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Das jüdische Literaturblatt · 1881-10-19 · No. 42. (19.1.1881) · p. Seite 168

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
10 (1881)
Issue
No. 42. (19.1.1881)
Date
1881-10-19
Page
Seite 168 (sequence 4)
Language
German
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— 168 — sonders gegen die von Rohling erhobenen Verdächtigangen, als ob die Moral des Talmud schuld hätte an den sündhaften Verirrungen mancher Israeliten. ״Auf das Entschiedenste aber“, so sagt Delitzsch S. 10, ״protestire ich gegen den Zusammenhang, in welchen Rohling jene Vampyre, welche unsern Bauernstand aus* saugen, jene Börsenspieler, welche durch Erwerb ohne Arbeit sich emporschwindeln, jene Geldaristokraten, welche sich Christenmädohen für ihre Orgien erkuppeln, etc. mit dem Talmud bringt, — denn die Moral des Talmud ist rein und streng genug, um das Treiben jener Elenden zu verdammen.“ Das sind eines objectiven Beurlheilers des Talmud würdige Worte. All' das Treffliche aus der Einleitung wiederzugeben, würde zu weit führen; nur manches Auffallende sei erwähnt. Es ist ein Irrthum, der verhängnissvoll werden kann, wenn der Verfasser sagt, (S. 12) dass die wahren Freunde Israel’s längst erkannt hätten, dass die unbedingte politische Gleichstellung, wie sie ohne Selbstentchristlichung des Staates nicht durchführbar wäre, so auch für die Juden kein dauerndes Glück sei. Es war vorauszusehen, dass von It. in seiner später zu besprechenden Gegenschrift dieser bedenkliche und in seinen Consequenzen durchaus verhftngnissvolie Passus mit Hohnlachen gegen die Juden vorgebracht werden würde. Was in aller Welt kann es dem Christenlhum schaden, wenn den Bekennern des Judenthums dasselbe Recht wie jedem Andersgläubigen eingeräumt wird? Wo hat das Christenthum tiefere Wurzeln in das Herz seiner Anhänger geschlagen als in England, wo doch gewiss dem Juden fast gar keine Schranken mehr in seinem bürgerlichen Streben entgegenstehen, und womit endlich sollte das dauernde Glück der Juden durch ihre vollständige Gleichstellung gefährdet werden? Wareu etwa die Juden zur Zeit des Mittelalters in Spanien nicht glücklich, als sie die höchsten Ehrenstellen einnehmen konnten und in Folge ihres redlichen und unermüdlichen Strebcns auch eingenommen haben? ״Die Weisen mögen vorsichtig sein mit ihren Worten“, so lautet ein Spruch unserer Alten, nud ein Mann wie Delitzsch, dem wir freudig die Palme eines Weisen überreichen, hätte gewiss auch das Geringste, das gegen unsere Rechte verstösst, mit seinem lauteren Sütlichkeitsgefühl zurückweisen müssen. Wir haben wohl dieselbe Be- oder Verurtheilung für diejenigen unserer Glaubensgenossen, die das, was einem ehrlichen Christen heilig ist, bespötteln; aber nicht darf das gesummte Judenthum für einzelne Handhingen Einzelner leiden. — Auch dürfte der vom Verfasser S. 14 ausgesprochene eiutz, nass im Talmud neben Sinn auch Unsinn, neben Witz auch Aberwitz, neben Menschenfreundlichkeit auch Unduldsamkeit laut wird, in dieser Schroffheit nicht hingestellt werden. So vieles Sonderbare und scheinbar Widersinnige, über das früher der Stab gebrochen ward, ist bereits durch geistvolle, und richtige Deutung in tin anderes Licht gebracht worden. Verschwindend klein ist dasjenige in dem weitschichtigen Gebiete des Talmud, das unsern Anschauungen befremdlich ist, und auch dieses muss stets aus der Zeit der Entstehung heraus als begründet und entschuldbar erklärt werden. Die religiösen Anschauungen, die der Verfasser in der Einleitung über das auf Bibel und Talmud beruhende Judenthum entwickelt, dürfen nicht von dem Unterzeichneten in das Bereich der Kritik gezogen werden, da es gewiss Sünde wäre, mit der innersten religiösen Ueberzeugung eines von Poesie und Glauben geweihten Gemüthes öffentlich zu streiten, weil ein solcher Kampf anderswo ausgcfochlen werden muss. — Nach der längeren Einleitung geht nun der Verfasser zu seiner eigentlichen Aufgabe über, die vollständige Haltlosigkeit des Rohling’schen ״Talmudjuden“ bloszulegen. Köstliche Eathüllungen werden da von dem ebenso geistvollen als gelehrten Delitzsch gemacht. Da beweist dieser ernste Forscher, wie Rohling durch falsche Uebersetzungen den einfachen Sinn klarer talmudischer Sentenzen entstellt, wie er aus einem ״Raben“ einen ״Rabbiner“ gemacht, weil er Eisenmenger falsch verstanden, wie er ferner die einfachsten, im Talmud tausendmal vorkommenden Verba in ihrer Bedeutung nicht kennt, wie er den Propheten Elias in einen Rabbiner verwandelt, und mit Recht an das etwas allzu übereilte Versprechen Rohling’s erinnert, der sich zur Zahlung von 1000 Thalern verpflichtete, wenn irgend eins seiner Citate als erdichtet gefunden würde. Der Reichthum eines Krösus würde wohl nicht genügen, wenn jedes erdichtete Citat mit einer Strafe von 1000 Thalern belegt werden sollte. Nach den falschen Uebersetzungen, die sich bei Rohling linden, werden uns so manche verkehrt wiedergegebene Texte, ferner Entstellungen durch Verschweigen, falsche Deutungen, falsche Consequenzen, unbillige Verwerthungen und Monstrositäten aus entlegenen Winkeln in einer geradezu überraschenden Weise aus dem von Hass gegen die Wahrheit erfüllten ״Talmudjuden“ vorgeführt. Man weiss wirklich nicht, ob Hass oder Unwissenheit, ob Gedankenlosigkeit oder Beschränktheit den Verfasser desselben zu seinen rohen Entstellungen verleitet hat. (Schluss f.) Notiz. Kindliche Pietät veranlasst mich zu folgender Bemerkung: In der treulichen Schrift ״über Aberglauben und Stellung des Judenthums zu demselben'־, erwähnt der Verf., Herr Seminar-Rabbiner Dr. Joel, (S. 15) einer ihm tradirten Erklärung des Verses לבה איעצך vom seligen Direktor Lazarus. Obwohl nun nach talm. Grundsatz סיבנו,‘ אהד עולה לכמה נביאים SO bleibe es dennoch nicht unerwähnt, dass jene Erklärung sich bereits in dem von meinem Vater dem Kreisrabbiner .1. H. Caro zu Wloclawek im Jahre 1847 edirten מנחת שבה findet, und dass der sei. Lazarus zur Zeit dieses Buch in rühmlichster Weise beurtheilte. (Vergl. מנחת שבת ed. Krotoschin S. 89 und die 2. Aullage ed. Petrikau [Com. Verlag von Kuuflmau in Frankfurt a/MJ S. 130). Iiabb. Caro-Erfurt. Aclmwn, Herein jut llnterftiifcung $ilf0brtmritiger ieraelitifaer ücljrer, £ri)rcr-!&ittt0en ltnb --©oifen in 2>rutfd)lant1. liinnabmen im Utomit September 1881. m. 2Ritfllicber‘©citräge: 4<on ®erren Xl)al!)eimer in Jfilmgftein, ®eil. brunn in ©el)au$, Äabn in 3»t)lingen, «bet in Xeii'au, äljdjer in Stblocbau, Oppenheim in iBannftieb, tiufs in Spangenberg, SJtape: in *'üefeen, Siojenbni^ in :Weingarten,?teubau« in •earmutbfaibien, granf in 6leid)erobe, iöert־ beim in SBormb, Xrepfufe in Sörracb, ülaib in ©ubenbberg, greubenberg in UJenteräbaufen, StotbfcbUb in ÜJI annb'im, Saicr in Dtebeim, Sippmann in ®aufönigöbofen, ■3jaac *יי Sptenb* liitgen, Oppintjeim in (Eoburg, ^ojepb in üam« pertbelm, Sticbarb in (Illingen, Stblefiager in (Stöttingen. - je « SRrtrt. [2777 b. t?b«nmitgUfb*rbtUr48c: Sou fetten leutjtb in gürfelb, 81. üoeb, S. Soeb jun., Stern, @ebr. Jjag, Xepnberg in (Soin, Xreibrl in SKapen, iöebr. Sabel in Üonbon, Somtenbetger bi«. — i« 6 Wart. «־. oefdmtfct Sammlung beä §errn Seap in Sa<bienbagen 91. 12; Dr. ißerner in iöutgebcacb SR. 20; Sonn in fionbon Ol. 20; grau Settel b>« SR. 10; S. g. י)'“ SR. 10; ßbtlitH in 'Dlutterftabt 9». 5; Stau ^laut in (äie&en Ol. 4; grau ®eimann hier SR. 10; gami« lie ®efc biet SR. 20; Stotbbartb b«t Ol. 20; geifenberger bi« Ol. #0; grau grieb« mann in gürtb Ol. 18 5 3t«oe in Sprenb־ linaen SR. 2; Smgeu in täenua SR. SO. d. 3inf(n: SRart »1.50. SBir erfutben jugleitb biejenigen SJtüglieber, roeldje mit bet Gablung ihrer gabreäbeiträge notb im Stiittftanbe jinb, biefclben notb oor 2tb׳ י tanf biejeb 2R0nat$ an ben dajjier (®erru 23. 0<bufter, Debernieg 18) gelangen ju laflen. grantfurt a;2Jt•, 5. Ottober 1881. ־?tarnen! ber Serroaltung: Ad»lf Teblee. Vereinwörtlicher Redacterr Dr, kiliaier in Magdeburg. Druck voa H. Horbach iu Barby. Verlag von Robert Friese in Leipzig.

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