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Das jüdische Literaturblatt · 1881-09-07 · No. 36. (7.9.1881) · p. Seite 143

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
10 (1881)
Issue
No. 36. (7.9.1881)
Date
1881-09-07
Page
Seite 143 (sequence 3)
Language
German
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— 143 — werth und nützlich, als Steuerpächter und Schatzmeieter, waren sie dem Volke verhasst; bald in dieser, bald in jener Stadt wurden sie überfallen, erschlagen, ihre Synagogen verbrannt; der gewaltigste Sturm brach *>lber sie los im Jahre 1391 und durchtobte ganz Spanien; Priester, wie der Archidiakon von Ecija, hatten durch ihre Predigten den Brand geschürt. Viele Tausende wurden erschlagen, 200,(MX) retteten sich durch die Taufe; allein schon nach einigen Jahren fand man, dass 17,000 rückfällig geworden. Hundert Jahre später, 1492, erschien das königliche Edict, welches sämmtliehen Juden die Auswanderung, mit Zurücklassung ihres Vermögens, gebot. Da die Inquisition zugleich den Juden Lebensmittel zu verkaufen verbot, so konnten die meisten, wenn sie auch gewollt hätten, nicht abreisen, mussten also sich tauten lassen. Von den Abziehenden — die Zahlangaben schwanken zwischen 170,000 und 400,000 — gingen die meisten durch Pest, Hunger, Schiffbruch zu Grunde. Die Abkömmlinge der Ueberlebenden, die Sephardim, fanden in Italien und im Orient unter türkischer Herrschaft, auf kurze Zeit auch in Portugal, Aufnahme. Spanien aber wurde mit Mischgeschlechtern erfüllt, und der Gegensatz von reinem und unreinem Blut, alten und neuen Christen vergiftete das ganze sociale Leben. Schlimmer noch als in Spanien erging es den Juden in Portugal. Ihre Lage war hier lange Zeit besser gewesen als auf der übrigen Halbinsel; der Mordsturm von 1391 hatte sie nicht erreicht; sie ge- . nossen einige Vorrechte, besassen Grundbesitz, trieben Ackerbau und Grosshandel. Da traf sie unter dem sonst als mild und menschenfreundlich gepriesenen König Manuel (1495) ein vernichtender Schlag: ihre Kinder unter vierzehn Jahren wurden ihnen entrissen und getauft; sie selber durften nur bleiben, wenn sie übertraten. So ward auch dieses Reich mit Scheinbekehrteil und gezwungen Getauften angefüllt. Die Folgen waren furchtbar. Schon im Jahre 150(3 wurden in Lissabpn, weil ein Neuchrist einen Zweifel an einem angeblichen Wunder geäussert hatte, in drei Tagen zweitausend Neubekehrte erschlagen. Bald nachher wurde die Inquisition eingeführt als dns erprobte Mittel, das Vermögen des wohlhabenden Neuchristen dem Fiscus zu überliefern. Vergleichungsweise erträglich war die Existenz der Juden in den grösseren italienischen Handelsstädten, wo sie, da der Geldhandel schon in den Händen der christlichen Bankiers war, inehr mit Handelsgeschäften sich belassten. Dort kamen keine gegen sie gerichteten Pöbelaufstände oder Ermordungen vor. Alls diese Dinge werden begreiflicher, wenn wir beachten, dass bei den Geschichtsschreibern der Zeit, welche die begangenen Gräuel berichten, kein Zeichen des Mitleides, kein Wort des Unwillens sich findet. Vielfach äussern die geistlichen Chronisten selbst ihr Wohlgefallen; in triumphirendem Tone erzählt z. B. der Mönch von Waverley das Blutbad in London bei Richard’s I. Krönung, welches ohne alle durch die Juden gegebene Veranlassung gefolgt war, und schließt mit dem Ausrufe: ,Gelobt sei der Herr, der die Gottlosen preisgegeben hat.“ (Annales Monast. p 24(3). Dennoch verfehlen sie dabei nicht, zu bemerken, dass die Habgier eine Hauptursaehe dieser Missethaten gewesen, dass verschuldete Edelleute und Bürger dazu gehetzt haben, um ihrer jüdischen Gläubiger mit Einem Schlage los zu werden, denn in der That war Geld damals der Schutzwie der Würgengel der Juden; die Unglücklichen mussten ihre Schuldner drängen, immer gewärtig, dass im nächsten Moment sie die Bedrängten sein würden. (Schluss folgt.) Welche Schriften setzt Siracli in seinem ץ-"»; zv-iwr, voraus? Von Dr. U. Grünwuld in Rreslau. (Fortsetzung von Nr. 33.) In erster Linie ist hier Psalm 78 zu nennen. Caput 44 Vers 1—15 ist Einleitung. In Vers 3 hat der Cod. Alexandrinus p. (336 (London 1821) statt a3׳w>v, den Singular, nämlich crjTo* **)», und diese Variante ist nicht ohne Bedeutung. Liest man nämlich /.■jy.iwzt; j-< -.v.- Jta3ö.:w׳.; iw» so heisst diess: sie herrschten in seinen (nämlich Gottes) Königreichen, anknüpfend an den biblischen Gedanken לך ה׳ הגדלה והגבורה וכו. Und in der That bespricht ja Sirach zuerst die wahrhaft frommen Männer, die wohl wussten, dass alle Macht Aus- Hubs der Gottheit ist, während er nur in einem Verse die schlechten, denen kein Andenken blieb, anfuhrt, um zu den guten überzugehen. Hier ist Vers 16, Cap. 48, in der LXX Enoch חנוך, der von Midrasch und Hagada sehr eifrig gepflegt wurde, 80 schon ßereschit rabba c. 25,*) und das Buch Enoch (ed. Jeliinek). Der zweite Theil des Satzes isiSsqjm v״׳ia; tctl; ■jivzv.- ein M uster der Reue für kommende Geschlechter, lässt vermuthen, dass die Sage sich bereits damals Enoch’s bemächtigt hatte. Geiger’s Ansicht (.Urschrift 198), dass Heuoch früher gesündigt haben müsse und dann Busse gethan, ist nicht stichhaltig; es konnte vielmehr in Enoch gezeigt werden, dass man auch in einem kurzen Leben, und ein solches wurde ja bloss Enoch zu Theil,*״) durch gute Thaten in den Himmel gelangen könne, und dass die Wege Gottes unerforschlich und unbegreiflich seien. ויתהלך חנוך את אלהים ואיננו כי לקה אותו אלהים wird auch so von Midrasch Rabbot zur Stelle gedeutei. In der syrischen Uebersetzung sowohl als auch in der Arabisehen fehlt dieser ganze Satz, und es spricht dies nicht gerade für dessen Alter. Die wortgetreue Uebersetzung in's Griechische beweisen z. B. Ausdrücke wie (Cap. 44 Vers 10) a׳. v.au'iyj'/w. — hebr. צךק1ת vergleiche die Stelle צדקות ה׳ עשה ומשפטיו עם ישראל. Uebrigens hat auch Krachmal in seinem Werke מורה נבוני הו0ן darauf aufmerksam gemacht, dass die griechische Uebersetzung an Alter sowohl als auch an Genauigkeit und Treue der Wiedergabe der syrischen weit vorzuziehen sei. Es ist aber durchaus kein Einwand, dass Enoch im Cap. 49 Vers 14 noch einmal erwähnt wird, denn hier schliesst der Verfasser die Erzählung der Vergangen- 1 heit und verkündet mit oratorischem Schwung, dass keiner wie Enoch ward geschaffen auf der Erde, auch er ist hinweggenemmen worden von der Erde. Dieser Satz scheint aber eine Nachahmung des bekannten: ״Auch Patroclus ist gestorben und war mehr als Du“; denn man bemerkt wohl, dass im Cap. 44,16 das von der Erde Weggenommenwerden nicht erwähnt wird. Im Sirischen wird dieser Satz geschwächt und abgeblasst durch ״ .ועווין אתבריו איך חנוךWenige wurden wie Chanoch erschaffen“. Der zweite, der uns vorgeführt wird ist Noa u. z. als צדיק תמים (zii.zw■ v.zc<׳.׳,;) mit Um- Stellung des hebr Textes. Der zweite Theil dieses Verses (Vers 17) 3v x«׳lp«) rfiv!׳:־. dv:a).).cq!1a wurde von Fritzsche nicht richtig erfasst; hier kommt das Syrische zu seinem Recht, בובנא דטופגא הואחלפתא לעלמא, aberחלפתא ist nicht wie die Heptaglotte in ihrer Version, es durch vicarius mundi, Herr der Welt, wiedergiebt, aufzufassen, es ist vielmehr der Tausch, d. 11. dasjenige, *) Siehe Wünsche, Bibliotheca rabbinica p. 112 (IV. Lieferung־). üie verschiedensten Aneichten R. Cham* bar Hosajas, dass Enoch zu den Frevlern der Mittelklasse gehörte, die der Läuterung bedarf. **) Im Verhältnis* zu seinen Zeitgenossen.

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