Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 10 (1881)
- Issue
- No. 28. (13.7.1881)
- Date
- 1881-07-13
- Page
- Seite 110 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— llu — Heft des g. W.) In diesem wird nach kurzer Darlegung des Namens, des Zweckes und der Thätigkeit der ״All. isr. univ.“ schwungvoll und emphatisch fortgefahren: ״Wer aut die Zeichen der Zeit achtete und. sie einigermasscn zu deuten verstand, sah schon seit Jahren auf die ״I. A.“ mit Bedenken und nicht ohne Besorgnisse. Die jetzige ״Antitemitische Liga“ hat an die ״I. A.“, ihr Wesen und ihre Ziele noch viel zu wenig gedacht Wenn nicht bloss der Präsident, sondern auch andere Mitglieder in centraler Stellung ihre letzten Ziele Öffentlich ausschwatzten (sic.!), so mag man das unvorsichtig nenuen; aber sie offenbarten darin nicht blos ihre eigene Natur, sondern auch die ihrer Gemeinschaft“. Dunkle Worte, die allerdings eines Deuters bedürfen! Und man sollte meinen, dass der Verf, der so gut ״die Zeichen der Zeit“ zu verstehen vorgibt, doch mindestens seinen eigenen Worten eine klare Deutung und deutliche Begründung hinzufügen würde. Allein nichts davon; statt dessen sagt er weiter: ״Ueberdies kennen wir aus einen! auch in Deutschland schon vor 10 Jahren ausgegebenen Programme (״Das Judenthum und seine Aufgabe im neuen deutschen Reich. Ein Sendschreiben au die deutschen Juden von einem Glaubensgenossen.“ Lpz. 1871.) das Ziel, auf welches nicht bloss gehofft, sondern auch hingearbeitet werden soll, nämlich dass alle Völker der Erde werden sollen, was die Juden jetzt schon sind (?) und dann, und zu mehrerer (sic!) Sicherheit allenfalls auch schon jetzt, dem ״ältesten Adel“ und dem ״auserwählien Volke“ unterthänig. Demnach kann man es auch nur als ein Aushängeschild gelten lassen..., dass die ״I. A“ ״die lauterste Ä8s0ciation für Humanität und Bildung sei“.... Es ist diese Verdächtigung wirklich kaum zu fassen, und noch mehr unverständlich ist es, wie ein Conversations-Lexicon, das doch keine Tages-Kreuz-Zeitung sein soll, solche Zeilen aufnehmen könne. Was hat denn die ״I. A “ in Paris, die — nach der eigenen Angabe des Verf. zu Anfang des Art. — nur humane, wohlthätige Zwecke verfolg!, mit jenem Sendschreiben eines deutsehen Glaubensgenossen zu thun? Hat sie die Verantwortlich keit, resp. die Autorschaft desselben in Anspruch genommen? — Und übrigens hat jenes sögenannte Programm — leider besitze ich es nicht — wohl schwerlich von einer künftigen oder jetzigen Un t er th än i g k ei t aller Völker dem ״ältesten Adel“ und dem ״auserwählten Volke“ gegenüber gesprochen, da ein solches Ziel dem isr. Volke gänzlich unbekannt ist. Dass ater das Ziel des Judenthums die Vereinigung und Verbindung aller Menschen in dem Glauben an den Einen Gott war, ist und bleiben wird, — das sollte der Verf. nicht erst aus dem Sendschreiben von 1871, sondern aus dem biblischen Schriftthume wissen. Aber der Verf. scheint eben dieses gar nicht zu kennen; sonst würde er auch das Gebot kennen: ״Und Du sollst lieben Deinen Nächsten wie Dich selbst“, — ein Gebot, welches eben die 1״. A.“ nicht nur zum Aushängeschilde führt, sondern im wirklichen Leben bethätigt. Zum Schlüsse können wir nicht umhin, nochmals unser Bedauern darüber auszudrucken, dass ein so theures Werk, wie der ״Orbis pictus“ Artikel ent• ,hält, die, weil parteiisch und tendenziös geschrieben, wohl eineu grossen Theil der Abonnenten verletzen. Die Verlagshandlung hätte bei der Wahl der Mitarbeiter vorsichtiger sein müssen. Lublinitz. Dr. Friedman n. Die Schriften Raschi’s. (Fortsetzung.) Die Redensart ואחרים הגיהו findet sich in Jeremias, an der von uns angeführten Stelle nicht vereinzelt, sondern noch in demselben Cap. 22 V. 28 zu נפוץ, und Cap. 26, V. 10 zu ושמעו שרי Cap. 28, V. 6, sub verbo יקם finden wir die folgenden Worte:!שלש שטין אלו עד והביאו לבית הכלא לא סדר הרב המחבר, was gleichfalls ini Cod. 104, I. und II. sich (indet, uns aber durch das Wort לא סדרן für die Art und Weise der Abfassung von Commentarien von Bedeutung und Wichtigkeit sein kann Ein offenbarer Widerspruch, den sich Raschi gewiss nicht hätte zu Schulden kommen lassen, findet sich Jeremijah Cap. 48, V. 12 zur Stelle □ושלחחי לו צועי, Während nämlich Raschi zur Stelle in Jesaja, Cap. 51, V. 14 מהר צעה להפחח das Wort צעה durch ״ וזגרgürtend“ wiedergibt, legt er die Stelle in Jeremijah inerkwürd ig genug also aus: ״ ,מריקים וכן מהר צעה להפחתsie leerte n aus — und dasselbe besagt die von uns angeführte Stelle in Jesaja 51,14!“ Raschi führt zur Erhärtung seiner Behauptung gerade den Vers in Jesaja an, der das Gegentheil von dem in Jeremijah aussagt. Was nun die ^-Uebersetzung zu Jeremijah betrifft, so ist sie zum grössten Theile rein spauisch; denn trotzdem, dass sämmtliche romanischen Sprachen>111 Zeitalter Raschi's, d. h. im 11. Jahrhundert einander sehr ähnlich und weit ähnlicher als sie es heutzutage sind, waren, so gab es dennoch auch schon damals specifisch spanische Wörter, (was eben durch die Laut- Verschiebung betonders kenntlich wird) und solche specitisch-spanische Wörter finden wir in Jeremijah des öfteren. So Jeremijah Cap. 2, V. 22, sub voce כתם טאקה taca nfz., tache, Flecken, Makel, Vers 24, zum Worte ־ שלודיקו — פראselvadico — nfz. sauvage, wild. Cap 3, V. 3, zu מלקוש Spätregen, טרדיווא tradiva. Cap. 4, V. 19, zum Worte אנטיגאש — קירות antenas. (Näheres darüber in dem Capitel, welches die Fremdwörter, die in der Bibel bei Raschi Vorkommen, behandelt.) Wem der Commentar zu Jeremijah zuzuschreibeu ist, kann vorläufig nicht festgestellt werden; dass er, aber nicht vonRasclii selbst stammen kann dürfte nun feststehen. Wir wollen noch hinzufügen, dass in dem von uns benutzten Codex der Commentar zu Jeremijah, der in den gedruckten Ausgaben Raschi zugeschrieben wird, dein Rabbi Josef ben Schimeon Karali rundweg zugeschrieben wird. (Ueber Josef Kara siehe die interessanie Arbeit des Graud-rabbin Zadoc Kahn in der Revue des dtudes juives, oclobre — d^cembre 1880, und janvier — mars 1881, §. 5) Gehen wir nun zum Propheten Ezechiel Uber. In diesem Buche bemerken wir, dass sehr vieles, das in den gedruckten Büchern sicli findet, in der Tliat in der Handschrift nicht vorkommt, und man daher in diesem Falle mit Recht eine Interpolation im gedruckten Texte nämlich — annehmen kunn. Aus der grossen Menge von Beispielen offenbarer lnterpo- I lalion wollen wir liier folgende anführen. Kzech. Cap.