Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 10 (1881)
- Issue
- No. 19. (11.5.1881)
- Date
- 1881-05-11
- Page
- Seite 74 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 74 — wird. Es ist unbeschreiblich, wie erfreulich, wie angenehm und wohlgefällig es uns gewesen ist, dass ihr einen sc sprechenden Beweis eurer religösen Gesinnung gegeben habt.Deswegen dürfte eure Stadt mit vollem Rechte ein Silz und eine Wohnung der unsterblichen Götter genannt werden. Es weisen wenigstens viele Zeichen deutlich darauf hin, dass sie durch den Besuch der himmlischen Götter blüht. Und nun siehe, da diese eure Stadt, welche Alles, woran ihr irgendwie hätte gelegen sein sollen, vernachlässigt und die vormals üblichen Gebete für ihre Angelegenheiten bei Seite gesetzt hatte, bemerkte, dass die Anhänger jener ver* fluchten Thorheit sich wiederum allmählich zu verbreiten und gleich einem vernachlässigten, erloschenen Scheiterhaufen bei neuem Aufleben des Eeuerbrandes in die grösste Flamme auszubrechen anfangen, so hat sie alsbald ohne alles Zaudern ihre Zuflucht zu unserer (!Ute, als dem Hort aller Frömmigkeit, genommen und um Heilung und Hilfe gebeten. Dass euch diesen heilbringenden Gedanken wegen eurer aufrichtigen Frömmigkeit die Götter selbst eingegeben haben, ist offenbar. Demnach hat also jener höchste und grösste Zeus selbst, der eurer berühmten Stadt vorsieht, der eure vaterländischen Götter, Weiber, Kinder, Heerd und Haus wider gleiches Verderben schüt/.t, euren Seelen diesen heilsamen Einfluss eingehaucht, indem er euch offen: barte und zeigte, wie trefflich, wie herrlich und heilbringend es ist, der Anbetung und den Opfern der unsterblichen Götter mit der schuldigen Verehrung sich zu nahen. Denn wer könnte so sinnlos oder alles Ver- Standes so völlig haar sein, dass er nicht einsehen sollten dass es eine Wirkung der liebevollen Sorge der Götter ist, dass weder die Erde, den ihr an vertrauten Samen verweigert und die Hoffnung des I/andntannes mit leerer Erwartung täuscht, noch das ein ruchloser Krieg ungehindert seinen Schauplatz auf Erden aufschlägt, bei verpesteier Luft die Körper durch den Tod hinweggerafft werden, noch dass sich durch das Wehen gewaltiger Stürme das Meer mit hohen Wogen aufthürmt, noch dass ferner die Allernährerin und Allmutter Erde von ihren untersten Klüften aus mit fürchterlichem Beben sich aufreisst, noch auch dass die auf ihr befindlichen Berge durch entstehende Schlünde versenkt werden. Dass alle diese und noch andere Unfälle früher häufig sich ereignet haben, ist Jedermann bekannt. Und dieses Alles ist wegen des verderblichen Wahnes der grundlosen Thorheit jener ruchlosen Menschen geschehen, als dieser ihre Seelen beherrschte und fast die ganze Welt mit Schmach bedeckte.. . Möchten sie doch in den weiten Ebenen die blühenden Saaten sehen, wie sie mit ihren Aehrcn Wellen werfen, die Wiesen, wie sie durch fruchtbaren Hegen mit Pflanzen und Bäu• men geschmückt sind, und die Luft, wie sie wieder sanft und milde geworden ist. Alle sollen sich ferner darüber freuen, dass durch eure Frömmigkeit, durch eure Opfer und den Gottesdienst die Macht des so starken und so gewaltigen Mars gemildert ist und sollen vergnügt darüber sein, dass sie deswegen eines heitern Friedens ir. Sicherheit und Ruhe gemessen können. Und alle Diejenigen, welche jenen blinden Irrthnm und Abweg gänzlich verlassen haben und zur richtigen und gesunden Einsicht wieder zurückgekehrt sind, mögen sich noch mehr freuen, dass sie. so zu sagen, ven einem unerwarteten Sturme oder einer gefährlichen Krankheit befreit worden sind und sich einen angenehmen Lebens• genuss für die Zukunft bereitet haben. Wenn sie aber bei ihrer verfluchten Thorheit verharren wollen, so sollen sie, wie ihr verlangt habt, von eurer Stadt und eurer Umgegend verbannt und ferner gehalten werden, damit auf diese Weise eure Stadt gemäss euren lobenswürdigen Bemühungen in dieser Beziehung von jeder Befleckung und Gottlosigkeit befreit werde und nach ihrer angeerbten Neigung mit der schuldigen Verehrung die Opfer der unsterblichen Götter besorge.“ (Forts, f.) Literaturbericht. Recensioiien. Wuensche, Dr. August. Bibliotheca Rabbiniea. Der Midrasch Schir Hasclnriin (0. und 7. Lieferung) in’s Deutsche übersetzt. Leipzig 1880. Otto Schulze. 208 S. 8°. Ueber die Licht- und Schattenseiten der W.'sehen Midraschübcrsetzung haben wir uns schon des Oefteren in den Spalten des Literaturblattes ausgesprochen. Wir haben stets betonen können, dass die \ orzüge bei Weitem die Mängel überwiegen und dass in den aufeinander folgenden Lieferungen ein stetiger Fortschritt wahrzimehmen sei. Wir freuen uns, über die vorliegende, die Uebersetzung des Midrasch Schir Haschirim abschliesende Arbeit ein gleiches Urtheil fallen zu können. Die vorangeschickte, kurz gefasste Einleitung enthält zwar nicht selbständige Ansichten des Uebersetzers, würdigt aber gebührend T11 e 0 d 0 r’s recht beachtenswerthe Auslassungen über Zusammensetzung, Ent- Stellung, Anlage und Werth des hier in Rede stehenden Midrasch (ef Graetz, Monatsschrift, Jahrgang 28 S. 337 ff.) Eine in’s Einzelne gehende Besprechung unter Hinweis auf gravirende Uebersetzungsfehler erübrigt sich hier, weil die vorliegende Arbeit bereits sehr eingehend revidirt und von Dr. J. Fürst sehr sorgfältig in den Schlussnoten berichtigt worden ist. Wir haben dieseu trefflichen Noten nur wenig hinzuzufügen — pg. :צ ונמצאו ענזדץ heisst hier nicht: ,sie fänden sich stehen d“, sondern: ״sie standen oder befanden sich schliesslich in Jerusalem“, pg. 6: אנחנו לא נובלים• Diese Worte enthalten nicht, wie ם"כ u. Uebersetz. wollen, eine Frage. Sie besagen: wir sollten es doch wenigstens ihnen gleich thun u. 8. w. Sinn: diejenigen, welche Dünger und Heu fortschafften, hatten ihn beschämt, denn sie gingen früher an ihre Arbeit, pg. 12: לאדקולץ בן הדימה. Hier liest W. לארקולין דדידומה und denkt an das Orakel in Didyma. Lindermann vermuthet eine Corruptel und croendirt: לאסקולין מן הריסה vß•1■׳״ «ip*«״;!״einer aus der Schule der Häresie “ pg 24: כביכול אני בשכחה heisst: auch ich werde (gleichsam) zu vergessen suchen, pg. 28: איחה דמפקץ תרועה וכ׳ heisst nicht: Manche geben dem Jubel Ausdruck durch Hüpfen, sondern: Manche lassen תרועה weg und nennen statt dessen דיצה. pg. 65: תפלה ist hier prägnant von den 18 Eulogien zu verstehen, pg. 70: התלמוד ,das Lernen*, besser ״das Forsehen“, ,die Theorie* im Gegensätze zu מעשה, Praxis.