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Das jüdische Literaturblatt · 1881-10-05 · No. 40. u. 41. (5.10.1881) · p. Seite 162

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
10 (1881)
Issue
No. 40. u. 41. (5.10.1881)
Date
1881-10-05
Page
Seite 162 (sequence 6)
Language
German
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— 182 — Wer Schreiber kennt, weiss, dass er den Talmud in der Ursprache zu lesen nicht versteht, er ist bei seiner Benutzung auf Sammelwerke und Uebersetzungen angewiesen, was in aller Welt aber nöthigt ihn hierin, Eisenmenger und Rohling zu Ubertreffen? ein paar fade Bonmots — die einzige Frucht seines Bet-midraschbesuches — anzubringen, mit gewohnler Vehemenz auf die Orthodoxen und auf die ״Breslauer“ zu schimpfen, würde sich bei der Schreibseligkeit des Schreibers doch wohl noch eine andere schicklichere Gelegenheit ge* fanden haben? Doch halt, wir haben eine Erklärung für das schamlose Begeifern der dem allergrössten Theil aller lebenden Juden theuren und heiligen Ueberzeugung von der Gültigkeit unseres Ritualgesetzes. Wie wir gehört haben, sollen die fortgesetzten Uebertretungen der Ritual- und Speisegesetze*) den Rabbinats- Stuhl des freigeistigen Jünglings bedenklich in’s Wan• ken gebracht haben und da gilt es, den ״Fanatismus“ der eigenen Gemeinde bei den christlichen Mitbürgern zu denunciren und das eigene religionslose Verhalten zu rechtfertigen. Doch man ist berechtigt, eine Inhaltsangabe des Pamphlets zu fordern; hier ist 6ie: Seite 1—4 Schicksale des Talmuds zum Theil wörtliche Abschrift aus Deutsch's bekanntem Meisterwerk, S. 5—8 Wesen des Talmud, theils aus Deutsch, theils aus Chronik und Stein abgeschrieben, mit einem Hieb auf Rahmer und Consorten, die gegen die Mischehe .,zetern und rumoren“, S. 8—13 Halacha, enthält die Rechtfertigung der bekannten vom Verf. in Kreuz getrunkenen Trefe-Bouillon und seines Verhaltens gegenüber den Sabath-, Pessach- und Speisegesetzen. S. 14—17 Hagada, eine freche Verspottung einer eschatologischen Phantasie im Talmud S. 18—22 Allegorien, eine Anzahl abgedroschener Predigtstoffe der verschiedensten Autoren S. 23—29 Freisinniges im Talmud, aus Geiger und Stein abgeschrieben S. 29—37 Lebeusweisheit aus Ehrmann, Deutsch und Dukes, und weil dort meist ohne Quellenangabe so auch hier ohne dieselbe zusammengewürfelt und mit einer gesperrt gedruckten Bitte vergangene Fehler dem jetzigen ״Rabbiner‘• nicht nachzurechnen S 38—52 den schon einmal in den her.״Prinzipien“ aufgewärmten Kohl n״ch einmal und um Nichts schmackhafter servirt. Der Knalleffekt aber kömmt am Schluss, nach der Tragödie doch noch ein Satyrspiel I Paukenschläge! hört! hört! Dr Emanuel Schreiber, Ex-Rabbiner von Bonn, und gegen Zahlung eines Jahresbeitrages von 15 M. Mitglied der morgenländischen Gesellschaft zu Halle und Leipzig, wird nächstens zur Ausserkraftsetzung der talinudischen Autorität — ein Buch schreiben oder abschreiben? nein! — eine Synode berufen! Wer lacht da? oder wer weint da? Auf S. 0 vorliegenden Machwerks rechnet es sich Verf besonders zur Ehre, zu den Aboda Sara 28b genannten ״Leugnern“ zu gehören. Welches hebräische Wort an jener Stelle überseizt der Herr Rabbiner mit Leugner? מין, מסור oder מומר להכעיס v C. The Hebrew Keview. Published by the Rabbinical literary association of America Vol. 1., Number 4 July 1. 1881. Zunächst betindet sich in diesem Hefte der Schluss der Abhandlung über die phiionische Ileligionsphilosopliie von Rubb. Dr. J, Hamburger aus Strelitz in Meklenburg. Die Arbeit ist speciell für diese Zeiischrift abgelässt und, wie wir bereits bemerkt, aus diesem Grunde populär abgelässt. (Die Unmasse sinnstörender Druckfehler, besonders der griechischen und hebräischen Wörter, sollte doch wohl nicht wieder Vorkommen). Diesem *) Mau hat uns noch ganz andere Dinge erzählt! recht interessanten Aufsatze folgt die Arbeit des Prof. Dr. Julius Vargha ״Defense in criminal cases with the aneient Hebrews“ (Vertheidigung in Criminalfällen nach altjüdischem Rechte). Es ist diese Arbeit ein Theil eines grösseren von Prof. Vargha veröffentlichten Werkes Uber die ״Vertheidigung in Criminalfällen■1, und freuen wir uns, diese Arbeit als eine gründliche und zeitgemässe bezeichnen zu können. Zwei irrige Ansichten Prof. Vargha’s sind am Schlüsse des Heftes von der Redaction in den ״Errata“ berichtigt worden. Der dritte Aufsatz dieses Heftes führt den Titel: Hebrew Etliics in evidence of the date of hebrew documents ״Jüdische Ethik zur Feststellung der Chronologie der jüdischen Schriftdenkmäler“, und hat Reginald Sturat Poole, correspondirendes Mitglied der französischen Akademie, zum Autor. Der Verfasser versucht auf die Wichtigkeit der Ethik für die Feststellung historischer Daten hinzuweisen, indem er die griechische, römische und arabische Literatur nebst der hebräisehen heranzieht. Den Schluss des Jahrganges bildet ein kleiner Aufsatz des bereits vortheilhaft bekannten Dr. M. Mielziner über ״Uebersetzungen des Talmud’s“ (On translations of the Talmud!; Dr. Mielziner skizzirt die Geschichte der Talmudübersetzungen von R. Josef ihn Abitur aus dem 10. Jahrhundert ab bis zur jüngsten Zeit die Uebersetzungen des Arztes, Sprachenkenners und bedeutenden Hebraisten Dr. Israel Michel Rabbinowicz. Allen bekannten und uns erhaltenen Uebersetzungen gegenüber ertheilt Dr Mielziner mit Recht den! Dr. Rabbinowicz die Palme, da derselbe mit vollständiger Beherrschung des Gegenstandes auch eine klare, leicht verständliche Sprache zu fuhren weiss. Es ist nur zu wünschen, dass es diesem verdienten Manne vergönnt sei, das begonnene Werk zu vollenden; die Förderung dieses Werkes ist gewiss eine da9 Judenthum fördernde und hebende. תשובות חכמי צרפת ולות־ר אשר העתקתי מתון• כתב יד וספחתי עליהן הערות אני •ואל הכהן טיללער. a. u. d. T. Röponses faites par de celebres rabbins fran^ais et lorroins du XI. et XII. siöcle publiöes d’apres on manuscrit et accompagftöes d’un cotnmentaire et d’une pröface par Joel Mullei. Prix. Fr. 3. Vienne 1881. Imprimerie Löwy et Alkalay Presburg. Der durch seine im ״Haschaschar“ veröffentlichten חלופי מנהגים, als auch durch die Herausgabe des Tractates ״Soferim“ vortheilhaft bekannte Autor Dr. Joel Müller, hat sich ein neues Verdienst durch die Veröffentliclmng dieser Rechisgutachten französischer und lothringischer Rabbiner aus dem 11. und 12. Jahrh. erworien. Die Einleitung enthält sehr viel des Belehrenden und gibt das nöthigste an, um sich Uber jeden in diesen Rga. vorkommenden Mann hinreichend orientiren zu können. Herr Dr. Joöl Müller beabsichtigt eine fernere Responsensammlung zu veröffentlichen und wünschen wir vom Herzen, dass die vorliegende Saniiulung reichen Absatz unter Fachmännern linde, damit hiedurch die Drucklegung der folgenden Responsen ermögticht werde. Eines Druckfehlers, der sich auf Seite 36 eingeschlichen, wollen wir Erwähnung thun. Zeile 7 von oben wird mitgetheilt, Raschi nenne den Midrasch Scheinuel auch den Midrasch יעת לעשות weil dass die Anfangsworte dieses Midrasch sind, und darauf folgt: כמו שקורץ מטעם זה מדרש רבה על קהלת מדרש חזית. Statt קהלת muss es ש י רהש ירים heissen, von dem es bekannt ist, dass er mit den Worten חזית איש מהיר במלאכתו• Daran anschliessend, bemerken wir, dass Herr Dr. Joöl Müller durch seine zahlreichen und fast erschöpfenden Quellennachweise sich als solcher איש מהיר במלאכתו erwies. Dr. M. Grünwald.

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