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Das jüdische Literaturblatt · 1881-05-18 · No. 20. (18.5.1881) · p. Seite 78

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
10 (1881)
Issue
No. 20. (18.5.1881)
Date
1881-05-18
Page
Seite 78 (sequence 2)
Language
German
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die Beschuldigung in Schutz, dass sie sich beiin Auszug aus Aegypten fremdes Gut angeeignet: ״Ebesowenig“ — sagt er — .,bedeutet der Einwurf, dass Gott die Israeliten mit den von den Aegyptern geraubten Gütern versehen hätte. Auch jetzt, wenn wir es recht betrachten, haben wir Häuser, Kleider und Gefässe von den Heiden.Die Aegypter waren den Israeliten nicht blos um anderer Dinge, sondern auch um Joseph's willen ihr Leben schuldig.Die Israeliten hatten den sauersten Dienst bei dem grössten Undank. Das ist ein geringer Lohn, den sie davon trugen, im Verhältniss zu den Reichthiimern, die sie hätten ewerben können, wenn sie nicht als Sklaven hätten dienen müssen. Ueberhaupt gebührt es uns nicht, dasjenige, worüber die Schrift selbst die allen Väter bestraft hat, wieder h e r v 0 r z 11 h 01 e n und dem Cham darin n ächzu ahmen; was aber die Schrift selbst nicht ahndet, sondern blos erzählt, darüber muss man nicht als Ankläger losziehen.Es bleibt also dabei. wie auch der Presbyter behauptet hat, dass derselbe Gott Urheber beider Testamente sei.“*) (Iren. Lib. IV e. 21—113.) (Fortsetzung folgt.) Die Schriften Raschi’». III. Wenn man Raschi's Schreibweise genau und sorgfällig betrachtet, tindet inan, da<s er wie jeder bedeutende Schriftsteller, seine eigene Sprache, seine eigene Term i ti o 10 g i e sozusagen, hat; wenn wir auch anerkennen müssen, dass vieles der talmudischen Literatur, sowie dem Midrasch, in welchen Gebieten Raschi’s Geist lebte und webte und woran er mit jeder Faser seines Geistes hing, entlehnt ist. Aus diesem ihm eigenthUinlichen Stil lässt sich mit zieml ich er Gewiss 11 eit schliessen, welche Schriften Raschi zugeschrieben werden dürfen und welche nicht. Dies ist der erste und wichtigste Anhaltspunkt zur Beurtheilung der Echtheit r׳n1 Rnschi’s Schriften. Ein zweiter, bis imrhcr uurcluius nicht gewürdigter Anhaltspunkt ist die Untersuchung des von Raschi לע״ז genannten Idioms, das bei Raschi bekanntermussen in gleicher Weise das romanische (altfranzösische und provenculischc) wie das germanische Idiom bezeichnet.1) Was nur. die Kenntniss des germanischen Idioms *) Nachtrag xu Note 2 io Nr 18. ״Dass wir aber den Kopf eines Esels anbeten“ — sagt Tertullian Apol. l•'« — ״ist eine Tränloerei. welche Cornelius Tacitus aiisgeheckt hat. Er berichtet in seiner Geschichte, dass die Juden dergleichen gethun haben .... datier hat mau geschlossen und geglaubt, wir haben auch dieses von den Juden angenommen. Aber eben der lügenhafte Tacitus sagt docli wieder, Pompejus, als er Jerusalem eingenommen und in den T empel gekommen, habe da kein Bild linden können . . . Neulioh hat einer ein neues Bild von unserem Gott zeigen wollen. Er brachte ein Gemälde hervor mit der Uebersclirift: Dens Christiunontm Oi onvcliites. Diese Figur hatte Eselsohren, uu dem einen Fusse eine Klane, ein Buch haltend, mit einem langen Reck angethun“ (is erat imrilms nsininis, altero pede ungnlatus, lilirum gestans et togutns). ') Wenn wir auch zugeben müssen, dass Raschi's Schreibweise stellenweise gemischt d. 11. dass er Ausdrücke wie לצחצוח הלשון dem Menuchom ben Jacob (ihn Saruk) entlehnt, so erkennt man trotzdem die Eigenheiten des Ruschi'schen Stils. Wir glauben, dass Raschi deshalb für das französische und germanische Element das Wort לע״ן wählte, weil seine Zuhörer betrifft, so können wir durcliaus nicht der Meinung von Zunz beipflichten, der aus den wenigen bei Raschi angeführten Wörtern deutschen Ursprunges auf eine geringe Kenntniss der deutschen Sprache von Seiten Raschi's mit Recht schliessen zu dürfen glaubt. Die Erscheinung, dass Raschi so wenig deutsche Wörter anführt, dürfte vielmehr einfach aus der Tliatsaclie erklärt werden, dass die Mehrzahl der Hörer Raschi’s ohne Zweifel Franzosen waren und Raschi deshalb viel häufiger das Französische zur Erklärung verwandte als das Deutsche.1) Näber werden wir hierüber, wie über die Weite und Tiefe der sprachlichen Kenntnisse Raschi’s in einem besonderen Capitel spiechen, da Zunz Raschi’s sprachliche Kenntnisse, Fertigkeiten und grammatische Anschauungen viel zu niedrig und primitiv ennahm, wenn wir auch zugestehen, dass Raschi als theoretischer Grammatiker (als Autor in der Grammatik) nicht bezeichnet werden darf und auch sonst als Grammatiker nicht hervorragend war. Wir wollen nun die von Raschi zugeslandenermassen abgefassten Schriften anführen und zwar werden wir dabei sachlich und chronologisch vorzugeben suchen, soweit dies bei dein bedanernswerthen Mangel an biographischen Unten über Raschi möglich ist. Schon Zunz (a. a. 0. p. 323 ff.) hat nachgewiesen, dass Raschi nicht ununterbrochen oder der Reihe nach gearbeitet bat, denn Raschi ist in zwei Traktaten zugleich und zwar in der Mitte derselben (Baba Bathra und Makkotli) stehen geblieben.*) (Forts folgt.; Literaturbericht. Recensionen. A treutise on theu se of the lenses in Hehre<v and some 0111er syntnctical ipiestions by S. R. Driver M. A. Fellow of New College. Oxford. Second edition revised and enlarged. Oxford at the Clarendon Press 1880. Driver, dessen Herausgabe von Ibn Esrn’s Commentar zu den Sprüchen Salornonis wir im Literaturblatt Nr. 3 und 4 besprochen haben, und der bereits im Jahre 1871 einen bis dahin unbekannten Commenfast ausschliesslich aus Frankreich und Deutschland waren; vvährend Raschi für das Slavisclie bekanntlich den dem Mittelalter eigenen Ausdruck לשון כנען (siehe Literaturblutt*) 1880 Nr. 34; und fiir das Griechische und Lateinische die speciellen Ausdrücke לשון יון und לשון רוכי anwanlte. Aus Cod. 104, l n. II der Breslauer Seuiiiiarbibliotliek ersah ich. dass das fremdländische Wort oft gänzlich weggclassen, bald wiederum merklich verändert war, wa9 aller Wahrscheinlichkeit nach auf den Copiaten zurückzufiihren ist. Es finden sich aber nicht nur, wie Zunz a. a. 0. p. 327 bemerkt, italienische und prove1>1;uliscl1e, sondern auch unzweideutig: spanis! he Wörter, ganz besonders in den Comnientareu, die Raschi /!!geschrieben weiden, von Jirmijahu ab. Jj Gelegentlich sei bemerkt, dass Ruschi an manchen Stellen das deutsche und das französische Wort gleichzeitig aufUhrl, ■so 1. Kün. ü, 8 zum Worte וכלולים• Allerdings ist es möglich, dass das eine oder andere Wort von einem späteren Copisten eingefügt wurde. »1 Diese Tkatsache dürfte daraus erklärt werden, dass Raschi zu seinen tiilmudischeii Vorträgen sich gewissenhaft und eingehend vorbereitete, ohne jedoch ursprünglich den Commeiitur sc 11 r i ft I i c 11 ubz11fus9en. Die bisemestrale Eintheilung des Jahres, wo in jedem Hulbjahre ein neuer Stoff bearbeitet wurde, war walirscliciulieh auch bei Raschi üblich, und da mochte es wohl komuleii, dass 2 Tractute eben in der Mitte unterbrochen werden mussten, und Raschi dieselben, als er zur schriftlichen Abfassung, zum קונטרס, schritt, nicht mehr sei bst vollenden konnte Dass aber auch hierfür, d. 11. für die von Raschi nicht erklärten Stellen dieser beiden Tractute (Baba Bathra und Maccoth) der Grundstock Raschi gehört, davon später. ») Es liegt bei um no«h eine Erwiderung des Hrn. Robb. Dr. Dankowitz auf jenen Art, die wir demnächst bringen werden. (Red.)

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