Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 10 (1881)
- Issue
- No. 24. (15.6.1881)
- Date
- 1881-06-15
- Page
- Seite 95 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/5367336-6488242-5991024--1843-5367773- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Rashi 1× ep/1002670
OCR text
— 95 — ihm. Hier hört auch jede Verantwortlichkeit auf. Der Mensch, sein Ursprung, seine Stellung, sein Schicksal werden gar nicht erwähnt. Das ist reiner Pant heismus (wie ihn Spinoza später entwickelte). So zeigt Herr Poole, dass alle 3 Ansichten der egyptischen Religion auch keine Ahnung von einem persönlichen Gotte haben. Es sind vielmehr Bemühungen der Philosophen, eine Einheit in der wirren Mehrheit des Pantheons herzustellen, und daher der abstracte Charakter solcher Versuche. Nun zeigt Poole, dass seine Untersuchung mit denen von Maspero und Rönan übereinstiminen. Maspero zeigte nämlich, dass der hebräische Monotheismus mit dem egyptischen im schreiendsten Gegensätze sich befinde. Trotz der Spuren eines ehemaligen Götzendien* stes, so z. B. der Teraphim, findet er die Hebräer dennoch als Monotheisten. Nie wird dieser Glauben (der Monotheismus) durch pantheistische Umgebung verdunkelt. Der Monotheismus ist Grundlage und Anfang der Religion zu gleicher Zeit. Die Hebräer haben nur einen Gott, den sie nicht, mit dem Weltall vermengen, und in Gott anerkennen sie weder eine Theilung noch ein Geschlecht. Er steht ausserhalb der Welt, es gibt keinen, der mit ihm verglichen werden könne Die ganze Natur ist seiner Hände Werk, die Naturgesetze sind nicht vergötierte Mächte, sondern Vollstrecker seines Willens. Donner und Blitz sind nie und nimmer unabhängige Wesen, sie sind Schöpfungen Gottes. Ebenso entschieden äussert sich Rdnan über den Gegensatz des egyptischen zum hebräischen Monotheismus Er sagt ausdrücklich: Auch nicht ein einziger Punkt der Ooincidenz findet sich zwischen beiden Ansichten. Der Gott Mose’s kann durchaus nichts von den rein philosophischen Lehren der Egypter entlehnt haben. ״Geflügelte Worte.“ *In jeder Sprache giebt es neben der Fülle von SprtlchWörtern, Stich-, Kraft- und Schlagwörter, deren Urheber gänzlich unbekannt sind, eine vei’hältnissmässig kleine Zahl solcher Worte, deren Urspruug sich urkundlieh belegen lässt.“ (Büchmann in der Einleitung zu ״Geflügelte Worte.“) Auch in der talmudischen Sprache, besser in talinudischen Gelehrtenkreisen, sind ״geflügelte Worte“ vorbanden. Dieselben können folgendermassen classificirt werden: 1. ״Geflügelte Worte“, die von ihrer ursprünglichen Form abweichen. Sehr viele Citate des Talmuds, die im gewöhnlichen Leben angeführt werden, weichen in der Form von ihrer Ursprünglichkeit ab. Wir sagen gewöhnlich :״ בל הרודף אחר הכבוד ונו׳Wer der Ehre nachjagt, den flieht die Ehre, und wer die Ehre flieht, den sucht sie auf“ Die Talmudstelle Erubin 13b lautet so: כל המחויר אחר הגדולה וכף 2 ״Geilügelte Worte“, deren Quellen nicht ganz unbekannt sind. — a) Mau sagt von einem bösen Weibe ש״ט (Schin Tet). Weshalb wird ein böses Weib so bezeichnet? Wahrscheinlich wird auf Ukzin P. III. M. 12 Bezug genommen: אר״יבל עתיד הק״בה להנחיל לכל צדיק עי עולמות*, wie es in Spr. 8, 21 heisst 11. 8. w. שי 310 Welten. Siche Obadjah Bertinoro zur Stelle und Aboth P. V M. 19. תלמידיו של א״א אוכליי ב״ה, was auch aus Spruch 21 von Cap. 8 zu folgern ist. Wenn ein Frommer eine böse Frau hat, sagt inan deshalb kurzweg Schin Tet, da er durch dieselbe nur 309 Welten hat. Denn ע״ה ist dann für den Frommen gar nicht vorhanden. Siehe Midr. Koheletli 7,26 und Jebamoth 63 von der bösen Frau ״Rah.“ Vielleicht soll auch שט eine Anspielung auf שטן sein. b) Ein bekannteres Wort ist ״Schihe Pilie“. — Man sagt gewöhnlich auf einen Zeitverschwender: der verbringt seine Zeit mit ,Schihe Pihe.“ Die Quelle ist Megillah 13b. Der Talmud sagt zur Stelle 3, 8 ואת דתי ״ המלך אינם עושין דמפקי לכולי שתא בשה״י פה״יNach den Gesetzen des Königs thun sie nicht,“ sie verbringen das ganze Jahr mit den Redensarten: Sabbat.11 ist heute, oder Pessach ist heute u. 8. w. פסח היו׳ פה״י, שבת היום שה״י Siehe Midr. zur obigen Stelle und Targum scheni. 3. ״Geflügelte Worte“, die sich nur in späteren talmndischen Kreisen gebildet habeu, deren Ursprung gänzlich unbekannt ist. Ich denke hierbei an folgende Sprüche: a)״ חוור חוור ואל תצטרך לבלורWiederhole, wiederhole uud du bedarfst nicht des Balsars“? Das Wort בלור führt ט״ו im Jore deah Cap. 114 Seif 10 1 ס״ק! an. — b) הכול תלוי במול אפילו ס״ת שבהיכל. Die Quelle ist mir auch hier ganz unbekannt. Der geistreiche Rabbi Meier Schiff דרוש פ׳ ואתח׳ fahrt den letzten Satz an und weist hierbei auf Erubin ם"ד hin. Dort heisst es nämlich Rabbi Papa sagt, wenn Jemand einen Fund macht, so soll er denselben zur Anschaffung einer ס״ת verwenden. Insofern ist es richtig, dass selbst eine ם"ת von מול abhängig ist. — c) למה נקרא שמו חויר שעתיד לחוור להיתרו *Warum heisst das Schwein Chasir? Weil es wieder erlaubt werden wird“ (von חזר wiederkehren, zurückkehren). In Midr. WajikraXIII heisst es: ״Wa״ rum wird Rom Chasir genannt? Weil es die Krone ihrem rechtmässigen Besitzer zurückgeben wird.“ Nur in Asara maamaroth מח״ה Perek 17 von Menachein Asarja di Fano findet sich obiger Satz. Siehe Albo Abth. III, Abschn. 16 und ילמדנו zu Ps. 146 V. 7 ה׳ מ״א. — d) Wir sagen bezugnehmend auf Spr. III V. 9: אל תקרא מהונך אלא מגרונך Eine solche Stelle existirt aber nicht, ln Kiduschin 31 führt Tosafoth den Jeruschalmi an מהונך כמו מחונך. Ungefähr dasselbe Raschi zur Stelle, ([)as in Klammer Stehende in Raschi scheint später eingeschoben zu sein.) Jalkut zur Stelle sagt: אם יש לך קול ערב כבדהו מגרונך■ Vielleicht kann man auch deu Spruch aus der ג״ו Kiduschin 30b entnehmen. Es würde dann ungefähr heissen: ״Eh־׳e Gott mit deiner Sprache.“ Dresden. M. Auerbach. Literaturbericht. Recensionen. KBI’AIKII ri’.VM.MATIKH yjvzi■/)Hz'.ia ■jzo r:1׳״j(wj 11*צ.׳?.י'»דל, ~ft- Ol/.OWO'!«;. Toij.l; ־pl'l■»;. ,Kv A:׳.'i'.7 1880. Eine hebräische Grammatik in griechischer Sprache ist gewiss eine Seltenheit und wir können nach Durchsicht derselben sagen eine erfreuliche Seltenheit. Neue Resultate werden nicht zu Tage gefördert, aber die Arbeiten eines Gesenius, Ewald und Böttcher werden benutzt und verwerthet. Die Sprache ist geradezu eine klassisrhe zu nennen. Die Einleitung (1ין<יוךזב.י;) erstreckt sich bis auf S. 19 und zerfällt in 7 Paragraphen, wovon der erste über den Namen und den Umfang der hebräischen Sprache handelt, der zweite Paragraph über die charakteristisehen Merkmale der semitischen Sprachen (p. 12—13). sj 3 behandelt das Verhältnis der semitischen Sprachen zu einander (p. 13—15), $ 4 über dos Hebräische als philologische Sprache (p. 15—16), § 5 über die Mundarten des Hebräischen, ü 6 Zeit der Abfassung der eiazelnen Bücher des Alten Testamentes, wo der Autor 3 Perioden unterscheidet, der 7. Paragraph endlich (p. 19—22) gibt eine kurze Geschichte des Studiums der hebräischen Grammatik. Mit p. 25 beginnt die eigentliche Grammatik. Das Alphabet, die Aussprache und Bedeutung der einzelnen Buchstaben wird bis auf Seite 30 behandelt. Interessant