Christenthum das alte Testament gänzlich abschaffen, so müsste es nothwendiger Weise auch alle jene zahllosen Stellen aus dem neuen Testamente entfernen, die es jenem entlehnt hat. Ausserdem ist es noch höchst fraglich, ob Herr Professor Smith so sehr dichterisch begabt ist, dass er durch eine Substitution seiner eigenen poetischen Ergüsse jene unsterblichen, von Juden iierrührenden Psalmen ersetzen können würde, die heute auch Millionen von Christen erheben, erbauen und zur grössten Andacht stimmen. Wir wollen die möglichen Resultate einer Befolgung des obigen Rat lies hier nicht weiter erörtern! sondern blos in Eiinnerung bringen, wie viele Reden vieler berühmter christlicher Geistlicher, wie viele poetische Stücke christlicher Dichter und Schriltsteller und sonstige unsterbliche Werke gefeierter Miller und Tondichter, die alle ihren Text oder ihr Sujet dem alten Testamente entnommen haben, in den Rumpelkasten als werth- und nutzlos geworfen werden müssten, wenn Herrn Smiths Worte wirklich den beabsichtigten Zweck hervorbringen sollten. Dies ist aber, in England wenigstens, nicht zu befürchten, und Herr S. wird ebensowenig seine Landsleute zur Beseitigung des alten Testaments bewegen können, wie es ihm auch nicht gelingen wird, liier oder in den übrigen Ländern der britischen Regierung eine antisemitische Agitation in’s Leben zu rufen. lltirrow, October. Dr. J. Cli. Raschi’s Leben und Werke. Von Rabbiner I)r, M. Grün zweig. (Schluss von Nr. 40 u. 41.) RaM'lii's Verdienste um dir Feststellung des TalmudtrUes und seine lilerar. Beziehungen. Ueber Raschi's Verdienote um die Feststellung des Talmudlextes spricht Dr. N. Brüll jm 4. Bande seiner Jahrbücher für jüdische Geschichte und Literatur p. 73 ff., wir wollen hier nur folgende Stelle heraushehen; ״Eine gründliche Prüfung und umsichtige Feststellung des Talmuds blieb erst dem unübertroffenem Meister der Talmudexegese, Salomo ben Isak von Troyes vorbehalten. Fast auf jeder Seite fand er Verwirrung und Unklarheit vor, die ihn zur Eruirung und Fest- Stellung dei richtigen Lesarten nölhigte. Zwar liess er sich dabei zumeist mehr von der eigenen Combination als von den Zeugnissen verschiedener Hundschriften leiten, allein er durfte sich hierin etwas Zutrauen, und zu dem war er so gewissenhaft den Text auch da, wo er ihm corrupt zu sein schien, intact zu 1 as8en, und die Emendatiouen blos im Commentare zu notiren, ein Verfallren, von welchem er blos bei der Behandlung des Sebachim-Tractates abgewichen sein soll.“') Ueber die Schriften und Bücher, die Rasehi benutzt hat, hat bereits Zunz ausführlich gehandelt, so dass nur eine schwache Nachlese übrig bleibt. Zunächst die Erwähnung einiger Druckfehler und Ergänzungen. P. 315 wird über Jakob ben Jakar gehandelt und es ist neben Chulin 4(5b noch 47a hinzuzufügen; p. 318, wo von Josef Kura die Rede ist, findet sich die Stelle nicht Sprüche 6, Vers 20, sondern Cap. 0, Vers 23. Zu einzelnen wäre überdiess zu bemerken. Der erste und für Raschi's Ansichten über Sprachforschung wichtigste ist Menahein beu Jacob ibn Saruk. Gar nicht erwähnt wird Menahem von Zunz an folgenden Stellen u g. Ainos 4, Vers 12 zur Stelle בפאת מטה ובדמשק עח&, ferner Micha Cup. 1, Vers 15 z. St. עד עדולם, Cap. 6, Vers 14 z St. ותסג ולא תפליט und schliesslich Maleachi Cup. 3, Vers 24. Es ist zu beachten, dass an den 4 angeführten Stellen, die sich in den 12 kleineren Propheten linden, immer zu lesen ist כך שמעתי משמו של ר׳ מנחם t־ine Redensart, die vor! Zunz nicht erwähnt wird. Zunz’Vermuihung über E lies er Gaon ben Isak (אליעור גאון בן יצחק), den er mit Elieser den Grossen identisch glaubte, wird durch Cod. 104,11 der Seminarbibliothek zu Breslau zu Psalmen Cap. 70, Vers II, glänzend bestätigt, da ausdrücklich אליעדר הגדול an dessen statt dort sich vorliudet u. z. zur St. כי המת אדם תודך. Zu Meir ben Isak mit dem Beinamen שליח צבור ist. zu bemerken, dass Zunz zwar nicht in seinem Rtschi, aber in seiner ״zur Geschichte p. 01 eine handschrittliehe Erklärung“ zum 1. Buche der Könige Caput 10, Vers 28 erwähnt, aber nicht bemerkt, wie dass in der von mir benutzten Handschrift zu sehen ist : עוד ראיתי ביסודו של ר׳ מאיר שליח צבור החסיד ו צ "ל• Es ist umsomehr zu bemerken, dass dem R. Meir das Epi! beton ornans החסיד au Tlieil wird, da Zunz in seiner Literaturgeschichte p. 140 Anmerkung 1 sämmtliche Bei namen, die die dem R Meir ertheilt wurden, anführt, ohne den Beinamen החסיד zu erwähnen. Der Druckfehler (in Zunz’ Ilaschi), wo p. 314 statt Ainos Cap. 3, Vers 12, Cap. 3, Vers 14 zu lesen ist, ist in seinem Werke ״zur Geschichte“ bereits richtig ׳״■stellt. Menahem ben Clielbo wird zu II. Sam Cap. 14 Vers 17 z. St. כי כמלאך האלהים כן אדוני המלך erwähnt 1! ר׳ מנחם בר׳ חלבו פי' פרשה וו בפנים אחרות. z. ausser den bei Zunz in seiner Rasehi, als auch ״Zur Geschichte״ p. 01 angeführten 81011611.’1 Zu Isak Halevi (י(יצחק הקיוי dem drillen Lehrer Raschi's ist zu bemerken, diss zu der von Zunz p. 317 angeführten Stelle zu lesen ist ומשם רבנו יצחק הלוי שמעתי. Soll diess auf die Commentarien oder die mütid* liehen Erklärungen Isaac llulevi’s hin weisen; meiner Ansicht nach weist es auf keines von beiden hin. R. Moses D a r s c 11 a 11 wird ausser den von Zunz a. a. 0. p. 318 angeführten Stellen auch noch Psalm 45 Vers 2 und in den Sprüchen Salomon's Cap 5 Vers 19 zum Worte תשגה erwähnt.’) Der Arucli (ספר הערוך) wird zwar, wie Zunz schon *) Vgl ferner das ספר דקדוקי סופרים von R. Rabbinowicz in Milnchen, Rd. 8, wo er in der SchlussuPhiiiidlung über siimmtliehe Editionen des Talmud ausführlich 1-priehi. ») Die Erklärung, die in dem Kaschi-Commentare sich findet, lautet: מה מלאך אין חמתו תוקפו שלא לעשות משפט כך אדוני המלך אין חמתו תוקפו להטות משפט שלא להשיב את אבשלום מפני קצפו, während Menahem ben Clielbo erklärt: וישלח יואב תקועה ויקח משם אשה חכמה לפי שבתקוע מצוי שטן והשמן מחכים שלח שם. Wo über Menahem ben Clielbo nachzulesen ist, siehe Kosin a. a. ü. p. (57, Anmerkung 7 und 8. ’) Vgl. Dukes Nacha! Kademim 1 p. 28. Zu bemerken 1#t.

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