Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 10 (1881)
- Issue
- No. 33. (17.8.1881)
- Date
- 1881-08-17
- Page
- Seite 131 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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131 — Der beste bisherige Comnientar zu Ben Sirach ist ohne Zweifel der von uns bereits erwähnte von Fritz-! sehe und auch der Vuv״׳; satipmv wird recht eingehend behandelt. Doch ist eine richtige Erklärung ohne Achtung und kritische Prüfung des griechischen Textes als der Uebersetzung, die die älteste ist, (wenn auch nicht in der Form, in der sie uns jetzt vorliegt) j nicht möglich;die zweite, ebenso unerlässliche Bed i ng ung. ist dann, den hierdurch gewonnenen Text wortgetreu in's Hebräische zu übersetzen. Es fallt letzteres um so leichter, als ja eben der Text ursprünglich hebräisch war, und eine grosse Anzahl biblischer Ausdrücke und Redensarten sich daselbst findet. Bevor wir nun an die eigen liehe Aufgäbe geben, liegt es uns noch ob. die Antwort für die Frage zu linden, ob wir aus dem nicht erwähnt werden einer Persönlichkeit auch schliessen dürfen, dass derselbe dem Verfasser des betr. Hymnus unbekannt war. Wenn nun schon eine nüchterne und vorsichtige Kritik diese Frage unbeantwortet lassen muss, so wollen wir nur bemerken, dass, wenn wir anderweilige Beweise für die Kenntniss des Autors von der in Frage stehenden Persönlichkeit haben, wir ruhig dieselbe als dem Autor bekannt annehmen können und müssen. Selbstredend müssen diese Beweise unwid e r I eg I i c 11 e sein. Vorausschicken wollen wir nur noch, dass solche historische Rückblicke sich im A. T. häufig finden, so ganz besonders Psalm 78. Gehen wir nun nach diesen Vorbemerkungen zum eigentlichen Hymus über. In der Ausgabe derSeptuaginla umfasst derselbe die Capitel 44—50 inclusive; in der von Ben Sew herausgegebenen syrischen Uebei- Setzung (mit hebt•. Buchstaben) mit der Ueberschrift (שבחא דאגשא דטיבותא) von eaput 45—50. In der von Lagarde herausgegebenen syrischen Version der Apokryphen linden wir wieder eine Uebereinslimmung mit der Septuaginta iri Betreff der Capilel- Ein- und Abtheilung.*j Nicht ohne Belang war ferner die Ausgabe, die Harvey Baber nach dem Codex Alexandrinus, London (1816—1828), veranstaltete Der Text ist. ganz in Majuskeln wiedergegeben und ein getreuer Abdruck der Handschrift mit all den Abbreviaturen, wie solche diesen Handschriften eigen sind. Durch alle diese Hilfsmittel sind wir nun in den glücklichen Stand gesetzt, den richtigen Text wieder herzustellen und dadurch dus Verständnis zu errnittdn. Noch muss hervorgehoben werden, dass sowohl nach Fritzsche als auch nach Krochmal die syrische Uebersetzung einer viel späteren Zeit al9 die grie״ enisehe nngehört. Es ist nie׳• oft eine Breite bemerkbar, die an das syrische Targum erinnert. Grätz in sei- 11er Geschichte B. II., 2. Hälfte (1876), behandelt Sirach ausführlich von p. 234—291. Hier wird auch manche Conjectur Fritzsche's mit Recht zuritckgewieseit, (Grätz, II., 2, p. 235—238, p. 281-291, sind ganz besonders zu vergleichen) Was nun den Zusammenhang mit den vorhergehenden Capitelu betrifft, so hat Grätz bereits darauf aufmerksam gemacht (ibid. p. 288), dass beide Stücke c. 42,15—43,33, und e. 44—50 ein einheitliches Ganze bilden, um die Thuien Gottes in der Natur und die in der Geschichte des Volkes Israel zu zeigeu, dass sie aus ein derselben (Quelle stammen Ich will nur noch hinzufügen, dass reichliche Vorbil- *) Vurianten von Belang linden sich in der Ben-Sew'srlien und Lugarde'riclien Ausgabe fast gar nicht, au den einzelnen Stellen werden wir auf da9 einige aufmerksam machen. L)a Ben- •Sew eine hebräische Uebersetzung des Syrischen geben wollte, hat er manchen Fehler gemacht, so Übersetzte er das syrische דאבא, das doch offenbar ואב der Wolf bedeutet durch דוב Bfir, was auch gar nicht in den Zusammenhang passt. der hierfür im A. T., besonders aber in den Psalmen, Vorlagen. (Fortsetzung folgt.) Literaturbericht. Recensioaen. Andree, Richard. Zur Volkskunde der Juden. Mit einer Karte Uber die Verbreitung der Juden in Mitteleuropa. Bielefeld und Leipzig. Velhagen & Klasing. 1881. Wen es gelüstet, die Zahl der Juden in allen 5 Welttheilen genau bis auf den letzten Mann zu erlühren, wer über die biotischen Verhältnisse, die Namen, Dialecte, Sitten und Gebräuche der Söhne Israels in China und Jemen, in Mexico und Australien aus zweiter Hand Nachrichten schöpfen will, der mag getrost von dem Ragout kosten, welches Richard Andree aus Anderer Sehmaus gebraut hat. Schudt's ״jüdische Denkwürdigkeiten'* sind ebensowohl zu Rai he gezogen, wie Renan's Studien zur Grammatik der semitischen Sprachen; die Historiographen des Judenthums, Jost und Grätz, werden ebenso tapfer ausgeschrieben, al9 die Berichte von Forschuugsreisenden, Missionären, Tagesblättern und statistischen Bureaux; so hat denn der Amor der ״ezechischen Gänge“, Dank dein Organe des Fleisses, eine weiischichtige Compilation fertig gebracht, die als bequeme Daten- und Maierialiensammlang Vielen willkommen, Niemandem als beinerkenswerih erscheinen kann; denn all’ seinen Erörterungen fehlt ״leider nur das geistige Band“. Unserem Gewährsmann gilt der Jade, ,so gross auch der Unterschied zwischen beiden Nationalitäten, namentlich in cultureller Beziehung ist“, als Doppelgänger des — Zigeuners. ״Juden und Zigeuner haben sich, wiewohl unter fremden Völkern wohnend, relativ rein erhalten, beide haben das starre Kesthalten an ererbter Sitte und überkommenem Brauche, sowie beide in Europa kein Handwerk (V) und keinen Ackerbau (?) lernen mögen. Und wie wir vom Zigeuner annehmen dürfen, dass er stets und zu allen Zeiten, vermöge der rein von ihm ererbten Rnce-Eigenscliafien das bleiben wird, was er ist und was seine Almen waren, so werden auch die Juden stets dieselben bleiben“ Die Prophezeiung klingt so kühn und pliantastisch, als ob sie von — Benjamin Disraeli herrühren würde, der nicht müde ward, zu wiederholen, dass die Race Alles und darüber hinaus keine Wahrheit zu fiaden sei. 111m war ״seine ungemischte Race mit ihrer echt conservativen Organisation die wahre Aristokratie der Natur“ und noch 1870 schrieb er in der Vorrede zu seinen gesammelten Schriften den bedenklichen, aber originellen Satz nieder: ״ab und zu muss sich nothwendigerweise in den anderen Racen ein eifersücbliges Missvergnügen darüber erbeben, dass die Offenbannig einem besonderen — dem semitischen — Geschlecht anvertraut worden ist“. Kein Wunder, dass seiner Meinung nach der usiatische Stamm, dem Disrueli uugehörle — wir bedienen uns seiner eigenen Worte — im geistigen Sinne Europa und die Welttbeile, welche von Europa bevölkert wurden, eroberte, alle Völker des civilisirten F.uropa hatten sich durch Adoption die ganze Religion und die ganze Literatur seiner Väter angeeignet Sie hatten diese Li eratur für eine heilige, von Gott selbst inspirirte Schrift erklärt und diesen Glauben lür eine Offenbarung, die wohl vervollsiändigt, aber nie aufgehoben werden könne. Sie theilten ihre Zeit auf jüdische Weise ein; sie ruhteil um Sabbath kratt eines jüdischen Gesetzes, dessen Aufrechterhaltung von seinen angelsächsischen Lands-