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Das jüdische Literaturblatt · 1881-09-28 · No. 39. (28.9.1881) · p. Seite 155

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
10 (1881)
Issue
No. 39. (28.9.1881)
Date
1881-09-28
Page
Seite 155 (sequence 3)
Language
German
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155 — den die Völker sich um Deutschland herumgruppiren, um die grossen Kampfspiele zu betrachten. Ich rathe euch, ihr Franzosen, verhaltet euch alsdann sehr still. .. . Wenn wir früherhin in unserem servil verdrössenen Zustande euch manchmal;, überwältigen kountcn, so vermöchten wir es noch weit eher im Uebermnth des jungen Freiheitsiausches. Ihr wisst ja selber, was man in einem solchen Zustande vermag. Nehmt euch in acht! Ich meine es gut mit euch und deshalb sage ich euch die bittere Wahrheit. Ihr habt von dem be* freiten Deutschland mehr zu fürchten, als von der ganzen heiligen Allianz, mitsammt allen Kroaten und Kosaken.“ So schrieb Heinrich Heine, als jedermann in Deutschland noch an das wunderthätige Heldenthum der Franzosen glaubte, und wie herrlich ist diese, wie die vorige Prophezeihung in Erfüllung gegangen! Die Prophezeihung aber, die sich im X. Bande seiner Werke im 2. Theile XXXVI über die Colonne Vendöme findet, ist so zutreffend und eindrucksvoll, dass dem kaum irgend eine andere Prophezeihung alter und neuer Zeiten auch nur annähernd an die Seite gestellt •verdeu kann. Sie lautet: ״Paris, den 19. December 1841. Der eigentliche Rival des Obelisken von Luxor ist noch immer die Colonne Vendöme. Sieht sie sicher? Ich weiss nicht, aber sie steht auf ihrem rechten Platze, in Harmonie mit ihrer Umgebung. Sie wurzelt treu im nationalen Boden, und wer sich daran hält, hat eine feste Stütze. Eine ganz feste? Nein, hier in Frankreich steht nichts ganz fest. Schon einmal hat der Sturm das Capital, den eisernen Capitalsmann, von der Spitze der Vendömesäule herabgerissen, und i m F a 11 e dieComm u nisten an’s Regimentkämen, dürfte wohl zum zweiten Male dasselbe sich ereignen, wenn nicht gar die radicale Gleichheitsraserei die Säule selbst zu Boden reisst, damit auch dieses Denkmal und Sinnbild der Ruhmsucht von der Erde schwinde; kein Mensch und kein Menschenwerk 8011 überein bestimmtes Communalma8s hervorragen, und der Baukunst ebensogut wie der epischen Poesie droht der Untergang. ״Wozu noch ein Monument für ehrgeizige Völkermörder V‘‘ hörte ich jüngst ausrufen bei Gelegenheit des Modellconcuises für das Mausoleum des Kaisers, ״das kostet das Geld des darbenden Volkes und wir werden es ja doch zerschlagen, wenn der Tag kommt?“ Ja, der tote Held hätte in Sanct Helena bleiben sollen, und ich will ihm nicht dafür stehen, dass ihm einst sein Grabmal zertrümmert und seine Leiche in den schönen Fluss geschmissen wird, an dessen Ufern er so sentimental ruhen sollte, nämlich in die Seine! Thiers hat ihm als Minister vielleicht keinen grossen Dienst geleistet,“ Wie furchtbar hat sich dies erfüllt! Der Zweck dieser Veröffentlichung ist lediglich die Ehrenrettung Heinrich Heines, der trotzdem und alledem, dass er vielfach geschmäht worden und dass ihm während vieler Jahre keine grossen Sympathien entgegengetrugen wurden, dennoch sein Vaterland liebte und hochstellte und ihm eine so glänzende Zukunft verkündete! Z.) Literaturberich t. Krcrnslonrn. Grau, I)r. R. T. Die .1 u den frage und ihr Geheim 11.iss. Gütersloh. Druck und Verlüg von ('• Bertelsmann. 1881. Wenn auch der Titel dieses Schriftcheus einen reklamenhafien Anstrich trügt, so liegt es doch nicht im Sinn des Herrn Grau, Reelame zu treiben, wie er dies noch besonders in seiner Vorrede hervorhebt. Aber, qui s'excuse s’aeese. Trotz der vom Verf. gehegten Absicht bei der Erörterung der vielventilierten Judenfrage sine ira et studio zu verfahren, verfällt er an vielen Steilen in die Diction der Rqhling und Rebbert, seiner katholischen Collegen; alsfo Grau in Grau — nomen et omen — man entschuldige die persönliche Zuspitzung! Er polemisirt gegen dMarr und dessen pessimistische Weltanschauung, die *natürlich ein Zersehungsprodukt des Judenthums ist. Marr erblickt bekanntlich bereits eine vollständige ״Verjudung“ Deutschlands (finis Germaniae). Verf. fabelt’ ebenfalls von einer von Juden geleiteten und beherrschten Presse und bedauert die sich mehr und mehr steigernde Intelligenz bei denselben, spricht ihnen aber jede schöpfer'sche Thätigkeit in Wissenschaft, Kunst und Industrie ab. Nichtsdestoweniger gesteht er ihnen S. 11 zu, dass sie ״sich auf fast allen Gebieten der deutschen Kultur heimisch zu machen gesucht haben.“ Ja, es ist fast unglaublich! Seite 33 bemerkt er gegen Dühring, der sich bei diesem Punkt ״in seinem Judenhass“ geirrt habe: ״Und innerhalb des grossen Gebietes der Wissenschaft möchte es die abstrakteste aller Wissenschaften, die Mathematik, sein, an der Juden in produktivster Weise sich betheiligt haben“. Man merke in ״produktivster Weise.“ Und doch versteigt sichJ Verf. s. S. 28 zu der Apo- Strophe: ״Was fordern wir von ihnen Gelehrte, Entdecker oder Philosophen, wenn wir den von ihnen haben; der von sich sagen durfte: ״Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“ Er sieht sich gemüssigt zu sagen — Seite 31 — ״Dieses Volk des Allerthums und der Vergangenheit, das so viele Völker überdauert hat, ist dennoch wesentlich ein Volk der Zukunft“, darin erblickt er das Geheimniss des Judenrolkes. Desshalb geht Herr Grau Herrn Treitschke hart zu Leibe wegen des Anspruches ״Sie (die isr. Mitbürger) sollen Deutsche werden, sich schlicht und recht als Deutsche fühlen“; bei der Gelegenheit wird auch Mommsen, der in seiner kleinen Broschüre ״Auch ein Wort über unser Judenthum“ von geschichtlichen Assimilationsprozessen gesprochen, in einer Note als keiner Widerlegung bedürftig abgefertigt. Der Consequenz, die ein Pfarrer Brake in Oldenburg aus dem Treitschke’schen Ideengang gezogen, dass die Juden ״Christen“ werden rnüssen, tritt er energisch entgegen — bekanntlich aus Stöcker’s letztes Ziel der Judenfrage — und wirlt Treitschke sowohl als Brake ״religiöse Oberflächlichkeit“ vor. ,,Nicht durch die erste besteSorte Christenthum kann dasVolk in seiner antichristl. Art gründlicherweise um gewandelt werden“. Mit der besten Taufe, obwohl sie ein Bad der Wiedergeburt ist, (übrigens ein Lieblingsausdruck des Hm. Grau) ist es nach ihm noch nicht gethan und führt Heine zum Beweis an. Er controversiert — wie bereits angeführt — gegen Dühring und sagt von ihm S. 15 ״Es hat den Anschein, als ob das Gefühl der Unfähigkeit mit allem Scharfsinn des Problemes 3Ieister zu werden keinen andern Austrag wüsste, als den Hass gegen das unbegreitliche Volk und damit auch die Ungerechtigkeit gegen dusselbe zu steigern. Wir hoffen, dass die Liebe (!!) leistungsfähiger und schartsichtiger ist, als der Hass“. (Recens. hat schon vor 4 Jahren in der ״Isr. Wochenschrift“ auf die zügellosen Gehässigkeiten Duhrings gegen die Juden hingewiesen). Nachdem der Verf. im Gegensatz zu dem gottlosen Dühring, der das Judengemüth als ein ״in rastloser Oede“ sich befindendes charukterisirt, hervorhebt, die jüdische Unruhe und Friedlosigkeit besser zu verstehen“ rückt er mit der absurden Deutung heraus, sie sei . nichts anderes ״als der Widerschein und das Echo des I Zornes Gottes“. Vergleichen wir mit diesen Auslas-

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