Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 10 (1881)
- Issue
- No. 32. (10.8.1881)
- Date
- 1881-08-10
- Page
- Seite 128 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 128 — rung seit 1832 findet der Verf. begründet in dem Uebergange vom orientalischen zum europäischen Kostüuie. Nichts davon wurde im Lande gearbeitet. Während bis dahin Griechen und Armenier alles Nothige aus Con6tantinopel importirten, traten jetzt galizische und russische Juden an ihre Stelle. Hat ja Rumänien keinen Bürgers'and. Die Juden wurden die Mittler zwischen Bumänen und der civilisirten Welt und schlossen das Land der Consuintionszone Oesterreichs an. Bei Oesterreich fanden sie daher Schutz. Wechsel- und Bankgeschäft fielen ihnen zu — Darlehen und Hypotheken brachten 12 bis 18°/, (Herr M. hält es für klug, den vor 1832 üblichen Zinnsfuss zu verschweigen. — Dass der Crddit foncier ל*/, nimmt, zeigt den landesüblichen Zins als doppelt so hoch, wie in Deutschland. — s/1# der Hypotheken in der Moldau und ‘/a in der Walachei sollen in den Händen der Juden sein!) Etwa 1862 merkten die Rumänen, wie ihr franz. Lohndiener sich auszudrUcken beliebt, dass sie vom Feinde überzogen seien. ״Die Juden kamen in Massen an, und brachten mit die Sitten, die Ideen, die Sprache Deutschlands (!hinc illae lacrymae!) So bildeten sie eine Sondergesellschaft und man schloss sie vom gemeinen Rechte aus. Es wurde ihnen untersagt, Schenken zu halten und Land zu kaufen — der betüchtigte Artikel 7 wollte ihre Naturalisation für immer verhindern! ״Wenu ein Volk es nicht versteht, sich zu genügen, wenn die oberen Klassen ihrer socialen Pflichten vergessen, sind Verfassungen, Gesetze und Decrete ohnmächtig zu seiner Vertheidigung, und die Racen, welche ihre Kraft finden in der Achtung vor der Ueberlieferung und im strengen Beachten des g r osse n G es et zes der Arbeit, sind bestimmt ihre Stelle auf Erden einzunehmen! Die Rumänen selbst halfen den Juden, die Gesetze zu umgehen Selbst ausgesprochene Judenfeinde lieben Juden ihren Namen zum Land kaufe. Die Eigenthümer von Schenken vermietheten diese an Rumänen, welche Israeliten in ihren Dienst nahmen, dass diese den Verkauf besorgten. Viele Rumänen beklagen diesen Zustand, finden ihn jedoch grösstenlheils begründet in der Intelligenz, Arbeit und Sparsamkeit der Juden. Wenn ich, sagte ein Gewährsmann des Herrn M., Nachts durch die Strassen Jassy’8 gehe und ein Licht schimmern sehe, so wette ich 1000 gegen 1, da arbeitet ein Jude. Jaget sie zur Thür hinaus, sie kommen zum Fenster wieder hinein. Sie verstehen es, vorher zu wissen, was man braucht und bieten in jedem Augenblicke ihre Dienste an. Ohne Juden würde man nicht duichkommen; sie sind unentbehrlich, die Geschälte anzuregen und Absatzwege zu finden. Aber wo zu viel Sauerteig ist, verdirbt das Brod! ln Rumänien bilden die Juden ein Volk — das ist das Resuuide der Klagen und Anklagen des Verlassers, ein Volk, das in der Moldau die Rumänen zu verdrängen sich auschickt! Dass dies nicht Schuld der Juden, sondern der Rumänen ist, beweist Herr M. selbst, da er berichtet, wie wohl in einer Knabenprimairschule von 60 Schülern 28 Juden sind, dass aber in den Normalschulen e!c, Juden nicht zugelassen weiden! Eia weiteres Zeugniss zu Gunsten der Juden tritt uns in der Bemerkung entgegen, (S. 63) dass die Armenier viel lieber mit den Juden, als mit den Rumänen in geschädliche Verbindung treten. Unverständlich dem Juden sind die Klagen über die Allmacht der Rabbinen, Uber das Zusammenhalten der Gemeinde auch in geschäftlichen Angelegenheiten. Wohl dürfte bei dem Hasse und der Feindschaft, die ihneu von Aussen her gezeigt wird, ein engeres Aneinunderschliessen der Juden dort stattfinden — allein diese die Vorsehung spielende Kchilla (Kahal) ist doch nur ein Gespenst, erdacht um kindliche Gemttthär zu erschrecken. Das haben zwei respektable jüdische Bankiers — von denen ein ehemaliger Praefect sagte, dass sie N0t8bilitäten der Stadt seien, und dass, wenn Alle 8<. wären wie diese, die Rumänen Nichts gegen die Naturalisation der Juden haben könnten — Herrn M. ebenfalls gesagt. Freilich die Forderung, dass die Gemeinden ihre Budgets veröffentlichen, heilen wir für vollständig berechtigt, zurninal damit dem Vorurtheil eine seine” festesten Stützen genommen würde! In Rumänien dulden die Juden zumeist deshalb, weil sie als Vertreter des deutschen Elementes angesehen werden! Das ist das Wichtigste, was rein neues Königreich“ enthüllt! Möge es berufenen Ortes nicht unbeachtet bleiben. Coblenz. Dr. Lewin. Beck, Dr. C. L. Eine Rechtfertigung der Juden und wahre Lösung der Judenfrage Leipzig, Morgenstern, 1881. Selten ist wohl der Büchermarkt einer Nation von einer solchen Fluth der Broschüren überschwemmt worden, wie dies in Deutschland seit dem Beginn der Stöcker’schen Bewegung der Kall ist; niemals aber ist so wenig des Neuen in einer so grossen Büchermenge gesagt w'Orden. Nur eine verschwindend kleine Zahl der Schriften über die sogenannte Judenfrage hat einen politischen oder wissenschaftlichen Werth gehabt Das!Misstrauen, mit dem wir deshalb an die Lektüre jeder neuen derartigen Publikation gehen, ist endlich wieder einma I in erfreulicher Weise getäuscht worden. Mit wachsendem Interesse haben wir die oben ar.gezeigte Broschüre des Herrn Dr. Beck gelesen. Den Hauptwerth derselben bildet die historische Darstellung des/ Judentlnims in der alten Welt, während des Zerfalls des römischen Reiches, in den Anfängen der Christliehen Epoche und unter dem Drucke des tausendjährigen Reiches der Priester. In diesen knappen, lichtvoll geschriebenen geschichtlichen Schilderungen werden sicher die meisten Leser sehr Vieles finden, was ihnen neu und interessant entgegentrift. Dr. Beck ist, wie er selbst sagt, ein christlicher Germane; die Herren von der Augustkonferenz, welche jetzt das grosse Wort in Deutschland führen, werden ihn indessen natürlieh für einen ״Heiden“ erklären, da er dem Protestantenverein zugethan scheint. Seine überraschenden statistischen Angaben, deren Zahlen den lendenziösen Entstellungen der Stöcker'schen Phantasie entgegentreten, wird man aber nicht so leicht wegleugnen können, wie sein Christenthum. Das Buch gelangt schliesslieh au ein Problem, welches sich auf 60 engem Rahmen nicht klar behandeln liess: ersieht die wahre Lösung einer Judenfrage nach vollendeter Emanzipation, nach dem Bruch mit der feudalen und pfäffischea Herrschaft, in einer Lösung der socialen Frage überhaupt. Er will eine Neuorganisation der Gesellschaft und ihrer Production durch eine von dem asldann aufgeklärten Volke bestellte freisinnige Vertretung Wie diese Organisation aussehen soll, ist nicht klar, auch meint der Verfasser, dass dieselbe in Deutschland noch in etwas weiter Ferne sei. Aber wir wiederholen, dass der Werth des Buches nicht in diesem gesellschafib-wissenschaftlichen Anhängsel liegt, welches die Zukunft behandelt, sondern in der historischen, statistischeu und kritischen Betrachtung der Vergangenheit und Gegenwart, darum wünschen wir ihm viele Leser. Verantwortlicher Redacteur Dr. Rehmer in Magdeburg. Druck von H Horbach in Barby. Verlag von Robert Friese in Leipzig•