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Das jüdische Literaturblatt · 1881-05-25 · No. 21. (25.5.1881) · p. Seite 84

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
10 (1881)
Issue
No. 21. (25.5.1881)
Date
1881-05-25
Page
Seite 84 (sequence 4)
Language
German
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— 84 — — oft mein• als unsere kritische Ader zulässt — nachsichtig, aber man lese folgende kleine Auswahl von Versen und sage, ob sie nicht besser in der tiefsten Schublade des Schreibtisches hätten ruhen mögen: III. El. 7 11 8. Er beschweret mich mit ehr'nen Ketten, Kr verschliefet seinen Himmel den Gebeten!! 48. Wusser büche meinem müden Aug' entrinnen Ob des Unheils meiner Stanuuesgenossinnen! 51. Uebler spielt mir mit des Auges Tiiat (?) Als die Tochter alle meiner Vaterstadt. 52 11. 53. Wie dein Vogel stellen nach mir Weine Feinde ohne jede Ursacli, In die Grube zwängen sie mein Leben. Werfen Steine überall mir nach! II. Elegie 4, 5, 6, 8 enthalten die Reime: schüttet — wüthet, schleifen — häufen, verschmähte — Küthe, hüllt — Bild etc. 11 ist נשפך לארץ כבדי sehr geschmackvoll mit: Es verschüttet sich zur Erde meine Leber, übersetzt. Aus der letzten Elegie mögen zwei niedliche Verslein als Geschmacksprobe dienen: 4. Unser Wasser können wir Trinken nur für Geld, Unser Holz für hohen Preis Jeder nur von uns erhält! lt. In der Witte Zions Schwachen sie die Frauen, In den Städten Juda's Gleicher Weis' Jungfrauen!! Lindau im ,,Salon“ eifert gegen diejenigen, welche Salouion Schwarzschild in Frankfurt nicht als Dichter gelten lassen wollen, trotzdem er von Jost gesungen: ״Und parallel mit jenem Waisenhause Liegt er in kühler Erde eingescharrt" mit folgenden Worten: ״Wer das Schöne nicht auftassen kann, wie es gegeben ist, naiv und mit der vollen Glulh seiner Empfindung, der soll sich lieber parallel mit dem Waisenhause des verstotbenen J. RI. Jost begraben lassen.“ Wie wäre cs mit einem parallelen Begräbniss dieser metrischen Uebersetzung? Feilchenfeld, Dr. F., Landesrabbiner von Mecklenburg-Schwerin. Anleitung zum jüdischen Religionsunterricht. Für Schule und Haus. Breslau, Verlag von Wilhelm Kühner 1880. 84 S. 8. Eine ganz treffliche Anleitung für junge Lehrer in kleinen Gemeinden, was und wie sie lehren sollen. Für’s Haus dagegen scheint der Hr Verf. nicht geschrieben zu haben. Einer solchen Verwendung widerstrebt schon die didaktische Haltung auch der Form, das Alligiren von Gesetzesstellen, die nachgeschlagen werden sollen, sowie der Hauptzweck des Buches, dem Lehrer zu zeigen, wie viel bei wenigen Unterrichtsstunden sich leisten lässt, wenn der Stoff gut gesichtet und die Zeit uusgenutzt wird. Ueber das Einzelne zu sprechen, ist hier nicht der Ort. Hervorgehoben zu werden verdient die klare Darstellung, welche praktische Ziele erstrebende Gedankenarbeit zur Voraussetzung bat. Würde der Herr Verf seinen 2. Theil gleichzeitig ausgearbeitet haben, so hatte er bei systematischer Behandlung dem Lehrer gegeben, was der Schule — und den Eltern, was dem Hause Noth ihut. Dazu hätte eine Gruppirung des Gegebenen genügt, so etwa, dass die Winke an den Lehrer stets einen Anhang zu der Eauiilienbibel gebildet hätten. Wir sehen der baldigen Veröffentlichung des zweiten Theiles dieses sehr nützliehen Buches erwartungsvoll entgegen. L. N 0 t i z e d. Interesse ist. Dass Lessing das Sehach liebte und dass dieses geistvolle Spiel bis an das Ende seines Lebens zu seinen Lieblingszerstreungen gehörte, ist vielfach bczeugt; 60 schreibt namentlich Lessing’s Stiefsohn, der 1850 in Braunschweig verstorbene Vicarius Fr. König, in einem Briefe an den Lessingbiographen Gurauer: ״Eine Partie Schach gehörte zu seinen ( Lessing’s) Lieblingszerstreuiingen, und wie er sich in Wolffenbüttel mit seiuem kleinen buckligen Hausarzte Topp gern darin!nass, so waren cs in Berlin Moses Mendelssohn, in Hamburg vorzüglich Büsch, mit dem er überhaupt viel verkehrte, und Klopstock seine Mitspieler. Der Letztere gewährte ihm dabei den doppelten Genuss, dass er jedesmal zu aller Anwesenden Erheiterung sehr unangenehm werden konnte, wenn er eine Partie verlor.“ Mit Mendelssohn war er durch Dr. Gu rn per tz, nach Anderen durch einen Herrn Hess bekannt geworden, und als Dritter gesellte sich bald La vater hinzu. Es exisiirt ein Gemälde, auf welchem das Triumvirct abgebildet ist; fürwahr Alles berühmte Namen! Als Zeugnisse für Lessing's Zuneigung zum Schach sind aus seinen Schriften die Fabel ״Der Springer im Sehach“ und die Schuchscene im ״Nathan“ allgemein bekannt; daneben zeigen noch andere Stellen, dass er sich auch mit der Literatur und Theorie des Schachspiels beschäftigt haben müss. Die Schachscene iin ״Nathan“ verdankt nach Zelter’s Zeugniss (Briefwechsel mit Göthe) ihren Ursprung einem kleinen Ereignisse bei Mendelssohn, bei welchem noch zwei andere leidenschaftliche Schachspieler, Abram und Michel, handelnd auftraten. Zelter schreibt: ״ .... So kommt dieser verrückte Michel, wie man ihn nannte, zum alten Mendelssohn, der sitzt nun und spielt Schach mit dem alten Rechenmeister Abram. Michel siebt das Schach an Abram macht eine Bewegung mit der Rechten, um das Spiel als verloren umzuwerfen und erhält einen derben Schlag am Kopfe, dass ihm die lose Perrücke abfällt. Abrani hebt ruhig seine Perrücke auf und spricht: Aber, lieber Michel, wie hätte ich denn ziehen sollen? LessiDg hat den Vorfall im ״Nathan“ nachgebildet ... “ — Eine Reliquie, welche liier auch Erwähnung verdient, befindet sich noch heute in Braunschweig im Besitze des Herrn Oberbürgermeisters Topp, eines Enkels von dem schon genannten Lessing’schen Hausarzte Topp. Es ist ein uocli gut erhaltenes Schachbrett resp. Schachtisch; letzterer hat die Form eines Nähtisches, welcher sich durch aufzuschlagende Seitenklappen vergrössern lässt; auf einer dieser Klappen steht der Name J. G. E. Lessing, Wolfenbüttel. Das Schachspiel ist aus Holz in leichter, nicht gerade schöner Form gedrechselt und wird in einer gleichfalls gedrechselten Büchse aufbewahrt. 2) Professor V i r c h 0 w veröffentlicht in der neuesteil Nummer seines ״Archivs“ eine interessante Zuschrift des Dr. John Wortabet, Arzt am St. Johannes-Hospital in Beyrut, über den Ausbruch einer vou diesem beobachteten grossen Tricbinen-Epideinie an den Jordanquellen in dein Dorfe El-Khiam, welche unzweifelhaft auf den Genuss eines einzigen Wildschweines zuriickzufUhren Bei sämmtlichen Dorfbewohnern, welche davon war. 1) Leasing als Schachspieler. Ueber die Be- Ziehungen des grossen deutschen Classikers zum Schachspiel veröffentlicht A. Fehr zu Hraunschweig in dem Aprilhelt der ״Deuti-cheii Scliuchzeitung ‘ eine kleine Studie, welche auch für Nichtschachspieler von hohem gegessen hatten, traten in der driitcn bis vierten Woche darauf die Symptome der Trichinös« ein, und zwar erkrankten 124 Männer, 103 Frauen und 35 Kinder, im Ganzen 2<>2 Personen, von denen nur 6 starben. Dazu bemerkt Professor Virchow, dass auch schon in Deutschland beim Wildschwein Trichinen aufgefunden wurden, dass jedoch das hier zum ersten Male constatirce Vorkommen dieses Parasiten im Orient für die Culturgeschichte von grossem Interesse sei, weil dadurch in die mosaischen Speisegesetze nunmehr ihre positive Begründung finden. Verantwortlicher Redaeteur Dr. Rahmer in Magdeburg. Druck von H Horbach in Barby. Verlag von Robert Friese in Leipzig.

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