Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 10 (1881)
- Issue
- No. 20. (18.5.1881)
- Date
- 1881-05-18
- Page
- Seite 80 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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8U — Presse־‘ zu reiten übcrlusscu. Mit einer geradezu ver*!lichtenden Satire schildert Z. die Geschäftigkeit der beutelustigen unwissenden CI1ebra!e1te, denen die Ent• Scheidung über!.eben und Tod anheimgegeben ist, und mit Kcrlit trugt er die Rabbinen, ob sie, die einen ש!חט Gis in die Nieren hinpinprül'eii, schon einmal einen ',קבר in Bezug auf seine Erfahrung und Kenntnisse geprüft haben, einer! jener חוטפי גשמית אשר בידם נמסרו כל חי בישראל וטפיהם אני מתיםwie Z. sich unnachahmlich geisireich ausdrückr. Ein Moment aber, welches Z. in dieser höchst lesenswerlhen Schrift berührt, ist auch für uns noch von dem grössten Interesse. In vielen deutsehen Gemeinden existirt noch als Residuum ehcmaligen Unverstandes die Sitte des schnellen sogenannten ״Abhebens■1. Die vermeintliche Leiche, die aber im Scheintode noch Leben bergen kann, wird auf den kalten Fussboden gelegt, schwarz zugedeckt, die Fenster werden geöffnet, Zugluft entstellt und leicht ist es möglieh, dass hierdurch erst der schwach glimmende Lebensfunke erstickt wird. In den Gemeinden meines Wirkungskreises habe ich das nirgends in den Codices| verbindlich gebotene Abheben gänzlich abgeschafft. Zuerst wird das Antlitz des Verblichenen mit einem leichten Schleier verhüllt, nach 5—6 Stunden werden die wärmenden Rettstücke entfernt und eine schwarze Decke über das Lager ausgebreitet, auf welchem der Verstorbene bis zur טהרה und Einsargung verbleibt. Jeder Einsichtige wird mein Verfahren billigen und sich nicht von מנהגים oder דיגים des מעבר יבוק irre führen lassen, da wo es das heiligste, alle Gesetze und Gebote über den Haufen werfende Interesse von פיקוח נפש gilt. Eine Uebersetzung •!er Z.'schen Broschüre ins Deutsche, der freilich der Zauber des Witzes und der hehr. Sprachschönheiten abgehen würden, bliebe noch immer ein nützliches und aufkliirendes Beginnen. Caro-Erfurt Coup il'oeil sur l’histoire du peuplejuif par James Darmcsteter. Paris, librairie nouveile, Boulevard des Italiens 15. 1881. 21 S. 8, 1 Frank. Nicht ״Blick auf die Geschichte“, sondern ״Testament des jüdischen Volkes“ wäre der passende Titel dieser Broschüre. Denn, nachdem auf 5 Seiten auf den reichen Inhalt der jüdischen Geschichte in begeisterter Weise hingewiesen und auf die Wechselbeziehungen zwischen ihr und den äyyptisehen, assyrischen und phönizischen Forschungen aufmerksam gemacht worden ist, wird der gespannte und gefesselte Leser in dem 2. Abschnitte sofort enttäuscht, mit einem kalten Sturzbade übergossen durch die Mode gewordene, aber darum noch immer nicht wissenschaftliche Geschichte der Ent- Wickelung des jüdischen Gottes aus dem Heidenthuine zum nationalen Elohim und sodann zum Jehova des Deknlogs. Wohin diese Methode, welche die Geschichte als weiche Wachsmasse behandelt, der sie beliebige Contouren verleiht, und damit den Geist der Forscher zum Ausdruck bringen lässt, führt, das lehrt die Umdeutung der beiden Ideen des Judenthums ״der Gotteseinheit und des Messiasgedankens'* in ״die Einheit der Kräfte und den Glauben an den Fortschritt.“ Ebensowenig dürfte die Weise behagen, in welcher über andere Religionen ubgeurtheilt wird. Das Woikenkuckuksheim, in welches das Judenthum versetzt wird, lässt Ireilich weiteres Erstaunen nicht zu. Abgesehen von diesen beiden, allzu geistreichen Punkten bietet die Schrift eine geistvolle (Jauserie über den Gang der jüdischen Geschichte und die Weise, wie alle grossen Phasen der Weltgeschichte sich in ihr wiederspiegeln. L Buber, M. Die Erziehung des Menschengeschlechtes zum Bewusstsein der Freiheit. Vortrag gehalten in ה* ס Lemberg am 12. Februar 1881 im Vereinslokale des -Sehomer Israel.■1 15 S. 8. Der Vortrag hat sicherlich sehr gefallen, denn er hat ganz hübsche Gedanken und regt zum Denken an. Wie er ge d 1• u e k t vorliegt, da zeigt sich dem Leser, dass die Cnntinuität der Gedankenfolge nicht überall eine zwingende ist, und dass dem Schwunghaften doch auch manches Triviale beigemischt sei. Der Derasch z. B.: ״ עושה חדשות בעל מלחמותder Neuerungen anstrebt, hat stets Kämpfe zu bestehen1־ ist ein schönes *Wörtchen“, aber nicht jedes gespiochene Wort ist druckreif. Moses, Is. S., Rabbiner in Milwaukee. Zwei Reden gehalten ain Neu jahrsfeste und Versöhnungstage im Tempel der Gemeinde *Emanu-El“ 187!*. 20 S. 8. Besonders die realistischen Partieen sind sehr gut ausgeführt. ״Mancher dünkt sich reich und es ist doch nichts dahinter“ erscheint lebensvoller als: ״Mancher scheint arm und hat doch grossen Werth.“ Auch in: ״die Mittel zur Versöhnung“ sind die Schilderungen aus dem Leben köstlich. ״Was ist Gottesfurcht“ wird weniger klar, weil ihm diese Beispiele fehlen. Im Ganzen werden ki äftige Gedanken in ansprechender Form geboten. L. An die Judenverfolger! Zur Entgegnung auf das Buch ,,Israel und die Gojim“ von A. v 0 n Sc hl ei nitz. Berlin, Sluhr'sehe Buchhandlung. 1881. Sehr gut gemeint und klar gesprochen. Doch dass nicht ein einziger neuer Gedanke in dem ganzen Büchlein ist, das zeigt, die Sache ist genug und übergenug besprochen worden. Wer durch Vernunftgründe zu überzeugen ist, kann mit dem vorhandenen Material befriedigt werden. Jedem Schreier — und zur Herberge eines solchen sind die ״Grenzboten“ (wahrscheinlich um ihren Begründer Kuranda bei seinem Jubiläum zu ehren) herabgesunken, das zeigt der schöne Titel — aber zu antworten, ist zu viel. Hunde muss man bellen lassen! Um so mehr verdient Hr v. Sch. Dank, dass er solche Gesellschaft mit seiner Bekämpfung ehrt. L. Notiz. Zu der in Nr. 16 gebrachten Notiz, betr. den von mir herauszugebenden Tanchuma habe ich Folgendes zur Richtigstellung zu bemerken: Vom Tanchuma oder vom Jelamdenu — wie manche Schriftsteller dieses Werk benennen — gibt es eigentlich, wie ich dies bereits im ״üamagid“ Nr 4 bemerkt habe, 3 Editionen und zwar: 1) die eine vollständige, die dem Verf. des Aruch ganz, dagegen aber dem Verfasser des Marich nur hi den Abschnitten ואתחנן und עקב Vorgelegen. Dieser vollständige Jelamdenu ist leider in Verlust gerathen und nirgends mehr vortindlich. חבל על דאבדין ולא 2 .משתכחין־) Der allgemein bekannte, im Druck erschienene Tanchuma, welcher aber eine viel spätere Edition ist, worin viele Stellen aus jenem Tanchuma, der nur im Manuscript vorliegt, Vorkommen, nebst vielen Zuthaten und Auslassungen, wie ich im oben erwähnten Hamagid ausführlicher bemerkte. 3) Der als Manuscript mir vorliegende Tanchuma, welcher mir durch die Güte des k. k. österr Cultusminisieriums aus der Bibliothek in Oxford zugeschickt, und auch eine Copie aus der Bibliothek des Vatikan verfertigt wurde. Auch sind mir von der Oxforder Bibliothek noch 2 Hand- Schriften zugekommen und erwarte ausserdem 2 Hand- Schriften aus Oxford und eine aus der Parmaer Bibliothek, wie auch eine Copie von der Münchner Bibliothek, welches Material ich behufs Erzielung einer gesichteten Ausgabe des Tanchuma benützen werde, zu welcher ich auch kritische Bemerkungen und Erklärungen, sowie eine ausführliche Einleitung geben werde. S. Buber. Feieiilworüicher Redacleiir Dr. Rahmer in Magdeburg. Druck voo H Hörbuch in Burby. Verlag von Robert Friese in Leipzig.