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Das jüdische Literaturblatt · 1881-08-10 · No. 32. (10.8.1881) · p. Seite 126

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
10 (1881)
Issue
No. 32. (10.8.1881)
Date
1881-08-10
Page
Seite 126 (sequence 2)
Language
German
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126 — dun״ kostete. Wie wenn ihn selber dieser Gedanke erschreckte, verbot er seinen Jüngern davon zu sprechen. Es scheint also, dass der Weg, den er ein Mal eingeschlagen, ihn auf eine Bahn drängte, die er nur mit Widerstreben im Herzen betrat. Einerseits von den Besten des Voikes, dem er entstuminte, losgelöst und getrennt, andrerseits von einer Jüngerschaar umschwärmt, von einem grossen, wenn auch nicht dem besten Theil des Volkes bis zur Anbetung verehrt, sah er sich zuletzt, genöthigf, Stellung zu nehmen und sich als denjenigen zu bezeichnen, oder stillschweigend bezeichnen zu lassen, den die damalige Welt so sehnsüchtig erwartete — als den Messias. Ob er ursprünglich das gewollt, oder ob er über■ haupt irgend einen Plan hatte, lässt sich heute mit Bestimmtheit nicht mehr feststellen. Ihn mögen die Armen, Verlassenen, aus der Gesellschaft Gestossenen gedauert haben, und er mag, ohne viel zu überlegen, dem Zuge seines Herzens gefolgt sein, ihnen zu heifen, beizustehen. Dieser edlen, echt jüdischen Herzensregung konnte er aber nur dann praktische Folge geben, wenn er jenes damals in Mode gewesene Mittel nicht von sich wies, das allein Eindruck auf die Menge machen konnte. Er musste Wundercuren üben, Wunderheilnngen verrichten. Oh willig oder unwillig musste er sich also jener Mittel bedienen, deren sich damals Zauberer, Wahrsager, etc. bedienten. Dieses Wahrsager- und Zauberwesen, dieses Heilen von Besessenen, diese vielen Wunderthalen von denen die Evangelien so viel zu berichten wissen, nann- 1׳en die Allen פותר חלומות und קסם. Es ist also in dem Antangs angeführten Satze das Nacheinander des׳ sen angegeben, was Jesus war, sein wollte, oder wofür er jedenfalls gehalten wurde. Die niedrigste Stufe ist die Trauindeutekunst, von der er zur Wahrsagekunst fortschritt, um schliesslich sich als Messias, den Gotlgesalbten zu erklären, oder erklären zu lassen. In dem ciiirten Ausspruche, der uns das alhnälige Werden, das sich zum Propheten durcharbeiten, klarlegt, liegt einerseits ein Lob, anderseits ein Tadel. Ein Lob insofern, als er sich erst dann als den Gottesmann, Propheten, Messias ausgab, als er von Umständen, von seiner Umgebung dazu gezwungen wurde — er also dem Zwange gehorchte. — Wohl eine Schwäche, aber eine verzeihliche — der auch grosse Geister erliegen. Ein Tadel insofern, als er damit nicht als der echte und wahre Prophet bezeichnet wurde. Die wahren Propheten treten unmittelbar, ohue Zwischenstufe, als solche, als Propheten, auf. Es gibt bei ihnen keine Leiter, deren Sprossen sie erst hinaufklimmen müssen, sie müssen nicht erst Proben ihrer Kunst, ihrer Ge- Schicklichkeit oder Denkungsart ablegen. Sie treten unvermittelt, wenn wir so sagen dürfen, auf die Schaubühne. Mose wird von der Herde weggenommen, Elisa vom Pfluge, Samuel ist Prophet, ohne sich dessen noch bewusst zu sein, Elia der Tisbite stellt sich unerwartet vor Ahab: ״Ich habe vor Gott gestanden, er lässt Dir sagen u. s. w.*4 Jesaia, Ezechiel sind, besonders der Letztere, tief erschüttert von der ersten göttlichen Erscheinung. Sie haben sich auf das Prophetenthum eben nicht vorbereitet, haben sich nicht dazu gemacht. Ihnen wird das Wort Gottes und sie weissagen. Hingegen Bileam-Jesus ist die Stufenleiter zum Prophetenihum erst hinaufgeklommen. Mag man dies Prophetenihum nennen, das echte Gepräge trägt es nicht. Steinamanger. Dr. Jos. Stier. Das Meniorbuch von Nürnberg 1349 11. CU. Von W. H. Lowe M. A, Professor der hebräischen Sprache am Christcoliege in Cambridge. II. Von der Zerstörung Jerusalems durch Titus (70 n Chr.) bis zur Zeit der Empörung unter Bar-kochba (117—138) und aufwärts bis zu der Periode, als die Juden ihre Bürgerrechte im Ost- und Weströmischen Reiche (321—439) verloren, und wieder während des Mittelalters und in den modernen Zeiten und in manchen Gegenden sogar bis auf den heutigen Tag, waren die unglücklichen Israeliten das Opfer grausamster und beinahe unaufhörlicher Verfolgungen. Verfolgten die Heiden die Christen, oder unternahmen Christen Kreuzzüge gegen die Moslemiten, oder wurden Verfolgungen bewerkstelligt und Kriege ausgerüstet gegen abtrünnige. Christen, immer und immer war es der Rücken Israel'8, der am Meisten den feindlichen Schlägen ausgesetzt war. So mussten die Juden in allen 5 gegen den Islam gerichteten Kreuzzügen, obwohl sie dessen Glaubensgrundsätzen nicht weniger abhold waren, als die Christen, wohl noch mehr erdulden, als die Moslemiten selbst. Ueber die Leiden der Juden in Deutschland während des frsten Kreuzzuges (gepredigt von Peter / v. Amiens und geleitet durch Gottfried von Boullion 1096—1099) besitzen wir einige ausführliche hebräisehe Berichte.*) Die Verfolgung begann am Sonnabend, den 8. Adar (6. März 1096), als die Kreuzfahrer und die Bürger Speyer’s sich erhoben und 11 von der Gemeinde erschlugen. Aber die erste Märtyrerin in dieser Verfolgung war eine wegen ihrer Frömmigkeit berühmte Dame von Speyer, welche es vorzog, sich zu tödten, als in die Hände der Christen zu fallen. Der Rest der Juden wurde in der Burg durch den Gouverneur Johann geschützt. (Durch die Gunst König Heinrichs). Am 10. Adar nahm die Verfolgung in Worms ihren Anfang. Dort nahmen die Christen den Körper einer Person, welche 30 Tage todt war, und durchwanderten damit die Strassen, indem sie ausriefen: ״Seht, was diese Juden einem unserer Nachbarn angethan haben! Sie haben einen Christen genommen, haben ihn im Wasser gekocht und darauf das Wasser in unsere *) Man findet sie המירות הישנות, veröffentlicht in Berliner und Hoffmann's 1878 ,אוצר טוב (pp. 087—095) und in den מרות תת״גו von Rabbenu Eliezer ben Nathan (dem berühmten רא בן. der ein Correspondent von Rabbenu Tain war, siehe ספר הישר (Wien, 1810—11, Fol.) Blatt 72a, Siman 615) herausgegeben von Jellinek (Leipzig, 1854). Seit sehr alten Zeiten (siehe T. B. Synhedrin, 97 b) bis auf den heutigen Tag, ist es bei den an die jüdisehen Schriften Glaubenden Sitte gewesen, מחשבי קצין zu sein d. h. aus biblischen Versen die ״Zeiten des Endes“, wann der Messias zu erwarten ist, un t die MUhsalen, welche diesem Breieniese vorangehen zu gewärtigen sind, zu berechnen. Das Jahr 1096 war das elfte des 256, Cyelus (V׳n), und da (Jerein. XXXI. 7) geschrieben ist ר נ ו ליעקב שמחה וגו, erwarteten^« in diesem Cy־ clus Freude und Erlösung für Israel^ und die Leiden, von welchen wir auszüglich berichten wollen, wurden als חבלי המשיח, die Leiden, die der Ankunft des Messias vorangehen, betrachtet, (comp. Math. XXIV. Marc. XIII. Lucas XXI).

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