Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 10 (1881)
- Issue
- No. 15 und 16. (13.4.1881)
- Date
- 1881-04-13
- Page
- Seite 63 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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— 63 — 8er letztere Drasch ist für die Sache sei bt recht treffend und witzig. (Fortsetzung folgt.) Mayer, Sigmund. Einleitung in die Gesetz• gebung und die Medicin des Thalmuds von Dr. Israel Michael Rabbinowicz. Aus dem Fran* zösischen übersetzt. Trier 1881. Fr. Lintz'sche Buchdruckerei. Selbstverlag des Verfassers. Paris Nr 63. Der Wunsch, dass das treffliche Werk von Dr. J M. Rabbinowicz über den Talmud und seine Gesetzgebung in’8 Deutsche übertragen werde, ist durch die uneigennützige Liebe zur jüdischen Wissenschaft recht schnell theilweise erfüllt worden. Die interessanten Introductionen, welche einen Ueberblick über die geistige Bewegung des Talmuds in reichem Masse bieten, sind von gewandter Hand übertragen worden und bilden einen für unsere Zeit sehr schätzenswerthen Beitrag zur Abwehr der talmndfeindlichen Angriffe, welche das deutsche Judenthum erfährt. Die Uebersetzung liest sich glatt und geläufig, nur wenige Härten hemmen hie und da und es ist zu hoffen, dass sie in den Kreisen gebildeter Deutschen als eine willkommene Handhabe zur Aufklärung der Tagesfrage begrüsst werden wird. Die weiteste Verbreitung ist dieser Schrift zu verschaffen, und der Gemeindebund zu Leipzig wie das Lazarus- Comitd zu Berlin werden sich freuen können, mit Verbreitung dieser Schrift der Humanitätsidee und der Wahrheit einen Dienst zu leisten. Wohl uns, dass wir noch Männer besitzen, die fern von Berufsgelehrsamkeit ihre Mussezeit vom Geschäfte nicht flüchtigen Vergnügungen sondern einer heiligen Sache widmen. Möge Herr Mayer fortfahren und das ganze R.’sche Werk übersetzen; es ist dies eine würdige Fortsetzung der sehr lehrreichen Arbeit seines seligen Vaters, die eine Fundgrube jüdischen Wissens ist und eine Aufhellung desselben durch vergleichende Rechtswissenschaft angebahnt hat. K. Levi ben Gerson, philosophe, astronome et mddecin, ndä Bagnols en 1288, mort ä Perpignan vers 1370 par Leon Aldgre. Extrait des Notices biographiques du Gard (Canton de Bagnols). Bagnols, Auguste Baile, libraire-dditeur, 3 Place St. Jean. 1880. Levi ben Gerson, unter dem Namen R ALB AG bei den Juden bekannt, berühmt durch sein Buch Milchainot Haschen! (״Die Kriege Gottes‘1) wird hier von einem Einwohner der Geburtsstadt liebevoll behandelt. Wenn auch der Arbeit kein selbstständiger wissenschaftlicher Werth zuerkannt werden darf,’ so ist es immerhin verdienstlich von Herrn Leon Aldgre, seinen Landsleuten das Lebensbild eines Mannes, wie ר׳ל׳ב׳ג es war, zu entrollen. Grundlegend für diese Arbeit waren Munk's mdlanges de Philosophie juive et arabe und eine Schrift des Grandrabbin zu Colmar, des Ilm. Isidor Weil Dr. M. G. Raiichinann, Leo. Religiöse Scheidewände Ein Wink in der Judenbewegung. Zürich 1881. Verlags- Magazin. 32 S kl. 8. Es hiesse die Geduld unserer Leser ermüden, wollte der Don Quixote dem Sancho Pansa einen offenen Brief schreiben und ihm erklären, wie der Ritter von der traurigen Gestalt trotz alledem noch von einer Idee geleitet wird, indess seine Carrikatur nur von wegen der guten Verpflegung seine Bocksprünge macht. Dieser neueste Bocksprung tanzt nach dem alten Liede: Wir machen uns ein Judenthum zurecht, wie's uns gefällt, gehen nicht allein mit dem Talmud, sondern auch mit der Bibel um nach dem Recepte: Und der König absolut — Wenn er uns den Willen thutl natürlich Abschaffung der Speisegesetze (der preussische Staat hat bekanntlich Centralgefängnisse, in denen die jüd Gefangenen koschere Kost erhalten!), Mischehen und Verlegung des Sabbaths auf den Sonntag, dann ist das Judenthum gerettet und Rauchmann kann wieder von einer Kanzel seine Religion und was er Sittlichkeit;und Anstand nennt, lehren Werdet freireligiös, das ist ja euer Ziel, und schändet den Namen ״Jude‘1 nicht. L. Notizen. 1) In Nr. 13 d. Bl. Seite 52 identificirt Herr Dr. Lewin das in den Ostländern übliche ״Chamball“ mit Chamaur= Esel. Das ist nicht richtig. Vielleicht gleichzeitig und an demselben Orte schlug dieses Wort zuerst an unser Beider Ohr in der Wendung ״Chamball mit der ledernen Flinte“, das Missverhältnis zwischen Wollen und Können, zwischen grossem Gebahren und kläglichem Erfolge etc. ausdrückend. Chamball ist aber nichts Anderes als H a n n i b a I, die Personifikation des grössten Heldenthums, lächerlich gemacht durch das unwirksame Geschoss, eine lederne Flinte Im Munde der Slaven verdichtet sich jedes h in ch und so erging es dem alten Hannibal, der ja schon ursprünglich חנן בעל geheissen hat. Caro-Erfurt. 2) Unter dem Titel: ,,le monde isradlite“ soll demnächst in Paris ein biograph. Dictionnaire erscheinen, welches alle Juden aufzählt, die in der Literatur, den Wissenschafj teil, Künsten, in Handel und Industrie, in der Verwaltung, als Beamte oder Offiziere etc hervorragend waren oder zum Ruhme Frankreichs beigetragen haben. Das von Nichtjuden redigirte Werk soll 1500 Blätter in gr. 8 für 30 Frcs geben. Der Prospect betont es, dass die Juden nicht als Race, sondern allein als religiöse Secte aufgefasst werden. 3) Wer sich gern mit der Geschichte der Grammatik beschäftigt, den dürfte es interessiren, dass Herr Diakonu9 Dr. Nestle in Münsingea (Württemb.), einer der tüchtigsten Orientalisten, die erste von einem Christen verfasste hebr. Grammatik, die derselbe während seines mehrjährigen Aufenthalts in England im British Museum aufgefunden hat, herausgegeben hat. Die Grammatik ist von Konrad Pellican in Tübingen 1501 geschrieben und 1504 in Strassburg gedruckt worden. Das Büchlein ist seines Inhalts und auch seiner Ausstattung wegen (ganz in der Weise des 16. Jahrhunderts) sehr interessant. 4) Herr S. B u b e r ist zur Zeit mit Herausgabe des Tanchuma beschäftigt Er hat mehrere Manuscripte aus Oxford und hofft 2 aus dem Vatican und 1 aus Parma zu erhalten Die Ueberzeugung hat sich in ihm gefestigt, dass der Tanchuma weder der gedruckt vorliegende, noch der Jelamdenu ist. Die Ansicht des Maarich ist im Allgemeinen die richtige: Es giebt 3 Tanchuma: 1) den Jelamdenu, der dem Baal he-Aruch Vorgelegen und der verloren ist, 2) den in Oxford und Rom befindlichen, der von dem Ordner des gedruckten benutzt worden ist, und 3) den Tanchuma, von dem auch die Manuscripte nur einen Auszug bilden; von diesem hat Herr B. bisher nur ואתחנן und עקב gefunden! 5) Die Bemerkung 2 meiner Notiz im ״Literbl.“ Nr. 12 bedarf einer kleinen Ergänzung. S. 48a letzte Zeile muss es heissen: ״so bedurfte Sam. durchaus nicht ,,bei“ seinen Patienten die Ernennung zum Arzte aus dem Buche Adanes zu entnehmen. ח״י ist mit ,,ein Weiser wird er genannt werden“ (nicht: sollst Du) zu übersetzen. M, A uerbach• Dresden