Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 10 (1881)
- Issue
- No. 15 und 16. (13.4.1881)
- Date
- 1881-04-13
- Page
- Seite 61 (sequence 5)
- Language
- German
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״Astarle“ etc. wurde im Christenthum das Vorbild des Muttergottes- und des Mariendienstes. Mit Absicht wird auch bei dieser die JungtVauenschaft hervorgehoben, während bei ihrem heidnischen Vorbilde die Hingebung derselben typisch war. Denn das ganze Heidenthum mit seiner Vergöttlichung und seiner Verehrung der schöpferischen Naturkräfte stellt im Gegensatze zum Juden- und Christenlhum mit deren Anfordernngen an die Sittlichkeit. Daraus erklärt sich, dass unsere Brode (Franzbrödchen) heute noch die heidnisrhe Form haben uud init einem Schnitte zur Dar- * Stellung der weiblichen Genitalien versehen sind. Unsere grösseren Brode heissen ״Leib“ und stellen auch heute noch einen ״Leib mit einem Nabel in der Mitte“ dar. (Die Schreibweise ״Laib“ dient nur zur orthographischen Unterscheidung, wie ״Beet“ eingentlich das ״Bett“ der Blumen.) Nun verstehen wir auch den Sinn des h&lachischen Verbots von פת נכרי und יפת כותי denn dieses hatte heidnisch-götzendienerische Beziehungen, wie "!יין נם, Neben den כונים für die Himmelskönigin werden ja auch gleichzeitig die נסכים für die Heidengötzen erwähnt, welche, wie der Prophet sagt, zum Aergernisse Gottes (למען הכעיסני) bei Israel Eingang gefunden hatten. In gleichem Sinne ist darum auch wohl eine besondere Form für die jüdischen Brode (geflochtene Sabbatbrode) vorgeschrieben und üblich geworden, obwohl hierfür in der Regel ein halachischer Grund tradirt wird. 3) יין נסך. Das Verbot von יין נסך hat eine ähnliehe Begründung wie יפת נכרי nämlich in dem heidnischen Naturgottesdien8te und dessen unzüchtigen Cultus. Jeremias Capitel 7 Vers 18 spricht von beiden. Jeremias erwähnt neben dem heidnischen Brodcultus auch des götzendienerischen Weinopfers. Denn אלהים אחרים sind än jener Stelle nicht ״andere Götter“ im Allgemeinen, sondern speciell ein bestimmter Götze, der Bacchus mit seinem Weincultus, der unter verschiedenen Namen auftritt, aber sich darin überall gleicht, dass er von mit Wein aufgeregten und berauschten Männern und Frauen (Bacchanten) durch wüsie, unsittliche und unzüchtige Orgien gefeiert wird. נסכים sind also nicht heidnische Wein-Libationen überhaupt, sondern der im Dienste des unzüchtigen, sexuellen Bacchus-Cultus verbeuchte Wein. Daraus entwickelte sich das Verbot des Genusses von יין נסך, des Genusses von dem für heidnischen Cultus bestimmten und geweihten Wein. Das Gesetz gesteht zwar zu, dass Bacchanalien in unserer Zeit nicht mehr Vorkommen, abrr man sucht den Grund für das Verbot des Genusses von fremdem Brod und Wein immer noch in der Verhütung fremden sexueilen Umgangs und seil st ehelicher Verbindungen, der Mischehen חתנותן), wozu die TheiInahme an gemeinsamen Mahlzeiten, besonders aber der gemeinsame Genuss berauschenden Weines nur gar zu leicht Veranlassung geben könnte. Das Fernhalten von den Mahlzeiten der fremden, nichtjüdischen Völker, welche in der hellenistischen Periode oft geradezu heidnische Opfermahlzeiten waren, und die Mehrung und Steigerung der trennenden Speisevorschriften, hatte in diesen Rücksichten zumeist Grund und Entstehung, mit der Absicht, die Scheidewand zwischen Juden und Heiden recht hoch zu ziehen. Da, wo die angedeutelen Befürchtungen nicht zu hegen waren, oder wo der Genuss des verbotenen Weines allein oder in jüdischer Gesellschalt vorkam, liess man deshalb Erleichterungen zu. 4) Das goldene Kalb Nr. 12 d. Bl. enthält einen Einwand gegen meine Erklärung von עגל durch Hinweisung uuf Psalm 100, 20, wo ausdrücklich עגל als ״ שור א״עGras fressender Stier“ bezeichnet sei. Eine solche Erklärung in diesem Psalm hat nicht mehr Gewicht, als die gleichartige Auffassung der alten Ueber- Setzungen und Targumim, als die ganze frühere Tradition. Ausserdem gehört dieser Psalm der späteren makkabäischen Periode an, einer Zeit, wo schon der Text anstössiger Bibelstellen und unliebsamer Ausdrücke abgeändert war und wurde, wo richtige Erklärungen und Deutungen auch schon vergessen und verwischt waren. Zu diesen Ausdrücken •gehörte auch wohl עגל dessen frühere Punctation vielleicht noch deutlicher auf dem rund-spitzen, kegelförmigen Phallus hinwies. Vielleicht lautete das Wort früher עגיל oder עגול und wurde dann mit Absicht oder irrthümlich in עגל (Kalb) umgeändert. Interessant ist auch die Wortähnlichkeit und die verwandtschaftliche Bedeutung von עגל und שגל, dessen starke Obscönität Veranlassung gab, dieses Wort mit שכב zu vertauschen. Uebrigeus wurde ja auch der Stier (Apis) nur des Phallus wegen, oder an dem Stier nur der Phallus, das Zeugungsglied, verehrt, so dass in jenem Psalm תבנית שור nicht zu deuten wäre als das Bild eines Stiers, sondern das Bild (Sinnbild) von einem Stier. In אוכל עשב liegt auch wohl die Andeutung, dass es eigentlich ein lebender, Gras fressender Stier hätte sein müssen, wenn man in wirklicher Nachahmung des ägyptischen Apis einen Stier zur Verehrung hinge8telit hätte; hier war es nur das verehrte Sinnbild, die Abbildung (תבנית) eines Phallus (עגל) von einem Stier, wie dieses auch bei den Aegypterti nicht in Wirklichkeit, sondern nur in künstlicher Nachahmung aufgestellt wurde. Für die Deutung des מפלצת als Phallus sprechen auch die in der redaktionellen Anmerkung bezeichueten Stellen: Vulgata zu 1. Kön. 15,13 (Priapus uni Abod S 44, a (מין וכרות). Gleichzeitig wird auch an dieser Talmudstelle der mosaische Schlangeneuhus (נחש נחשת) auf sexuellen Missbrauch gedeutet, und die Umänderung des Textes in 2) נחשתן. Kön. 18,4) weist ausdrücklich hierauf hin, wie das Targum zu Ezech. 16,36 und 24,11 beweist (Geiger Urschrift etc S. 343). Dass dieser Sexual-Dienst vorhanden war, beweist übrigens auch die Bezeichnung des Abfalls zum Heidenthum und die Ausübung des heidnischen Cultus mit זנות •וגה. Literaturbericht. BeccBsione■. Maybaum, Dr. S. Die Entwickelung des altisraelitischen Priesterthums. Ein Beitrag zur Kritik der mittleren Bücher des Pentateuchs. Breslau, Verlag von Wilhelm Koebner. 1880. In dieser Schrift, welche bestimmt war, den Standpunkt des Verfassers in religiöser Hinsicht zu kennzeichnen, versucht derselbe zu erweisen, dass das altisraelitische Priesterthum eine Entwickelung durchgemacht habe, von der einzelne pentateuch.ische Abschnitte sowie das Buch des Propheten Jecheskel bis in die Zeit des zweiten Tempels, d. h bis in die nachexilische Zeit Zeugniss nblegen. Seiner Darstellung gemäss war der israelitische Cultus in Palästina anfänglieh ein Opferdienst auf einzelnen Anhöhen; solche Cultussiätfen waren zugleich Asyle, an ihnen opferte jeder Beliebige. Feste gab es nur drei, einen Priester- oder Levitenstand oder Levitenslamm gab es nicht. Die Opferstätte selbst, war Anfangs überall nur ein Altar, später ein Zelt, dann ein Haus, eine Centralcultusstätte war nicht vorhanden. Nach und nach entwickelte sich eine Priesterschaft aus den Familien, in denen die Besorgung des Cultusdienstes Geschlechter hindurch ausgeübt worden war. Diesen Familien erdichtete die spätere Zeit gemeinsame Ahnen wie Ahron oder Levi. Sie hiessen alle Leviten d. h. ״Verbundene“