Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 10 (1881)
- Issue
- No. 40. u. 41. (5.10.1881)
- Date
- 1881-10-05
- Page
- Seite 160 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 160 — Die Juden in Tunis. Einem englischen Reisewerke des Mr. Eduard Glaser entnehmen wir einige nicht allgemein bekannte Daten über die Juden in Tunis Mr. Glaser erzählt: ״Die meisten unter den verschiedenen eingeborenen Stämmen lebenden Juden findet man unter den Hanenshas und Djeridis. Diejenigen, welche ein Nomadenleben führen, findet man meistens bei Laglinan in Sessonn, in der Nachbarschaft von Besha und unter den Beni Lid in den Bergen an der Grenze von Gabes. Carrette fand in seinem Werk über Algier, dass im Jahre 1807 zweihundert jüdische Zelte inmitten der Stämme der Hamenshas waren, eines der grössten Elemente der Bevölkerung in der Regierung von Tunis. Die jüdischen Bewohner von Zelten waren ehenso kriegerisch wie die Araber und trugen lange Gewehre, reichlich verziert mit silbernem Zierrat. In Folge der inneren Uneinigkeiten waren 150 Familien genöthigt, auszuwandern; sie zogen sich zurück, behauptet man, in die Oase von Djaid, im Süden ihrer früheren Wolmplätze — Durch das stete Zusammenwohnen mit den Eingeborenen nahmen die Juden ihre Gewohnheiten und Gebräuche an und bewohnen wie sie Zelte oderGusbis. Manchesmal betreiben sie Landwirthschaft auf socialistischer Grundlage, oder zuweilen um ihretwegen, und sie verbinden damit in einem merkwürdigen Grad die Gewohnheiten eines Nomadenlebens. Es ist jedoch bekannt, dass die Landwirthschafl nicht ihre Lieblingsbeschäftigung ist. Gewöhnlieh betreiben sie das Gewerbe eines Goldschmiedes oder eines Krämers. Darum machen die meisten Stämme keine Schwierigkeiten, Juden unter sich aufzunehmen, aber einzelne Stämme sind intolerant und schliessen die Juden aus Die jüdischen Kolonisten kleiden sich wie ihre nichtjüdischen Nachbarn und sprechen auch dieselbe Sprache wie die Eingeborenen. Doch sind einige leichte äusserliche Unterschiede bemerkbar. Anstatt des Kheit, das ist ein Strick aus Kameelhaar, welches die Eingeborenen um den rothen Ihashiya (Tarbusch oder Fez) wickeln, benützen die Juden ein zusammengedrehtes Tuch oder einen sehwarzen Turban Die jüdischen Frauen vermeiden auch das Tätowiren ihrer Gesichter, dem biblischen Verbot gehorchend. Das geistige Leben der herumziehenden Juden ist von dem ihrer ansässigen Brüder ganz verschieden, da die Letzteren unter Aufsicht ihrer Rabbis stehen Die her umziehenden Juden üben die jüdischen Gebräuche im Schlachten des Viehes (Schcchita) aus und essen ungesäuertes Brod während des Passahlestes. Ausser diesen zwei durch Tradition fortgepflanzten Gebräuchen kann man sagen, dass die Juden mehr durch übertragene Gewohnheiten, als durch wirklichen Hang an den Vorschriften des Talmuds Israeliten getlieben sind“. Herr Glaser fügt dieser Mittheilung bei, dass diese Israeliten möglicher Weise von solchen Juden abstannnen, welche in der ersten und zweiten Gefangenschaft nicht einbegriffen waren Dass die ersten Israeliten sich den Phöniziern auf ihren Expeditionen zur See anschlossen, ist wohl bekannt. Man kann be greiten, dass sie es leicht fanden, unter einer verwandten semitischen Race zu leben, und dass einige von ihnen die Karthager oder vielmehr Phönizier, welche neue Städte und wichtige kaufmännische Emporien gründeten, begleiteten. Dass sie weit nach dem Süden zurückgedrängt wurden, fast so weit wie Dajuid, wird durch die Geschichte der phönizischen Kolonien ohne Schwierigkeit erklärt. Die Abwesenheit des jüdischen Rituales und die vollständige Unbekanntheit des Vorhandenseins des Talmuds bestärken die Ansicht, dass jene Juden in einer früheren Zeit von dein Reste ihrer Mitbrüder getrennt waren. Nordarfrika, Egypten einbegriffen, war stets für Flüchtlinge, Auswanderer und unternehmende Spekulanten, besonders für die Einwohner von Palästina, offen Hier könnte man die Spuren der verlorenen Stämme Israels suchen. (Herr Glaser bemerkt, dass er über diesen Gegenstand einige Behauptungen in unbestimmter Zeit machen würde) Supplement n ■ri■» Notea ■ad Verbessern{»!■r Dr. Wänsche’sch» Bibliolb. Eabbinira, Beresebit rabba. 1) S 43, Z. 25 v. o. ist das Wort ותקל״" nicht mit leichter von hebräischen קל״" zu übersetzen, sondem mit ״es wogen“, vom aramäischen שקל ."מתקל״ Hiob 6, 2 übersetzt Targum: מתקל. 2) S. 254, ist die Note des Herrn Uebersetzers zu ergänzen: dass pnto und צח5ן eine dieselbe Bedeutung haben. ז״ס״ש״ר״ץ wechseln. 3) S. 255, Z. 12 v. u. übersetzt der Herr Dr. Wünsche ״ .שכן דרך עבדים שיהו ממלאים מים על שכמםDenn so war es Sitte, dass die Knechte ihre Krüge auf den Schultern trugen.“ Nun machte aber mein Herr Onkel Math. Straschun, Wilna, aufmerksam, dass die Sitte nicht nur bei den Knechten war, denn auch bei Rebecca, die Herrin war, heisst’s Genes. 24,15. וכדה ״ שכמהund sie hatte ihren Krug auf ihrer Schulter“;sollte also auch hier heissen: ־ ך,שפחות» die Mägde statt ״die Knechte“. Daher liest mein Onkel für העבדים״ Knechte'‘, העכ9ים. Die Arabäer, bei denen es Sitte war, den Krug Wasser auf der Schulter zu tragen. Siehe Nethiboth olam (Wilna 1858, 2. Anfl.) S. '245. 4) S. 275, Z 3—1 v. u. ״begrabe deinen Todten“ d. i. viele Todte. Der Herr Uebersetzer versieht die Stelle mit einer Note, in der er (nach M. K.) bemerkt, dass der Midrasch diese Auslegung auf das Wort ״מתיך״ gründet, da es plene (mit י) und nicht מתך״" (ohne י> steht. Mein obengenannter Onkel machte mich auch hier aufmerksam, dass im Texte מתך ohne י steht, also wäre die Note wie im M. K. zu streichen. Mein Onkel bezieht nun die Alidraschauslegung auf das Wort במבחר. Zwar ist grammatikalisch das Wort מבחר ein Singular, aber wir finden es nur mit dem Pluralis verbunden, wi« z. B. Ex. 15,4: ■ומבחר שלשיו טבעו d. h. der Sinn ist, als ob stände: והטובחרים אשר בשלשיו; und ebenso hier als stände •בהמו?ךוךיב אשר בקבךינו. Die exegesische Auslegung wäre sonach hier: in dem besten unser Gräber begrabe deinen Todten (diesmal), nietmmd unter uns wird dir seine Grabstätte verweilren (für die Zukunft). 5) S. 318, Z. 15 und 16 v. o. ist für: ״Wenn Jacob seine Stimme glättet, dann schalten Esau’s Hände“ 1. Ex. 16,2, vergl 17,2, zu lesen: ״Wenn Jacob seine Stimme still werden lass׳, dann schalten Esau’s Hände“, 1. Ex 16,2, vergl. 17,8, wenn aber die Stimme Jacobs vernommen wird, dann schalten Esau’s Hände nicht. 6) S. 419, Z. 18 v. u. ist für ״Josua“ zu lesen : ״Jthuda“. Königsberg i/Pr. D. 0. Straschun Beiträge inr Erklär■■{ der griechisch» Wörter in den lidrasebi■ and TttlMiad». Von Rabbiner Dr. Gebharilt in Bromberg. (Fortsetzung von Nr 34.) 28) בגרון muss heissen בנדון (Levit.r. 28). Meurs s. xojit;;. xogr;; S: i;׳.v 0 zm apitfiiou, r; 3׳*v5׳.•j qui ban d0 praeerat. id est militibus qui sub bando, Anführer der Soldaten, die unter der Fahne (Pirke di R. Nathan 72).