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Das jüdische Literaturblatt · 1881-10-26 · No. 43. (26.10.1881) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
10 (1881)
Issue
No. 43. (26.10.1881)
Date
1881-10-26
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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So. 43• Das Jahrg. C Jüdische Literaturblatt. r l Znr Belenchtnng »Ufr .Inilrnthnro and Jaden betreffenden literarisch. Erschelnanjren anf dem Gebiete der Philosophie. Genchlehte.Ethnofcraphle.Theologle.Orlentolia, Exegese, Homlletik. Iiltargik, Pädagogik. ו Ileransgeijeben }{ul»b«׳uer l)r. Moritz llnlum-r. Ma״r(letm1•״, äö, October lsd8*l. r Büeher der elnnchlilelitan 1,1teratnr, welche der Redaction zagesandt werden, (laden in diesem Blatte eingeh.Besprechnng. BeiEineendang ▼on z w e I Recenoionsexemplaren erfolgt auch Erwähn, i. d.Wocheaschr. Das ״Jürtifielir liitemtarblatt“ erscheint wöchentlich in einem halben Bogen; Preis bei allen Buchhandlungen (in Lei pzig bei Robert Friese) pro Jahrgang:8llk. Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift'‘ (die vlerteljdhrl. bei allen Postanstalten and Buchhandlungen 3 Hk. kostet) erhalten das ״Jüdische Literaturblats“ gratis. — Inserate werden mit 25 Pf. für die dreigespaltene Petitzeile berechnet und ausschliesslich entgegengenommeu durch die Centrul-Annoncen-Expedition von Gr. JL1. Daube Co., Frankfurt a. M, Magdeburg, Berlin, Hamburg, Cöi n, München, Zürich, Wien, Paris. 1 n 1» m I tr Wissenschaftliche Aufsätze: Ein englisch-amerikanischer Stöcker. — Raschi's Leben und Werke. :Schluss v. Nr. 40 u. 41 ) Literat 11!•bericht: Recensionen: Rohlings Talmudjude, beleuchtet von Franz Delitzsch. (Schluss.) — Oppert, Jules. Commentaire historique et philologigue du livre d'Esther d'aprös la lecture des inscriptious perses. — Bibliotheca Hebraica post- Mendels86huiana. Bibliogr. Handbuch der neuhehr. Literatur. Notizen. Nachdruck nur mit voller Quellenangabe gestattet. Ein englisch-amerikanischer Stöcker. Herr Goldwin Smith, Professor der Geschichte an einer englisch-amerikanischen Universität und Verfasser eines, vor einigen Jahren im ״Nineteenth Century“ erschienenen und auch in diesen Bl&ttein erwähnten Artikels: Can the Jews be patriots (״Können die Juden Patrioten sein?“), hat soeben in derselben Monatsschrift einen zweiten Artikel unter dem Titel: The Jewish Question (״Die Judenfrage“) veröffentlicht, der5 was TeÄ^enz und Inhalt betrifft, mit seinem Vorgänger viel Aehnlichkeit hat. Denn in beiden zieht der Verfasser mit gleicher fanatischer Gehässigkeit (Iber Juden und Judenthum her, und beide sind von Ideen und Ansichten überfüllt, die man eher in den epistolae obscurorum virorum, als in einem Blatte erwartet hätte, das zum Aushängeschild die liberal klingenden Werte hat: ״Das neunzehnte Jahrhundert.“ Ja, das neunzehnte Jahrhundert, womit die meisten Dichter, Denker und Schöngeister der Neuzeit sich so sehr brüsten, und auf dessen errungene Fortschritte sie mit Stolz hinweisen, ist leider zu einer ebenso nichts sagenden Phrase herabgesunken wie die schöne Redensart: christliche Liebe, die in der Theorie sehr schön klingt, aber in der Praxis nur sehr selten zur Geltung kommt. Die jüngsten Vorgänge in Deutschland und Russland, und der Inhalt des in Rede stehenden Artikels bewei- 6en zur Genüge, was christliche Liebe, wie sie Stöcker und Consorten predigen, in Wirklichkeit ist. Es hiesse Eulen nach Athen bringen, wollte ich den Lesern dies. Bl. einige Proben von der Art und Weise geben, wie Herr Smith über das Wesen utjd׳ den Charakter der jüd. Nation denkt und schreibt, da sie derartige Schmähungen in jüngster Zeit in unzähligen deutschen Blättern und Flugschriften bereits zum Ueberdruss und Ekel gelesen haben dürften. Wenn ich aber trotzdem hier einen kurzen Abriss aus dem Inhalt des fraglichen Artikels gebe, so geschieht es einzig UDd allein aus dem Grunde, um zu zeigen, wie judenfeitidliche Professoren sieh nicht scheuen, selbst geschichtliche Facta zu verdrehen und zu verunstalten, sobald sie dadurch ihre gemeinen Zwecke erreichen zu können glauben. Die erste geschichtlich falsche Behauptung, die Herr S. aufstellt, ist, dass es itn Wesen und Charakter der Juden liege, stets den Wanderstab zu ergreifen -und*-un8tät und flüchtig zu sein, und dass daher die sogenannten Austreibungen derselben von Seiten der Christen während früherer Jahrhunderte nichts anderes als ein Vorschub ihrerseits gewesen seien, um die natürliche Wanderlust der Juden zu befriedigen. Selbst die Kreuzfahrer im Mittelalter, die, wie der Schreiber selbst eingesteht, viel jüd. Blut vergossen haben, nimmt dieser herzlose Gelehrte dadurch in Schutz, indem er der Meinung ist, dass jene Gewalttaten durch die Juden selbst hervorgerufen worden seien, die, den günstigen Zeitpunkt wahrnehmend, von den des Geldes bedürftigen Kreuzfahrern ungeheure Zinsen für ihre Anleihen forderten. Dieser Umstand habe nun die Letzteren derart aufgebracht, dass sie nur durch Tod- und Mordschlag ihr Müthchen kühlen konnten. Die Frechheit dieses Historikers geht so weit, dass er, trotz Sch leiden’.s und Dö Hinget-’s geschichtlich begründetem Nachweise, wie sehr die Juden um Handel und Wissenschaft sich verdient gemacht, fest behauptet, diese hätten nicht das geringste Verdienst um die Menschheit aufzuweisen, sondern sie seien vielmehr ein Unglück für jedes Land, wo sie einmal festen Fus9 gesetzt haben. Bei dieser Gelegenheit räth er den Deutschen, bei denen iie sogenannte Judenfrage jetzt besonders an der Tagesordnung ist, sie inögeu ihre Juden ebenso wie die Amerikaner die Chineseit behandeln, nämlich als Eindringlinge und Fremde und ihnen alle staatsbürgerlichen Rechte vorenthalte». Dies werde den gewünschten Erfolg mit Leichtigkeit herbeiführen. Zum Schlüsse macht der gelehrte Professor der gesammten Christenheit einen Vorschlag, der ebenso

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