Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 10 (1881)
- Issue
- No. 20. (18.5.1881)
- Date
- 1881-05-18
- Page
- Seite 79 (sequence 3)
- Language
- German
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tar des Rabbi Mose ben Scheschetb ‘) veröffentlichte, erfreut nun die gelehrte 'Veit mit einer eingehenden Studie über die Zeiten in der hebräischen Sprache. Da das Hebräische, wie bekannt, im Grunde nur zwei Zeitformen besitzt, so hat die Frage den Grammatiker stes lebhaft beschäftigt, in welcher Weise der Hebräer diesem Mangel an modi wohl abgeholfen hat. Driver ist mit den Forschungen der deutschen Fachmänner sowie mit denen seiner Landsleute sehr wohl vertraut und hat überdies den Vortheil. vergleiehender Sprachforscher zu sein. Allerdings ist dies in einer Monographie über Zeitformen im Hebrüisehen etwas zu viel gezeigt worden, aber da es auch so manche dunkle Partie aufhellt, wollen wir ihm dafür Dank wissen. Es wäre aber höchst verdienstvoll, eine wirklich vergleichende Grammatik z. B der hebräischen und griechischen Sprache zu schreiben. Für die 2 im Hebräischen gegenwärtig üblichen Zeitformen behält Driver mit Recht die Benennungen perfectum und im perfect um bei,’) gegen Bötteher, der in seinem ״Ausführ]. Lehrbuch der hebräischen Sprache“ das im perfectum als fiens ״das werdende“ bezeichnet, An die Besprechung der etymologischen Zusammensetzung der 3. Person des Imperfectums schliesst sich die sehr schwer zu entscheidende Frage über die Priorität des Substanliv’s oder des Verbum’s. Wir selbst haben in dem ersten Hefte unserer Etudes altaiques, Genöre 1875, Georges, libraire ausführlicher darüber gehandelt und wollen hier nur bemerken, dass im ursprünglichen Zustande eine Scheidewand zwischen Substantiv und Yerlium nicht bestand und erst nach und nach der Unterschied sich herausstellte, da unserer Ansicht nach jedes Substantiv ein Abstractum ist, insofern es nicht auf Th ätigkei t, sondern auf das Resultat der dem Zeitwort nöthigen Thätigkeit beruht, und in sofern schreibe ich dem Verbum die Priorität vor dem Suhsiantivuin zu, weil das Verbum dem iu der Krystallisation begriffenen Minerale gleicht, das Substantivem aber schon das Krystall selbst ist; das Substrat zu beiden aber bietet die W u r z e I. Das 2. Gapitel handelt über das alleinstehende Perfectum (pg. 15—31) und zeigt die verschiedenen Arten, in welchen das reine Perfectum gebraucht wird. Vergleiche zwischen den Verbis stativis, wie sie Bötteher nennt, z. B ״ בטחvertrauen“ (also Praesenzbedeutung) mit griechischem «wx«. ׳.;׳>; sind ganz lehrreich. Unentschieden lässt der Verfasser die ף Der Titel des Werkes!nutet: פירוש על ירמיהו ויחזקאל טרבי משה בן ששת הוציא לאור מכ״י אוקספארד שמואל רולס דריבר A. u. ü. T.t A eommentarv npon the books 01' Jeremiali and Eze• quiel by Mosche beu Sheslietli edited fron» a bodleiau Ms. witli a traust ation and notes bv S. K. Driver. Williams and Norgate 1871. Wir führen noch aus einem besonderen Grunde den Rabbi Moscheh bei! Sclieselietli an. Im 6. Bunde seiner Geschichte d. Juden,Note 1, p. 3ii erwähnt Grütz den Kabbenu Sclieselietli ben Benveniste, uml setzt dessen Geburtsjahr 1131 Hierzu würde auch vortrefflich stimmen, wen״ wir den R. Moscheh bar Sehescheth als Sohn des eben iu Frage stehenden Rabben u Sch escheth ben Benveniste annehmen. Driver setzt in der Einleitung p. IV die Blüthezeit Moscheh bar Schescheth's von 1190—1200. War nun dessen Vnterj wie Grätz annimiiit, 1131 geboren, so Jconuto sein Sohn um 1190—1200 ganz wohl in der Vollkruft seines Schaffens stellen. Es wäre dadurch auch neues Licln auf Moscheh bei! Sclieselietli geworfen. Audi Charizi in seinem Tuchkeiuoni erwähnt R. Mosclieii bar Scliescbeth iin 1s maküra gegen Ende mit den Worten: (aus Spanien)ור׳ משה בר ששת ההלך שטר מארצנו הדריך בני עדינה בדרך השיה אול־ ירפא מהם כל מכאוב וכל ציד נ) Auf Seite 1, Anmerkung 1 bemerkt Driver: Perfect und i Imperfect dürfe nicht in dem Sinne des deutschen Vergangenheit und Mitvergungenheit gebraucht werden, sondern in idem Sinne einer abgeschlossenen oder noch nicht abge- 18ch 1 o88e 11 e 11 Handlung. (These words are of course employed lm 1'leir etymological ineaning, as signifying complete and i ni'omplete; the must limited to the special sense» tliey liave ■acquired in Greek and Latin grammar ) Frage, ob das Hebräische eine preeative Perfeetforni hat. Das 3. Capitel handelt von dem Gebrauche des Imperfectum (p 32—57). (Es wird überall darauf Rücksicht genommen, wie die betreffende Zeit im Englischeu ausgedrückt wird, und dies ist nur zu loben) Da das Material sich auf das ganze alte Testament erstreckt, so findet man manche treffliche Uebersetzung und Schrifterklärung. Hier wird treffend zwischen den» Imperfect und Participium unterschieden, das Imperfect bezeichnet immer einen Fortschritt in der Handlung (p. 41), das Participium hingegen eine fortdauernde Handlung. Das Imperfectum vervielfältigt eine Handlung, das Participium verlängert sie. (Thus white the imp. multiplies an action, the participle prolongs it.) Seite 50 wird die sprachliche Erklärung der Worte אהיה אשר אהיה zu geben versucht; man vergleiche die vorzügliche Auseinandersetzung dieser Worte in Dr. D. Rosin’s musterhafter Monographie über R. Samuel beu Meir als Schrifterklärer (p. 100, 101). Ueberhaupt ist es zu bedauern, dass Driver die Arbeiten jüdischer Grammatiker ganz ausser Acht lässt; Ibn Ganach’s Grammatik hätte ihm über 80 manchen dunklen Punkt Aufklärung verschafft, und Munk's Notice sur Abou’lwalid Mervan ibn Ganach hätte doch wohl berücksichtigt werden müssen. (Schluss folgt.) Zederbauni, A. משלח מנות בעד החיים אל המתים. st. Petersburg 5041. (Als Extrabeilage des ״Hameliz“) Die Signatur unserer Zeit ist die Auflehnung gegen jederlei Glauben an Unfehlbarkeit Man kann sich noch so orthodox geberden, diesem Zuge der Zeit kann man sich nicht entziehen und hierin linden wir die Erklärung für die in Nr 16 der ״Isr. Wochenschrift“ hervorgehobene Inconsequenz der orthodoxen ״Jüd. Presse“, des Hildesheimei’schen Leibblattes, einen דין des ש״ע, der auf Mischna und Gemara beruht, mit ״schreckliche U nsi tte“ zu bezeichnen. Zur Entschuldigung diene, dass diese gerechte Bezeichnung jenes schauderhaften schneilen Begrabens vermeintlicher Leichen nicht geistiges Eigenthum des gen. Blattes ist, sondern die Uebersetzungvon מנהג לא צדק und אמונה תפלה aus der uns vorliegenden hebr. Broschüre. Nur hätte das orthod. Bl. so ehrlich sein müssen, zu sagen, dass es seine diesbezüglichen Leitartikel, resp. die Hauptmotive derselben, der Z.’schen Broschüre entlehne. Für die Bewohner des Westens ist ja jene Frage in ritueller Beziehung durch Mendelssohn’s lichtvolle Auseinandersetzungen und in praktischer Beziehung durch das Landesgesetz längst entschieden, für die Bewohner des Ostens, für welche noch immer die vor die Nase des Verblichenen gelegte unglückselige Feder, falls sie sich nicht bewegt, das Signal zum schnellsten Begräbniss des noch lebenswarmen Körpers abgiebt, ist die Frage leider noch eine brennende. Auch das russische Landesgesetz verbietet diese mörderische Eile; um aber eine angebliche UebertreUing einer לא תעשה ZU verhindern, wird der Rubel iu Bewegung gesetzt, und der — vermag Alles. In formvollendeter Sprache versucht es nun Z., den gesunden Menschenverstand in jenen betreffenden Stellen der Mischna und Gemara zu retten, was einfach dadurch geschieht, dass man iu כל המלין את מתו und in allen gleichlautenden Stellen מת als ״wirkliche“, nach wissenschaftlicher Erlahrung wirkliche Le iche auffasst. Nach dem Stunde unserer Wissenschaft gilt aber nur Verwesung als ujitrügliches Zeichen eingetretenen Todes, und ehe diese nicht constatirt ist, kann man nur von ספק מת sprechen, und hierauf beziehen sich die allegirten Stellen nicht. Die Unfehlbarkeit des החם סופר und des Jacob Emden, die dem unglückseligen Federzeichen und der schreckliehen Unsitte dos Wort reden, bleibt freilich der ״Jüd,