Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Literaturblatt · 1881-08-03 · No. 31. (3.8.1881) · p. Seite 122

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
10 (1881)
Issue
No. 31. (3.8.1881)
Date
1881-08-03
Page
Seite 122 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/5367336-6488242-5991032--1877-5367800
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

122 — iner und immer wieder zu wiederholen, damit den alten und neuen Judenfeinden nicht neue Waffen in die Hand gedrückt werden. Die Allen gaben nun ihrer Ueberzeugung dadurch Ausdruck, dass sie sich mit ihrer schüchtern geübten Kritik gegen den Stifter der christlichen Religion seiher wandten. Da sie dies offen nicht tliun durften, schoben sie eine dem grauen Allerthume gehörende Persönlichkeit vor, der sie das andichteten, was sie über jenen dachten und aussprechen wollten. Als solche Persönlichkeit eignete sich vorzüglich Bileam. Mag man, nach dem Berichte der h. Schrift über seinen Charakter wie immer denken, Bileam war jedenfalls eine in seiner Zeit berühmte Persönlichkeit. Er ist göttlicher Gesichte gewürdigt worden, war Prophet — als solcher wird er in den Schriften der Alten durch gängig angesehen. Und dennoch, wie gebrauchte, oder besser missbrauchte er die ihm verliehene geistige Macht, welche Wunden schlug er nicht Israel?! In diesem Vergleiche Jesu’s mit Bileam ■liegt von Vorneherein schon eine gewisse Achtung, die dem'Letzteren entgegengebracht wird. Nicht zu den Verworfenen wird er gezählt, nicht mit nichtssagenden Menschen wird er verglichen, sondern mit einer hochgestellten, jedenfalls reichbegabten Persönlichkeit. Wenn auch das Gleichniss nicht durchgehends durchgeführt werden kann; wenn besonders die Charaktere beider grundverschieden sind, so finden sich doch Aehnlichkeiten genug und musste zum Vergleiche ganz besonders das Endresultat der Bestrebungen Beider verlocken. Dieses Endresultat bestand in der versuchten Erschütterung des jüdischen Glaubens und der jüd. Lehre und die spätere thatsächliche feindliche Gegenüberstellung der verschiedenen Völker und Religionen. Sehen wir uns nun nach einem Beweise für diese Behauptung um.*) __ (Schluss folgt.) Das Memorbuch von Nürnberg 1349 n. Ch. I. V011 VV. H. Lowe, M. A. Professor der hebräischen Sprache um Christcollege in Cambridge.**) Beschreibung der Handschri ft. Das Manuscript (Universitäts-Bibliothek, Cambridge M. S. anno 1506) besteht aus einem Bogen Pergament, 10 Zoll lang und 6—8 Zoll breit. Die ersten 3 Seiten sind beschrieben und enthalten respective 40, 41 und 47 Zeilen. Die Original-Handschrift ist ein Muster der feinsten Stylart von Deutsch-Aschkenasisch im Rabbinischen Charakter und stammt ungefähr aus der Mitte des 14. Jahrhunderts, das sind höchstens einige Jahre nach 1349, dem überlieferten Zeitpunkte, in welchem die angegebenen Ereignisse stattgefunden haben sollen. Die Namenliste, die in dem Manuscript enthalten ist, scheint nicht vollständig zu sein, denn die letzte Linie bricht in der Mitte mit dem Namen Hilda, Yutlin, ohne eine weitere Erklärung ab, und nennt weder den Vater oder die Mutter, noch giebt sie uns Kenntniss von der Beschäftigung des Weibes oder anderer Um- *) Geiger ״Jttd. Zeitschrift* 1868, behandelt dasselbe Thema unter demselben Titel. Dort geschieht weder des von ur.8 angeführten Beweises, noch des psychologischen Gedankengangs Erw&hnung, wie die Alten zu diesem Vergleiche kamen. **) Aus dem ״Jew. Cliron.“ stände, die uns auf die Verbindung mit dieser Zeit hätten führen können, wie es in anderen Fällen geschehen ist. Aber trotzdem kann nicht viel von der Liste fehlen; vielleicht stand neben des Vaters Namen noch der Name einer Schwester, welche beide Namen mit den vorhergehenden durch ein ״und“ verbunden sind. (Auch diese Vermuthung ist unnöthig, da in vielen Beispielen im Manuscript keine solchen Verbindungen stattiinden.) Dass etwas, wenn auch nur wenig fehlt, ist ans den folgenden Thatsachen klar ersichtlich. Un- 8ere Liste erwähnt ungefähr 560 Personen, welche zu dieser Zeit umgekoinmen sind. Gegen 10 Jahr vor der Katastrophe (1338) waren in Nürnberg (Barbeck’s Nürnberg S. 15) 21'2 jüdische Bürger, worunter wohl 212 jüdische Haushaltungsvorsteher oder 2000 Seelen im Ganzen zu verstehen waren, ansässig. Schon im Jahre 1347 hatten die Reibereien zwischen den hei* den städtischen Parteien begonnen, und die besitzenden Klassen hatten bereits den Rath bekommen, es wäre klug von ihnen, wenn sie entflöhen. In Folge davon sind viele Juden schon vor dem Ausbruch des Blut- Imdes gellohen; anderen gelang es, während seiner Wuth zu entwischen und schon im Jahre 1352 kehrten viele alte Familien nach Nürnberg zurück. (Barbeck, S. 35.) Deshalb können nicht viele Namen zur Vervollständigung der Liste fehlen, da ja 560 von 2000 eine genügend grosse Zahl derjenigen zu sein scheint, die vermuthlich zu dieser Zeit umgekommen sind. Wir schliessen daher daraus, dass uns das Manuscript eine nahezu vollzählige Namenliste übermittelt. Aber, da es nicht vollständig ist, kann es kaum das ,Memorbuch* im Original sein. Es hat nichtsdestoweniger fast denselben Werth, wie das Original. Denn, aus der Schreibart geschlossen, kann es nicht später, als im Jahrp 1360 geschrieben worden sein, während es wahrscheinlich im Verfolguagsjakrc sc.uo״, od Hf'!• r!p!־ leicht im Jahre 1352, als die Juden nach Nürnberg zurückkehrten, und wann jedenfalls das Original-MCmorbuch aufgezeichnet worden ist, niedergeschrieben wurde; nach zahlreichen und sorgfältigen Untersuchungen sowohl aus Büchern (מפי ספרים), als auch aus Correspondenzen (מפי סופרים) sind wir befriedigt, dass mit Ausnahme dieses Manuscrips keine Spur eines Memorbuches der alten Nürnberger Gemeinde vorhanden ist. Unser Manuscript muss in früherer Zeit ein fheil eines grösseren Bandes gewesen sein; denn an der linken Ecke der Seiten 1—3 finden sich Zahlen, welche wahrnehmen lassen, dass diese Bogen die 57. und 58. Blälter eines Buches gebildet haben müssen. Jedoch ist ein Theil des oberen Randes abgeschnitten worden, um die Blätter ebenso gross zu machen als diejenigen des Buches, mit dem sie zusammengebunden worden sind. Aber glücklicherweise sind nicht mehr als die Spitzen von 3 ״Lameds“ von der Originalschrift abgeschnitten worden. Die Zahlen נז auf Seite 1 und die die niedere נח (denn hier sind 2) auf Seite 3 sind in einer aschkenasischen Handschritt und in Quadrat-Charakter, der nicht später ist, als der des Manuscripts selbst und zwar zwischen den Jahren 1370 und 1390. Was der hauptsächlichste Gegenstand des Bandes, von dem unser Manuscript ein Theil ist, gewesen sein möchte, lässt sich unmöglich ahnen. Es mag eine Geschichte der jüdischeu Gemeinde vonNürn* berg bis zum Jahre 1349 (ק״ט) gewesen sein; oder vielleicht war es ein genauer Bericht der V erfolgung des Jahres 1349; oder endlich mag er einen Theil einer Sammlung von mehreren ,Memorbüchern“ gewesen sein, eine Annahme, welche wir als die höchst wahrscheinlichste betrachten. Au dem äusseren Rande der Seiten 1 und 3 sind in einer aschkenasisch-rabbi* nischen Handschrift, gerade vor dem Ende des 14.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.