Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 10 (1881)
- Issue
- No. 22. (1.6.1881)
- Date
- 1881-06-01
- Page
- Seite 86 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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86 — ihre Sinne zu befriedigen und achteten die Wollust für ihre höchste Gottheit .... Die Hebräer allein unter dem übrigen Menschengeschlechte gingen ihren besonderen Weg, hielten die Elemente und Sterne nicht für Götter, sondern für herrliche Werke Gottes und glaubten, dass ein einziges höchstes Wesen die Ordnung der Dinge( erhalte und die Welt regiere. Sie sahen, dass sie selbst aus zwei ungleichen Theilen, der Seele und dem Körper, bestehen, sorgten daher besonders für die erste als diejenige, welcher das göttliche Bild eingeprägt ist und widmeten sich mit allen Kräften des Geistes und Körpers dem Gotte, den sie erkannt hatten. Dadurch gefielen sie ihm wieder und er verlieh ihnen dafür seine unmittelbaren göttlichen Anleitungen, das Anschauen und die Gegenwart seiner selbst, und die Kraft der Weissagung künftiger Dinge. Daher kommen denn jene Bücher, die uns 80 angezogen. Es hat aber lange vor der jüdischen Religion fromme Hebräer gegeben, da ja erst Moses die Einrichtung des Gottesdienstes gemacht hat. Dieser Moses hingegen hat das Leben jener Alten, da er die Geschichte seines Volkes so gut als irgend einer kannte, beschrieben, und das gleichsam zum Eingang seiner Religionsgesetze gemacht. Da war ein Enoch, ein Noah u. 8 w. Was ihre Lehre betrifft, so fing Moses von der Grundwahrheit an, dass nur ein einziger Gott sei ... . Er lehrt uns den Menschen kennen; dass er eine geistige unkörperliche Natur bekommen habe, und dass der Mensch im Ebenbilde Gottes geschaffen sei ... . Man vergleiche alles, was die Griechen von Gott gelehrt haben mit dieser Lehre Mosis und der Hebräer und sage dann, wer von dem Schöpfer aller Dinge besser geurtheilt habe?“ .... (Fortsetzung folgt.) Das Coblenzer Memorbucli. Die jüdischen Gemeinden Deutschlands waren nicht allein durch die vielen Verfolgungen, welche sie erlitten hatten, angeregt worden, den Namen und die Thaten der zahlreichen aus ihnen hervorgegangenen Märtyrer, der Männer, welche in der Nacht des Mittelalters die Leuchte des Wissens getragen, sowie der seltenen Mensehen, welche trotz der Verachtung und des Druckes einflussreiche Stellungen und Verbindungen sich erworben und sie zu Nutz und Frommen der GeSammtheit verwerthet hatten, aufzuzeichnen, damit das Andenken der Gerechten zum Segen bleibe; zum doppelten Segen, den Hingeschiedenen ein ehrenvolles Gedenken, den Lebenden ein Muster und Vorbild, das zu gleichem Thun autrieb. Zu solchem Aufzeichnen der Namen drängte vielmehr schon der Gebrauch, an den Sabbathen vor Sehewuoth und vor Tischoh beaw ״zu meinem‘1, d. 11. der Dahingeschiedenen zu gedenken — wofür im Minhag Polen das Ilaskoras Neschomaus an 4 Festtagen tritt. Zu diesem gottesdienstlichen Zwecke haben denn selbst Filialgemeinden Abschriften von den älteren Muttergemeinden genommmen, wie mir das in Niederlahnstein befindliche als eine etwa 200 Jahr alte Abschrift des hiesigen sich gezeigt hat. Das der hiesigen Gemeinde gehörende Memorbucli ist auf Pergament geschrieben, zeigt natürlich eine ganze Reihe verschiedener Handschriften und,nennt als erste Jahreszahl 20. Theweth 5370 (1<516). — Nachdem nämlich 1580 den Juden das Geleit gekündigt worden war, wurden sie in derZeit bis 1592 aus dem churtrierisclien Gebiete ״ausgeschafft.“ Aber schon 1597 (18. November) gestattes Churfürst Johann v. Schonburg einer orientalisehen Handelsgesellschaft unter ihrem Generalconsul Magino Gabrieli Niederlassungen in Trier und Coblenz. Aus dieser den Welthandel betreibenden Colonie scheint sioli sofort eine Einbürgerung der Juden entwickelt zu haben, deren religiöser Mittelpunkt Frankfurt a. M. war (Erlass des Churfürsten Lothar vom 20. April 1002 bei Hontheim histor. III, 236). Und schon am 5. Januar 1618 erliess der genannte Churfürst eine ״Juden- Ordnung.“ Zwischen 1597 und 1616 also ist das hiesige Memorbuch angelegt worden, von dem das mir vorliegende eine im Adar I (die Jahreszahl ist nicht zu entziffern) von Salman Deutz gemachte Abschrift ist. Die erste Seite enthält die!יקום פורק und das Rosch Chodesch Benschen. Auf Seite 2 beginnt die Aufzählung der Namen mit der üblichen Formel יזכור, wovon die meisten sich in Jellinek’s ״Worms und Wien“ S. 7 ff. wiederfinden. Als Erste werden geuannt ein Rab Schloinoh und Frau (מרת) Rachel, welche den Friedhof in Mainz (מגענץ) gekauft, während Jellinek einen Mar Schmuei und Frau Rachel nennt, welche die Verfolgung von allen Gemeinden abgewehrt. 2) R. Jizchak (Jellin.: Jakob) und Frau Veil (ביל, Jell. בילא), die den Zoll von Coblenz haben aulhören machen. 3) gleich mit Jell. Rabbenu Gerschom, 4) Rabenu Schimeon hago• daul (J. bar Jizchak), 5) R. Schloinoh bar Jizchak, 6) R. Meier Schliach Zibbur, wegen der Lieder und Gesänge (J. später). S. 3. 7. R. Jacob Tarn (J. Jacob bar Meier). 8. R Schmuei bar Meier (J. nicht) weg seiner פירושים. 9. R. Chananel (J. nicht) ebenf. 10. R. Meier ben horaw Boruch wegen תשובותיו — J. mit Variante. 11. R. Perez wegen חידושיו (J. nicht). 12. R. Jakob ben R Mosche halevi (J. 8,2). S. 4. 13. R. Nafthali Sohn des R. Elieser — der Thora verbreitet — (J nicht) 14. R. Joseph Sohn des R Jecheskija Jehuda halevi — ebenf. — 15 Die heiligen Jünglinge (Märtyrer) R Meier bar Jacob und R Chajim bar Jehoschuah, die ihr Leben hingegeben wegen der Heiligung Gottes. (Ob die schon in Coblenz waren?) 16. R. Jacob bar Jehude (ודתיק), der Thora verbreitet in Israel. 17. Frau Riwka Tochter des It. Boruch, deren Mann 25 Gulden dem Hekdesch gegeben. Sodann folgt mit dem Arzte, rabbinisch gelehrten Vorsteher Saul Benjamin Valk die Reihe der Coblenzer, Uber die ich später zu berichten mir Vorbehalte. Die letzten 3 Blätter, die dem ersten gleichalterig sind, enthalten einen Jisskor der Gemeinden und Provinzen: Gott gedenke der Erschlagenen und Verbrannten der Gemeinden Augsburg (sollte von dort die Abschrift genommen sein?) und ihrer Filialen (,(וישוביהם טרי״כט (V), Ulm, Nördlingen,Nürnberg,Rothenburg, Winzheim (קהילת קודש), WUrzburg, Landshut, München, Regensbürg, Eger, Colmar, Mühlhausen, Nordhausen, Meideburg (Magdeburg), Hui, Hildsuin(Hildesheim?), Überlingen, Basel, Slrassburg, Heidelberg, Pforzheim, Speier, Worms, Mainz, Trier, Frankfurt, Fulda, Kassel, Soest, Dortmund, Xanten, אויעבורק ,נויטעגין (?) Loewen, Brüssel, Mecheln, Münster, Prag, ציונית (?) Neustadt, Wien, Markburg (Marburg), Salzburg, Passau. — Provinzen: Böhmen, Flandern (פלאנדא!, Mark, ללויוישלנד Holland, Brabant, Seeland, England, Osterland, Meissen, Sachsen, Thüringen, Oesterreich, Mähren, ßteiermark, Frankreich, Spa-