Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 10 (1881)
- Issue
- No. 42. (19.1.1881)
- Date
- 1881-10-19
- Page
- Seite 167 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 167 keit und dem Charakter des Herrn von Döllinger und I sind zu voll des Dankgefühls für ein ebenso kühnes, j als gerechtes und liebevolles Wort, als dass wir ihn eines ,^sichtlichen Irrthums zeihen wollten. Der vorgetragene Ansspruch über den‘Talmud ist nur eine landläufige Redensart, der der Herr Professor wohl ohne nähere Prüfung gefolgt ist. In gleicher Weise wird auch wohl bei einer anderen Gelegenheit der geehrte Herr Redner veranlasst, einer landläufigen Anschauung zu folgen, indem er sagt, die jüdischen Ehen seien erst durch den Einfluss des Christenthums geordnete geworden. Dem Herrn Professor wird es bewusst sein, dass es im Grunde nur jüdische Ideen waren, mit denen das Christenthum seinen civilisatorischen Einfluss übte. Lehre und Geschichte des Judenthums weisen aber nach, dass jüdisehe Ehen stets auf sittlichem Grunde ruhten. Der Herr Redner erkennt dies ja selbst an, indem er sagt, dass den wohlgeordneten und sittlichen Verhältnissen des jüdischen Familienlebens in der Vorwie Neuzeit die Juden ihre Rettung und Erhaltung zu danken hatten. Und doch soll es erst in Folge der Reformbewegung der Juden in der Neuzeit, besonders im Wesfen Europa’s, geschehen, dass die Juden sich gewöhnen, christlich zu denken und zu leben und dadurch auch ihre Ehen geordnet und sittlich zu führen? Wir machen unsre Bemerkung auch hierüber nicht, um den hochgeachteten Herrn Redner des bewussten Widerspruchs zu zeihen, sondern nur um auf die landläufigen Irrthümer und Vorurtheile hinzuweisen, die inan bewusstlos nachspricht, und denen man ohne Prüfung huldigt. Es geschieht nicht aus Opposition, sondern nur zur Aufklärung — zur Verhütung von Missverständnissen und Missdeutungen. Dr. Rothschild- Alzey. Beiträge zur Erklärung der griechischen Wörter in den lidraschim und Talmuden. Von Rabbiner Dr. Gebhardt in Br0111berg. (Fortsetzung.) •18) ג לטור י (Subb. 103) *y.r, »״׳<׳. Zaubermittel. 39) גיגנטון, (Megilla, jerusch II. 7) in der einheimischen Schrift eines Jeden 40) גתי (Her. r. 71 Ester r. 3), אבגתיות (Midr. Abba Goiiou I.) ידי./•!,׳.; Sklavin. Ob nicht auch in Horioth jerus. III. und Beza 1,7 zu lesen wäre גיתיין otzstr,; v Rabli in der Parallelstclle Ketub’ 02, bat schlechthin עבדים. 41) דגלום (Kohel. r. 2), 0׳.«q7,; heftige Schmerzen leidend. Daselbst פטרגום für פטכרום I 42) דוגמניות (Schoch, tow 118 und 110), ®,■*p17 •!״׳, Beschluss 43) ד י ודיו (Synh. jer. VIII, 4),?■//•-« Lebensbedürfnisse, Lebensmittel. 44) דוגיאות (Jalkut zu Deut. Schoftiinj. Dasdaselbst vorherstehende תוקון ist wohl f,־,oder )׳,-).יד — תיקנו" -Balken“, דוגיאות muss demnach etwas Anderes hedeuten. Ich lese רוגיאות, ericius, spanische Reiter entsprechend dem in Silre 204, ברכיאות •/«j»«;׳*.׳.<;. , 45) )״׳•,׳!ןד,״־.־».•? ,די וטרי Wohnstube. (Gen r. 02). 40) דיי (Tanchuma Wad tu 71), göttl. Wesen. 47) ׳./?0 ,דיי,א<v offenbar. So auch Berach jer. 9,1. tr,'/,« natürlich, versteht sieh. דיליה דא ליה p Sabb. p. 80, (ein Wortspiel) ״von seinem Offenbaren“. 1 דלמאי Är(i.s׳ja7׳ eine Kundmachung, Erzählung. ' 48) )דיל (B. menz. jer. II. 3). Wohl s'.omXov das Götzenbild von ihrer Hand. Ueber die Armbänder und Ringe mit kostbaren Cameen des auf einem Löwen reitenden Amor, oder des Kopfes eines Serapis v. Böttiger Sabina, 71 Scbne. 49) ד רמי לו ם (Genes, r. 48 u. Schochar tow 110). Wohl דרפילום verkürzt aus --y.*;׳./״,;, vierthorig. 50) דוריות (Genes, r 85). Die nach Raschi genannte Erklärung (מעילים) weist auf &spp0 .;•׳:p׳•; Oberkleid, vgl. damit דרת in אדרת. (Forts, folgt.) Literaturbericht. Recensiouen. Rohling’» Talmudjude, beleuchtet von Franz Delitzsch. 7. durch Beleuchtung der Gegenschrift Rohlingls erweiterte Ausgabe. Leipzig 1881. Wieviel Trübes auch die stürmisch bewegte Zeit der letzten Jahre unserer Glaubensgemeinschaft gebracht, so lässt sich dennoch nicht verkennen, dass sie auch manches Gute, was sie nicht gewollt, manches Treffliehe, was sie nicht gemeint, zur Blüthe und Reife hat gedeihen lassen. Doppelt erhebend ist es, unter vielem Schlechten auch etwas Gutes, unter bösen Feinden auch einen wackern Freund zu finden, und diese doppelt erhebende Empfindung muss uns erfüllen, wenn wir das Auftreten und Verhalten des an Jahren greisen, aber an Geist jungen Professor Delitzsch in der jeden Menschenfreund betrübenden judenfeindlichen Strömung näher beachten. Und wenn einer von christlichen Gelehrten dazu berufen ist, die Feinde zu entwaffnen, die aus dem Arsenal der Lüge und Unwissenheit ihre Schwerter genommen, wer wäre geeigneter dazu gewesen, als jener Delitzsch, der bereits im Jahre 1836, also vor 45 Jahren, in seinem Werke ״zur Geschichte der jüdischen Poesie“ eine hervorragende Vertrautheit mit der biblischen und rabbinischen Literatur gezeigt und seitdem schon so viele Proben seines bedeutenden Wissens auf diesem Gebiete bekundet hat? Gewiss ist von Seiten der Juden manche würdige und glänzende Leistung gegen unsere Feinde erschienen, aber da wo eigentlich gewirkt werden soll, im feindlichen Lager, verschlägt das Wort eines Niclitisraeliten mehr als das eines am Kampfe betheiligten Israeliten, dem man ja leicht als einem Parteimanne, der pro domo schreibt, mit einem gewissen Misstrauen entgegenkommt. Und wenn nun gar dieses unparteiische Wort von einem Christen gespiochen wird, dessen innere Gläubigkeit von keinem ehrlichen Manne bezweifelt werden kann, wenn nun gar der als orthodoxer Christ bekannte De litzsch freiwillig eine Lanze für Israel bricht, so kann diese nicht fehl gehen. Und es war ein Manneswort zur rechten Zeit, als Delitzsch unlängst gegen Rohling, den Haman im modernen Gewände, auftrat. Der ״Talmudjude•1 Rohling’s, er kam den Hetzern von Beruf 80 recht zu statten; denn da konnten sie ja mit dem fanatisirten Pöbel gemeinsam im Trüben fischen und von der Menge, die ebensowenig davon verstand, nicht controlürt werden. Erinnern wir uns nur recht, wie jener Henrici in seiner ersten Vorstellung als Volksbeglücker und Judenunterdrücker mit unwahren talmudischen Citaien, die aus Rohling geschöpft, das Herz des Volkes vergiften wollte, wie er ferner überhaupt in der Geschichte der Judenhatz falsch verstandene und gedeutete talmudische Stellen wie ein Lauffeuer, das vernichten sollte, verbreitete. Dieses Ge bahren konnte der talmudkundige Delitzsch nicht ruhig mit ansehen, und er schrieb sein Werk gegen Rohling. — In der Einleitung desselben wendet sich Delitzsch be-