Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 10 (1881)
- Issue
- No. 32. (10.8.1881)
- Date
- 1881-08-10
- Page
- Seite 127 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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127 — Brunnen gegossen, um uns zu vergiften*. (Ozar Tob S 088, 1. 35). In Folge davon erhoben sich die Chri• sten wie ein Mann und tödteten die Juden, Männer und Weiber und selbst die Kinder in der Wiege. Die Geseihte erzählt uns, wie sogar die freigelas3enen Knechte und Mägde gern mit ihren fiüheren jüdischen Herren starben, die Verkündigung von Gottes Eiuheit auf den Lippen, ״Höre, Israel, der Ewige, unser Gotl, def Ewige ist einzig“. Wieder, wie in Speyer, flohen die Geretteten als Zufluchtsort in die Burg des Gouverneurs Hier blieben sie in Sicherheit bis zum 23. Adar, wann die Kreuzzügler und die Bürger die Burg erstürmten und von ihr nach einem verzweifelten Widerstande von Seiten der Juden Besitz ergriffen. Dann begannen die Juden sich selbst gegenseitig zu tödten (wie sie es oft an verschiedenen Plätzen gethan haben), um nicht durch die Hände der Feinde ihrer Religion unterzugehen. Dabei sind viele herzzerreissende Be- ■gebenheiten vor sich gegangen. Die Anführung einer einzigen mag genügen. Ein gewisser Rabbi Meschullam ben Jitzchak, hatte einen Sohn, Namens Isaak, dem ihm sein Weib Zipporah in den alten Tagen geboren hatte Er rief mit lauter Stimme: ״Ich will meinen Sohn Isaak, wie unser Vater Abraham seinen Sohn Isaak geopfert hat, opfern“ Drauf näherte sich ihm Zipporah und bat, ״Mein Gott, mein Gott, warte ein wenig, lege noch nicht Hand an den Jungen, den ich im Alter geboren, erzogen und gepflegt habe, wie ein Adler sein Junges. Tödle mich zuerst, damit ich nicht anzusehen brauche den Tod des Knaben!“ Aber der Vater antwortete: ״Nicht einen einzigen Augenblick will ich zaudern. Der ihn gab, er nehme ihn als sein Eigenlhum zurück und lasse ihn sitzen im Schoosse Abraham’s, unseres Vaters“. Darauf band er seinen Sohn Isaak, nahm das Messer in die Hund und sagte den Segersspruch her, den man beim Schlachten der zur Nahrung bestimmten Tliiere. gebraucht, und der Sohn sprach ״Amen“. Drnuf nahm er sein Weib, und beide ent• fernten sich zusammen schmerzlich jammernd und fielen draussen in die Hände der Christen, die sie lödteten. Sollte der Leser die entsetzlicher! Einzelheiten dieses Tages weiter kennen lernen wollen, so schlage er Seile 090 des Werkes אוצר טוב auf, wo er einen Bericht über die edlen Todesarteu von Isaak ben Da• niel, Rabbi Simchah ha-Cohen, und der Dame Minna finden wird. Aehnliche Gräuelthaten wurden am 3. Siwan in Mainz verübt, wo 1300 Personen an einem Tage untergingen und nur 00 dem Tode entgingen. Aber warum soll man länger bei diesen Abscheu erregenden Seenen verweilen? Es genüge zu sagen, dass das Blutbad sich von Speyer, Worms und Mainz über die ganze Rheingegend ausbreitete und dass es in Cöln (am 2. Juni), Neuss (28. Juni), Coblenz (29. Juni), Andernach (29. und 30. Juni), Xnnten (30. Juni), Moers (3. Juli), Kempen, Geldern, Trier, Metz, Regensburg und in vielen anderen Städten wülhele. Dann kam der 2. Kreuzzug, gepredigt von Bernard von Clairvaux und 01‘geführt von Conrad llf. von Deutschland und Louis VII. von Frankreich (1147—1149); dann der 3. unter Richard Löwenherz (1189—1192), der vierte (1202 bis 1204) und der fünfte (1228—1229), letztere beiden unternommen in Folge Anregung des Papstes Innocenz III.; und in allen diesen hatten die Juden ihren vollen Theil der Leiden zu erdulden. — So auch, als die Kriege gegen die Albigenser etc. mit blutdürstiger Grausamkeit geführt wurden, waren es wieder die Ju- ■den, welche zusammen mit diesen doctrinären Abkömmfingen der Manichäer und Paulinianer dulden mussten. Dann brachten wiederum die Kreuzzüge des heiligen Ludwig von Frankreich gegen Egypten (1248—1250) und gegen die Muselmänner Africa’s (1270), — der die wilde Hoffnung hegte, den König von Tunis zur Taufe zu bewegen, in der That aber Muselmänner und Juden zwingen wollte, das Christenthum anzunehmen — die Juden entweder in das Feuer der Ver* folgung oder in die Wasser der christlichen Taufe. Mit der letzten Expedition, welche Verhängnis«- voll für h. Ludwig endete, schloss die Geschichte der Kreuzzüge gegen den Islam. — Aber während die unbesiegten Moslemiten nun Frieden hatten, wurde er den unterlegenen Juden noch nicht zu Theil. Mit schweigender Sicherheit wurden immerwährend neue Kreuzzüge gegen die Juden vorbereitet. Bei dieser Gelegenheit können wir nicht unterlassen, jener grausumen Plage, der Inquisition, Erwähnung zu thun, welche als ein formeller Gerichtshof vom Papste Gregor IX. im Jahre 1229 gegründet worden ist, obgleich Inquisitoren schon unter Papst Innocenz III. im Jahre 1203 gewüthet haben. Diese wurde natürlich eine schreckliche Waffe, die immer bei der Hand war, wenn es hiesss, gegen die jüdische Race vorzugehen. Literaturbericht. Beceasionea. Edouard Marbeau. Un nouveau royaume (Roumanie). Paris, Jules Gervais, rue de Tourron 29. 1881. [Schluss.] Herr M. besucht Chedarim, Beth hamidrasch, durchläuft alle Strassen und Gässchen und er findet, dass die Judenviertel überall sich gleichen, dass Elend und Leiden den Gesichtern ihren Stempel aufgedrückt haben. Und doch macht er •len Juden ein Staatsverbrechen daraus, dass sie den Handel mit Haaren an sich gezogen und für einige Lei den ״armen Bäuerinnen“ die Haare abkaufen. Das Elend macht erfinderisch — anstatt immer tiefer zu versinken, strebt der Jude, sich emporzuarbeiten, indess die arme Bäurin sicherlich die paar Lei mit oder ohne ihren Herrn Gemahl im Schnaps versäuft. 50000 Juden kommen in Jassy auf 90000 Einwohner — sie müssen verdienen, um den Hass zum Schweigen zu bringen — Landbesitz ist ihnen versagt. Im Arbeiterviertel Tataraschi wohnen ihnen unversöhnliche Feinde, doch halten sie dort einige Schenken. Darlehne haben die Hasser gefügig gemacht. Nun folgt eine weitausgedehnte, sentimentale Schilderung, in der der jüd. Schenkeninhaber den Mephisto spielt, während der edle rumän. Bauer der verlockte, verführte und betrogene Faust ist. Der Jude lässt sich den Schnaps bezahlen — nimmt 13 Frcs. für geliehene 11 Frcs. 75 auf 3 Monate (in Wochenraten zahlbar) und sobald er kein Geld bekommt, nimmt er Naturalien dafür. Er giebt den Bauern Landarbeit — aber er bezahlt sie schlecht und betrügt ihr! bei der Berechnung der geleisteten Arbeit! Der Jude? ein Jude oder alle Juden? Natürlich Alle! Nur ein Trost ist uns geblieben. Neben den Juden giebt’a noch Andere, die den edlen rumänischen Bauern ausbeuten: ״Die Intendanten der grossen Grundbesitzer oder die Pächter, mit denen er Contracte schliesst ״Und diese Letzteren erscheinen ebenso gewinnsüchtig und ebenso unerbittlich, wie die Juden selbst“ (S. 60). Es muss doch an etwas fehlen bei diesen von Allen betrogenen Idealmenschen! Die Drohungen aiso, dass die Juden todtgeschlagen werden würden, die lieblichen Hinweise auf Südrussland und Deutschland (S. 48) müssten dahin erweitert werden, dass das versoffene Proletariat nächst deu Juden allen Besitzenden den Krieg ankündigt! Die Zunahme der jüd. Einwande-