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Das jüdische Literaturblatt · 1881-04-27 · No. 17. (27.4.1881) · p. Seite 66

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
10 (1881)
Issue
No. 17. (27.4.1881)
Date
1881-04-27
Page
Seite 66 (sequence 2)
Language
German
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liehen Stelle zahlreiche Belege aus dem N. T. angeführt, schliesst er: ״Dies mögen sich jene merken, die immerfort nur vom guten Gott im Neuen Testament sprechen. Es findet sich hier dieselbe Strenge wie im Alten Testamente.4־ Im 4 Buch der genannten Schrift (cap. 1) sagt er: ״Die Welt hat schon viele Gesetzgeber gehabt, welche ohne Frage ihren Gesetzen gern allseitige Verbreitung verschaffen wollten, was aber keinem gelungen. \ iele hingegen haben die Lehre Mosis und Christi aus allen Völkern zu ihrem äusserlichen grossen Nachtheil angenommen, welches durch bloss menschliche Kräfte nicht hätte geschehen können. Die lange vorher von Christi gegebenen Weissagungen sind genau an ihm erfüllt worden.Daraus schliessen wir mit Recht auf die göttliche Eingebung der Schrift, die von Christo zeugt. Ja durch ihn ist erst die Wahrheit und Göttlichkeit der prophetischen Zeugnisse und des Mosaischen Gesetzes erwiesen worden, obwohl man schon aus der blossen Lectüre der Propheten den göttlichen Geist herausfühlt, der aus ihnen spricht.“ (Forts, folgt.) Der Carneval von Buda. Lieber die Belagerung von Buda (Ofen) kommt in dem in Nr. 11 besprochenen Kohn’schen Buche*! folgende sehr interessante Erzählung vor, welche wir in treuer deutscher Uebersetzung hier wiedergfben wollen: ״Isak Chajim Koen Cantarini stammte aus einer angesehenen jüdisch-italienischen Familie, war a!9 Talmud-Gelehrter und Arzt in Padua gleich berühmt und starb daselbst 1728 in seinem 95. Lebensjahre. Unter Anderm gab er auch ein hebräisches Werk: ״Isak’s Furcht“ heraus, welches 1685 in Amsterdam erschien. Er erzählt darin als Augenzeuge, in welch grosser Gefahr die jüdische Gemeinde in Padua schwebte, als Buda 1684 von den Kaiserlichen belagert wurde. Als Grund de׳• V.׳rr0'g<1ngen diente die Nachricht, dass die Juden von Buda die Festung gegen die christlichen Belagerer vertheidigen halfen. Koen Cantarini’s Buch ist in einer wortspielreichen gekünsteltenSprache geschrieben, welche schwer zu übersetzen ist; das Buch enthält übrigens sehr viele, auf die Belagerung Ofens bezügliche höchst interessante Daten und schildert nicht nur die Spannung Europa’s in Bezug auf das Schicksal Buda’s, sondern auch die Aufregung der gesammten Christenheit über den hartnäckigen und geflissentlich übertriebenen Widerstand der Ofener Juden. Cantarini schreibt: ״Es war im Jahre 1684, als der Herzog von Lothringen, Feldherr Leopold von Oesterreich, seine Heere zusammenzog. Sie fielen in Ungarn ein und marschirten bis Pest, welches sie ohne Blutvergiessen einnabmen, da der Türke die Stadt verlassen und die Brücke hinter sich verbrannt hatte. Hierauf setzten die Kaiserlichen um 16 Juli über die Donau und umzingelten die hohe Burg Ofen. Zahlreiche Couriere brachten die Nachricht hievon nach Italien, wo das Volk, und selbst die Kundigjn daran glaubten, dass der Kaiser in kürzester Zeit Buda mit allen seinen Schätzen erobern werde.“ ״Damals — schreibt der hebräische Verfasser — knüpften sich an den Namen Buda sehr viele Lügen, *) Heber kntforrüsok (!8 adatok Magyarorszug törtdneühiez. (Jtldisi'lie Quellen und Beitrüge zur Geschichte der Ungarn.) Von abbiner Dr. Sam. Kohn. Budapest, Zilahy'8 Verlagsbuckkdlg. welche den Zweck hatten, die Juden zu Grunde zu riehten. Padua huldigte damals Venedig; seine wohlhabende Judengemeinde wohnte in einem besonderen Stadtthei! — Ghetto — und zwischen ihr und der dortigen Christliehen Bevölkerung entstand bald durch Brodneid eine grosse Verbitterung, welche namentlich durch die Schneider geschürt wurde, da die Juden nicht nur alte sondern auch neue Kleider handelten. Und dieser Judenhass benützte die Belagerung von Ofen, um ncch mehr gegen die Juden zu hetzen.“ ״Zu dieser Zeit wurden — schreibt Cantarini weiter — von lügnerischen Lippen falsche Nachrichten verbreitet. Es ging das Geiicht, dass in Ofen 30,000 Juden wohnen, welche kämpffähig seien und mit vereinten Kräften die Belagerer zurückwerfen könnten. Böswillige Leute sprachen dann überlrieben von den grossen Schätzen der Ofener Juden, von ihrer Masse gediegenen Silbers, von ihren Hundert tausenden von Dukaten. Damit war es aber noch nicht genug; der Judenhass wuchs immer höher, als die Briefe rasch auf eit.ander folgten, in welchen erzählt wurde, dass christliche Kiiegsgefaneme auf jüdisches Commando über die Klinge springen mussten.“ ״Die Bevölkerung von Padua glaubte Alles, weil sie es glauben wollte. Bei der Schwäche der Behörden waren nun die Juden allerlei Vexationen und Angriffen ausgesetzt. Am 20, August kam eine Nachricht von dem Fall Buda’s nach Padua und die Bevölkerung rief freudig: ״Buda ist gefallen! Das ist der Tag, den wir erwarteten! Buda ist gefallen, diesen Tag gab uns Gott, um uns zu freuen. Ueberfallen wir die Juden, greifen wir Jakob’s Haus an, welches voll ist mit Gold und Juwelen!“ ״Dus Geschrei einer Dirne, dass die Juden ihr Kind umgebracht hätten, w%rf den Feuerbrand in die gährenden Gemüiher. Am 20. August wurde das Ghetto gestürmt, die Thoie mit Hellebarden erbrochen, Geschütze in den Strusssen abgefeuert und Brandlegungen versucht; im letzten Augenblicke retteten die Behörden die Judenschaft vor dem Verderben.“ Diese Vorfälle werden von Cantarini mit allen Details erzählt. Aber die Nachricht von dem Falle Buda’s war falsch. Es kamen neue Berichte vom Kriegsschauplätze, welche folgendermassen lauteten: ״Das Ende ist gekommen, ist schon du. Die Kaiserlichen haben Mir.en gelegt und die Festungsmauer» zerstört. Bald ist auch die Stadt unser. Die Besatzung hat Kriegsrath gehalten und es wurde gerufen: ״Alles vergebens! Buda ist gefallen! Retten wir unser Leben!“ Und zwei Pascha's beschlossen schon, die Festung zu übergeben. Aber die Juden, diese Bösewich'er, haben unsere Feinde verstockt, gemacht und mit viel Gold und Silber ihren Widerstand bestärkt. Nur durch die Juden ist unser Herzenswunsch, unsere Hoffnung vereitelt worden.“ Andere Berichte lauten ähnlich, duss die Janitscharen von den Juden bestochen worden wären, und dass der Widerstand nur auf jüdische Rechnung fortgesetzt würde. Cantarini schreibt 11. A. um die Wichtigkeit Bnda’s zu illustriren: ״Nach der Autoritüt der Schrif!steiler hat Europa nur drei Vorzugsweise berühmte Städte: die Perle des Meeres: Venedig; die Perle der Ebene: Florenz und diu Perle der Festuugen: Buda.“ Es dauerte lange, bis all die falschen und übertriebenen Gerüchte, welche über die Juden in Ofen circulirten, auf ihren wahren Werth reducirt wurden. Das meiste Verdienst erwarb sich darum der berühmte Kapuziner Marco d'Aviano, dessen aufklärender und beschwichtigender Brief vom l.Ootober noch heute im Archiv der jüdischen Gemeinde zu Padua liegt. Auch I der edle Graf Conrad von Zaccho trug viel zur Auf-

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