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Das jüdische Literaturblatt · 1881-09-28 · No. 39. (28.9.1881) · p. Seite 154

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
10 (1881)
Issue
No. 39. (28.9.1881)
Date
1881-09-28
Page
Seite 154 (sequence 2)
Language
German
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— 154 — liuic actui «uteoedentes!:onderaque concomitanles cirrumstantiae (d. h. die diesem Akte vorhergehenden und ihn begleitenden Umstünde sataam an den Tag geben, dass sie Als« ein einfaltig Mensch, die sonsten weder lesen noch schreiben gelernet, in dem Sie gewusst, gewisse Bücher alss der Juden Oeissell vnnd andere zu allegiren, dieselbe aucli vnserer Gnädigen Fürstin und Frawen zu schicken, zuvor von einem bosshaften Menschen muss inforiniret gewesen sein. Weil dan nun wieder solchen Menschen nicht allein die Regula quod quis fucit per aliuni, ipse fecisse putatur (wer Etwas durch einen Anderen thun lässt, soll angesehen werden, als ob er selbst es gethan habe) würde statt greifen, sondern auch derselbe desto grossere straffe verdienen, wie vielmehr er gesündi get, indem durch seine Verursachung solche calumnien angespounen, auch durch seine Verführung vnnd Betrigerey andere in Jammer vnnd elend gestttrtzet, Bevorab in diesem casu ubi 8i forte princi ׳ palis ab pualitatem suae personae non secundum rigöre 111 iuris pnnitur, ideo ronsultor non absolvitur, sed acque gravi poenä affi ciendus (wenn der Thäter wegen seiner Persönlichheit nicht von der vollen Wucht des Gesetzes getroffen werden kann, 8011 der Anstifter wenigstens nicht leer ausgehen, sondern erst recht mit schwerer Strafe belegt werden). Menocs. de arbitr. jnd. quaest■ cas. 351. Nr. 14 et 20. Alss gelanget nochmals vund zwar fürneblich zu Ew. F. Gvnser Allerseits» vnterthäniggantz flehentliche Bitte, Sie geruhen Vuss in vnser rechtmessigen Bitte doch nicht enthöreu, sondern 0bbe8agte Calumniantin ihre!■ einblaser vnnd magistrum zu nennen (Wohin sie mit harten Worten leichtlich wirt können gebracht werden) gnädig anzuhalten, demselben daraulT ferner also anzusehen, dass Andere gottlose Verleumder sich daran spiegeln mögen, Ew. F. G. verrichten hieran ein recht billiges vnnd Ihr selbst rühmlichss Werck vnnd wir sein ess auch mit vnseren vnterthanigen trewgehorsahmen Diensten zu verschulden iedeizeit 80 willig alss schuldig Ew. F. G. sanipt Dero Gemahlin vnnd jungen Princeasin (Juliane Louise, geh. den 6. Nov. 1657) dem gewaltigen Schutz Gottes zu glücklicher llegirung vnnd allen Fürstlichen Wollstandt, getrewlichst, Vnss aber Dero beharrlichen Huld vund Gnaden vnterthänigst empfelend vnnd verbleibend. Ew. F. Gnaden Unterthänige trewgehorsahme Knechte für vnss vnnd im Nahmen der semptlichen in Ew. F. G. Landen woh- ״enden Juden: (die folgendeu Untei-scliriften sind im Original mit hebräischen Buchstaben geschrieben) Calmau Snphantsch David. Josef Sohn Salomons. Michael Jakob Beer Jud. Jakob Sohn Noahs Juda. Mnir Sohn des Kleintsch Jnd. Messachem Sohn des Kadr David Cohn. Abraham Calmuntsch Jud. Diese augenscheinlich von einer juristischen Feder concipirte Eingabe hat zwar kein Datum, auf der Rückseite ist aber der gleichzeitige geschäftliche Vermerk: Praes. 14. Nov. 1658. Ihre Wirkung zeigt sich in folgendem Protokoll, dass jedenfalls abschriftlich den Peiitemen übermittelt worden ist: ״Als der Durchleuchtiger, huchgehohrner Fürst vndt Herr Enno Lude wich etc. der gewesener Jüdin Christinen über die von ihr wieder die in diesem Filrstenthurab wohnende Juden, ob hetteu dieselben eines christlicheu Kindt ermordet, vndt dessen blutt gebrauchet angegebene beschuldigung zu rede gestehet vndt gebülirlicli exaniiniren lassen; haben 1. 1'. G. die suche vermöge darüber gehaltenen prothocolli dergestalt erdigt (erdichtet) vndt v ne 1• w e i ssl i c h befunden, das dieselbe durch den Hvrreu Blumen ihr folgendes \orzuhulteu erwogen worden, das obschon I. F. G. sie wegen ihres unerliiidtlichen iugebenB alseine V er le 11 mb der i 11 ubzustraffen wol liefügt oder wus sonst rechtens uuff der Juden unhul teil zu verbeugen gehalten weren; Sie diinnuch in unsehung ihrer der Christinen jugendt die suche vor diessmahl unter die Füssen tretteil, aber zugleich hiemit ernstlich ihr eingebunden habuu wolte, das daferne sie künfftig kegeu einigen menschen das geringste von oberwelinte bescbnldigung sich verlauten lassen würde, sie alsdan unteilbar mit der straffe, so ihr von Rechtswegen dictierut werden muchte, wurcklich beleget werden sollte, wornach sie sich gäntzlieh zu acuten vndt zu richten hette. So geschehn (Aarich) den 29. Novembr. Ao. 1618.“ Man hat nicht gehört, dass die ostfriesischen Jaden damals wieder in irgend einer Weise behelligt worden wären. Heinrich Heine als — Prophet. Heine’s Verdienste als Besieger verschrobener Roinantik und als Beseitiger krankhafter Sentimentalität, welche die Literatur der Deutschen verderben zu wollen schien, mögen ja einer verschiedenartigen, nicht immer anerkennenden Kritik unterworfen werden; das aber stellt unumstösslich fest, dass er, wie liier nachgewiesen werden wird, als Prophet unübertroffen dasteht und dass die vielfachen Behauptungen, er sei nicht ,deutsch“ gesinnt gewesen, als ungerechtfertigt abzuweisen sind. Von Franzosen ist vielfach behauptet worden, ״ Heinrich Heine sei ein französischer Dichter“; sie hfttten bedenken sollen, was er in nachstehenden, anfangs der vierziger Jahre in Paris geschriebenen Versen über Deutschland sagt: Deutschland ist noch ein kleines Kind, Doch die Sonne ist seine Amme, Sie säugt es nicht mit stiller Milch, Sie säugt es mit wilder Flamme. Bei solcher Nahrung wächst mau schnell Und kocht das Blut in den Adern. Ihr Nachbarskinder, hütet euch, Mit dem jungen Burschen zu hadern. Er ist ein täppisches Rieselein, Reisst aus dem Boden die Eiche, Und schlägt euch damit den Rücken wtmd Und die Köpfe windelweiche. Dem Siegfried gleicht er, dem edlen Fant, Von dem wir singen und sagen, Der hat, nachdem er geschmiedet sein Schwert, Den Ambos entzwei geschlagen. Ja, du wirst einst wie Siegfried sein Und töten deu hässlichen Drachen. Heisa! wie freudig vom Himmel herab Wird deine Frau Amme lachen! Du wirst ihn töten und seinen Hort, Die Reichskleinodien besitzen. Heisa! wie wird auf deinem Haupt Die goldene Krone blitzen! Wer so elwas als Deutscher schreibt, kann nur mit Leib uml Seele ein patriotischer Deutscher sein, wenn er auch Frankreich und die Franzosen liebte. Hochprophetisch ist dies Gedicht, das muss jeder Unparteiische anerkennen. — Hier müssen wir noch einer zweiten, wahrhaft prophetischen Voraussagung aus dem Jahre 1834 gedenken, die folgendertnassen lautet und die seinen hohen Beruf als echter Prophet darthut: ״Hütet, euch“, sagt Heinrich Heine, der deutsche Dichter, der die Franzosen liebte, ״dir Naehbarkinder, ihr Franzosen, und mischt euch nicht in die Geschäfte, die wir zu Hause in Deutschland vollbringen. Es könnte euch schlecht bekommen. Hütet euch, das Feuer anzufuchen, hütet euch, es zu löschen. Ihr könntet euch leicht au den Flammen die Finger verbreitnen. Lächelt nicht Uber meinen Rath, über den Ruth eines Träumers, der euch vor Kantianern, Fichteanerii und Naturphilosophen warnt. Lächelt nicht über den Phantasten, der im Reich der Erscheinungen dieselbe Revolution erwartet, die im Gebiete der Geister stattgefunden. Der Gedanke geht der That voraus, wie der Blitz dem Donner. Der deutsche Donner hat endlieh sein Ziel erreicht. — Und die Stunde wird kommen. Wie auf den Stufen eines Amphitheaters wer-

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