Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 10 (1881)
- Issue
- No. 31. (3.8.1881)
- Date
- 1881-08-03
- Page
- Seite 123 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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123 — Jahrhunderts die Worte geschrieben: יזכ׳ הש׳ נשמת הרוגי עבור שמסרו נפשם על קדושת השם בשכר תהא נפשם צרורות בצרור החיים עם נשמת אברהם יצחק ויעקב שרה רבקה רחל ולאה בגן עדן ונאמר אמך. Da dies in rabbinischen Charakteren jjeschriehen, während die Zahlen נח נו in Quadrat sind, Ist es unmöglich, den Schreiber des einen mit dem des andern zu identificiren, obgleich, in soweit das Alter der beiden Cchriften in Betracht zu ziehen ist, beide von derselben Hand sein mögen. Aus dem Worte הרוגי, das von keinem Namen eines Ortes gefol״t ist, würde~es scheinen, als ob der Schreiber dieser Worte nicht wusste, auf welchen Ort sich dieses ״Memorliuch“ bezog. Er scheint auch kein sehr genauer hebräischer Gelehrter gewesen zu sein, denn er schreibt נשמת für בשכר; נשמות tür תהא נפשם צרורות, בשכר וה für תהיינה נפשוחם צרורות. Die obere Nummer נח auf Seile 3 ist aus dem Anfänge des 15. Jahrhunderts. Auf dem Papierumschlag des Manuscripts lesen wir in Quadrat-Charakter aus der ersten Hälfte des gegenwärtigen Jahrhunderts die Worte: הועתק אות באות מטיטרבח• דנורנברק. Und zuletzt haben wir über der obenerwähnten Zeile in Quadratschrift vor etwa 20 Jahren vorher die Worte: אלו הן הנשרפים והנהרגים יל׳ק נורנבערג שגת ה״א ק״ט לבריאת העו;ם. Das ganze Mannscript nun ist leserlich, aber stellenweise war die Tinte so ausgegangen, dass wir nur bei hellstem Lichte im Stande waren, den Spuren der Buchstaben zu folgen und auch dann noch in manchen Fällen mit den äu6sersten Schwierigkeiten; doch ist’s uns in allen Fällen mit der vollständigsten Gewissheit gelungen. In Zeit von wenig Jahren wird dieses völlig unleserlich sein, drum, wenn diese werthvolle Erinnerung der Nachwelt erhalten bleiben soll, muss es bald geschehen, ״denn, wenn nicht jetzt, wann dann?* LÜOI OitUl 1/ U I 11> II 11. KeeedoMi. Edouard Marbeau. Un nouveau royaume (Roumanie). Paris, Jules Gervais, rue de Tourron 29. 1881. Dieses ״neue Königreich* Rumänien bietet eine seltsame, ungewohnte Erscheinung. Auszüge von Correspondenzen aus den Monaten April und Mai d. .1. 801len das Verhalten der Rumänen den Juden gegenüber rechtfertigen! Damit nun das den Franzosen plausibel gemacht wird, weist der Verf. sehr geschickt darauf hin, wie der politische Einfluss Frankreichs in Rumänien auf Deutschland und Oesterreich übergegangen ist, wie die Handelsbeziehungen Frankreichs zu den Donaufür8tenthümern immer geringer werden, indess die Deutschlands stetig wachsen — und daran die Hauptschuld trägt die Ueberfluthung des Landes durch die Juden, die deutschen Juden! Denn auch hier erschreckt unsere Antisemiten der kurze Prozess, mit welchem alle nicht-spanischen Juden auf Grund ihrer Sprache, mögen sie aus Russland, Polen und Galizien stammen, den Deutschen beigezählt werden. Die Ueberfluthung des Landes — ist sie aber erwiesen? Ja in den Städten wächst ihre Zahl! Nuu ihr vertreibt sie ja vorn Lande! Und das Anwachsen von 250000 auf 270000 erklärt sich ohne jegliche Einwanderung durch den auch hier widerwillig zugestandenen Ueberschuss der Geburten über die Todesfälle. S. 64 wird angegeben, dass in Botosiani in den 3 Jahren 1876 bis 1878 constatirt wurden: 1752 israelitische und 1336 rumänische Geburten, 1834 ״ 1854 ״ ״ Todesfälle, 554 d ״ 301 ״ Eheschliess. Da kann das Steigen des isr. Bevölkerungstheiles wahrlieh nicht Wunder nehmen, und nur ein Zeichen der Rührigkeit und Aktivität ist es, dass seit 1834, wo die Juden in dieser Stadt mit zu zählen anfingen, ihr Vermögen sich so gemehrt hat, dass auf 3000 Hausbesitzer 2700 Israeliten, auf 1285 patemirte Kaufleute 1225 Juden kamen. Freilich werden von 223 Scheuken 208 von ihnen gehalten. Vorsichtig verschweigt der Verf. wie viele Handwerker Juden sind. Da trotz aller Beflissenheit, möglich viel Ungünstiges von den Juden zu erzählen, recht oft die Wahrheit durchbricht, oder wenigstens durchleuchtet, berichten wir eingehender die Angaben des Herrn Marbeau: ״Jassy ist die zweite Stadt Rumäniens und die alte Hauptstadt der Moldau. Diese reiche und malerische Stadt ist wohl geeignet, bei den ein Vaterland suchenden Juden das Andenken Jerusalems nachzuweisen. Am Sabbath sieht der Jude reinlich und würdig aus —er erscheint gleich einem Mitgliede einer Congregation. Aber eben dieses seltsame Aeussere und die gesammte Haltung der Juden stösst die Rumänen ebenso ab, wie ihr sonstiges Vorgehen. Der Widerwille wächst dadurch, dass sie gezwungen sind, immer wieder mit ihnen in Beziehungen zu treten. Der Jude fühlt dies und isolirt sich noch mehr. Ihm ist der Rumäne kein Mitbürger, sondern ein Feind, gegen den es keine Rücksichten giebt. Behandelt als Eindringlinge und Parias, beantworten die Juden die Abneigung mit Hass. Je mehr ihre Zahl und ihr Reichthum wächst, desto mehr tritt der Racenhass hervor. Das Gefühl des Schreckens hat zu lange auf ihnen gelastet, als dass sie plötzlich in der Masse aufgehen könnten. Jedoch bei denen, welche das Bewusstsein ihrer Stärke haben, ändert die Haltung sich nach und nach und im naturgemässen Rückschlag zeigen sie sich stolz und kühn. Der Ausschliessung aus der rum. Ge- Seilschaft setzen sie, da sie sich Herren der Situation fühlen, aufsehenerregenden Gebrauch ihres Vermögens entgegen Die Bojaren wollen's den reichen Juden nachmachen und ruiniren sich damit — des Volkes Hass steigt durch den Anblick dieses Luxus. Das ist die Sprache des bösen Gewissens, welches den schlecht linden will, dem es selbst übel hat gethan! Da wird der Vorwurf zurecht geschnitzt, der so schön klingt und von dem doch Keiner eigentlich weiss, was er bedeuten soll: Die Juden assimiliren sich nicht — Herr M. setzt hinzu, sie wollen keine Mischehen, nehmen die Sprache und Sitten des Landes nicht an! Kann’s Wunder nehmen? Physisch und moralisch verdorben, möchte der Bojar — dessen Verkommenheit Herr M. unabsichtlich in der Geisselung der persönlichen Intrigue, die an die Stelle politischer Kämpfe getreten ist, ins rechte Licht gestellt hat — sich durch Judengeld und Judenblut wieder aufhelfen. Wir danken aber für solches Hinabsteigen, wie wir auch nicht die Rohheit der Landessitten annehmen. (Schluss folgt.) Friedlaender Dr. M.. in Wien. Neue Auf- Schlüsse über Lessing’s ״Nathan*. Zum huudertsten Todestage Lessing’s. D. Loewy’s Buchhandlung, Praterstr. 15. 18 S. gr. 8 Nachdem in einer längern Einleitung der geistreiche Verfasser gezeigt, wie seit den Kirchenvätern es Brauch geblieben ist, alle bedeutenden, geistig und sittlich hervorragenden Juden zu Christen zu machen — so Philo, Jesus selbst, Gamaliel — und dass die Versuche, Nathan als Christen zu erweisen, folglich im System liegen, stellt er als Hauptgedanken des Nathan dar: ״Der Jude erzieht und bildet Recha heran, das Kind, an welchem Islam und Christenthum gleicherweise Antheil haben — durch die Erziehung wird sie, die Neuschöpfung der 3 Religionen, Besitze•