Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 10 (1881)
- Issue
- No. 15 und 16. (13.4.1881)
- Date
- 1881-04-13
- Page
- Seite 62 (sequence 6)
- Language
- German
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62 finit dem Heiligthume). Cohanim und Lewijim ist eine zu der Zeit völlig identische Bezeichnung. Diese Levitenfamilien errangen allmählich die Oberhand, sodass sie das ausschliessliche Vorrecht hatten, den Priesterdienst zu verrichten. Sie hatten verschiedene Aemter und Rangstufen und bekamen als Abgaben den Zehnten, die Erstlinge, die Auslösungen, die Erstgeborenen des Viehes, Opferstücke, Kriegsbeute und freiwillige Geldspenden. Dieser Zustand war der gesetzliche, dauerte bis Chiskijahu und ist in dem 2. Buch Mosis (Ex. 20 —24) dargestellt. Die Abfassung dieses pentateuchischen Stückes fallt in den Anfang der Königszeit. Mit König Chiskijahu beginnt die Centralisirung des Cultus im jerusalemischen Tempel und die Aufhebung der Höhen Dies war eben eine Reform, die sich auf kein mosaisches Gesetz berufen konnte und den levitischen Landklerus brotlos machte. Deshalb wurde die Reform unter Manasse wieder vernichtet. Um Sie aber als mosaisch zu erweisen und den Landklerus zu beruhigen, verfasste ein Prophet zur Zeit Manasseh’s den grössten Theil des Deuteronomiums und stellte seine Gedanken als mosaische dar. Unter der Regierung Josijahu’s wurde dieses Buch angeblich als gefundenes vom Hohenpriester Chilkijahu übergeben und der König führte infolge dessen die centralisirende Reform durch, um allen Götzendienst zu verhüten Das Volk folgte dem Könige bereitwillig, weil es die Reform nunmehr für mosaisch hielt. Die zadokischen Priester Hessen aber die Leviten nicht mehr zum Opferdienst im Tempel zu, sodass diese die Wiederherstellung des Höhenaltares wünschten und nach dem Tode des Königs Josiuhu auch durchsetzten. So blieb es bis zum Untergange des ersten Tempels. Im Exile sannen die Frommen darüber nach, wie einst der neue Cultus eingerichtet werden sollte. Aus diesem Sinnen heraus entwarf der Prophet Jecheskel seinen Organisationsplan. Er sclieidet die Priester zadokischen Stammes nunmehr streng von den Leviten, bestraft diese für ihren Höhencultus mit demilthiger Unterordnung, ordnet die Abgaben' an die Priester, die Feste und Opfer. Man hatte im Exil eingesehen, dass das Opfer nicht entbehrt werden konnte. Obwohl die Propheten gegen das Opferwesen früher gekämpft hatten und die Thora, auf welche sich die Priester als mosaische sinaitische Offenbarung beriefen, verwarfen, so suchten sie doch jetzt eine Concession zu machen. Man brauchte eine Cultusordnung. Nach dem Vorbilde der von Jecheskel entworfenen und auf Grund der früheren Thora der Priester wurde der Priestercodex vet fasst. Der Verfasser ging so weit, dass er diese neue Priesterordnung nicht nur als sinaitische Offenbarung, sondern als die cultuello Praxis der Wüsten- Wanderung darstellte; er verfuhr in Bezug auf den gesetzlichen Theil eompilatorisch, in Bezug auf den erzählenden selbständig, erdichtete die Persönlichkeit Ahrons und ihre Beziehungen 7,u Moses; er gehörte vermullilich dem Schülerkreisc Jecheskels an. Die letzte redaclionelle Arbeit vollzog der letzte im erstenJahrhnndert nach dem Kxile lebende Redactenr, welcher die Praxis seinerZe.it als die darznstellen versuchte, welche in Mose’s Zeiten gewesen sei. Nach einer längeren Erörterung über die von Kritikern angenommene sogenannte Grundschrift verwirft der Verf. überhaupt die Existenz einer solchen und resumirt dann als Ilauptepochen der Coinpo&iiiou des Pentateuchs: 1) die elohistische Erzählung (isr. Ur- Sprungs), 2) die jhwhistische Erzählung als Ueberarbeitung der ersteren, 3) das Deuteronomium, 4) die nachdeuieronomisebe Redaction, welche das Deuteronomium mit der Urgeschichte verband, 5) der Priestercodex, 6) die letzte Reduction unter Esra. In einem Schlusswort verwahrt sich der Verfasser gegen den Einwand, als halte er die verschiedenen pentateuchischen Verfasser als Fälscher. Sie hätten, ohne za wissen und zn wollen, aus ihrem Innern und aus der Umgebung die Geschichte •dargestellt; die Wünsche, die sie auf dem Herzen hatten, die Reformen, die sie einführen wollten, glaubten sie als in jenem Zeitalter, in dem Moses lebte, als factisch vorhanden, und so tendenziöse Geschichte zn schreiben, war der ״ausgesprochene und ausschliessliche“ Zweck der israelitischen Geschichtsschreibung. Ihm erscheint im Judenthum «in Kampf des Prophetenthums gegen das Priesterthum; dieses habe sich, obwohl zweimal besiegt, doch immer wieder erhoben, einmal als historische Realität, das zweite Mal als Hoffnung einerseits und Symbolik andererseits. Weiter setzten diesen Kampf Pharisäer und Sadduzäer, Rabbaniten und Karäer fort, später übernahmen die prophetische Mission die Religionsphilosophen, welche gegen die grobsinnliche Gottesvorstellung ankämpften, jetzt — sind die Reformer die Propheten, welche gegen die einengenden Sehranken der Codilicatoren sich erhoben. Er (Maybanm) stehe auf der prophetischen Seite und betrachte diesen Stand« punkt als einen von Gott gewollten. — So ist die Meinung des Verf. Den eigentlichen Mittelpunkt, bildet die Rehauptung von der nachexilischen Abfassung des Leviticus, sie ist die Ansicht des christlichen Gelehrten Graf Trotz einiger Verschiedenheiten, ist somit die Hauptansicht des Verfassers keine neue. Neu ist nur, dass leider ein ״Breslauer* zu solchem Standpunkte sich bekennt Dass der Verfasser mit dieser seiner Arbeit nicht nur in die Fusstapfen Geiger’s getreten ist, sondern diesen an ״Freisinnigkeit“ noch weit überholt hat, zeigt er deutlich und unverhohlen. Sehen wir uns nun einmal seine Beweise für seine radikale Kritik an. Verfasser hehauptet in seiner Darstellung der ״vordeuteronoinischen“ Zeit d h der Zeit vor König Josiahu, dass der Höhendienst ohne den Priesterstand im Anfang und mit einem Lcvitenstaud später die gesetzliche Einrichtung gewesen war, d h. die vom heiligen Religionsgesetz selbst gewollte, und die Cultusstätte erst ein Zelt, dann ein Haus, also ואהל dann משכן, und später ביח war. Kr beruft sich auf Stell§n, die sich, wie Jos. 17,1, 1 Kön. 8,4, 2. Sam. 7,6, auf Sil oh, auf die Davidsstadt, auf das Stiftszelt und den Ort, an dem die Lade stand, beziehen. Das ist aber kein Beweis, dass auch auf den Höhen טשכו ,אהל oder 'בית ה waren. Das Höhencultusstätten da waren, ist noch nie bestritten worden, dies z1׳ beweisen war u n n ö t h i g. Dass jede Siadt ihre Gultusstätte hatte, das heisst einen Höhenaltar, oder einen Opferaltar, ist ebenso bekannt gewesen. Hätte der Verfasser auch die Erörterungen des Talmuds nicht zu besprechen unterlassen, so würde er sogar der Cultnsstätten auf den Dächern gedacht haben (Sebach. II 7a). Dass in der Zeit der Höhen auch die Levitenstädte Cultusstädte waren, ist zweifellos richtig; dass der unvorsätzliche Mörder an jeder Opferstätte ein Asyl fand, will Vf. dadurch beweisen, dass er zeigt, dass alle Levitenstädte Asylstätten waren und Adonijah und Joab nach dem Jhwh - Zelte in Jerusalem, David aber nach Ramah llüciitete. Das beweist nur, dass die Levitenstädte, das Centralzelt und der Altar, an dem Samuel beständig opferte, das Asylrecht batten. Von dem Tempel zu Ramah ist. es ausserdem noch zweifelhaft, da David dort keinen Schutz fand, sondern weiter (liehen musste. Hätte der Verfasser die Stelle in Maecoth 12a nachgesehen. so hätte er sich vor diesem Irrthum hüten können, den Joab beging, und den Irrthum vermeiden, den der — Geist Edoms sich zu Schulden kommen lässt. Die-