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Das jüdische Literaturblatt · 1881-09-28 · No. 39. (28.9.1881) · p. Seite 156

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
10 (1881)
Issue
No. 39. (28.9.1881)
Date
1881-09-28
Page
Seite 156 (sequence 4)
Language
German
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— 156 — Bungen S. 48: .,So widerwärtig z. B. das prahlerische Wohlthun mancher Juden (nicht auch mancher ChristenV!) sein mag. so fehlt wiederum innerhalb des Judenthums nicht wahre Bar 111 hcrzigkeit, innige Freude ain Helfen, vornehmlich aber ein dankbares Herz“, dann haben wir eine psychologische Ungereimtheit soudergleichen: Friedlosigkeit im Sinn des Herrn Grau involvirt Gemüths 1 eere. Das ganze Schriftchen ist durchsäuert von neutestamentlichen Aussprüchen (Seite 44 muss es statt Joh. 8,30, 3*> heissen) und bietet durchaus keine neuen Momente. M. Spanier. 1) Supplement enthaltend Uebersicht, Register und Glossar zu Tosefta von Dr. M. S. Zuckermandel, Oberrabbiner der Synagogen-Gemeinde Trier. Lieferung I. Trier 1882. ln Coinmissioh der Fr. Lietzsehen Buchhandlung. 48 S. Lexf. 2) Tosefta-Varianten, Sonderabdruck aus der Graetz’schen Monatsschrift von demselben Verfasser, in demselben Commissionsverlage 40 S. 75 Pfennige. Die in der ersten Lieferung der Tosefta verheissene und begonnene Uebersicht wird in der ersten Hälfte der Schlusslieferung beendet. Dieselbe kommt nichtjüdischen Gelehrten sicher zu statten, wäre auch für Anfänger — vielleicht beim Religionsunterrichte in höheren Schulen als Inhalt der Mischna — zu benutzen. In den Registern, das die Bibelstellen, Personennamen, Ortsnameu, die in der Tosefta Vorkommen, sowie die Parallelstellcn, die aramäischen Stellen, die Citate der Tosefta in Kaftor Wopherach und die Vocale in der Eifurter Handschrift enthalten, sind die Personennamen die zu Seraim gegeben waren, wiederholt, die Citate aus Kaftor Wopherach nicht. Diese Ungleichmässigkeit hätte vermieden werden sollen. Hoffentlich hält der Herr Verf. sein Versprechen und lässt das Glossar binnen Jahresfrist erscheinen. Dass die Muniticirung des preussischen Kultusministeriums die Herausgabe ermöglicht hat, linde dankend Erwähnung. Eine geistvolle Bemerkung, wie aus der richtigen Lesart der Erfuiter Handschi ift הואיל ומתכנסין בה יתכנסו zu den gewagtesteu Deutungen zwingende Corruptele entstanden sind, füllt die letzte Halbseite und leitet zu demschweren Geschütz über, das in der Nr. 2 vom Verf. bedient wird, um seine Ansicht von der Priorität der Tosefta vor der Mischna zum Siege zu führen. Die Details zu besprechen überlassen wir unseren Ge!1068en, welche sich mit dieser Frage schon eingehender in diesem Blatte und sonst beschäftigt haben. Uns genügt es, die Aufmerksamkeit unserer Leser auf die reiche talmodisch-schriftstellerische Thätigkeit des Trierer Oberrabbiners — er ist damit מחזיר עטרה ליושנה für Trier — gelenkt zu haben. Ooblenz. Dr. Lew in. Notizen. 1) Ein junger Fasttag. Wird Israel, werden die einzelnen betroffenen Gemeinden das Gedenken an die Misshandlungen, welche sie während der jüngsten Judenverfolgungen erlitten haben, durch Gebet und Fasttage wach erhalten? Oder ist solches Denken nicht modern zeitgemäss? Diese Frage hat sicherlich schon Manchen beschäftigt. Uns leitet sie über zu der andem: Jn welcher Zeit noch sind zu•• Erinnerung an Verfolgungen Buss- und Bettage eingesetzt worden? Ohne eine allgemeine Antwort geben zu können, wollen wir auf diesen Fall aus verhältnissmässiger neuerer Zeit hinweisen. Am 15. Ellul 5435 1675 =־ _ aus den mir vorliegenden Quellen ist nicht ersichtlich ob durch fremde, durchziehende Soldateska oder durch Pöbelhaufen — wurde die Synagoge in Trier verwüstet. (Der Ausdruck der im Memorbnche bewahrten Slicho, beginnend: אב הרחמים, יולו עיני כנחל דמעה על תורתינו הקדושה, איך היתה על פני הארץ נטושה, ודרכו עדה ברגליהם ערל וטמא איש ואש ה, scheint auf einen Volksexcess hinzudeuten). Viele Thorarollen wurden schonungslos zernsseu und mit Füssen getreten. Auf den Strassen herrschte wüster Lärm, die Juden wurden verhöhnt, geschlagen und verwundet. Fast ein Wunder war’s, dass sie dem Tode entgingen. Der Klage und dem Schmerzensschrei verbindet sich nebst der Bitte um Gottes Erbarmen die Kenntniss עוונותינו כי רבו וחטאים בי גדלו הן הנה גרמו ששתיתי כוס התרעלה". Deshalb wird beschlossen, alljährlich am 15. Ellul ein Fasten zu halten, nebst dem 5 אב הרחמים. Selichoth und אבינו מלכנו zu sagen, sowie ויחל zu lesen! Noch jetzt werden diese Gebete recitirt, wenn auch wohl das Fasten ausser Mode gekommen sein mag. Dr. Lewin. 2) PitHioai und itnaises. Die im Exodus Capitel 1, Vers 11 vorkommenden Worte פיתם uud רעמסם, die bisher als Städteuamen gedeutet wurden, haben durch Dr. Goldammer eine neue Erklärung gefunden, die werth ist, in weiteren Kreisen bekannt zu werden. Dass diese Worte ägyptischen Ursprunges sind, ist so gewiss, dass es nicht weiter bewiesen zu werden braucht. Nun zerlegt Goldammer das Wort Pithom in den Artikel pi und das Substantivum thoin, das im ägyptisehen die Bedeutung Ort, Stelle, hat. Ratnses wird in gleicher Weise in Ra die Sonne, am von und ses ״ein Zeitpunkt“ zerlegt, 80 dass Pithom und Ramscs zwei Ortschaften oder Städte waren, die zu geometrischen und astronomischen Berechnungen ausschliesslich verwendet wurden. Nun liegt es nur noch ob, die Wort« ערי מסכנות dem entsprechend zu erklären. Auch dieses Wort leitet Goldammer vom hierotischen sagan סכן ab, das die Bedeutung messen, abtheilen, schneiden hat. von derselben Wurzel wird das aramäische סכין Messer, *?C der Controleur, der Theiler, abgeleitet, l?p? der Arme, dem seine Nahrung karg zugemessen wird, und ערי מסכנות wären alsdann ״Beobachtungsorle“. 3) עד בי יבא שילה (Gen. 49,10). Unter den verschiedeuen geschichtlichen Ereignissen, auf welche diese Worte hindeuten sollen, ist die Hinweisung auf den Abfall der zehn Stämme von der Davidisehen Dynastie, die Samuel b. Mei'r hier findet, offenbar am in eisten zutreffend. Nur erscheint sie dadurch als gezwungen, dass S. b. Me'ir sich genöthigt sieht, den Ort Silo als gleichbedeutend anzunehmen mit Sichern, woselbst der Abfall stattgefunden hatte. Diese Schwierigkeit wird jedoch beseitigt, wenn mau — was sprachlich ganz zulässig ist — unter שילה versteht: איש שילה*) d. i. Achija, der ausdrücklich als ,Silonite* bezeichnet wird, und als Prophet den Abfall der zehn Stämme als göttliches Verhängniss im Namen Gottes verkündete. (1 Kön. 11,29 ff.) Wiesbaden. Süskind. 4) Prof. C11 wol so n in Petersburg hat auf seinen Reisen in diesem Sommer wieder interessante Funde in jüdischen Alierthümern gemacht, über welche er zuerst auf dem Archäologen-Congresse in Tiflis und sodann in den Memoiren der Akademie berichten wird. *) E« ist sogar wahrscheinlich, dass zwischen יבא שילה das איש wirklich gestanden haben mag. (Red.) Verantwortlicher Redacteur Dr. Rahraer in Magdeburg. Druck von H. Horbach in Barby. Verlag von Robert Friese in Leipzig.

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